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Appell 2021

Noch immer nimmt den Atem uns die Seuche,
lässt fast verstummen hier des Frühlings Lied.
Wie hatten wir gehofft, dass sie entfleuche
noch letzten Sommer! Doch naiv Getäusche
vernebelte zu sorglos manch Gemüt.

Als Rosskur den Lockdown wollt‘ man nicht haben;
vor Wahlen schwankt die Politik im Rund,
verteilt, verspricht viel lieber milde Gaben,
anstatt entschlossen tiefer da zu graben,
obwohl die Wissenschaftler mahnen sich fast wund.

Dem Virus sollt‘ begegnen man entschlossen,
ihm Spielraum nehmen, seinen Menschenwirt;
geraume Zeit Beschränkung unverdrossen
ertragen, später werde Lohn genossen,
wenn so die Inzidenz nicht weiter schwirrt.

Damit sich Mensch und Wirtschaft dann erholen,
lasst endlich uns die dritte Welle brechen
und das befolgen, wovon Virologen
entgegen aller „ Leerdenker-Parolen“,
eindringlich schon seit langem sprechen!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Am Bach im Winter

Noch fließend, aber eisverhangen ,
fast filigran dein Spitzenkleid;
am Wasserfall jedoch in langen
Eiszapfen starrst du wehrbereit.

Die Gräser, raureifüberzogen,
ins Eis geneigt an Ufers Rand,
und Amseln, die herangeflogen,
lockt Wasser in dein Niemandsland.

Doch wenn dich streift der Sonne Blick,
dann funkelst glitzernd du, kristallen.
Ich steh‘, gebannt im Winterglück,
betrachte es mit Wohlgefallen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal, Schwarzbach

Valentins Brief

Mein duftend süßes Frühlingsveilchen,
mein allerliebstes Warteinweilchen,
mein zitterzartes Elfenlöckchen
und wohlig weiches Wollgrasflöckchen,
mein Zirbelchen, mein Zauselchen,
mein Zuckerschnütchen, Mauselchen,
mein Herzchen, Sternchen, Morgenlicht
mein Glühwürmchen und frecher Wicht,
mein Teufelchen und Freudefunken,
du siehst mich hier so feuertrunken,
dass ich schon fasel im Gedicht,
doch ist’s auch Liebe, die da spricht.
Dies schreibt, ich sehn‘ mich in Wiesbaden
nach dir, mein Schatz, sei eingeladen.

Dein Valentin

P.S.
Geliebte, meines Herzens Sonne,
du Rose meiner Liebeswonne,
mein Freudenquell und Blütenlicht,
ach bitte, komm, vergiss mich nicht!

© Text u. Foto: Ingrid Herta Drewing

Der einsame Schneemann

Der erste Schnee,
gefallen über Nacht .
Es freuten sich die Kinder,
nachdem sie, froh erwacht,
ins Freie stürmten,
an der weißen Pracht.

Und einen Schneemann
bauten sie im Garten,
mit Möhrennase,Knöpfen
und auch Hut.
Den Besen fest im Arm
muss stumm er warten,
kann kehren nicht,
es kleidet ihn nur gut.

Und in der Nacht, als sacht
der Mond am Himmel scheint,
sieht Finchen, aufgewacht,
dass dieser Schneemann weint.
Er weint, weil er muss einsam sein,
fühlt sich in dieser Welt allein.

Die Großen herzhaft lachen,
als sie’s erzählt am Morgen .
Doch Finchen schwört ,
sie mache sich da Sorgen ,
sie habe all die Sachen
genau gesehen und gehört.

Bald auch den andern Kleinen,
von der Idee betört ,
will alles wirklich scheinen.
Und weil es sich gehört ,
helfen sie Finchen schlau,
und bauen für den Schneemann
nun schnell noch Kind und Frau.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden,Nerotal, 10.01.2017

Sonnensehnsucht

Ich mag sie nicht, die grauen Wintertage,
die immerzu so neblig, trübe sind.
Mir fehlt des blauen Himmels Lustansage
und Sonnengold, das in die Seele rinnt.

Die Farben, deren Leuchten ein Erwachen
des Lebens schenken, nicht nur vagen Traum,
die Weite, Licht erfüllt, der Kinder Lachen,
die munter spielen, klettern auf den Baum.

Ich lob den Tag mir, der, beschwingt von Leben,
sich lieblich hier als Augenweide zeigt,
die frühen Vögel, die auf Dächer schweben
und singen, wenn die Sonne strahlend steigt.

Noch heißt es wohl, zu darben und zu warten
auf Frühlings zartes Lächeln hier im Garten.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Nerotal im Frühling

Weihnachtsgedanken

Es mag nicht sein, dass dies nur Ritual,
das festlich kurz des Alltags Grau durchbricht,
ein Träumen nur im Glanz des Kerzenlichts,
üppig bedacht, die Gans zum Festtagsmahl.

Es gilt, die Liebe, die uns ward, zu schenken,
dem Nächsten, der uns braucht, auch übers Jahr.
Mit wachem Blick zu sehen und zu denken,
die Fackel sein, im Dunkeln leuchten klar.

Das heißt, zu schützen diese schöne Erde,
den Schwachen helfen, auch in Leid und Not,
damit die Welt geeint und friedlich werde,
und jeder habe dann sein täglich’ Brot.

© Text u. Foto: Ingrid Herta Drewing,

Schutzengelchen

Schutzengel zu Corona-Zeiten,
sie haben wohl zu viel zu tun.
Anstatt ruhig Menschen zu begleiten
und sanft auf ihrem Weg zu leiten,
sind sie wie Bienen fleißig nun.

Die Anvertrauten zu beschützen,
verlangt bei Tag und Nacht viel ab,
wenn Masken falsch am Munde sitzen,
und nur dem Virus dann noch nützen,
das hält den Engel sehr auf Trab.

Oft wirkt das Virus mit Verheeren,
der Mensch muss schnell ins Krankenhaus,
wo Ärzte, Pflegende den schweren
Symptomen dann nach Kräften wehren,
als Schutzengel da helfen aus.

Und ward sein Menschen-Kind gerettet,
dann legt sein Engel sich zur Ruh,
auf Rosen ist er nicht gebettet,
doch sind die Flügel schön geglättet,
schläft er für eine Weil‘ im Nu.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

16.Dezember 2020

Lock down, und nichts mehr soll uns locken,
dort in der Stadt herumzulaufen,
am Glühwein-Stand zu stehen, hocken,
auch wenn die Luft dort klar und trocken,
mit Menschen plaudernd zu verschnaufen.

Dem Virus gilt ’s jetzt, schnell zu wehren,
bevor ’s uns kann ins Unheil treiben.
So mancher ließ sich nicht belehren,
tat über Masken sich beschweren,
wollt Mundschutz frei bei Demos bleiben.

Auch Party-Freunde, denen ’s Feiern
so wichtig war mit andern, vielen,
ob Hamburg, Berlin, Oberbayern,
die ignorant in ihrem Eiern
Corona ließen munter spielen.

Doch auch in Schulen, Bussen, Bahnen
fand wohl das Virus seine Wirte.
Im Sommer wollt ’s kaum einer ahnen;
der Virologen ernstes Mahnen
ward überhört und viele irrten.

Das zeigt nun klar die zweite Welle,
die vielen Infizierten, Toten.
Der Lock down light traf nicht die Quelle,
das Virus sich verbreitet schnelle
benutzt Symptom frei seine Boten.

Drum heißt es jetzt, Distanz zu wahren,
ihm neue Wirte zu entziehen,
vermeiden, dass sich Menschen scharen,
einander den Infekt ersparen
und so dem Virus auch entfliehen!

© Ingrid Herta Drewing

Falscher Nikolaus

Wer schleicht bei Nacht dort um das Haus,
wo längst schon schlafen Mann und Maus
sowie die Mieze auf der Matte?
Der Ede ist ’s, als Nikolaus
hat sich verkleidet diese Ratte.

Statt, was zu bringen, will er ‚ s holen,
bricht ein und geht auf leisen Sohlen
jetzt zielstrebig zur Küche hin.
Doch plötzlich knarren laut die Bohlen,
das hört der Wachhund Rasputin.

Er hebt den Kopf, die Schnauze, schnüffelt,
bemerkt, dass es nach Ratte müffelt
und nimmt sogleich schnell auf die Spur.
Dieweil der Ede, der gern süffelt,
ausgiebig trinkt vom Whiskey pur.

Als ihm, fidel, ein großer Schinken
dort auf dem Tisch nun scheint zu winken,
da freut er sich auf fette Beute,
beendet sodann auch sein Trinken,
um ’s Diebesgut zu sichern heute.

Jedoch leicht ist das nicht zu stehlen.
Um nicht den Braten zu verfehlen,
muss Ede springen von ’nem Hocker
dort auf den Tisch; er kann’s nicht wählen,
dabei stört das Kostüm, das locker.

So bleibt er am Adventskranz hängen,
und seine Mütze fliegt um Längen
an Tisch und Schinken flugs vorbei
auf Rasputin, der in dem engen
Bereich sucht, wo die Ratte sei.

Der Hund beginnt jetzt laut zu bellen,
versucht den Ede so zu stellen
und hofft, dass Herrchen kommt herbei.
Schon hört auch Ede Rufe gellen,
befürchtet, alles sei vorbei.

Er kann sich aus der Jacke lösen,
indem er öffnet alle Ösen
und rennt hinaus, so schnell er kann.
Den Hund schimpft dann danach als Bösen
und Störenfried der Herr von Tann.

„Nein, Rasputin, das lass dir sagen,
dir nutzt kein Bellen oder Klagen;
der Schinken hier ist nicht für dich.
Zu nehmen ihn, soll niemand wagen,
der ist für Gäste und für mich!“

Was Ede hinterher noch machte,
ob er leis murrte oder lachte,
das weiß allein der Nikolaus,
der noch an diesem Abend wachte,
die Strümpfe füllte in dem Haus.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Bild: Ingmar Drewing

Der Fährmann und die Armen Seelen

Der träge Fluss im Nebelhauch,
nur trübes Licht, Novembermorgen,
doch überm Fährhausdach der Rauch
zeigt an, ein Mensch lebt hier geborgen.

Tagaus,tagein scheut er nicht Mühe
und bringt die Wandrer übern Fluss;
ob abends spät, ob in der Frühe
ist ’s für ihn ein gewohntes Muss.

Doch heut’ beschleicht ihn banges Ahnen,
er träumte nachts, es hieße Tod
ihn Charon, und mit ernstem Mahnen
brächt’ er die Toten in sein Boot.

Ihn graust ’s, als er zur Fähre schreitet.
Man rief nach ihm, doch keiner da!
Ein kaltes Schaudern ihn begleitet,
als er bemerkt den Schatten nah’.

Der Fährmann zögert, fühlt Gefahr,
ruft rüber:“ Jetzt fehlt mir die Sicht,
ein wenig später, wenn es klar,
werd’ ich erfüllen meine Pflicht.“

„ Hol über, Fährmann,will’s dir lohnen
mit Gold; so scheu das Rudern nicht;
musst heut’ dein Boot nicht ängstlich schonen,
der Nebel ist nicht gar zu dicht!“

Da überwindet sich der Mann,
setzt übern Fluss, und es steigt ein
ein Herr, sehr vornehm, sagt sodann:
„ Nimm diesen Batzen, er sei dein!“

Er nimmt den Lohn und lenkt das Boot,
erleichtert;doch in Flusses Mitten
senkt sich der Kahn, gerät in Not,
als sei viel Volk hinein geglitten.

Und er hört nun,erschrocken staunend,
„ Erlöse uns von unsrer Schuld!“
Ein Wimmern, Arme Seelen raunend:
„ Rett’ uns ans Ufer, üb’ Geduld!“

Dem Fährmann sträubt sich fast das Haar,
doch zieht er fest die Riemen an;
der Fremde, scheint’s ihm,lächelt gar!
Nun rudert er, so schnell er kann.

Dann endlich ist der Steg in Sicht,
und sicher legt dort an der Kahn,
der plötzlich strahlt in hellem Licht,
als breche Sonne sich die Bahn.

Und vieler Stimmen Dankesworte
vernimmt der Fährmann, schaut sich um:
Es ist kein Passagier vor Orte;
er denkt an Wahnsinn, fühlt sich dumm.

Doch das, was ihm der Herr gezollt,
das will ihn dennoch überraschen:
Er findet jenen Batzen Gold
ganz tief in seinen Hosentaschen.

Jedoch zu Haus sein Spiegelbild
blickt fremd ihn an: ein alter Mann.
Das schwere Werk, das er erfüllt’,
hat ihn gezeichnet also dann.

© Text: Ingrid Herta Drewing,

   Foto: Pixabay