Archive for the Category Erzählgedichte

 
 

Gone with the Wind

Das Leben schreibt die seltsamsten Geschichten,
und dennoch oft profan, folgt man Berichten.

Es habe sich in Schottland zugetragen,
als man beim Whiskey Bechern saß zusammen,
im Übermut gewettet sozusagen,
wem es gelänge, seines Windes Flamme
selbst zu entzünden, so den Sieg zu wagen.

Man ging in Ian’s Scheun‘, so war ’s beschlossen,
der sich vor allen schon als Sieger sah ,
zumal zuvor viel Bohnen er genossen,
da sei ja wohl auch Gasentwicklung da,
die wollte er entflammen, fest entschlossen.

Den Freunden wollt‘ das Spielchen nicht gelingen.
Doch Ian prahlte lachend: „ Nicht so kurz
wie eure Lüftchen, die hier harmlos singen,
werd ich vorführen meinen Feuerfurz
und dann damit gewiss den Sieg erringen!“

Stand vor dem Stroh, tat blank sich präsentieren,
nahm’s brennend Streichholz und mit einem Hurz
ließ er den Darmwind raus, und im Flambieren
schoss feurig hell heraus aus ihm sein Furz,
der schnell im Stroh ein Feuer konnte schüren.

Und eh man sich versah, konnt‘ hilfreich rühren,
man rettete sich schnell für Frau und Kind,
das Feuer loderte, war heiß zu spüren,
die Scheun‘ verlor’n „ Gone with the Wind!“
und zeigt‘, wohin solch falsche Siege führen.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay

Eulalia

Es saß auf einer alten Säule,
von wilder Macchie grün umrankt‘,
am Sommerabend eine Eule,
an Liebeskummer fast erkrankt.

Zum Himmel war ihr Blick gerichtet,
dort suchte sie nach ihrem Glück.
Man hatte ihr einmal berichtet
bei Vollmond kehre es zurück.

Im Silberglanz des Erdtrabanten
fände sich dann ihr Liebster ein.
So wie sie turtelnd sich einst fanden,
würd‘ er dann wieder bei ihr sein.

Obwohl die Weisheit der Athene
symbolisch Eulen angedichtet,
gibt ’s auch bei diesen Vögeln jene,
die von der Göttin nicht belichtet.

So war es wohl in dieser Szene.
Als Mondes Sichel kaum erstrahlt‘,
sagte Eulalia: „ Molto bene,
bald kommt er, das ist nicht geprahlt!“

Ihr Glaube wollt‘ nicht schwanken, wanken,
sie weilte viele Monde dort,
saß träumend nächtens, in Gedanken
flog weit sie mit dem Liebsten fort.

Ob er gekommen? Was geschehen?
Davon ist mir nun nichts bekannt.
Die Säule soll wohl noch dort stehen,
wo einst der Tempel sich befand.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Tüffti, der Weltall-Bummler

Dort unweit von Andromeda,
da wohnte in M32
auf dem Planeten XXA
ein Raumschiff-Tüftler, der sehr fleißig.

Er wollte die Zwerggalaxie
verlassen, hoffte zu erkunden
die Milchstraße, die man noch nie
in all den Jahren konnt‘ umrunden.

Zur Galaxie, die reich besternt,
sollt‘ ihn recht flott sein Raumschiff tragen,
auch wenn das alles weit entfernt,
war er entschlossen, es zu wagen.

Mit Warp-Antrieb war er bereit
den Überlichtflug zu beginnen,
gezieltes Krümmen der Raumzeit
ließ die Entfernung schnell verrinnen.

In XXA man sich verstand
auf Elixiere, die das Leben,
verlängerten; es war bekannt,
dass sie zur Raumfahrt mitgegeben.

So kam es dann, dass Tüffti 8
gelandet ist, ohn‘ viel Beschwerden
in einer sternenklaren Nacht
auf einer Wiese hier auf Erden.

Mit Elixier ganz frisch gestärkt
ging er, die Luke hochzuheben,
um von Bewohnern unbemerkt
sich einzufädeln in ihr Leben.

Durch den Transmitter würd‘ es geh’n
sein Äußeres so anzupassen
den Wesen, die er sollte seh’n,
dass sie ihn nicht als Fremdling hassen.

Die Erdlinge, die er dort sah,
ein lautes Blöken gleich begannen.
Er stand wie sie in Wolle da
und wollte schleichen sich von dannen.

Doch da empfing ihn mit Gebell,
die Zähne fletschend wild ein Hund,
und er verwandelte sich schnell,
denn Schaf sein, schien ihm ungesund.

Der Schäfer, aus dem Schlaf geweckt,
kam schnell heraus, um nachzusehen,
was sein Hund Hasso hat entdeckt,
wer wollt‘ an seine Schafe gehen.

Und Tüffti, der sich vehement
begann auf ihn jetzt einzustellen,
verwandelte sich exzellent
ins Spiegelbildnis des Gesellen.

Doch hinterm Baum blieb er versteckt,
damit der Erdling ihn nicht fände;
Tüffti war richtig gut verdeckt,
als der rief: „ Hasso, mach‘ ein Ende!“

Der Schäfer sich zur Bettstatt trollt‘,
um schließlich doch noch einzuschlafen,;
der Hirtenhund, der Pflicht gezollt,
hielt wieder Wache bei den Schafen.

Und Tüffti nach dem ersten Frust
vermisste doch das Abenteuer,
ging nun zum Raumschiff, hatte Lust
auf andres und nahm auf das Steuer.

Die nächste Landung führte er
dann aus inmitten hoher Dünen.
Davor erstreckte sich ein Meer,
wie er es nie erschaut im Grünen.

Sein Raumschiff tarnte er mit Sand,
damit es keiner könnte finden,
begab sich darauf an den Strand,
die neue Landschaft zu ergründen.

Im Osten ging die Sonne auf,
erglänzte in der Morgenröte,
und Tüffti stoppte seinen Lauf,
zu schauen, was sich Schönes böte.

„Doch was ist das? Der Unrat quillt,
ihn tragen an den Strand die Wellen
zerstört wirkt dies idyllisch Bild,
durch Plastik-Tand an allen Stellen!

Wer mag das sein, der das verloren,
was hier verletzt die Harmonie?
Wer hat solch Chaos sich erkoren,
verursacht das in Idiotie?“

Er flog mit seinem Raumschiff fort
und landete im Herz der Tropen.
Gar seltsam schien ihm dieser Ort,
er sah zunächst nur Wald von oben.

Dort traf er Menschen, die fast bloß,
doch bunt bemalt, im Haar die Feder.
Schnell glich er sich dann ihnen an,
und freundlich lächelte ein jeder.

Doch sprachen sie von ihrer Not,
dass man die Waldheimat, die werte,
durch ein goldgierig Aufgebot
an vielen Orten schon zerstörte.

Auch stünde oft der Wald in Brand,
weil man für Viehzucht ihn will roden;
so mancher Stamm den Tod hier fand,
obwohl solch Massaker verboten.

Da Tüffti macht-und ratlos war,
zog er es vor, nach Haus zu flüchten,.
Um auf XXA, wenn er da
von diesem Leid dann zu berichten.

„Der Flug zur Erd’ist obsolet;
sie sind dabei, ’s ist zum Empören,
was durch Natur dort schön entsteht,
mutwillig, dumm ganz zu zerstören!“

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Skizze: Ingmar Drewing

Karl Ranseiers Urnenauszug

Als Ransi Karl zu Tode kam,
wählt‘ man den Sarg aus Buchen.
Dort ruhte er erst lobesam,
man durft‘ ihn noch besuchen.

Doch nach dem End‘ der Trauerfeier,
wo er noch ward gepriesen,
schob man den Karl ins Krema-Feuer,
zu sparen Friedhofs Wiesen.

Zu eng als Asche in der Urne
fand Karl sein Nacherleben,
sagt‘ sich: „ Ich besser jetzt mal turne
hinaus, geh‘ einen heben.“

Das Gasthaus dort „ Zur letzten Träne“
betrat er unumwunden
und schnell, ich es nur so erwähne,
stellt‘ er sich zu den Kunden.

Karl rief: „Ein Bier!“ Doch man war taub;
ihn konnte keiner hören.
Sie rügten nur Saharastaub,
und meinten, man sollt‘ kehren.

Den Aschen-Karl erfasst ein Besen,
der hat ihn auf die Schipp‘ gekehrt,
und statt zum Trunke dort am Tresen
ward Karl im Gärtchen ausgeleert.

Jetzt ruht er unterm Apfelbaum
und hört die Vögel singen.
Den Gastwirt plagt er nachts im Traum
und lässt ein Bier sich bringen.

© Ingrid Herta Drewing

Verhinderter Pirat

„ Dass du dich nicht zu weit entfernst,
und wir dich wieder müssen suchen!“,
dies sprach die Mutter zu klein Ernst.
Sodann servierte sie den Kuchen
den Damen, die zum Kränzchen da,
weil man sich gern zum Kaffee sah.

Derweil, betreut von Schwester Liese,
der man die Kleinen anvertraut,
ließ man die Kinder auf der Wiese
schön spielen, aber nicht zu laut,
denn störend wär‘ solch rufend Rauschen
beim Kaffeeklatsch und muntrem Plauschen.

Klein Ernst, ein Knabe von sechs Jahren,
gefiel wohl nicht das Wiesen-Spiel.
Er wollte Neues stets erfahren,
bevorzugt‘ der Piraten Ziel,
das jene Gassenjungen kannten,
die andre Schmuddel-Kinder nannten.

So schlich er sich nun wieder fort,
um seine Zeit schön zu verbringen
dort, wo am Fluss mit Floß vor Ort
das Abenteuer sollt‘ gelingen.
Zwei große Würste, der Proviant
als Lösegeld auch Anklang fand.

In See stach’s Schiff der Flusspiraten,
bald nahm’s des Stromes Tempo auf,
und ehe man sich konnt‘ beraten,
begann des Abenteuers Lauf.
Klein Ernst durft‘ spielen Kapitän;
stolz sah man ihn am Steuer steh’n.

Die andern Jungen unverdrossen,
es waren drei da an der Zahl,
derweil das „ Lösegeld“ genossen,
Salami mundete als Mahl.
Manch Schleppschiff ihnen kam entgegen,
laut tutend, doch man winkt‘ verwegen.

Flussabwärts rauscht im hellen Mai
das „Schiff der tausend Abenteuer“
an Dörfern, Feldern schnell vorbei,
die Sonne brennt wie lodernd Feuer,
und die Piraten nun dran denken,
das Floß zum Ankerplatz zu lenken.

Doch nautisch noch recht unerfahren
erweisen alle Vier sich dann
und liegen sich bald in den Haaren,
weil keiner Anker werfen kann.
Sie konnten’s wohl nicht ganz ermessen
und hatten ihn beim Bau vergessen.

Inzwischen hatte man ’s gemerkt
zu Haus, der Junge war verschwunden.
Beim Suchen, obwohl sehr verstärkt,
ward klein Ernst nirgends aufgefunden.
Man sprach gar von Entführung, Mord,
zwei Tage sei das Kind schon fort.

Die Polizei, die man gerufen,
sucht‘ Feld und Wald mit Hunden ab,
die Wege, hoch zum Turm die Stufen;
der Einsatz hielt sie all auf Trapp.
Man fahndete am Fluss, im Hafen,
traf Skipper, die noch nicht beim Schlafen.

Und einer sprach:“ Ich hab‘ gesehen
flussabwärts, als wir hoch gefahren,
auf einem Floß ’nen Jungen stehen,
von etwa sechs bis sieben Jahren.
Der hat dort, es war ungeheuer,
gehalten tüchtig, fest das Steuer.“

Die Eltern, die man informierte,
die sagten: „ Das ist unser Sohn,
der leichtsinnig so viel riskierte,
uns armen Eltern sehr zum Hohn.
Man fahr‘ flugs mit der Eisenbahn
flussabwärts, stoppe diesen Wahn!“.

Zum Glück gab es den Telegraphen,
der macht‘ die Meldung schnell bekannt
an Orten, wo vielleicht eintrafen
die Jungen mit dem Floß an Land,
damit sich Polizei einschalte,
die Ausreißer dann fest aufhalte.

Der Jungen selbst gebautes Floß
fuhr noch bei Nacht den Fluss hinab.
Zum Glück traf man kein Schiff, das groß,
sie streiften Fischerboote knapp.
Die Männer wütend sie dann schalten,
versäumten es, sie aufzuhalten.

Klein Ernst, der lesend schon erfahren,
was man so auf dem Wasser macht,
sagt, Rudern könnte sie bewahren
davor, dass man wogegen kracht.
Dort, wo der Fluss leicht mäandriere,
man sich an Land hin manövriere .

Ins Schilf am Ufer fuhr das Floß,
dort blieb es fest im Röhricht hängen.
Der Mückenflug war dort so groß,
tat die Piraten bös bedrängen,
sodass sie kaum zur Nacht mal schliefen
und klagend laut um Hilfe riefen.

Ein Angler hört‘ das morgens früh
und fand die jammernden Gestalten.
Mit Helfern und viel Rettungs-Müh‘
bracht‘ er ins Dorf sie wohlbehalten.
Die Eltern holten Ernst nach Haus,
und schimpften ihn gehörig aus.

Vorerst bewacht ihn ein Betreuer,
damit ihn lockt kein Abenteuer.

© Ingrid Herta Drewing

Zeitreise

Zeitreisen sind, das stellt‘ man fest,
doch überaus gefährlich.
Wenn man sich darauf mal einlässt,
wird vieles unentbehrlich.

Denn manches wird so sehr vermisst,
weil man daran gewöhnt,
dass die Natur uns Labsal ist,
uns hier den Tag verschönt.

Der Wünsche drei, gewährt im Traum
von einer guten Fee,
die wurden wahr, sie glaubt es kaum,
fand wieder sich am See.

Die Schotten sprechen ja von Loch,
dort sollte Nessi sein.
Ein Saurier aus dem Wasser kroch,
und sie war ganz allein.

Das riesengroße, wilde Tier,
viel höher als ein Haus,
stand tatsächlich ganz nah vor ihr,
da nahm sie schnell Reißaus .

Sie rief die Fee und wünscht‘ sich weg,
sagt‘: „ Bitte, hol mich raus!
Bring mich zurück zum Heimatfleck,
2090 steig ich aus!“

Das war wohl mit Bedacht gewählt,
denn im realen Leben
war’n ihre Tage schon gezählt,
sie würd ’s da nicht mehr geben.

Sie fand sich im Museum wieder,
sah Schüler vor Vitrinen,
in welchen man Modelle sah
von Bäumen Sonn‘ beschienen.

Sie fragten, was das Grüne sei,
das hinterm Glas zu sehen.
Ihr Lehrer, der dort stand dabei,
gab ihnen zu verstehen:

„ Das nennt man Wald“, erklärte er,
„den hat es früher mal gegeben,
bevor der Klimawandel sehr
veränderte hier alles Leben.

Man wohnte damals nicht wie heut
in Höhlen tief verborgen.
Das Sonnenlicht ward nicht gescheut;
es gab kaum Hitze-Sorgen.

Mein Großvater hat mir erzählt,
wie er als Kind dort spielte,
die hohen Bäume ausgewählt,
sich wohl im Schatten fühlte.

Die Luft sei dort so mild und rein
und wohltuend gewesen,
man konnte dort so glücklich sein,
von Sorgen, Gram genesen.“

„Warum gibt es den Wald nicht mehr,
wer hat ihn denn zerstört?“
fragte ein Schüler, atmend schwer,
es schien, er war empört.

„Die Menschen haben das getan,
zu sorglos war ihr Ruh’n,
obwohl sie Wälder brennen sah’n,
war nachlässig ihr Tun.

Die Temp’ratur stieg weltweit an,
die Trockenheit nahm zu,
Unwetter traten auf den Plan,
das Klima kippt‘ im Nu.“

„Ist das der Grund, warum wir nun
in tiefen Höhlen leben?
Kann man denn wirklich gar nichts tun,
den Wald zurückzugeben?“

Sie sah den Lehrer ratlos dort,
drum bat sie schnell die Fee,
dass sie sie bringe heim sofort,
zu ihrer Zeit sie steh‘.

Sie traf dort froh auf Wald und Feld
und war sich sehr bewusst,
jetzt konnt‘ man retten noch die Welt,
verhindern den Verlust.

Sie könnte sich zusammentun
mit Menschen gleich gesinnt,
kein Klimamuffel sollte ruh’n,
sich ändern ganz geschwind.

Damit auch noch in ferner Zeit
es Wälder, Pflanzen, Tiere gebe,
und die Natur noch halt‘ bereit
den Menschen hier ein gutes Leben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2019

Die Flussnixe und der Träumer

Es wiegen sich die Wipfel
im leichten Juniwind;
und auf der Berge Gipfel
schmilzt letzter Schnee geschwind.

Des Flusses Wasser fließen
so gletschergrün dahin,
begrüßen in den Wiesen
der Blumen Blütensinn.

Ein Junge sitzt dort schweigend
am Ufer sinnend, still,
zum Wasser sich hin neigend,
er Fische sehen will.

Da ruft ihn eine Schöne
aus seinem zarten Traum.
Er hört der Nixe Töne,
mag glauben es noch kaum.

Bevor er sich gefangen,
im Wasser sie verschwand.
Doch er streckt voll Verlangen
noch immer aus die Hand.

Hört deutlich ihre Worte:
„Verlasst schnell diesen Ort,
denn meine Fluten strömen
weit über Flusses Bord!“

Da rennt er zu den Seinen
Und warnt sie vor der Flut:
„ Hochwasser, so will’s scheinen,
kommt, rettet Leben, Gut!“

Sie bergen ihre Habe,
verlassen Hof und Haus.
Des Jungen Sehergabe
verhindert schlimmsten Graus.

Denn schon die Wasser steigen,
der Fluss strömt übers Land
Was alles Menschen eigen,
zerstört er nun als Tand.

Jedoch am Leben bleiben
die Menschen; nur das zählt!
Der Träumer hat bei Leibe
den rechten Weg gewählt.

© Ingrid Herta Drewing, 2019

Das Missgeschick

Nun endlich sich nach langen Jahren
des Sparens diesen Urlaub gönnen,
auf einem Traumschiff in den klaren
Mittelmeerwogen kreuzen können!

Das Reisefieber sie erfasst’;
auf der Costa Concordia
sind sie willkommen bald als Gast.
Sie sich schon froh auf Deck dort sah’n.

Und ausgerechnet da geschah es,
dass ihn sein Blinddarm plötzlich plagt‘.
Statt Urlaubstagen dort an Bord
ist die OP nun angesagt.

So fährt das Schiff jetzt ohne sie.
Sie stellen ’s mit Bedauern fest.
Vorbei die Ferieneuphorie,
nun sitzen sie zu Haus’ im Nest.

Ob nächstes Jahr sie fänden Zeit,
vielleicht die Reise nachzuholen?
Sie hadern, ’s Schicksal sei bereit,
sie wieder einmal zu verkohlen.

Da schwirrt die Meldung durch den Äther
von ihres Traumschiffs Havarie;
Verletzte, Tote! Übeltäter
der Kapitän, so hören sie.

Entsetzt – erleichtert sie erkennen,
dass, was zunächst ihr Missgeschick,
sie wohl nun Rettung dürfen nennen:
Sein kranker Blinddarm war ihr Glück.

© Ingrid Herta Drewing,

Andere Welt

War es ein Märchen, war’s ein Traum zugleich,
der mich entrückt‘, in eine andre Welt gehoben,
wo mir mein Leben licht, an Farben reich
geheimnisvoll erschien, ward neu verwoben?

Ich fand mich dort auf einer großen Wiese,
die eines dunklen Waldes Lichtung glich.
Ein Blumenleuchten in dem grünen Vliese
erstrahlte farbenfroh und inniglich.

Es lugten aus den Blüten kleine Wesen,
die sangen lieblich, zart im Sommerwind.
Vielleicht sind es die Elfen auch gewesen,
von denen man mir einst erzählt als Kind.

Ich lauschte, wie gebannt, den Melodien,
doch sie verstummten plötzlich mit dem Takt,
und jenseits dieser schönen Harmonien
erschallt‘ es laut, als würde Holz gehackt.

Und tosend dröhnten Sägen, heulend‘ Surren,
bis endlich dann der Höllenlärm erstarb,
und aus dem Walde drang ein wütend‘ Knurren,
als ob zur Jagd ein Wolf den andern warb.

Doch als vor Furcht ich mich verbergen wollte,
erschien die weiße Wölfin sanft im Licht,
die mir zunächst hier kaum Beachtung zollte.
Ich war erleichtert, dacht‘: „Sie sieht mich nicht.“

Da wandte sie sich um, trat auf mich zu
und sprach: „ Was suchst du hier in meiner Welt,
gehörst du auch zu jenen, die im Nu,
Natur zerstören, achtlos, Wald und Feld?

Bist du auch ein solch tückisch‘ dummes Wesen,
das auf der Erde frönt dem Plastikwahn,
der meiner Seegeschwister Tod gewesen,
weil Menschen Meer als Abfallgrube sah’n?

Ich hoffe nicht; ich sah, wie du die Blüten,
des Lebens Kinder, ließest ungepflückt,
als schätztest du ein zärtliches Behüten
und seist von ihrer Schönheit still entzückt.“

Betreten stand ich, wagte kaum zu sprechen,
gestand, dass ich auch Plastiktand erwarb,
weil sorglos ich verkannt‘, dass sich musst rächen,
wenn es als Müll den Lebensraum verdarb.

Die Wölfin, weise, wollte mich nicht strafen
(vielleicht hat meine Reue sie gerührt),
sprach: „Komm, die Blumen wollen schlafen!“
und hat mich in ihr Zauberreich geführt.

Dort sah ich Seen, wasserklar, auch Flüsse,
in unberührten Wäldern Pflanzen, grün,
als ob man gar nichts von uns Menschen wisse,
Natur sich üb‘ alleine im Erblüh’n.

Da sprach die Wölfin: „ Ja,so war ’s auf Erden,
so mancher nannte es ein Paradies,
bis unachtsam der Mensch mit seinen Herden,
das Land verschandelte, ein grau Verlies.

Ihr müsst euch ändern, so darf das nicht bleiben,
sonst folgt der Menschheit Tod bald auch dem Tier.
Natur lässt sich auf Dauer nicht vertreiben,
sie war und ist schon lange vor euch hier!“

Was ich noch sah, gehört, hab‘ ich vergessen,
wie’s oft geschieht nach einem langen Traum.
Doch eines weiß ich, falsch sind die Interessen,
die die Natur missachten, schätzen kaum!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing, 16.10.2018

Kalles Verschwinden

Kalle stand allein am Tresen,
wollte zwei, drei Whiskey lesen*,
(*weil der Reim es so verlangt),
und er wegen seiner Spesen
niemals machte Federlesen,
in der Schänke ward getankt.

Hinterher schwankt‘ er nach Hause,
denn doch länger war die Sause.
Er ließ sich auf Sekt noch ein;
mit ihm schlürfte das wie Brause
zugesellt ihm ihm eine “ Mausi“,
ja manch Gläschen rollte rein!

An der alten Gaslaterne
sah der Kalle plötzlich Sterne,
war glatt gegen sie gerannt,
stammelte, man sich entferne,
denn er wolle eben gerne
geh’n den Weg, der ihm bekannt.

Doch dies Monster wollt‘ nicht weichen!
Um sein Ziel noch zu erreichen
brüllte Kalle laut vor Wut:
„ Hörst du nicht, du sollst dich schleichen,
sonst fällst du wie alte Eichen,
die ein Blitzschlag setzt in Glut!“

Vergebens war die Schrei-Aktion,
da folgte keine Reaktion,
es rührt‘ partout sich nicht vom Fleck.
Nur dort im Haus auf dem Balkon
rief man: „ Nun geh‘ entfern dich schon,
sonst holt die Polizei dich weg!“

Da fühlte Kalle sich betroffen
und merkte, dass er viel gesoffen,
fand Polizei auch obsolet,
sprach‘:„ Liebe Leut, ich sag’s euch offen,
mich hat hier fest ein Schlag getroffen,
es war der Kerl, den ihr hier seht!“

Dann torkelte er heimwärts weiter,
er war kein elend langer Streiter,
denn friedlich war er von Natur.
Nur an dem Baugerüst die Leiter
erklomm er höher,war recht heiter.

Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

© Text: Ingrid Herta Drewing