Indianerschlaf

Einschlafen soll er, mag noch nicht,
möcht’ bei den andern bleiben.
Sein Bruder, dieses Bleichgesicht,
darf sich dort Zeit vertreiben.

Und da soll Häuptling „Große Zeder“
ins Bett schon, in die weichen Federn?
Er schleicht sich aus dem Wigwam raus
und kundschaftet nun alles aus.

Aha! Erwischt! Sie sehen fern.
Den Film, den sieht er auch recht gern.
Hier hinterm Sessel, gut versteckt,
wird er ganz sicher nicht entdeckt.

„Ach, dies Programm ist gar zu öde!
Ich schalt’ es aus, sonst noch verblödet
der Späher hinter meinem Sessel.
Ich werd’ ihn fangen und gleich fesseln.“

Der Vater schnappt den Häuptling sich,
trägt ihn ins Bett und schimpft doch nicht.
Liest vor von Bären und Schoschonen,
Indianern, die in Wäldern wohnen.

Und langsam holt der Schlaf sie ein,
den Vater und sein Söhnelein.

© Ingrid Herta Drewing

Der Unfall ( Plot-Reimerei)

Vaters Auto,
flotter Flitzer.
Sohn wär’ gern
mal Besitzer,
führe fern.

Vater fort.
Sohn vor Ort.
Auto lockt;
Sohn drin hockt.
Er gibt Gas;
Motor heult;
Auto rast
gegen Mauer.
Splitter, Glas,
Blech verbeult;
Fahrt verbockt.

Vater sauer.
Sohn jetzt schlauer.

© Ingrid Herta Drewing