{"id":19493,"date":"2017-10-28T14:56:25","date_gmt":"2017-10-28T13:56:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=19493"},"modified":"2018-09-06T18:54:49","modified_gmt":"2018-09-06T17:54:49","slug":"ein-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=19493","title":{"rendered":"Ein M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Goldsternjpg-150x150.jpg\" alt=\"Goldsternjpg\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-19500\" srcset=\"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Goldsternjpg-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.ingriddrewing.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Goldsternjpg-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.ingriddrewing.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Goldsternjpg.jpg 688w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u201eAch,Omi, bitte,nur ein M\u00e4rchen,<br \/>\nerz\u00e4hle,eins,dann geb&#8216; ich Ruh&#8216;!\u201c,<br \/>\nso bettelt inst\u00e4ndig klein Kl\u00e4rchen,<br \/>\n\u201e vielleicht von Sternen? Ich h\u00f6r zu.\u201c<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>FALSCHER STERN<\/p>\n<p>Es trug sich zu vor vielen langen Jahren,<br \/>\ndass dort in einem fernen, fremden Land<br \/>\ndie Menschen trugen Sterne in den Haaren,<br \/>\ndie man aus feinem Gold in Flechten band.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst war&#8217;s sch\u00f6ner Brauch, dann ward&#8217;s Gesetz,<br \/>\nund keiner konnte unbesternt bestehen.<br \/>\nEs hie\u00df, wer dieses Sterngesetz verletz&#8216;<br \/>\nsollt&#8216; einer schweren Strafe nicht entgehen.<\/p>\n<p>Der Juweliere Arbeit wuchs; zu tun<br \/>\nhatten nat\u00fcrlich, reich an Zahl, Fris\u00f6re.<br \/>\nSogar den Kinderschopf versah man nun<br \/>\nmit kleinen Sternchen, schm\u00fcckte jede G\u00f6re.<\/p>\n<p>Zwar gab&#8217;s in diesem Lande wohl auch Glatzen;<br \/>\njedoch sah man sie noch besternt bei Nacht,<br \/>\nbedeckt mit Gold die haarigen Matratzen,<br \/>\nPer\u00fccken, die aus M\u00e4dchenhaar gemacht.<\/p>\n<p>Sogar der K\u00f6nig, munkelte man dunkel,<br \/>\nsei ziemlich haarlos unter dem Toupet,<br \/>\ndas, Edelstein bespickt, als Lichtgefunkel<br \/>\ner trug im Sternenglanz der edlen H\u00f6h&#8216;.<\/p>\n<p>Wo so viel Reichtum gl\u00e4nzt, gibt es auch Arme.<br \/>\nSo war es leider auch in diesem Land,<br \/>\nwo Gier und D\u00fcnkel fremd der Satz: \u201eErbarme<br \/>\ndich dem, der gl\u00fccklos neben dir sich fand!\u201c<\/p>\n<p>Dem Prassen, ganz der Eitelkeit ergeben,<br \/>\nsich richtend in Bequemlichkeit fein ein,<br \/>\nversorgt von armer Sklaven Kraft dies Leben,<br \/>\ndas sich gefiel im Parasitensein.<\/p>\n<p>Tief in des Stollens tr\u00fcbem Licht der Minen<br \/>\ntrieb man zur Arbeit an Mann, Weib und Kind.<br \/>\nIhr Leben, das die Sonne kaum beschienen,<br \/>\nverging im Joch der Qualen wie im Wind.<\/p>\n<p>Die W\u00e4chter, Roboter, den Nachschub suchten,<br \/>\nauf Stra\u00dfen fingen Unbesternte ein,<br \/>\nund wenn auch die, gefangen, klagten, fluchten,<br \/>\nwar&#8217;s ihnen gleich, das Soll erf\u00fcllt musst&#8216; sein.<\/p>\n<p>So kam es, dass ein Fang betraf den Prinzen,<br \/>\nder aus dem Schloss geschlichen unbedacht,<br \/>\nverkleidet, fern dem Hofe wollte linsen,<br \/>\nwas das gemeine Volk wohl t\u00e4glich macht.<\/p>\n<p>Er wehrte sich, man lie\u00df ihn nicht entrinnen,<br \/>\ndie W\u00e4chter sahen bei ihm keinen Stern,<br \/>\nund eh&#8216; er sich vermochte zu besinnen,<br \/>\nwar nun des K\u00f6nigs Sohn versklavt, ihm fern.<\/p>\n<p>Im Lager fand er seinen Hochmut wieder,<br \/>\nbefahl:\u201c Kniet nieder, ich bin K\u00f6nigs Sohn!\u201c<br \/>\nDoch man versagte ihm Gefolgschaft, bieder,<br \/>\nverschm\u00e4hte ihn mit Worten voller Hohn!<\/p>\n<p>\u201eHabt ihr&#8217;s geh\u00f6rt, die Majest\u00e4t, der Junge,<br \/>\nspielt jetzt mit uns sogar noch K\u00f6nig:Knecht!<br \/>\nLos an die Arbeit, h\u00fcte deine Zunge,<br \/>\nwer hier nicht spurt, dem geht es furchtbar schlecht!<\/p>\n<p>Wir halten&#8217;s deiner Jugend noch zu Gute,<br \/>\nansonsten ahnden wir solch schlechten Scherz.<br \/>\nOb du von Adel oder andrem Blute,<br \/>\nist uns egal, uns alle frisst der Schmerz.\u201c<\/p>\n<p>Da konnte er sehr bald bewusst ermessen,<br \/>\ndass solches Dasein f\u00fchrt zu fr\u00fchem Tod,<br \/>\nnur faules Wasser, schimmlig&#8216; Brot als Essen,<br \/>\ndie Arbeit m\u00fchsam, t\u00e4glich Pein und Not.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte mancher vorschnell leicht vermuten,<br \/>\ndass diesem Prinzen wurde hart der Sinn,<br \/>\ner B\u00f6ses plante, sah nicht  auf die Guten,<br \/>\ndie mit ihm zogen zu den Minen hin.<\/p>\n<p>Jedoch er lernte, traf den Leidgenossen,<br \/>\nden einen Freund, der tapfer zu ihm stand,<br \/>\nsodass er \u00fcberlebte, unverdrossen,<br \/>\nobwohl solch Sklavenlos ihm unbekannt.<\/p>\n<p>Und als dann eines Tag&#8217;s ein schlagend Wetter<br \/>\ndort explodierte, alles setzt in Brand<br \/>\nerwies auch er sich als des Freundes Retter,<br \/>\nden er versch\u00fcttet unter Steinen fand.<\/p>\n<p>Er barg ihn sanft, trug ihn hinaus ins Freie<br \/>\nund legte, pflegte ihn, ein Baum ihr Dach;<br \/>\ndann schlief auch er ein, bis ihn ein Geschreie<br \/>\nvon Rabenkr\u00e4hen rief so seltsam wach:<\/p>\n<p>\u201eGut bist du, Prinz, du solltest K\u00f6nig werden,<br \/>\ndamit in diesem Reich vorbei die Not,<br \/>\nvon Dummheit, Gier und Hochmut hier auf Erden<br \/>\nkein Leben eines Wesens sei bedroht!\u201c<\/p>\n<p>Und eine Elster, die sich zugesellte,<br \/>\nnun keckerte mit magisch&#8216; s\u00fc\u00dfer Stimm&#8216;:<br \/>\n\u201e Hier ist dein Stern, den ich mir flugs bestellte,<br \/>\nsteck&#8216; ihn dir an, beeile dich,komm&#8216;, nimm&#8216;!\u201c<\/p>\n<p>Als dann der Sonne Strahl ihn w\u00e4rmte, weckte,<br \/>\nwar auch des Freundes Blick schon wieder klar,<br \/>\nsodass er jenen K\u00f6nigsstern entdeckte.<br \/>\nDer Prinz erkannte, dass sein Traum war wahr.<\/p>\n<p>Nun ging&#8217;s zum Schloss; dort wehten Trauerfahnen,<br \/>\ntiefschwarz verk\u00fcndeten sie den Verlust<br \/>\ndes Kronprinzen, denn niemand konnte ahnen,<br \/>\ndass dieser in den Minen fristen musst&#8216;.<\/p>\n<p>Doch als der K\u00f6nig wiederfand den Sohn,<br \/>\ndie K\u00f6nigin ihn dr\u00fcckte an ihr Herz,<br \/>\nerkl\u00e4rte dieser, dass des Goldes Lohn<br \/>\nverursachte sein Missgeschick, den Schmerz.<\/p>\n<p>\u201e Mein Vater\u201c, sprach er, \u201estatt des Goldes Glanz,<br \/>\ndas m\u00fchsam in den Minen wird gewonnen,<br \/>\nmissachtend andrer Menschen Leben ganz,<br \/>\nhab ich mich eines Besseren besonnen.<\/p>\n<p>Ich bitte Euch, lasst uns nat\u00fcrlich leben,<br \/>\nwir brauchen nicht den Pomp und falschen Schein,<br \/>\ndenn dieses Reich sei reich durch gutes Geben,<br \/>\ndas keinen l\u00e4sst im Sklavendienste sein!<\/p>\n<p>Auch jene Roboter, die stumpf in dumpfem Sinn<br \/>\nzum Drangsalieren normativ gedacht,<br \/>\nlass&#8216; programmieren um und send&#8216; sie hin<br \/>\nzu h\u00fcten sorgsam Schafe Tag und Nacht!<\/p>\n<p>Nie sollt&#8216; es mehr in unsrem Lande sein,<br \/>\ndass b\u00f6se Ansicht wuchert, und was schlecht<br \/>\nsogar in ein Gesetz mag flie\u00dfen ein,<br \/>\nnie mehr missachte man das Menschenrecht!\u201c<\/p>\n<p><strong>Und, Omi, hat der K\u00f6nig das getan?<br \/>\nLebte der Freund des Prinzen nun im Schloss?<\/p>\n<p>So ganz genau, vermag ich&#8217;s nicht zu sagen,<br \/>\njedoch erschien der Prinz mir voller Mut.<br \/>\nIch glaube, auch sein Freund musste nicht klagen,<br \/>\ndenn meistens enden alle M\u00e4rchen gut.<\/strong><\/p>\n<p>\u00a9 Foto u. Text \/ Ingrid Herta Drewing,2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAch,Omi, bitte,nur ein M\u00e4rchen, erz\u00e4hle,eins,dann geb&#8216; ich Ruh&#8216;!\u201c, so bettelt inst\u00e4ndig klein Kl\u00e4rchen, \u201e vielleicht von Sternen? Ich h\u00f6r zu.\u201c FALSCHER STERN Es trug sich zu vor vielen langen Jahren, dass dort in einem fernen, fremden Land die Menschen trugen Sterne in den Haaren, die man aus feinem Gold in Flechten band. 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