Archive for the Category Fabeln und Parabeln

 
 

Bärli und der Sport

Bärensportfest soll bald sein,
da will Bärli auch recht fein
Bälle werfen und schnell laufen.
Aber oft muss er verschnaufen,
denn das strengt ihn doch sehr an.

Er wundert sich, was mancher kann.
Bruder Brummel springt fünf Meter,
und sein Freund, der Tatzi Peter
rennt, wirft Bälle richtig weit.
Bärli hat nun keine Freud,
glaubt, dass er ein Versager ist,
der besser nun den Sport vergisst.
Er setzt sich hinter eine Hecke
und schaut ganz traurig um die Ecke.

Als sein Freund kommt dort vorbei,
fragt er Bärli, was denn sei.
Bärli sagt:“ Ein Garnichts-Könner
so wie ich, das ist kein Renner.
Deshalb troll ich mich nach Haus,
denn mit Sport ist’s für mich aus.“

Doch sein Freund, der macht ihm Mut:
„Früher war auch ich nicht gut,
musste immerzu verlieren,
dacht’, man will mich schikanieren.
Doch durch Üben, nicht zu knapp,
hat es irgendwann geklappt.
Die Sieger, die du kennst hier, alle,
sind nicht vom Himmel so gefallen,
die haben lange auch trainiert,
bevor sie den Erfolg gespürt.

Drum, Bärli, gib den Mut nicht auf,
komm mit mir doch zum Dauerlauf.
Sport ist auch ohne Sieg sehr schön,
kannst fit dann durch die Gegend geh’n!“

Der Bärli fasst nun neuen Mut,
den Freund zu haben, das ist gut,
und außerdem, jetzt weiß er:
Übung macht den Meister.

© Ingrid Herta Drewing, 2009

Bärli und die Hausaufgaben

Wie bei Menschenkindern auch,
ist’s bei Bären nun mal Brauch
für das Leben tags zu lernen,
träumen darf man unter Sternen.

Bärli geht seit einem Jahr
in die Schule. Wunderbar
findet er, was man da macht,
viel gelernt wird und gelacht.
Schreiben, Rechnen, Malen, Lesen,
das gefällt dem Bärenwesen.
Und ihr Lehrer, Meister Brumm,
sorgt dafür, dass keiner dumm.

Wenn die Schule mittags aus,
läuft auch Bärli froh nach Haus.
Nach dem Essen geht’s zum Spiel,
denn Bewegung brauchen viel
alle Kinder, auch die Bären.
Mutter lässt ihn nun gewähren.
Mag er seine Freude haben.
Aber auch die Hausaufgaben
soll der Bärli bald noch machen.

Dem vergeht da schnell das Lachen,
möchte gern nur draußen bleiben,
statt zu Haus zu rechnen, schreiben.
Mutter zwar, erklärt ihm richtig,
dass die Übung sei sehr wichtig.
Aber Bärli glaubt das nicht,
ist ein fauler Bärenwicht.

Oft hat er nun, statt zu üben,
sich im Freien rumgetrieben,
denn es macht ihm viel mehr Spaß
mit Freund Brumm im frischen Gras
Raufen, Fangen, Ball zu spielen,
statt ins Schulbuch rein zu schielen.

Bald jedoch ergibt sich dann,
dass er manches nicht mehr kann.
Was er glaubte schon gelernt,
hat sich aus dem Kopf entfernt.

Eines Tages nämlich wollte,
weil der alte nicht mehr rollte,
er ‘nen neuen Ball sich kaufen,
musste drum zum Kaufhaus laufen.
5 Euro hielt er in der Hand,
gab sie dem Kaufmann, der befand:
„2 Euro kostet dieser Ball,
du kriegst zurück auf jeden Fall
2 Euro, hast mir 5 gegeben.
Viel Spaß beim Spielen, muss mal eben
nach vorne geh’n, da kommen Kunden!“

Der Bärli ward schnell abgefunden,
lief dann mit seinem Ball nach Haus,
kam an, sehr fröhlich sah er aus;
traf Bruder Brummel, sprach voll Glück:
„2 Euro gab er mir zurück!“
„Ach , Bärli, rechnen solltest du !
Da fehlt 1 Euro noch dazu.
Jeder weiß 5 – 2
Das ist und bleibt noch immer 3!“

Da war der Bärli doch verdutzt,
ihm schien’s , dass Üben doch was nutzt.
Seither macht er erst Hausaufgaben,
um dann zum Spiel noch Zeit zu haben.

© Ingrid Herta Drewing

Bärli und seine Schwester

Im Wald vergnügt beim Beerensuchen
in Himbeerhecken bei den Buchen
geht Bärline froh dahin.
Da kommt es Bärli in den Sinn,
sie zu necken mit Gewinn.

Sein Schwesterchen hat viel gesammelt.
Damit die Beeren nicht vergammeln,
sind sie im Korb gut aufgehoben;
damit auch nichts herunter fällt,
hat sie das Körbchen hingestellt.
Das sieht der Bärli, und sogleich
heckt er aus den frechen Streich.
Um Bärline abzulenken,
will er, dass sie bei sich denke,
Bärli sei in großer Not.
Laut schreit er:“Hilfe !“,
läuft dann fort
ganz schnell an einen andern Ort.

Und als Bärline angeeilt,
der Bärli längst beim Körbchen weilt,
isst auf schnell alle guten Beeren.
Bärline glaubt’ sich zu verhören.
Da sieht sie Bärli, und er lacht:
„April, April, hast falsch gedacht!“
Bärline seine Schandtat sieht
und nun vor Wut ganz brummig glüht.
„Na warte, lieber Bruder Bär,
so etwas machst du nimmermehr!“
Doch Bärli schert das einen Dreck;
Er grinst nur frech, dann läuft er weg.

Im Übermut, am See jedoch,
fällt er in ein sehr tiefes Loch.
Und laut schreit er: „Bärline, Hilfe!
Ich bin im Loch, nah bei dem Schilfe!“
Bärline denkt:“Das glaub’, wer will,
du schickst mich nicht in den April!“
Und ruhig geht sie nach Hause weiter.
Der Bärli in dem Loch, was schreit er!

Zu Hause wundert Mama sich,
denn Bärli sitzt noch nicht bei Tisch.
Sie fragt Bärline, wo er sei,
die ihr erzählt die Neckerei.
Doch Mama Bär sagt engagiert:
„Dem ist nun wirklich was passiert.“

Gemeinsam sind sie dann gegangen,
um zu Bärli zu gelangen.
Der sitzt verlassen in dem Loch,
weint bitterlich da, noch und noch.
Doch nun ist gleich vorbei der Graus,
denn Mama Bär holt ihn heraus,
und Bärli ist da ganz im Glück.

Als sie zu Hause sind zurück,
bedenkt er, wie das konnt’ geschehen,
Bärline wollt’ nicht nach ihm sehen!
Doch nun erkennt er das Gebot:

HILFE schreit man nur in Not.

© Ingrid Herta Drewing, 2009

Bärli und Brummel

Bärli saß am Waldesrand,
als sein Bruder kam gerannt,
um zu raufen und zu spielen
Bärli musste dabei fühlen,
dass der Brummel stärker war,
und das ärgerte ihn gar.
Deshalb kam der starke Regen
ihm jetzt wirklich sehr gelegen,
denn nun war sie schnell vorbei,
die Geschwisterrauferei.

Und als Bärli war allein,
überlegte er, wie fein
er dem Brummel mache klar,
dass er, Bärli, auch wer war.

Jäger hatten nun seit Tagen
dort ihr Lager aufgeschlagen,
wo der Wildbach in der Klamm
stürzt herab von Berges Kamm

Am Abend, als schon alles tief
in der Bärenhöhle schlief,
weckte Bärli Brummel auf,
erzählte von dem Lagerfeuer
der Jäger und, dass er nun heuer
hingehn wolle unverhohlen,
um sich von dem Obst zu holen,
das man dort in Körben hätte.
Er sei mutig, und er wette,
Brummel traue sich das nie,
er bekomme weiche Knie.
Brummel sagte:“Sei nicht dummm!
Lass das!“,drehte sich dann um,
wollte endlich wieder ruhn,
aber unser Bärli nun,
wollte es tatsächlich tun.
Und eh Brummel sich versah,
war der Bärli nicht mehr da.
Doch das kümmert’ Brummel sehr,
er lief Bärli hinterher.

Und Bärli , wirklich ohne Bangen,
war zum Lager hingegangen.
Als ihn dort ein Jäger sah,
sagte der leis’:“Schaut mal da!
Dort das Bärenjunge klein
locken wir ins Lager rein,
fangen’s und verkaufen’s so
in der Stadt an einen Zoo.“
Sie stellten Äpfel, Honig hin
Und lockten so des Bärlis Sinn.
Und unser Bärli, noch so klein,
fiel auf diesen Trick herein.
Gesagt, getan mit einem Netz
wurde Bärli festgesetzt.
Er brummte, jammerte, dass bald
sein Klagen durch den Wald erschallt.

Dem Brummel war es nicht entgangen,
dass sein Bruder ward gefangen.
Er weckte ihre Mutter schnell,
sie rasten hin zu jener Stell,
wo sie hörten Bärli klagen,
um die Jäger zu verjagen.
Die rannten, ängstlich, aufgeschreckt,
ganz schnell und ohne Flinten weg.
Mama und Brummel konnten fein
ihr Bärli aus dem Netz befrein.

Als in der Höhle sie zurück,
war auch der Brummel voller Glück.
Und Bärli,der noch etwas matt,
war froh, dass er den Brummel hat.
Dass dieser stärker ist als er,
das stört ihn nun auch gar nicht mehr.

Ein großer Bruder bei Gefahr
bedeutet Schutz, sieht er nun klar!

© Ingrid Herta Drewing
Aus der Sammlung Gedichte für Kinder

Bärli beim Lachsfang

Bärli liebt das Baden sehr
im frischen Bach, doch noch viel mehr
mag er es, wenn in den Schnellen
Jagd ist auf die Lachsforellen.

Mama und noch andre Bären
sammeln Fische zum Verzehren,
die sie ohne großes Bangen
sehr geschickt im Flusse fangen.

Mama zeigt ihm, wie es geht,
auch wo er am besten steht,
um den wilden Männerbären
ihren Zutritt nicht zu wehren.
Mahnt, dass sich ihr Bärli hält
und nicht in den Strudel fällt.
„Bleib am besten dicht bei mir,
dies, mein Bärli, rat ich dir!“

Bärli sieht die Lachse springen,
denkt, es sollt ihm auch gelingen
dort am kleinen Wasserfall
wie den großen Bärenjungen;
die sind auf dem Baumstamm all,
fischend, fröhlich ungezwungen.

Doch kaum ist er angekommen,
fühlt er sich doch sehr beklommen.
Auf dem Baumstamm balancieren
und die Fische schikanieren,
ist doch schwerer, als gedacht.
Als man ihn dann ausgelacht,
läuft er voller Übermut
ganz nah an des Wassers Flut.

Bevor der Fischfang richtig flutscht,
ist Bärli plötzlich ausgerutscht,
fällt ins Wasser tief hinein
und fängt brummig an zu schrei’n.

Die Bärenmutter holt zum Glück
ihn aus dem Wasser schnell zurück, sagt:
“Bärli, viel musst du noch lernen,
bevor du dich kannst weit entfernen.
Auch solltest du nichts Dummes machen,
nur weil die andern Dummen lachen!“

Und Bärli brummt nun sehr verständig,
zum Glück ist er ja noch lebendig.

© Ingrid Herta Drewing

Bärli und die Bienen

Vor einem Baum steht Bärli Brumm.
„War da nicht eben ein Gesumm?“
Das Summen Süßes da verheißt,
er es von Bärenmama weiß.
Wenn sie geklettert hoch den Baum,
dann folgte bald ein Honigtraum.

Doch leider ist er hier allein,
da wird’s wohl nichts mit süßem Seim.
Sagte doch Mutter: “Hüte dich,
es tut sehr weh ein Bienenstich!“
Aber, wie Kinder nun mal sind,
den Rat vergisst er nun geschwind.
Denn Bärli hat schon Lust bekommen
auf Honig, und so wird erklommen
der hohe Baum jetzt Pflock für Pflock,
ganz hoch bis hin zum Bienenstock.

Da herrscht ein Wuseln und Gesumme,
das Bärli freut sich mit Gebrumme,
will mit der Schnauze aus den Waben
den Honig holen, sich dran laben.
Jedoch das Bienenvolk gestört,
durch dieses Eindringen empört,
stürzt wild sich auf den Bärenwicht
und tobt und sticht, ein Kampfgericht.
Das Bärli schreit vor Schmerz:“Au wei!“,
sodass die Bärin eilt herbei.
Er purzelt grob den Baum hinunter,
verfolgt von Bienen, die sehr munter.

Die Bärenmutter ihm schon winkt,
ihn zu dem Teich ans Wasser bringt,
damit er kühlen kann mit Frische
die vielen schlimmen Bienenstiche,
sagt:“Kind, was manch Erwachs’ner tut,
ist längst noch nicht für Kinder gut.
Ihr solltet doch auf Rat und Lehren
der Mutter brav und sorgsam hören.“

© Ingrid Herta Drewing,2009

Verpasste Chance

Ein Senkel und ’ne Schnalle
noch waren unbeschuht,
und wie in solchem Falle
gut Ding mit Weile ruht.

Sie lagen in der Lade
dort beinander dicht,
doch Schnallen-Stolz, wie schade,
nahm wahr Schnürsenkel nicht.

Der Senkel sich bemühte
und sprach die Schnalle an,
lobte den Glanz, die Güte,
die sie erbringen kann.

Die Schnalle ignorierte
jedoch, was er gesagt,
was er da so vollführte,
hat gar nicht ihr behagt.

Doch als dann Opas Enkel
zum Schuhband ihn gewählt,
vermisste sie den Senkel,
der ihr nun täglich fehlt.

So vieles, was gewöhnlich
uns vor dem Auge steht,
trifft plötzlich uns persönlich,
wenn es für immer geht.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Unerfüllt

Es war einmal ein Stacheldraht,
dem war das eigne Dasein fad.

Statt stach’lig Felder zu umsäumen,
wollt er viel lieber glänzend träumen,
er sei ganz glatt und blank von Art,
der Teil von einem Biker-Rad
und rolle mit ihm durch die Welt,
weit weg von Stachelzaun und Feld.

Doch, wie’s oft ist mit schönen Träumen,
sie sterben meist in Alltags Räumen.
Er blieb so dornenhart besetzt
und hat manch Wesen dann verletzt.

© Ingrid Herta Drewing

Befreiung

Kiwischlange_o

So mancher, den die Lieb umschlungen,
ward nur für kurze Zeit beglückt.
Bald fühlt er sich beengt, gezwungen,
von zu viel Zuwendung erdrückt.

Er mag sodann den Ausweg suchen,
sein Leben nicht symbiotisch sei,
isst lieber trocknes Brot statt Kuchen
und fühlt lebendig sich und frei.

© Foto u. Text /Ingrid Herta Drewing,

Kiwi hält Rohr im Würgegriff

Silbengerangel

Hochmütig war einst das Präfix,
da es dem Wortstamm schritt voran,
und schaut‘ verächtlich auf’s Suffix,
das sich am Ende da schloss an.

Es legte auf „sein Prä“ viel Wert,
sein Abscheu galt dem schlichten Vor.
Als Prä-sident im Sprachgefährt
zog’s es zu Höherem empor.

Suffix belächelte dies nur,
solch Dünkel lag ihm völlig fern.
Doch ging’s ihm wider die Natur,
wenn Präfix spielte seinen Herrn.

So wehrt es sich, liest ihm Leviten
und sagt: „ Wer Präfix näher kennt,
der weiß, dass es nicht vor, noch mitten,
im Satz steht, sondern oft am End‘.

Da werd‘ dem Verbstamm es entrissen,
so etwas komme häufig vor,
jedoch ’s Suffix, am Platz, beflissen,
sei konjugierend mit am Tor.“

Wen stört’s, was heißt, Präfix, Suffix?
Mal nebenbei, ganz im Vertrauen,
der Linguist beim Worte Schauen,
nennt beide Teile auch AFFix

© Ingrid Herta Drewing,2017