Archive for the Category Menschlichkeit

 
 

Ein Märchen

Goldsternjpg

„Ach,Omi, bitte,nur ein Märchen,
erzähle,eins,dann geb‘ ich Ruh‘!“,
so bettelt inständig klein Klärchen,
„ vielleicht von Sternen? Ich hör zu.“

FALSCHER STERN

Es trug sich zu vor vielen langen Jahren,
dass dort in einem fernen, fremden Land
die Menschen trugen Sterne in den Haaren,
die man aus feinem Gold in Flechten band.

Zunächst war’s schöner Brauch, dann ward’s Gesetz,
und keiner konnte unbesternt bestehen.
Es hieß, wer dieses Sterngesetz verletz‘
sollt‘ einer schweren Strafe nicht entgehen.

Der Juweliere Arbeit wuchs; zu tun
hatten natürlich, reich an Zahl, Frisöre.
Sogar den Kinderschopf versah man nun
mit kleinen Sternchen, schmückte jede Göre.

Zwar gab’s in diesem Lande wohl auch Glatzen;
jedoch sah man sie noch besternt bei Nacht,
bedeckt mit Gold die haarigen Matratzen,
Perücken, die aus Mädchenhaar gemacht.

Sogar der König, munkelte man dunkel,
sei ziemlich haarlos unter dem Toupet,
das, Edelstein bespickt, als Lichtgefunkel
er trug im Sternenglanz der edlen Höh‘.

Wo so viel Reichtum glänzt, gibt es auch Arme.
So war es leider auch in diesem Land,
wo Gier und Dünkel fremd der Satz: „Erbarme
dich dem, der glücklos neben dir sich fand!“

Dem Prassen, ganz der Eitelkeit ergeben,
sich richtend in Bequemlichkeit fein ein,
versorgt von armer Sklaven Kraft dies Leben,
das sich gefiel im Parasitensein.

Tief in des Stollens trübem Licht der Minen
trieb man zur Arbeit an Mann, Weib und Kind.
Ihr Leben, das die Sonne kaum beschienen,
verging im Joch der Qualen wie im Wind.

Die Wächter, Roboter, den Nachschub suchten,
auf Straßen fingen Unbesternte ein,
und wenn auch die, gefangen, klagten, fluchten,
war’s ihnen gleich, das Soll erfüllt musst‘ sein.

So kam es, dass ein Fang betraf den Prinzen,
der aus dem Schloss geschlichen unbedacht,
verkleidet, fern dem Hofe wollte linsen,
was das gemeine Volk wohl täglich macht.

Er wehrte sich, man ließ ihn nicht entrinnen,
die Wächter sahen bei ihm keinen Stern,
und eh‘ er sich vermochte zu besinnen,
war nun des Königs Sohn versklavt, ihm fern.

Im Lager fand er seinen Hochmut wieder,
befahl:“ Kniet nieder, ich bin Königs Sohn!“
Doch man versagte ihm Gefolgschaft, bieder,
verschmähte ihn mit Worten voller Hohn!

„Habt ihr’s gehört, die Majestät, der Junge,
spielt jetzt mit uns sogar noch König:Knecht!
Los an die Arbeit, hüte deine Zunge,
wer hier nicht spurt, dem geht es furchtbar schlecht!

Wir halten’s deiner Jugend noch zu Gute,
ansonsten ahnden wir solch schlechten Scherz.
Ob du von Adel oder andrem Blute,en
ist uns egal, uns alle frisst der Schmerz.“

Da konnte er sehr bald bewusst ermessen,
dass solches Dasein führt zu frühem Tod,
nur faules Wasser, schimmlig Brot als Essen,
die Arbeit mühsam, täglich Pein und Not.

Nun könnte mancher vorschnell leicht vermuten,
dass diesem Prinzen wurde hart der Sinn,
er, Böses plante, sah nicht auf die Guten,
die mit ihm zogen zu den Minen hin.

Jedoch er lernte, traf den Leidgenossen,
den einen Freund, der tapfer zu ihm stand,
sodass er überlebte, unverdrossen,
obwohl solch Sklavenlos ihm unbekannt.

Und als dann eines Tag’s ein schlagend Wetter
dort explodierte, alles setzt in Brand
erwies auch er sich als des Freundes Retter,
den er verschüttet unter Steinen fand.

Er barg ihn sanft, trug ihn hinaus ins Freie
und legte, pflegte ihn, ein Baum ihr Dach;
dann schlief auch er ein, bis ihn ein Geschreie
von Rabenkrähen rief so seltsam wach:

„Gut bist du, Prinz, du solltest König werden,
damit in diesem Reich vorbei die Not,
von Dummheit, Gier und Hochmut hier auf Erden
kein Leben eines Wesens sei bedroht!“

Und eine Elster, die sich zugesellte,
nun keckerte mit magisch‘ süßer Stimm‘:
„ Hier ist dein Stern, den ich mir flugs bestellte,
steck‘ ihn dir an, beeile dich,komm‘, nimm‘!“

Als dann der Sonne Strahl ihn wärmte, weckte,
war auch des Freundes Blick schon wieder klar,
sodass er jenen Königsstern entdeckte.
Der Prinz erkannte, dass sein Traum war wahr.

Nun ging’s zum Schloss, dort wehten Trauerfahnen,
tiefschwarz verkündeten sie den Verlust
des Kronprinzen; denn niemand konnte ahnen,
dass dieser in den Minen fristen musst‘.

Doch als der König wiederfand den Sohn,
die Königin ihn drückte an ihr Herz,
erklärte dieser, dass des Goldes Lohn
verursachte sein Missgeschick, den Schmerz.

„ Mein Vater“, sprach er, „ statt des Goldes Glanz,
das mühsam in den Minen wird gewonnen,
missachtend andrer Menschen Leben ganz,
hab ich mich eines Besseren besonnen.

Ich bitte Euch, lasst uns natürlich leben,
wir brauchen nicht den Pomp und falschen Schein,
denn dieses Reich sei reich durch gutes Geben,
das keinen lässt im Sklavendienste sein!

Auch jene Roboter, die stumpf in dumpfem Sinn
zum Drangsalieren normativ gedacht,
lass‘ programmieren um und send‘ sie hin
zu hüten sorgsam Schafe Tag und Nacht!

Nie sollt‘ es mehr in unsrem Lande sein,
dass böse Ansicht wuchert, und was schlecht
sogar in ein Gesetz mag fließen ein,
nie mehr missachte man das Menschenrecht!“

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Und, Omi, hat der König das getan?
Lebte der Freund des Prinzen nun im Schloss?

So ganz genau, vermag ich’s nicht zu sagen,
jedoch erschien der Prinz mir voller Mut.
Ich glaube, auch sein Freund musste nicht klagen,
denn meistens enden alle Märchen gut.

© Ingrid Herta Drewing

Leben im Wort

(In Erinnerung an Ingo Baumgartner,
der am 16. Juli 2015 starb.)

Nie gingst du wirklich von uns, deine Worte
sie hallen nach, dein Leben im Gedicht
erreicht uns noch am wohl bekannten Orte,
und zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht.

Du konntest reich an Liebe Leben schauen,
das kleinste Pflänzchen achtend und Getier,
humorvoll, trotz der Menschen Falschheit, bauen
auf die Natur, die uns zeigt Schönheit hier.

So ließest du als Lehrer wohl erfahren,
nicht nur die Schüler, dass der Wert der Welt
sich täglich zeigen darf im Guten, Klaren,
das uns in Liebe hier auf Erden hält.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Gegen den Krieg

Krieg,2014

Die Frühlingswelt erwacht zu neuem Leben,
doch ist das Glück getrübt, das mich erfüllt.
Des Hochmuts Fratze zeigt ein schändlich‘ Streben,
und sorgenvoll spür ich dies ferne Beben,
Schein-Empathie als Willkür sich enthüllt.

Wie leicht kann doch ein Funke da entzünden
ein Feuer, das dann setzt die Welt in Brand,
lässt unsre Friedenszeit in Kriege münden,
verstrickt uns wieder in die alten Sünden,
die wir noch unlängst hielten für gebannt.

Lasst Worte sprechen und die Waffen schweigen!
Beendet die Verheerung durch den Krieg!
Vernunft euch leite, Klarheit möge zeigen,
das hier das Recht noch ist der Menschheit eigen!
Dem Leben gelte friedfertig der Sieg!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Zuwendung

Wir tragen aneinander oft sehr schwer,
und unsre Seelen plagen stumme Klagen.
Doch unsre Lippen sind verschlossen,wer
besitzt den Mut und ist geneigt zu sagen,
dass seine Welt erscheint ihm inhaltsleer.

Das Bildnis, das vom anderen wir kennen,
das führt dazu, dass wir ihn ordnen ein,
ihn wie ein Ding festlegen, sorglos scannen,
zu wenig achten, wie er Mensch will sein,
und unsre Sicht als richtig stets benennen.

Nur wenn wir mit der Liebe Augen sehen,
in Demut bleiben für das Leben offen,
dem and’ren zuhören und ihn verstehen,
erfahren wir, was ihn bewegt, sein Hoffen
und können so gemeinsam mit ihm gehen.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Friedenssehnsucht

So viele Orte kennen keinen Frieden,
nicht nur wo Krieg die Todesfratze zeigt,
auch dort,wo Hungersnöte hart beschieden,
das Existieren schränken ein hienieden.
Der Rest der Welt nimmt’s hin, genießt und schweigt.

Fast chancenlos scheint Menschlichkeit zu kämpfen,
obwohl Adventszeit doch dies‘ Hoffen sät,
die Weihnachtsbotschaft möge Böses dämpfen,
befreien uns von allen falschen Krämpfen,
zur guten Einsicht sei es nie zu spät.

Wann endlich endet blinder Hass und Wahn,
der rücksichtslos reißt Menschen in den Tod?
Der Terror, den wir gestern wüten sahn,
erbarmungslos zog seine blut’ge Bahn;
aus Freude im Advent ward Angst und Not.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Engelsbild

Das Engelsbild, das fast verblasst,
erstarrt in Puttenniedlichkeit,
als Werbung lockt’s in Alltags Hast.
Damit es Käufer lieblich fasst,
wird’s neu erweckt zur Weihnachtszeit.

Statt Gottes Wort klar zu verkünden
(die Bibel Engelsboten kennt)
verkaufen sie nun süße Sünden
und mehren Schätze in den Pfründen,
die säkular der Mehrwert nennt.

Noch träumen wir vom wahren Guten,
Schutzengeln, die hier als Geschick
uns stets umsorgen und sich sputen,
auf dass wir nicht im Leid verbluten,
uns gar noch brechen das Genick.

Doch ahnen wir, dies‘ Bild muss lügen,
da Elend, Krieg und Tod der Welt
in immer neuen Höhenflügen
die Güte führen zum Erliegen,
und Menschlichkeit ins Abseits fällt.

Vielleicht gilt’s dennoch, zu entdecken
das Engelsbild in uns, im Wir,
zu lieben üben, nichts bezwecken,
sich hinter Lügen nicht verstecken,
dem Frieden näher kommen hier.

© Ingrid Herta Drewing, 2016Version 3

Menschenersatz

Bequem erscheint die Automatenwelt,
erledigt Arbeit, spart so Zeit und Geld.
„Der Mensch wird frei gestellt“,
heißt es so schön.
„Wirst du erwerbslos, musst du seh’n,
was anderes zu finden!

Musst mit dem Fortschritt geh’n,
lässt sich nicht unterbinden!“

Die Fortschrittsgläubigkeit erzeugt Probleme,
beschert nicht allen nur das Angenehme.
Den einen wird gegeben,
den anderen genommen;
meist kann der Mehrwert nicht
zu allen Menschen kommen.
So werden auf der Welt im Hier und Heute
sehr viele Arme nur der Reichen Beute.

Ich frag‘ mich auch, ob da in all den Sachen,
in denen wir uns überflüssig machen,
es immer sinnvoll ist, zu delegieren,
anstatt, es selbst bewusst hier auszuführen.
Verantwortung des Handelns sieht wohl kaum
der Roboter, der dann beherrscht den Raum.
Auch schlimme Taten( wie durch Drohnen Tücke)
entziehen sich so leicht dem klaren Blicke.

„Ach was, denk mal an menschliches Versagen,
zu oft sind Unfälle und Tote zu beklagen!
So schnell und so exakt wie die Maschinen,
die Roboter, kann doch kein Mensch mehr dienen.“

Dass wir als Menschen nicht wie die Maschinen
nur funktionieren, ist des Lebens Gunst,
bei Unverhofftem lassen wir die Schienen
und finden neue Wege, das ist Kunst.

Ich mag sie nicht, die Welt, die starr und kalt
den Mensch dem Menschen nimmt im Fortschrittswahn,
wo uns, vernetzt im digitalen Wald,
auf Knopfdruck dann bewegt ein Robot-Clan.

Wir brauchen bald kaum noch die Arme, Beine,
und manche nutzen nicht mehr oft ihr Hirn.
Längst gibt es eine Welt medial für Kleine,
mit Geld und Macht lebt man auf andrem Stern.

Gäb’s endlich Fortschritt in der Empathie,
gerechtes Handeln, Frieden in der Welt,
dass man besieg‘ den Wahn, die Idiotie,
die uns entmenscht in Gier gefangen hält!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Vision

Nicht Leid, noch Pein mag mir dies Hoffen rauben,
dass einst auf Erden kehre Friede ein
und hier gerecht statt Falken traulich Tauben
erfüllen, was ich gar so gern mag glauben,
dass hier der Mensch wächst in sein wahres Sein.

Wo jetzt noch Kriege Stadt und Land verheeren,
der Tod das Leben nimmt schon vor der Frist,
wird die Vernunft des Chaos Macht verwehren
und Einsicht Güte, klaren Blick bescheren,
damit harmonisch, schön dies Dasein ist.

Gemeinsam werden Menschen sorgsam walten
und hegen diese Schöpfung, die Natur.
Ein irdisch‘ Paradies mag man gestalten,
sich kreativ mit Kunstsinn da entfalten
und schützen auch die kleinste Kreatur.

Ich weiß, ich werde es nicht mehr erleben.
Doch einst wird dieser Hoffnungstraum erfüllt,
wenn hier der Menschen Sinnen und Bestreben
statt nur zu nehmen, weicht dem guten Geben,
Maßlosigkeit und Gier sind so gestillt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Unbegreiflich

Senryu zu Sylvia Magdalena Röhrls Bild

Pergamentverlies,
nach Hilfe sucht diese Hand
und greift ins Leere.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Leben

Wenn ich bedenke, wie unendlich groß
die Welt, das All, so gänzlich alles ist,
erkenne ich, wie klein mein irdisch Los,
das sich an Nichtigkeiten täglich misst.

Und dennoch ist dies‘ eine kleine Leben
in sich etwas, das wirklich, wunderwahr,
auf diesem Erdenball hier mit zu schweben
im dunklen All und doch im Lichte klar.

Ein „Spiel der Zeit“, so nannten es die Alten,
dies‘ Menschenleben, das sich hier erfüllt
im Sinnen, Lieben,Walten und Gestalten,
ein helles Dasein, Fragen ungestillt.

Geschenk des Schöpfers, das auch ich gewann
und freudig, dankbar darf ich’s nehmen an.

© Ingrid Herta Drewing,