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Schiller/ Am Warmen Damm

Schiller, der hier im Kabäuschen
gut vor Frost und Rauch geschützt,
spielt nun für vier Wochen Mäuschen;
sieht viel Gäste, warm bemützt.

Auf der Eisbahn gegenüber
läuft nicht nur der Kinder Schar;
Vater zeigt beim Eisstockschießen,
dass er mal ein Champingon war.

Manche, hungrig durchgefroren,
kehren in die Hütte ein,
Schweizer -Alm-Flair, auserkoren,
auch ein Treffpunkt soll es sein.

„Wer hier her kommt, trinkt und speist,
trifft sich nicht zum Rütli-Schwur,
um Geselligkeit geht’s meist“,
denkt sich Schiller, gar nicht stur.

Er, der hier nun gut bedacht,
stört sich nicht an dem Betrieb,
hält hier Tag und Nacht die Wacht,
der Tragödie ist das lieb.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Schillerdenkmal Am Warmen Damm

dscn7898-1Den Augen Schiller heut‘ nicht traut,
weil man ihn hier hat eingebaut
in eine Hüttenalm der Schweiz.
Und fragend, was sich da erledige,
blickt skeptisch drein auch Frau Tragödie.

Die Bretter, die die Welt bedeuten,
den Dichter ja sonst gar nicht reuten,
brachte „ Die Räuber“ hin bereits,
Er zeigte Helden, rätselkühne,
wenn man auf des Theaters Bühne
sich seine Dramen angeschaut.

Es hat die Hütte ihrerseits
in einer Hinsicht ihren Reiz.
Für ein paar Wochen im Advent
erfährt er gastlich‘ Element.
Obwohl ’s nicht Marbach, Weimar ist,
nimmt Schiller stumm nun hin die Frist.
Er kennt da keinen falschen Geiz,
sein „Wilhelm Tell“ spielt in der Schweiz.

© Ingrid Herta Drewing,2016