Archive for the Category Sprachspielerei

 
 

Sprachver(k)leidung

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„Du bist wohl nicht dicht, du armer Dichter!“,
schrieb im Netz jüngst ein erboster Mann,
spielte dreist sich auf als Dichtungsrichter
auf dem Strafzug gegen Wortvernichter,
der die Sprache ja nicht einmal kann.

Gagga sei, wer Laute so vertausche,
und nur spiele wild mit Reim und Klang;
was bedeutungslos, da keiner lausche
diesem firlefanzigen Geplausche,
einer wirren Seele Dada-Sang.

Ob der Dichter sich darob empörte,
weiß ich nicht, ich las nur seinen Text,
den er wohl als Antwort schrieb, nichts störte
mich daran; was ich so klingen hörte,
fand ich als ein ulkig Spiel verhext.

„Knuff verschwiemeln mucke Patzen,
maff malträtzend Bliem un Bliet,
blaff gewiemelt satte Latzen,
mullgedickte, flatte Knatzen
mi ni gugeln flimm Gemiet.“

© Bild u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Wortklaubereien

Verstehen setzt voraus Verstand,
und Kenntnisse heißt: vieles kennen.
Das Handeln fordert gute Hand,
beim Namen kann man vieles nennen.

Das Schweigen schenkt die Kraft der Stille.
Verschweigen ist meist’ nicht so gut,
denn oft legt ein besorgter Wille
nur neues Holz auf helle Glut.

Was so verbal scheint nah zu liegen,
ist häufig doch einander fern.
Nicht jeder Flügel dient dem Fliegen,
und auch nicht jeder Star ist Stern.

© Ingrid Herta Drewing

Silbenhacker

Es ging dem Laub das Ur verloren,
daran trug Wetters Un die Schuld,
das hatte sich das Boot erkoren,
mit Blitz und Donner schnell geskullt.

Un-Worte treiben auf den Foren,
das Un, es raubt mir die Geduld,
hat sich schon fast mit Heil verschworen,
kaum schenkt der Wald noch Ur die Huld.

Kein Reim erklingt mir in den Ohren,
die nun so un-sanft eingelullt.
Doch Ein im Un-Fall ist geboren:
Ohn‘ Umlaut Ur sein Bild erfullt!

© Ingrid Herta Drewing,2017