{"id":9159,"date":"2012-12-13T00:48:21","date_gmt":"2012-12-12T23:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=9159"},"modified":"2012-12-13T02:07:17","modified_gmt":"2012-12-13T01:07:17","slug":"seltsame-uberraschung-an-heiligabend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/?p=9159","title":{"rendered":"Seltsame \u00dcberraschung an Heiligabend"},"content":{"rendered":"<p>Von allen Festen des Jahres ist auch f\u00fcr mich Weihnachten das sch\u00f6nste; das ist seit meiner Kindheit so.Obwohl wir, im Gegensatz zu Kindern von heute,  in der Nachkriegszeit wenig an Geschenken zu erwarten hatten, war Heiligabend immer etwas Besonderes.Wir freuten uns, im Kreise der Familie vor dem strahlenden Lichterbaum zu stehen, gemeinsam zu singen und zu schauen, ob wieder eine neue Kugel, ein Gl\u00f6ckchen oder ein Glasv\u00f6gelchen zu sehen war, das das Christkind uns gebracht hatte, was wir and\u00e4chtig bewunderten.Die Gro\u00dfen wussten nat\u00fcrlich, dass wir das dem Christkind in Gestalt unseres Vaters zu verdanken hatten, dessen Dom\u00e4ne der Weihnachtsbaum war.Er sparte das ganze Jahr \u00fcber,um eine kleine Kostbarkeit auf dem Weihnachtsmarkt zu erwerben, die neben den aus Papier geflochtenen, bemalten Sternen die Sch\u00f6nheit des Christbaumes bereicherte.<br \/>\nWeihnachten war bei uns auch immer das Fest der Gro\u00dffamilie. Da einige der Onkel und Tanten noch keine Kinder hatten und meine Mutter das Herz ihrer Familie war( sie hatte nach dem Tod ihrer Mutter quasi ihre j\u00fcngeren Geschwister gro\u00df gezogen), feierten sie alle das Fest mit uns.Sie gaben auch dem Christkind schon einmal ein sch\u00f6nes Geschenk f\u00fcr uns mit. Beschert wurde immer erst, wenn alle erwarteten Verwandten da waren.<br \/>\nDas war f\u00fcr uns Kinder stets sehr aufregend, da einige recht sp\u00e4t von der Arbeit kamen; so auch Herta, meine Patentante und j\u00fcngste Schwester meiner Mutter, von allen nur Hertelchen genannt.<br \/>\n Sie war die liebste Tante der Welt, g\u00fctig und liebevoll.Nie h\u00f6rten wir ein b\u00f6ses Wort von ihr. F\u00fcr mich war sie wie eine zweite Mutter. Nachdem sie ihr sechs Monate altes T\u00f6chterchen Ursula durch eine schwere Krankheit im Krieg ein halbes Jahr vor meiner Geburt verloren hatte, schenkte sie mir all ihre Liebe.<br \/>\nMeistens kam sie an Heiligabend als letzte. Wenn  sie  da war, konnte die Bescherung endlich beginnen.<\/p>\n<p>Wolfi, mein kleiner Bruder,hatte vor Aufregung rote Wangen und konnte die Spannung kaum ertragen. Immer wieder sp\u00e4hte er durchs Schl\u00fcsselloch ins Weihnachtszimmer, versicherte, er habe das Christkind hin-und herschweben gesehen und geh\u00f6rt, dass ein Gl\u00f6ckchen gel\u00e4utet habe. Wir m\u00fcssten nun endlich zum Weihnachtsbaum gehen.Mutter beruhigte ihn dann, so gut es ging, und wir vertrieben uns die Wartezeit, indem wir die Lieder und Gedichte, die wir vortragen wollten,noch einmal \u00fcbten.Ich spielte Blockfl\u00f6te, lauerte aber insgeheim,ob ich nicht Hertelchens Schritte oder das Klingeln an der Wohnungst\u00fcr h\u00f6rte. Denn wenn sie eintraf, das lehrte die Erfahrung, lie\u00df auch das Christkind nicht mehr lange auf sich warten.<br \/>\nSo war es auch an Heiligabend 1951. Endlich l\u00e4utete es an der Wohnungst\u00fcr.Ich st\u00fcrmte vor, um die geliebte Tante zu empfangen, \u00f6ffnete freudig die T\u00fcr,blieb aber pl\u00f6tzlich, wie zur Salzs\u00e4ule erstarrt, stehen.Blass vor Schreck musste ich die Umarmung, besser gesagt Umpfotung, einer riesigen, gelbbraunen Dogge ertragen. Sie hatte die Vorderbeine \u00fcber meine Schultern gelegt und leckte mich mit ihrer langen Zunge im ganzen Gesicht ab.Was das Tier wohl als Liebesbeweis ansah, war f\u00fcr mich ein Schock;statt meine geliebte Tante zu herzen, war ich diesem tierischen \u00dcberfall ausgesetzt.Zum Gl\u00fcck war diese Dogge ansonsten ungef\u00e4hrlich und gehorchte schnell wieder ihrem Herrn, der sie zur R\u00e4son rief.<br \/>\nDieser Mann war ein Uhrmacher, der Vater, wie versprochen, noch schnell eine reparierte Armbanduhr, das Weihnachtsgeschenk f\u00fcr Mutter,vorbeibrachte. Vater war erleichtert, dass er endlich noch gekommen war. Auch ich erholte mich schnell wieder von der unheimlichen \u00dcberraschung, als die erwartete, liebe Tante kam und wir alle gemeinsam einen wundersch\u00f6nen Heiligabend feierten.<br \/>\nDennoch muss ich heute manchmal noch an dieses Erlebnis denken, wenn ich eine Dogge sehe, und wechsle dann die Stra\u00dfenseite.  <\/p>\n<p>\u00a9 Ingrid Herta Drewing<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von allen Festen des Jahres ist auch f\u00fcr mich Weihnachten das sch\u00f6nste; das ist seit meiner Kindheit so.Obwohl wir, im Gegensatz zu Kindern von heute, in der Nachkriegszeit wenig an Geschenken zu erwarten hatten, war Heiligabend immer etwas Besonderes.Wir freuten uns, im Kreise der Familie vor dem strahlenden Lichterbaum zu stehen, gemeinsam zu singen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,37],"tags":[1664,1661,992,1660,3812,3887,1662,1663],"class_list":["post-9159","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-familie","category-weihnachtszeit","tag-dogge","tag-erwartung","tag-grosfamilie","tag-heiligabend","tag-kindheit","tag-nachkriegszeit","tag-patentante","tag-schreck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9159"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9167,"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9159\/revisions\/9167"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ingriddrewing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}