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Advent

Den Spätherbst prägt noch Kälte, Regen,
und mancher Mensch in Trübsal sinkt,
vermisst der Sonne warmen Segen,
sieht kahle Bäume auf den Wegen,
sein Tag im Dunkel früh ertrinkt.

Doch, wenn jetzt auch die Nebel hüllen
in graue Schleier ein das Tal,
wir unsre Lichtes-Sehnsucht stillen
mit goldnem Glanz die Stadt erfüllen,
Adventszeit-Zierde, Sternenstrahl.

Ein Innehalten und Erwarten
des Lichtes, das doch ewig gilt
in Gottes hellem Lebensgarten,
lässt uns erneut nun hoffend starten
in diese Zeit, die Freude füllt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Weihnachtswunsch

“Oh, Christkind, du und deine Engel,
wann kommt ihr endlich, bringt den Baum
zur Weihnacht ?”, denkt der kleine Bengel,
schaut sehnend in den Sternenraum.

“Mein Briefchen hab’ ich schon geschrieben
und alle Wünsche dir genannt…
ob sich die Eltern doch noch lieben,
dir ist das sicherlich bekannt.

Kannst, Christkind, du es vielleicht machen,
dass sie wieder zusammen sind?
Ich wünsch mir sonst nur wenig’ Sachen
nur so ein kleines Bärenkind.

Vielleicht noch eine kleine Schwester,
dann wäre ich nicht so allein.
Am besten sollt’ sie an Silvester
schon hier bei uns zu Hause sein.

Ich werd’ auch immer artig beten
und waschen meine Hände rein;
mit Wölfchen nicht mehr zanken, treten
und obendrein recht fleißig sein.“

© Text u. Rezitation: Ingrid Herta Drewing, 2012

Herbst

Herbstversprechen,
goldene Tage.
In den Lüften
tanzen farbenfroh die Blätter,
Abschlussball

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Zwei Sonnenblumen

Zur gleichen Zeit gepflanzt im kleinen Garten,
zwei Sonnenblumen-Kerne, die ich fand,
sie sollten hier ihr Pflanzenleben starten
im schmalen Streifen an des Zaunes Rand.

Nachdem der Frühlingsregen sie begossen,
zwei Pflänzchen zeigten sich im Sand,
sie wuchsen sommers höher unverdrossen,
erhielten Blätter groß wie meine Hand.

Doch während dann die eine hell erblühte,
wuchs himmelwärts die andre unverwandt,
als ob sie sich, ein Baum zu sein, bemühte,
bewahrte sie recht lang ihr Knospen-Pfand.

So seltsam mir die beiden hier erscheinen,
die doch verbindet ein natürlich Band,
sie sich im Blühen gar nicht zeitlich einen,
der Wachstumsunterschied wirkt provokant.

Dieweil die große Blume Knospen hätschelt,
empfängt die kleine Bienen, wohl bekannt,
erlaubt auch, dass die Hummel sie sanft tätschelt,
und strahlt im Sonnenschein so elegant.

Ich stehe, schaue, folge Lebens Spur,
bestaune diese Vielfalt der Natur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Donau und Rhein

Mutter Donau, Vater Rhein
gehen den getrennten Weg;
sie ein Schwarzwaldkind, recht fein,
stellt den Lauf südöstlich ein,
wächst heran aus Brigach, Breg.

Darf in Ulm das Münster grüßen,
bricht durch Kalkgestein sich Bahn
im Naturpark, Felsen-Riesen,
wo die wilden Wasser fließen,
mag bestaunen man im Kahn.

Niederbayern wird verlassen.
Durchbruchstal lockt die Wachau,
Burgenlandschaft, auf Terrassen
kann sich Weinbau sehen lassen,
lädt hier ein zu schöner Schau.

Und der Fluss, befreit aus Enge,
um sich südlich zu ergießen
unterwegs zu großer Länge,
lässt in Wien durch Walzer-Klänge
sich als blaue Donau grüßen.

Fast 3000 Meter lang
fließt sie zügig in zehn Staaten
bis sie fächert auf den Gang,
um in Deltas breitem Rang
dort im Schwarzen Meer zu baden.

Vater Rhein, ein Alpenrecke,
sich nordwestlich orientiert,
quert des Bodensee’s Strecke;
bei Schaffhausen stürzt der kecke
Fluss als Fall, bleibt unbrüskiert

Ganz nach Norden sich zu wenden,
strömt er nun von Basel aus,
mit Mäandern im Gelände
tat er Überfluten senden,
schädigte oft Mann und Maus.

Tullas Pläne, ihn zu zähmen,
bauend ein geregelt Bett,
konnten bald Gestalt annehmen,
auf gekürztem Weg zu strömen,
Deichbau zusätzlich dort rett‘!

Oberrheintal-Graben eben,
fruchtbar auch durch Klimagunst,
Randgebirge sich erheben,
und im Lee gedeihen Reben,
früh schon reifte hier die Kunst.

Alter Städte Kathedralen:
Straßburg, Speyer, Worms und Mainz
sich dort in die Landschaft malen,
Frankfurt und Wiesbaden strahlen
schön am Main und rechts des Rheins.

Westwärts fließend nach Wiesbaden
lieblich dort im Rheingau hin,
drängt ’s den Fluss zu neuen Taten,
strömt nach Norden wohl geraten
bricht der Schieferberge Sinn.

Wie der Donau Burgenland
grüßt hier auch der Mittelrhein,
zeigt sein Mittelalter-Pfand,
Weltkultur-Erbe, bekannt,
lädt dich zum Verweilen ein.

Nord und Süden zu verbinden,
schafft die Wasserstraße Rhein.
Tausende von Schiffen finden
ihren Weg, in Nordsee münden
seine Delta-Arme ein.

© Text: Ingrid Herta Drewing,

   Fotos: Pixabay

Tagesbeginn

Noch träumt das Tal; des frühen Morgens Stille
liegt auf den Perl betauten Blumenwiesen.
Und bis die Sonne mag den Tag begrüßen,
ruht hier der muntren Vögel Sangeswille.

Doch bald hör ich die Amsel lieblich singen,
und auch der Sehnsuchtsruf der Ringeltaube,
die einsam thront dort auf dem Dach der Gaube,
mischt tief sich in Frühsommers helles Klingen.

Geruhsam wird es nun nicht lange bleiben.
Die Mauersegler schwirren durch die Schlucht
der Häuser, so als sei es ihre Flucht,
wenn sie flugs den Insektenfang betreiben.

Ich sitz auf dem Balkon, schau‘ in die Runde,
wie sich ein neuer Tag im Licht erhebt,
die kleine Welt erwacht, erklingt und lebt,
genieß‘ mein Tässchen Tee zur Morgenstunde.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Sonett zu Pfingsten

Nicht Mauer sein, nicht Wall, der alles trennt,
die Tür sein, die in Freiheit, Weite führt,
die Brücke, die verbindet, was getrennt,
ein Mensch sein, den die Nächstenliebe rührt.

Nicht Feuer sein, im Wahn die Welt zerstörend;
doch Frühlingsregen, der die Erde netzt,
sie hegend, auf des Lebens Stimme hörend,
der Sonne gleich, die sie ins Blühen setzt.

Mit wachen Augen durch das Leben gehen
und Fehler nicht nur bei den Andern sehen,
von Eitelkeit geblendet und gehemmt.

Sich nicht im Starrsinn dumpf ums Ego drehen,
versuchen, andre Menschen zu verstehen,
erscheinen sie zunächst auch noch so fremd.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Erneuerung

Nun neu erwacht, streckt Frühling seine Glieder.
Das Leben grünt, aus dunklen Furchen bricht;
es keimt in Wald und Feld, drängt hin zum Licht.
Des Feuervogels goldenes Gefieder
verleiht dem Tag das helle Angesicht.

Und in der Frühe singen lieblich wieder
die kleinen Sänger noch vor Sonnen-Sicht.
Vorbei sind Winterstarre und Verzicht!
Ich höre froh der Amsel Liebeslieder,
ein Melodien-Reigen, Ton-Gedicht.

Da mag auch mich nichts Trübes zwingen nieder,
weil Hoffnung nun verheißungsvoll verspricht,
dass uns Corona bald nicht mehr anficht.
Und Düfte der Syringen, weißer Flieder,
verleihen Lebens Leichtigkeit Gewicht.

©  Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Appell 2021

Noch immer nimmt den Atem uns die Seuche,
lässt fast verstummen hier des Frühlings Lied.
Wie hatten wir gehofft, dass sie entfleuche
noch letzten Sommer! Doch naiv Getäusche
vernebelte zu sorglos manch Gemüt.

Als Rosskur den Lockdown wollt‘ man nicht haben;
vor Wahlen schwankt die Politik im Rund,
verteilt, verspricht viel lieber milde Gaben,
anstatt entschlossen tiefer da zu graben,
obwohl die Wissenschaftler mahnen sich fast wund.

Dem Virus sollt‘ begegnen man entschlossen,
ihm Spielraum nehmen, seinen Menschenwirt;
geraume Zeit Beschränkung unverdrossen
ertragen, später werde Lohn genossen,
wenn so die Inzidenz nicht weiter schwirrt.

Damit sich Mensch und Wirtschaft dann erholen,
lasst endlich uns die dritte Welle brechen
und das befolgen, wovon Virologen
entgegen aller „ Leerdenker-Parolen“,
eindringlich schon seit langem sprechen!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Am Bach im Winter

Noch fließend, aber eisverhangen ,
fast filigran dein Spitzenkleid;
am Wasserfall jedoch in langen
Eiszapfen starrst du wehrbereit.

Die Gräser, raureifüberzogen,
ins Eis geneigt an Ufers Rand,
und Amseln, die herangeflogen,
lockt Wasser in dein Niemandsland.

Doch wenn dich streift der Sonne Blick,
dann funkelst glitzernd du, kristallen.
Ich steh‘, gebannt im Winterglück,
betrachte es mit Wohlgefallen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal, Schwarzbach