Archive for the Category Kinder

 
 

Verhinderter Pirat

„ Dass du dich nicht zu weit entfernst,
und wir dich wieder müssen suchen!“,
dies sprach die Mutter zu klein Ernst.
Sodann servierte sie den Kuchen
den Damen, die zum Kränzchen da,
weil man sich gern zum Kaffee sah.

Derweil, betreut von Schwester Liese,
der man die Kleinen anvertraut,
ließ man die Kinder auf der Wiese
schön spielen, aber nicht zu laut,
denn störend wär‘ solch rufend Rauschen
beim Kaffeeklatsch und muntrem Plauschen.

Klein Ernst, ein Knabe von sechs Jahren,
gefiel wohl nicht das Wiesen-Spiel.
Er wollte Neues stets erfahren,
bevorzugt‘ der Piraten Ziel,
das jene Gassenjungen kannten,
die andre Schmuddel-Kinder nannten.

So schlich er sich nun wieder fort,
um seine Zeit schön zu verbringen
dort, wo am Fluss mit Floß vor Ort
das Abenteuer sollt‘ gelingen.
Zwei große Würste, der Proviant
als Lösegeld auch Anklang fand.

In See stach’s Schiff der Flusspiraten,
bald nahm’s des Stromes Tempo auf,
und ehe man sich konnt‘ beraten,
begann des Abenteuers Lauf.
Klein Ernst durft‘ spielen Kapitän;
stolz sah man ihn am Steuer steh’n.

Die andern Jungen unverdrossen,
es waren drei da an der Zahl,
derweil das „ Lösegeld“ genossen,
Salami mundete als Mahl.
Manch Schleppschiff ihnen kam entgegen,
laut tutend, doch man winkt‘ verwegen.

Flussabwärts rauscht im hellen Mai
das „Schiff der tausend Abenteuer“
an Dörfern, Feldern schnell vorbei,
die Sonne brennt wie lodernd Feuer,
und die Piraten nun dran denken,
das Floß zum Ankerplatz zu lenken.

Doch nautisch noch recht unerfahren
erweisen alle Vier sich dann
und liegen sich bald in den Haaren,
weil keiner Anker werfen kann.
Sie konnten’s wohl nicht ganz ermessen
und hatten ihn beim Bau vergessen.

Inzwischen hatte man ’s gemerkt
zu Haus, der Junge war verschwunden.
Beim Suchen, obwohl sehr verstärkt,
ward klein Ernst nirgends aufgefunden.
Man sprach gar von Entführung, Mord,
zwei Tage sei das Kind schon fort.

Die Polizei, die man gerufen,
sucht‘ Feld und Wald mit Hunden ab,
die Wege, hoch zum Turm die Stufen;
der Einsatz hielt sie all auf Trapp.
Man fahndete am Fluss, im Hafen,
traf Skipper, die noch nicht beim Schlafen.

Und einer sprach:“ Ich hab‘ gesehen
flussabwärts, als wir hoch gefahren,
auf einem Floß ’nen Jungen stehen,
von etwa sechs bis sieben Jahren.
Der hat dort, es war ungeheuer,
gehalten tüchtig, fest das Steuer.“

Die Eltern, die man informierte,
die sagten: „ Das ist unser Sohn,
der leichtsinnig so viel riskierte,
uns armen Eltern sehr zum Hohn.
Man fahr‘ flugs mit der Eisenbahn
flussabwärts, stoppe diesen Wahn!“.

Zum Glück gab es den Telegraphen,
der macht‘ die Meldung schnell bekannt
an Orten, wo vielleicht eintrafen
die Jungen mit dem Floß an Land,
damit sich Polizei einschalte,
die Ausreißer dann fest aufhalte.

Der Jungen selbst gebautes Floß
fuhr noch bei Nacht den Fluss hinab.
Zum Glück traf man kein Schiff, das groß,
sie streiften Fischerboote knapp.
Die Männer wütend sie dann schalten,
versäumten es, sie aufzuhalten.

Klein Ernst, der lesend schon erfahren,
was man so auf dem Wasser macht,
sagt, Rudern könnte sie bewahren
davor, dass man wogegen kracht.
Dort, wo der Fluss leicht mäandriere,
man sich an Land hin manövriere .

Ins Schilf am Ufer fuhr das Floß,
dort blieb es fest im Röhricht hängen.
Der Mückenflug war dort so groß,
tat die Piraten bös bedrängen,
sodass sie kaum zur Nacht mal schliefen
und klagend laut um Hilfe riefen.

Ein Angler hört‘ das morgens früh
und fand die jammernden Gestalten.
Mit Helfern und viel Rettungs-Müh‘
bracht‘ er ins Dorf sie wohlbehalten.
Die Eltern holten Ernst nach Haus,
und schimpften ihn gehörig aus.

Vorerst bewacht ihn ein Betreuer,
damit ihn lockt kein Abenteuer.

© Ingrid Herta Drewing

Morgenappell

Ein goldner Sommermorgen,
der in mein Fenster schaut,
weckt mich, die noch geborgen
hier ruht in Träumen traut.

Sagt: „ Los, beweg die Glieder,
spazier‘ in Wald und Feld,
ein heller Tag wird wieder
geschenkt der kleinen Welt.!

Noch darfst du sie erleben
die Schönheit der Natur,
bevor ein ungut Streben
zerstört die grüne Spur!

Die Regenwälder brennen,
der Permafrost, er taut;
das Klima, das wir kennen,
wird schädlich umgebaut.

Zu lange heiß und trocken
wurd ’s auch in unserm Land,
dieweil Hochwasser-Schocken
und Sturm die andern fand.

Da musst du überlegen,
wie du als „kleiner Wicht“
kannst helfen, das zu hegen,
was Leben hier verspricht.

Damit auch Kindeskindern
die Erde Heimat sei,
gilt ’s jetzt noch, zu verhindern
dies schadend‘ Einerlei!“

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,26.08.19

Alles ist relativ ( Kindermund)

Vier Frauen saßen nett beisammen,
erzählten sich so dies und das,
von Liebe auch und neuen Flammen,
von Paaren, kurz den neuesten Tratsch.

“Stellt euch mal vor, die Katharina,
die mit dem tizianroten Haar,
geht jetzt mit einem jungen Wiener,
der ist gerad’ mal 20 Jahr! “

“Der könnt’ ihr Sohn sein!”, meinte Ria.
“Ist sie nicht 40 ?“ , fragt’s empört.
“Das ist wie bei der Schickeria.—
In unsren Kreisen unerhört !”

Und während man nun noch sinnierte,
wie Altersunterschiede sind,
vergaß man ganz, denn es studierte
ein Bilderbuch, das Vorschulkind.

Doch plötzlich lautstark war’s zur Stelle,
verschämt erstarb der Schnattermull.
Das Kind sprach:”Wenn ich’s mir vorstelle,
ich bin dann 20, er ist Null !”

© Ingrid Herta Drewing,

Kinder

Wer Kinder hat, der weiß, wovon ich rede,
es liegt dir nur ihr Wohl und Weh am Herzen.
Sind sie noch klein, lebst du in steter Fehde
mit Kummer, Sorgen, vielen kleinen Schmerzen.

Und pubertier’n sie, tust du gut daran,
mit wachem Blick viel Freiheit zu gewähren;
auch wenn man müde ist, nur mühsam kann,
ist’s wichtig doch, geduldig zuzuhören.

Wenn sie erwachsen, ihren Weg gefunden,
lässt du sie los, wenn weh dein Herz auch zieht,
und freust dich auf die selten schönen Stunden,
da man einander glücklich wieder sieht.

Doch immer in Gedanken lebt die Frage:
Geht’s dem geliebten Kinde wirklich gut?
Das bleibt so bis zum Ende deiner Tage,
schließt auch die Enkel ein und ihre Hut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Wünsche an den Nikolaus

Sankt Nikolaus hat’s heute schwer,
wo nimmt er nur die Mittel her,
für das, was Kinder von ihm wollen
und wünschen, greifen in die Vollen.

Es kümmert ihn doch manchmal sehr
geht’s um der Kinder Wunsch, Begehr.
Sie schätzen kaum noch Äpfel, Nüsse,
auch Plätzchen fehlen als Genüsse.

Die Kids von heute, modern, trendy,
erwarten Laptop oder Handy.
Sogar die Marke manche nennen,
die sollt‘ dann Niklas nicht verkennen.

Nur die ganz Kleinen, noch bescheiden,
nicht unter Label-Anspruch leiden.
Sie freut ’s, wenn Püppchen, Bärenkind
Sankt Niklas ihnen schenkt ganz lind.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Martins-Gans

Die Kinder baten
Vater Hans:
„ Lass sie leben
unsre Gans!“

Und statt tot,
als Martins-Braten,
watschelt Emma
nun im Garten.

Dieb bei Nacht,
schleicht heran,
denkt, er kann
Werte stehlen
und verhehlen,
Mitternacht
keiner wacht.

Falsch gedacht!
Vor dem Haus
Gans laut schnattert,
Licht entfacht.
Dieb, verdattert,
nimmt Reißaus.
Familie froh,
Gans sowieso!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

In Ermangelung einer weißen Hausgans muss eine Nilgans aus Wiesbaden als Ersatz dienen.

Indianerschlaf

Einschlafen soll er, mag noch nicht,
möcht’ bei den andern bleiben.
Sein Bruder, dieses Bleichgesicht,
darf sich dort Zeit vertreiben.

Und da soll Häuptling „Große Zeder“
ins Bett schon, in die weichen Federn?
Er schleicht sich aus dem Wigwam raus
und kundschaftet nun alles aus.

Aha! Erwischt! Sie sehen fern.
Den Film, den sieht er auch recht gern.
Hier hinterm Sessel, gut versteckt,
wird er ganz sicher nicht entdeckt.

„Ach, dies Programm ist gar zu öde!
Ich schalt’ es aus, sonst noch verblödet
der Späher hinter meinem Sessel.
Ich werd’ ihn fangen und gleich fesseln.“

Der Vater schnappt den Häuptling sich,
trägt ihn ins Bett und schimpft doch nicht.
Liest vor von Bären und Schoschonen,
Indianern, die in Wäldern wohnen.

Und langsam holt der Schlaf sie ein,
den Vater und sein Söhnelein.

© Ingrid Herta Drewing

Erneuerung

Die alten Lieder all zu oft gesungen,
erstarb ihr Klang, es hatte Phantasie
sich helle, klare Töne ausbedungen,
nicht zwitscherten wie Alte hier die Jungen,
sie sehnten sich nach Frieden, Harmonie.

Versöhnten sich dem Land; noch ungezwungen
verfolgten, fanden andre Weisen sie.
Erst saß nicht jeder Ton, doch ward gerungen
und intoniert, bis sie auch schön geklungen,
des neuen Liedes sanfte Melodie.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Lebensfrage

Erster Advent1277129162331716_3227679732835194989_n

Was wäre Leben
ohne Luft und Wärme,
die Tiere, Pflanzen,helles Licht?
Kein sanftes Weben,
keine Bienenschwärme
hier sorgten für die Frucht.Verzicht!

Was wäre Leben
ohne Glauben, Lieben,
ein Dasein aller Hoffnung bar?
Ein eitles Streben,
nur ein Werden, Üben,
und – sähe da Vernunft noch klar?

Was wäre Leben
ohne Kinderlachen,
die kleine Hand, die deine hält?
Dies Gück, gegeben,
lässt dich sorgsam wachen,
schenkt Güte hier in harter Welt.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Werwolf-Begegnung

Der Vollmond scheint, s’ist Mitternacht,
die Turmuhr zwölfmal schlägt.
Ein Werwolf heult,liegt auf der Wacht,
und gruselig ein Irrer lacht,
die Kettensäge sägt.

Das Kind, es eilt, doch starr vor Schreck
kommt es nicht aus dem Wald,
sucht hinterm Baume ein Versteck,
steht steif und rührt sich nicht vom Fleck.
Der Stamm verschwindet bald.

Schon fürchtet es des Wolfes Biss,
der grässlich fletscht die Zähne.
Es möchte laufen, denkt gewiss
an die, die er, wild mordend, riss,
da streift es seine Mähne.

Ein Schrei! Da ist das Kind erwacht,
noch kann es atmen kaum.
Doch Mutter kommt und streichelt sacht
ihr Kind, beruhigt es mit Bedacht.
Vorbei der böse Traum!

© Ingrid Herta Drewing,2017