{"id":1846,"date":"2009-08-03T17:43:20","date_gmt":"2009-08-03T16:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=1846"},"modified":"2010-08-17T18:54:44","modified_gmt":"2010-08-17T17:54:44","slug":"stanniolvogel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=1846","title":{"rendered":"Stanniolv\u00f6gel"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><strong><span style=\"font-family: Verdana;\"> <\/span><\/strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie sa\u00df nachdenklich am Tisch und faltete aus dem Schokoladenpapier V\u00f6gel, einen nach dem anderen; Stanniolv\u00f6gel, die fliegenden Kranichen glichen.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Wegfliegen, alles hinter sich lassen! Aber wohin? Sie konnte sich nicht einfach\u00a0 ziellos treiben lassen. Sie hatte auch an das Kind zu denken, das sie unter ihrem Herzen trug.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Was war das nur f\u00fcr eine Welt? Vor einer Woche war Kennedy ermordet worden.Was z\u00e4hlte ein Menschenleben noch? Wo blieben Menschlichkeit und Liebe? Warum war etwas so Wunderbares wie das Kind ihrer Liebe in ihrem Fall pl\u00f6tzlich etwas Anst\u00f6\u00dfiges? Warum machte die Gesellschaft es einer werdenden Mutter so schwer,wenn sie unverheiratet war? <\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie liebte ihn, aber er stand nicht zu ihr, obwohl sie seit f\u00fcnf Jahren heimlich verlobt waren und sie seinen Ring trug. Standesunterschiede im zwanzigsten Jahrhundert, dass es das noch immer gab!<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie hatte nun auch ihre Priorit\u00e4ten gesetzt und sich von ihm getrennt. Eine Abtreibung kam f\u00fcr sie nicht in Frage. Das war f\u00fcr sie mehr als eine reine Glaubensfrage. Das r\u00fchrte an ihre Existenz, an den Sinn des Lebens. Auch h\u00e4tte sie damit noch nachtr\u00e4glich ihre Liebe negiert.<span> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie musste einen Ausweg finden. Sie w\u00fcrde ihr Studium aufgeben und eine Erwerbsarbeit aufnehmen, die sich mit ihrer Situation vereinbaren lie\u00df. Sie hatte ja\u00a0 schon heimlich in benachbarten St\u00e4dten in einigen Kinderheimen vorgesprochen ,um zu erfahren, ob sie dort arbeiten und auch ihr Kind nach der Geburt mitbetreuen k\u00f6nnte. Noch fehlten Zusagen. Aber sie war sich auch nicht ganz sicher, ob sie sich endg\u00fcltig f\u00fcr diesen Weg\u00a0 entscheiden wollte.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201eSag\u2019 mal, mein V\u00f6gelchen, warum willst du wegfliegen?\u201c, h\u00f6rte sie pl\u00f6tzlich ihre Patentante sagen, die sie offenbar schon eine Weile beobachtet hatte und einen der Stanniolv\u00f6gel in die H\u00f6he hielt. Sie schaute auf, als sei sie bei schlimmer Tat ertappt worden, und zwang sich zu einem L\u00e4cheln, obwohl  von ihrer Tante nun wirklich nichts\u00a0 zu bef\u00fcrchten war. Hatte sie doch in den 21 Jahren ihres Lebens nur Liebe und G\u00fcte von ihr erfahren. Aber gerade deshalb sch\u00e4mte <span> <\/span>sie sich davor, ihr und ihrer Mutter Schande zu machen, wie das im Allgemeinen so genannt wurde.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201eMein Liebes, ich wei\u00df, was in dir vorgeht. Ich kann es  an deinem Gesichtsausdruck erkennen. Als ich schwanger war, hatte ich auch diese gro\u00dfen Augen und eine fast an\u00e4mische Bl\u00e4sse. Das haben wohl alle Frauen unserer Familie, wenn sie in Hoffnung sind.\u00a0 Du wei\u00dft, dass du nicht allein bist. Wir sind immer f\u00fcr dich da.&#8220;, sagte ihre Tante liebevoll.<br \/>\nWie gut das tat! Der Bann war gebrochen. Da war sie , die Br\u00fccke, \u00fcber die sie in ihr vertrautes Leben zur\u00fcckgehen konnte, gemeinsam mit ihrem Kind.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie legte die Stanniolv\u00f6gel zur Seite, vertraute sich ihrer Tante an und wusste, nun w\u00fcrde alles gut werden.<span> <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Verdana;\"> <\/span><\/p>\n<p><em>Ingrid Herta Drewing<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sa\u00df nachdenklich am Tisch und faltete aus dem Schokoladenpapier V\u00f6gel, einen nach dem anderen; Stanniolv\u00f6gel, die fliegenden Kranichen glichen. Wegfliegen, alles hinter sich lassen! Aber wohin? Sie konnte sich nicht einfach\u00a0 ziellos treiben lassen. Sie hatte auch an das Kind zu denken, das sie unter ihrem Herzen trug. 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