{"id":1903,"date":"2010-05-17T16:52:53","date_gmt":"2010-05-17T15:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=1903"},"modified":"2010-05-17T16:56:30","modified_gmt":"2010-05-17T15:56:30","slug":"der-verbotene-luftballon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=1903","title":{"rendered":"Der verbotene Luftballon"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es ist praktisch, eine gro\u00dfe Familie zu haben. Das f\u00fchlte ich bereits in den Wirren der Kriegs-und Nachkriegszeit, als ich noch ein kleines Kind war. F\u00fcnfmal waren wir ausgebombt worden, wie meine Mutter  mir erz\u00e4hlte, denn an die Bomben kann ich mich zum Gl\u00fcck nicht erinnern.<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\"> Nach diesen Angriffen r\u00fcckten die Verwandten zusammen; bei irgendeinem kam man immer unter. Auch gab es dadurch gen\u00fcgend Ansprechpartner, sodass man sich nie allein f\u00fchlte.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Als mein Onkel Gottfried  1947 aus dem Krieg zur\u00fcckkehrte und bei uns wohnte, freuten wir Kinder uns sehr. Ihm war die Flucht aus einem franz\u00f6sischen Gefangenenlager gelungen und nachdem er \u00fcber den Rhein geschwommen war, hatte er wohlbehalten die amerikanische Besatzungszone erreicht. Da er sehr jung war (man hatte ihn mit knapp 18 Jahren als Sanit\u00e4ter in Rommels Korps nach Afrika geschickt) hatte er keine Entnazifizierungsprobleme. Er durfte bei den Amerikanern in der K\u00fcche des Hospitals arbeiten und erhielt ein Jahr sp\u00e4ter sogar  eine Anstellung als Krankenpfleger.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Verdana;\">F\u00fcr uns Kinder war Onkels Job  vorteilhaft; brachte er uns doch hin und wieder etwas Leckeres zu essen mit. Die kleinen, braunen T\u00e4felchen wurden f\u00fcr mich zum Inbegriff  guter Schokolade, da ich ja zuvor nie welche gegessen hatte.<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">In einer Zeit, in der es auch kaum Spielzeug gab, freuten wir uns deshalb riesig, als mein Onkel, der sparsam war und viel Sinn f\u00fcrs Praktische hatte, uns eines Tages leichte, wei\u00dfe Luftballons mitbrachte,diese aufblies und sie uns zum Spielen \u00fcberlie\u00df, ein Ballersatz f\u00fcr uns. Wir warfen sie begeistert hoch in die Luft und spielten so eine Art Volleyball damit. Allerdings fiel ein Schatten auf unsere Spielfreude, denn Mutter erlaubte uns nicht, auch nur f\u00fcr kurze Zeit, damit im Freien zu spielen. So durften wir nur im Flur damit herumballern.<br \/>\nDas Haus, in dem wir wohnten, h\u00e4tte einem Hitchcock-Film alle Ehre gemacht.Es stand wie senkrecht abrasiert da, nur noch zur H\u00e4lfte erhalten; allerdings mit einem vorhandenen Treppenhaus, dessen eine Seite jedoch vom vierten Stock abw\u00e4rts im Freien hing und den Blick auf das Tr\u00fcmmergrundst\u00fcck freigab, wo die \u00dcberreste der anderen Haush\u00e4lfte lagen.<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Bewohner des Hauses waren recht bunt gemischt; einzustufen von h\u00f6chst ehrenwert bis \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig. So wohnten auch einige Damen dort, die ein lukratives Gesch\u00e4ft mit der Fraternisierung betrieben; die GIs flatterten ein und aus. Wir als Kinder hatten keine Ahnung davon. Daf\u00fcr sorgte schon unsere Mutter, denn bei schlechtem Wetter spielten wir in der Wohnung <span> <\/span>und wenn es sch\u00f6n war, ging es in den Schrebergarten, der damals f\u00fcr uns auch eine wichtige Nahrungsquelle war.<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\"><br \/>\nNachdem meine Geschwister und ich ein paar Tage mit den Luftballons Sport im Flur getrieben hatten, gingen die Ballons kaputt. Und leider konnte unser Onkel  auch keine neuen mehr mitbringen, warum auch immer.<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie froh war ich da, als ich gleich zwei dieser Luftballonh\u00fcllen im Sandkasten des Vorgartens entdeckte. Als ich gerade einen in der Hand hielt, um ihn aufzupusten, kam meine Mutter, die sich gerade noch vor der Haust\u00fcr mit einer Nachbarin unterhalten hatte, wie von Furien getrieben , und schlug mir mein vermeintliches Spielzeug aus der Hand.<\/span><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201e Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht alles aufheben und in den Mund nehmen sollst!\u201c, schalt sie mich und f\u00fchrte mich weg. Zur Nachbarin gewandt, die ihr beipflichtete, sagte sie: \u201eDas ist eine Zumutung, was die so alles aus dem Fenster werfen!\u201c ,womit das \u201eDamentrio \u201e gemeint war.<br \/>\nDamals verstand ich den tiefen Grund der Emp\u00f6rung meiner Mutter nicht, die aus Ekel und Furcht vor schlimmer Erkrankung ihres Kindes so ausgerastet war .Ich wusste  nur sehr genau seitdem, dass ich nichts Verschmutztes von der Stra\u00dfe aufheben durfte.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Drei Wochen sp\u00e4ter schenkte uns Onkel Gottfried einen gro\u00dfen, roten Gummiball, und unsere Kinderwelt war wieder in Ordnung.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\"> <\/span><em>Ingrid Drewing<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist praktisch, eine gro\u00dfe Familie zu haben. Das f\u00fchlte ich bereits in den Wirren der Kriegs-und Nachkriegszeit, als ich noch ein kleines Kind war. 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