Archive for the Category Fabeln und Parabeln

 
 

Silbengerangel

Hochmütig war einst das Präfix,
da es dem Wortstamm schritt voran,
und schaut‘ verächtlich auf’s Suffix,
das sich am Ende da schloss an.

Es legte auf „sein Prä“ viel Wert,
sein Abscheu galt dem schlichten Vor.
Als Prä-sident im Sprachgefährt
zog’s es zu Höherem empor.

Suffix belächelte dies nur,
solch Dünkel lag ihm völlig fern.
Doch ging’s ihm wider die Natur,
wenn Präfix spielte seinen Herrn.

So wehrt es sich, liest ihm Leviten
und sagt: „ Wer Präfix näher kennt,
der weiß, dass es nicht vor, noch mitten,
im Satz steht, sondern oft am End‘.

Da werd‘ dem Verbstamm esentrissen,
so etwas komme häufig vor,
jedoch ’s Suffix, am Platz, beflissen,
sei konjugierend mit am Tor.“

Wen stört’s, was heißt, Präfix, Suffix?
Mal nebenbei, ganz im Vertrauen,
der Linguist beim Worte Schauen,
nennt beide Teile auch AFFix

© Ingrid Herta Drewing,2017

Hasenpanier

Klein Hase nah dem Rapsfeld saß
und starrte vor sich hin
ins helle Feld, und seiner Nas‘
erschien dies nur als falscher Fraß
mit wenig Lustgewinn.

All überall war überm Land
die gelb‘ Sucht ausgebrochen.
Wo man sonst Kohl und Möhren fand,
wuchs nur noch dieser grelle Tand.
Von Flucht ward da gesprochen.

Versammelt saßen sie am Rain
zur Nacht,die alten Hasen,
und fragten sich, wie das könnt‘ sein,
dass nun die Menschen,so gemein,
die Hasen ganz vergaßen.

Der Mensch, der sei wohl recht verwirrt.
Die Monokultur-Felder
dies zeigten, dass er falscher Wirt;
im Fortschrittswahn sich hab‘ verirrt,
vernichte auch die Wälder.

Die Luft er außerdem verpeste,
nicht nur auf Autobahnen,
denn Stickoxide, üble Reste,
und CO2 verseuchten Feste
des Klimas, Wandel reiße Fahnen.

Man müsse hier auf’s Schlimmste hoffen,
dass es dem Menschen gehe schlecht,
denn nur, wenn er sich seh‘ betroffen,
halte er seine Augen offen,
bemerke, was ist gut und recht.

So sagten es die alten Hasen
und zogen fort mit Häsin, Kind,
um anderswo beruhigt zu grasen,
in Feldern,Wiesen, grünem Rasen.
Doch weiß ich nicht, wo man’s noch find’t.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Der Starrsinn des Wetterhahnes

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Der Wetterhahn, er scheint verstimmt,
zeigt stetig nur von Ost nach West,
obwohl der Westwind Segel trimmt
und Wolken mit nach Osten nimmt,
hält’s Hähnchen seine Richtung fest.

Was ihn so unbeweglich macht,
dass er nur noch nach Westen schaut,
das frage ich hier mit Bedacht.
Ob er vielleicht als Gallus lacht,
nach Frankreich auf den Bruder schaut?

Mag sein, er ist auch irritiert,
weil dort Le Pen zu Hause ist,
Marine, die Tochter, reüssiert
und Europäer gern brüskiert
mit altem Zopf Nationalist.

Ob ganz profan nur Rost der Grund
für seinen Richtungsstarrsinn ist?
Von Weitem schwächelt der Befund,
was sich dem Auge so tut kund,
nur Anlass zur Vermutung ist.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Eierei

Ein Ei sittsam im Becher saß,
des Menschen Frühstück abzurunden.
Doch dieser, der vegan nur aß,
verschmähte es als „üblen Fraß“,
hat es als deplatziert empfunden
und sagt’s dem Ober unumwunden.

Da ihm als König gilt der Gast,
versagt‘ er ’s sich, was einzuwenden
und kurzerhand das Ei er fasst‘,
samt Becher, ohne große Hast
mit seinen eleganten Händen,
um es zur Küche dann zu senden.

Dort ist die Kaltmamsell beglückt
und outet sich als Fan von Eiern,
sagt: „Dieser Mann ist wohl verrückt,
wie kann er nur, so schlecht bestückt,
schon früh am Morgen schimpfend leiern,
an Ostern ohne Eier feiern!“

Das Ei von Schimpf und Schand erschöpft,
glaubt fest, es hab sein Glück gefunden,
kein Gast, der es nun achtlos schröpft!
Jedoch, da ward es flugs geköpft,
die Kaltmamsell ersetzt‘ den Kunden
und aß es auf, ganz ungebunden.

Drum bist du Ei, dann meide Becher,
auch Körbe, bleibe brav im Nest,
nicht immer ist vegan ein Zecher!
Schon besser ist ein Hahn als Rächer,
der dich als Küken schlüpfen lässt,
und Kinder streicheln dich am Fest.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Anpassungsproblem

Pieps Kopiepipps

Ein Wesen, das in zartem Flaum
kaum aus dem Ei geschlüpft,
erlebt schnell einen bösen Traum,
wenn es ins Kalte hüpft.

Die Zeit, die ihm da anberaumt
zum Warmgefieder-Finden,
wird, wenn es dabei angepflaumt,
zu mühevollem Schinden.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Das sprintende Wildschwein

In Biebrich stand ein wildes Schwein
am Ufer ganz allein am Rhein
und fragte laut : „Wie kann das sein,
dass hier nur Wasser ist, kein Wald,
nur Plätschern, Fließen und kein Halt?
Wie soll ich mich denn hier ernähren,
wo find ich Eicheln zum Verzehren?
Es gibt ja hier nur Kieselsteine,
mal größere und manchmal kleine.
An mich hat keiner wohl gedacht,
als er die Flusslandschaft gemacht!“

Da legte an, wie’s sich so trifft
ein großes, weißes Motorschiff,
das brachte viele Leut an Land,
die fanden es höchst int’ressant,
dass dort am Fluss,wie konnt’das sein,
stand grunzend dieses wilde Schwein.
Doch manche ängtlich da vor Ort,
die riefen laut: „Das Schwein muss fort!“

Und schon begann das wilde Jagen,
dem Eber fehlte Zeit zum Klagen.
Er setzte hurtig in Erregung
zum Rückzug an, nun in Bewegung,
und sprintete wie Bold so stark
dort hinters Schloss in Biebrichs Park.
Da fand er dann auch Eichenbäume
und deren Früchte, wahre Träume.
So war es ihm doch noch beschieden
dies Plätzchen, das gewährt ihm Frieden.

Ja mancher, der nur grunzt und klagt,
entdeckt, wenn man ihn scheucht und jagt,
dass das, was er oft übersah,
sein Glück ist, liegt zum Greifen nah‘.

© Ingrid Herta Drewing

Krähe Klara

Krähe_n

Des Mittags saß mit guter Sicht
die Krähe Klara auf der Laube,
sich wärmend in der Sonne Licht,
als dort im stillen Rosengarten
ein Ungetüm begann zu starten,
bereit zu Lärm und wüstem Raube.

Zunächst beachtete sie’s nicht
und fühlte sich bestärkt im Hoffen,
hier oben drohe kein Verzicht,
denn dieses Monstrum auf der Wiese
war klein gedrungen und kein Riese.
So sah sie sich auch nicht betroffen.

Doch sehr schnell schwand die Zuversicht,
denn brummend kam das Ding da näher,
und Klara sah sich in der Pflicht,
jetzt hier sehr wachsam aufzupassen,
den Feind nicht an ihr Nest zu lassen.
Sie lauerte nun wie ein Späher.

Als es sich durch die Wiese fraß
und Blumen, Blüten, Gräser fielen,
flugs Klara alle Scheu vergaß,
stieß wie ein Habicht da hernieder,
kaum achtend auf ihr glatt Gefieder,
um mit dem Schnabel hart zu zielen.

Wild hackte sie auf ihm herum,
saß kämpfend dort auf seinem Rücken.
Jedoch dies Ding nur surrte dumm,
war weiterhin auf Todesreise,
die Gräser stürzten massenweise.
Ihr Angriff schien so nicht zu glücken.

Doch Klara gab so schnell nicht auf,
packt’ mit dem Schnabel kleine Kiesel,
die warf sie in des Monsters Lauf.
Schon bald begann das Ding zu mucken,
stand schließlich still nach letztem Zucken,
denn schnell war Klara, wie ein Wiesel.

Wer immer sich auch will erfrechen,
bedenke wohl: Des Schwachen Mut
kann doch verhindern Mähen, Dreschen,
denn er kämpft für sein höchstes Gut!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Der verworfene Pantoffel

Ein Pantoffel lag allein
auf dem Hof im Mondenschein,
wusste gar nicht, wie ihm war.
Alles schien so sonderbar,
seit sein Träger vehement
sich abrupt von ihm getrennt,
weil betrunken der beschloss,
dass ’nen Ball ins Tor er schoss.

Auch fehlt‘ ihm sein Gegenstück,
sah er doch im Paar sein Glück,
war doch kein Pantoffeltierchen,
das im Heuaufguss leicht schwebt,
hasste es, wenn von der Bierchen
Schaum sein schöner Pelz verklebt.
Weich wie er,vom Lamm das Fell,
war für Wärme er zur Stell.

Wie ’s im Leben oft so geht,
ist das Jammern obsolet.
Während er noch so sinnierte,
sich sein Dasein neu justierte.
Eine schlaue Ratte, trächtig,
auf dem Beutezug hier nächtig,
nahm ihn mit. Man kennt den Rest:
Er war bald der Jungen Nest.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Die Kröten und der klappernde Storch

„Ach“,klagten die Kröten,
„wie sind wir in Nöten,
nun da Hitze heizt auf unsren Teich!
Auch trocknet aus unser Erdhöhlenreich.“

„Ja,hier ist es öde,
drum seid nicht so blöde!
Folgt mir nur, ihr Lieben, ich helf euch sogleich!“
So lockte der Storch, begann bösen Streich.

„Ich führ‘ euch zur Stelle
der sprudelnden Quelle,
da ist der Boden so feucht und auch weich,
sogar einen Tümpel gibt’s für euren Laich!“

Die Kröten, nicht hell,
sie folgten sehr schnell
dem Führer und sahen heil schon ihr Reich.
Zu spät bemerkten sie’s dann, todesbleich:
Sie waren für Storch nur zappelndes Fleisch.

Und die Moral von der Geschicht‘:
Folgt jenen falschen Führern nicht,
die euch das große Heil versprechen,
sonst wird es sich recht bitter rächen!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Naturwidrig

Bewaffnet lauern nun die Zwerge,
dort wo man eindrang in ihr Reich,
nicht sicher mehr dort in den Bergen
und weit entfernt vom großen Teich.

Der Mensch,von Märchen weit entfernt,
den schert nicht Wiese, Wald und Wicht,
hat auszubeuten gut gelernt,
übt selten nur noch den Verzicht.

Spielt sich hier auf als Herr der Erde,
mäht alles nieder, was ihn stört,
und glaubt, dass er im Recht wohl wäre,
weil ihm das alles ja gehört.

Die kleinen Trolle, sanfte Elfen,
sie wirken zart zwar mit Magie
doch wissen sie sich kaum zu helfen,
erfleh’n, Natur behüte sie!

Natur verleiht der Erde Macht,
zeigt es dem Menschen, Kräfte sprechen.
Was Hochmut hier zu Fall gebracht,
könnt sich bald bitter an ihm rächen.

© Ingrid Herta Drewing,2016