Frühlingsboten

Hoch auf Südwinds leichten Schwingen
flogen Kranich, Storch ins Land,
konnten uns die Kunde bringen,
dass den Frühling sie erkannt,
der nun bald ist hier zurück,
uns beschenkt mit Blütenglück.

Schneeglöckchen und Krokus sprießen,
auch die Wiese zeigt ihr Grün,
und der Bach darf gluckern, fließen,
mag jetzt eisfrei talwärts zieh’n.
Lieblich in den Lüften klingt
der Amsel Lied, das schön sie singt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Frühlingsanfang

Heut strahlt der Tag im Sonnenglück,
schenkt Wärme zur Genüge.
Kalender sagt, Lenz sei zurück;
und das ist keine Lüge!

Ganz keck lugt jetzt das Frühlingskind
durch Winters off’ne Pforte,
die Sonne spricht so warm und lind
ihre Willkommensworte.

Und lässt die Frühlingsblumenschar
hier leuchtend hell erblühen.
Ich sah die Kraniche fürwahr
nach Norden heimwärts ziehen.

Bewohnt ist auch das Storchennest,
hier grüßt uns Adebar.
So glaube ich, es steht jetzt fest :
Der Frühling, er ist da!

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Die Kröten und der klappernde Storch

„Ach“,klagten die Kröten,
„wie sind wir in Nöten,
nun da Hitze heizt auf unsren Teich!
Auch trocknet aus unser Erdhöhlenreich.“

„Ja,hier ist es öde,
drum seid nicht so blöde!
Folgt mir nur, ihr Lieben, ich helf euch sogleich!“
So lockte der Storch, begann bösen Streich.

„Ich führ‘ euch zur Stelle
der sprudelnden Quelle,
da ist der Boden so feucht und auch weich,
sogar einen Tümpel gibt’s für euren Laich!“

Die Kröten, nicht hell,
sie folgten sehr schnell
dem Führer und sahen heil schon ihr Reich.
Zu spät bemerkten sie’s dann, todesbleich:
Sie waren für Storch nur zappelndes Fleisch.

Und die Moral von der Geschicht‘:
Folgt jenen falschen Führern nicht,
die euch das große Heil versprechen,
sonst wird es sich recht bitter rächen!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Falsche Küsse

Dort unter der alten Eiche,
ganz nah bei dem kleinen Teiche
küsst Anne-Marie
den Frosch; es hofft sie,
dass er einem Prinzen gleiche.

Ach Mädchen, du wirst ihn missen,
denn dies erlösende Küssen
wird falsch eingeschätzt,
ist Märchengeschwätz
Die Störche müssen es wissen.

Einst war ein Fröschlein im Teiche
beschäftigt mit seinem Laiche.
Da nahte recht forsch
und klappernd Frau Storch
und macht‘ es schnäbelnd zur Leiche.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Der Frosch im Automobil

Ein Frosch, der wollte Auto fahren;
er schwärmte halt für alles Schnelle.
Und da er noch sehr jung an Jahren,
war er gewiss sich nicht im Klaren,
dass ihm da drohten auch Gefahren
jenseits des Teiches Wasserstelle.

Der Storch fuhr vor, flott im Mercedes,
und lud das grüne Fröschlein ein,
sprach, heut‘ sei man ja nicht per pedes,
mobil sein auf vier Rädern, jedes
Getier in Wiese, Wald versteht es,
möcht‘ gern in seinem Auto sein.

Das Fröschlein ward sehr schnell gewonnen,
sah seinen großen Traum erfüllt,
merkt‘ nicht, welch Netz der Storch gesponnen,
wollt‘ sich in noblem Glanze sonnen
und warf den Ratschlag in die Tonne,
dass Frosch als Storchen-Futter gilt.

Ihr denkt, gleich wurde Frosch gefressen
vom Storch, wie es das Tier halt macht?
Der aber war nicht drauf versessen,
sich nur am Futter zu vergessen.
Er ward gefilmt und durft‘ nichts essen,
war auf sein Image da bedacht.

Erst heimlich nach dem Dreh, genüsslich
gönnt er den Frosch sich dann als Mahl.
Der zappelte und quakte tüchtig.
Jedoch das Leben ist zu flüchtig,
besonders, wenn man autosüchtig,
kann es schnell werden auch zur Qual!

© Ingrid Herta Drewing, 2014

Geduld

Ein Storch einst spazierte am Teiche,
sah unter den Weiden die Laiche
der Frösche und Kröten
und tat sie nicht töten.
Es fehlte da wohl noch am Fleische.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Sommers Neige

Schwelende Sonne,
doch üppig das Blumenglück
auf der Terrasse.

Die Sommervögel
verlassen die Gefilde,
suchen die Wärme.

Am Weiher ein Storch;
er hat zu schwache Flügel,
bleibt einsam zurück.

© Ingrid Herta Drewing