{"id":5440,"date":"2010-08-03T17:04:51","date_gmt":"2010-08-03T16:04:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=5440"},"modified":"2010-08-03T17:09:30","modified_gmt":"2010-08-03T16:09:30","slug":"der-verschwundene-schnuller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=5440","title":{"rendered":"Der verschwundene Schnuller"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4uglinge und kleine Kinder wissen schon genau, was sie             wollen. Das zeigt nicht nur das instinktsichere Finden der Mutterbrust, das gilt auch f\u00fcr andere orale Vorlieben, wie<br \/>\nden Schnuller oder das abgelutschte Ohr eines bestimmten Kuscheltieres. Und wehe, wenn das Objekt der Liebe und Begierde nicht greifbar ist! Dann kann man erleben, was<br \/>\nDiktatur einer Minderheit bedeutet. Die einzige Waffe des Kindes, das Schreien, versetzt alle in Alarmstimmung.<br \/>\nBei meinem kleinen Sohn war das nicht anders. Es gab da nur einen ganz bestimmten Schnuller, den er akzeptierte. Deshalb achteten wir auch sorgsam darauf, dass dieses Beruhigungsmittel immer verf\u00fcgbar war. Wir hatten zwar davon schon einen Zweitschnuller angeschafft, aber der wurde generell abgelehnt.<br \/>\nSehr beunruhigt reagierten wir deshalb einmal, als wir das kostbare Teil nicht fanden.<br \/>\nWir waren gerade dabei, alles zusammenzupacken, um von dem Geburtstagsbesuch bei Omi aufzubrechen, als der gewissenhafte Vater mich erinnerte: \u201cSchatz, vergiss den Schnuller nicht!\u201c<br \/>\nNat\u00fcrlich, den Schnuller, den durften wir nicht vergessen! Aber wo war das verdammte Ding? Zwar schlief das Baby zurzeit noch seelenruhig im Kinderwagen; aber das konnte sich ja blitzartig \u00e4ndern. Und eine schlaflose Nacht wollten wir uns erst gar nicht ausmalen, das kannten wir zur Gen\u00fcge.<br \/>\nWen wundert es da, dass wir sofort \u00fcberall in Omas Wohnung mit der Suche begannen, nachdem wir den Kinderwagen, die Taschen, Decken und Kissen gefilzt hatten.<br \/>\nDie gesamte Gro\u00dffamilie bet\u00e4tigte sich schlie\u00dflich an der Schnuller- Suchaktion; aber das vermaledeite Ding war einfach nicht aufzufinden, obwohl wir fast generalstabsm\u00e4\u00dfig<br \/>\nalles durchk\u00e4mmt hatten. Tante Erna meinte bes\u00e4nftigend,wir h\u00e4tten ihn sicher zu Hause vergessen.<br \/>\nErm\u00fcdet vom Suchen, hofften wir das dann auch, obwohl ich mir sicher war, den Schnuller am Nachmittag im Mund meines Kindes gesehen zu haben. Aber schlie\u00dflich begaben wir uns mit dem zum Gl\u00fcck noch schlafenden Kind auf den Heimweg.<br \/>\nWir waren kaum zu Hause angekommen, als das Telefon klingelte. Mein Mann, der den Anruf entgegengenommen hatte, begann schallend laut zu lachen und sagte witzelnd:<br \/>\n\u201eOh, oh, du bist mir aber eine ganz Schlimme!\u201c und gab mir den H\u00f6rer.<br \/>\nMeine Mutter war am Apparat und gab Entwarnung. Der Schnuller war gefunden worden. Als Mutter sich zum Duschen ausgezogen hatte, war ihr das Teil aus der Bluse gefallen, und sie erinnerte sich daran, dass sie ihren Enkelsohn am Nachmittag eine Weile im Arm gehalten hatte. Dabei musste ihr der Schnuller wohl  in den Ausschnitt gefallen sein, und in der Geburtstagsaufregung hatte sie nichts bemerkt.<br \/>\nSeit diesem Ereignis hei\u00dft es bei uns in der Familie immer,wenn etwas gesucht wird: \u201cHast du schon in Mutters Ausschnitt nachgeschaut?\u201c<\/p>\n<p><em>Ingrid Herta Drewing<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4uglinge und kleine Kinder wissen schon genau, was sie wollen. 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