Archive for the Category Autobiografisches

 
 

Gedicht

Wenn mir dies‘ sorgende Sinnen
tief in die Seele bricht,
und kaum ein heilend‘ Entrinnen
mir zeigt ein neues Beginnen,
treibt mich dies Sehnen nach Licht.
und ich schreib ein Gedicht.

Im Klang der Worte ein Gleiten,
von Reimen und Bildern erfüllt,
folge ich flüsterndem Leiten,
vergesse Alltag und Zeiten,
nur Phantasie dann noch gilt,
die mich so wohlig umhüllt.

© Ingrid Herta Drewing

Einflüstern

Ach ließest du schlimme innere Stimme
es doch, mir Klänge ins Ohr zu flöten,
sanft summend, als hieße dich eine Imme
den Nektar zu suchen, der ihr vonnöten.

Du animierst mich in Reimen zu schreiben
und flüsterst mir zu sogar im Sonett.
Da fragst du nicht, ob dieses Betreiben
gefällt und außer mir auch Leser hätt‘.

Die Bilder, die mir in Worten aufscheinen,
sie reihst du gern ein in rhythmischem Tanz,
um Sinn, Bild und Klang poetisch zu einen,
scheust du nicht zurück vor Ulk, Firlefanz.

Doch leider kann ich mich dir nicht entziehen,
es sei denn, ich würde mich selber fliehen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Frühsommerträume

Ein sanfter Wind, ein Flüstern, leise,
das hier im Licht des Mittags singt,
als spiele Pan die leichte Weise,
die in den hohen Wipfeln schwingt.

Fast zeitlos, weiß zwei Wölkchen schweben
im blauen Himmelsmeer dahin,
als trügen sie zwei reine Leben,
ein zärtlich‘ Paar im Liebessinn.

Ich sitz‘ im Schatten alter Bäume,
genieß des Sommers weiten Blick,
zieh‘ sinnend mit, verwebe Träume
mit meinem irdischen Geschick.

Fühl‘ mich umarmt, es schenkt Natur
mir nun den Raum zum Innehalten,
und gerne folge ich der Spur
hin zu poetischem Gestalten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Im Sommer auf der Wilhelmstraße

Unter grünenden Platanen
weilt der Sommer auf der Rue,
schreibt sich Sonne auf die Fahnen
und lässt manchen hoffend ahnen,
dass er brauch‘ kein Parapluie.

Vor dem Kurhaus, dort im Schatten
sitzt ich nah dem Bowling Green,
wo die Brunnen mir gestatten
ein Erfrischen; kein Ermatten
mag so seine Kreise zieh’n.

Und ich träum‘ von alten Zeiten
Kaiser Wilhelm, Belle Époque,
sehe noble Gäste schreiten,
die zur Kur und Kunst geleiten
geschnürte Damen, lang der Rock.

Lob mir mein modernes Leben,
dass mir Freiheit hat beschert,
muss nicht fremd bestimmt mich geben,
kann, was mir gefällt, erstreben,
Frau als Mensch geschätzt und wert.

Hoffe, dass dies immer bleibe,
was im Grundgesetz gut steht,
es ein jeder unterschreibe,
Menschenwürde nie vertreibe,
Freiheit nie sei obsolet!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Opelbad

Nostalgisch schön, hier auf dem Berg gelegen,
schenkst du mir Urlaubsfreude, klaren Blick.
Ich schau‘ ins Tal und fühl‘ des Sommers Segen,
seh‘ weit nach vorn und gerne auch zurück.

Von goldnen Tagen magst du mir erzählen,
sahst mich als Kind, als Mädchen, junge Frau,
als Mutter dort mit meinen Kindern wählen
den Freizeitspaß, die Rutsche hoch im Blau.

Nun sind’s die Enkel schon, die mich begleiten
zu dir, du stattlich‘ Schwimmbad in der Höh‘.
Am Walde liegend, Bäume dich geleiten,
bist du so attraktiv wie eh und je.

Ich lass‘ mich froh von deinem Flair einladen,
genieß‘ das Panorama, mein Wiesbaden.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Rückblick

Ini,1964,Weihnachtsfeier, Kunsth._n

Das Bild der Jugend hier vor Augen,
als Leben lockte, helles Blatt,
ein Traum, der stattzufinden hat,
und vieles, was schien gut zu taugen.
Die Welt war weit und du nicht satt.

Jetzt weißt du viel, bist alt geworden
schaust lächelnd auf des Mädchens Bild,
das zärtlich und im Blicke mild
entrückt, beginnt sich da zu norden,
kaum wissend, was sein Leben füllt.
4.0M DigitalCAM

Du blickst zurück, im Lauf von Jahren
gab es dies Glück, das dich beschenkt,
von guten Mächten lieb gelenkt
ließ dich das Leben schön erfahren,
dass es trotz Leid in Freude denkt.

Der Mutter Güte, selbstlos‘ Lieben
gab Urvertrauen dir recht früh,
verlieh dir Kraft bei Kummers Hieben,
ist Lebens Richtschnur dir geblieben,
auf dass es weiterhin licht blüh‘.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Sommermorgen auf dem Balkon

Ringel,1460178887360075_7401940623709047567_n
Die Ringeltaube meldet sich,
und erste Sonnenstrahlen gleiten
den Sommertag licht einzuleiten.
Sie mögen auch verlocken mich,
mag nun mein Tagwerk vorbereiten.

Auf dem Balkon hier in der Stadt
erwartet mich mein kleiner Garten
mit vielen schönen Blumenarten,
und der Johannisbeerstrauch hat
schon Früchte, die auf Ernte warten.
DSCN6162
Sogar der kleine Apfelbaum,
der unlängst stand in heller Blüte,
zeigt mir, die ich ihn hege, hüte,
nun seinen runden, grünen Traum,
es reifen Äpfel erster Güte.

Der Frühe kühle, frische Luft
ist Labsal mir an diesem Morgen.
Noch frei von Hitze, Alltagssorgen
beglückt mich milder Rosenduft,
lässt fühlen mich so sanft geborgen.

Version 3

© Ingrid Herta Drewing,2017

Leben

Wenn ich bedenke, wie unfassbar groß
die Welt, das All, so gänzlich alles ist,
erkenne ich, wie klein mein irdisch‘ Los,
das sich an Nichtigkeiten täglich misst.

Und dennoch ist dies‘ eine kleine Leben
in sich etwas, das wirklich ist und wahr,
auf dieser schönen Erde mit zu schweben
im dunklen All und doch im Lichte klar.

Ein „Spiel der Zeit“, so nannten es die Alten,
dies‘ Menschenleben, das sich hier erfüllt
im Sinnen, Lieben, Walten und Gestalten,
ein helles Dasein, Fragen ungestillt.

Geschenk des Schöpfers, das auch ich gewann
und freudig, dankbar darf ich’s nehmen an.

© Ingrid Herta Drewing

Mutters Stärke

Mama und Hertelchen_o

Nie hätte ich geglaubt, als ich war Kind,
dass Mütter wirklich Schwächen haben können.
Nur ihre Kraft und Liebe konnt’ ich nennen;
die Bilder, die noch heut’ vertraut mir sind,
obwohl vom Kind sein mich Jahrzehnte trennen.

In einer Zeit, die so beherrscht von Not,
beglückte, Mutter, uns dein frohes Wesen .
In deinen Armen konnten wir genesen,
du sorgtest immer für das täglich’ Brot
wie schlimm die Wirtschaftslage auch gewesen.

Ich höre heute noch die hellen Lieder,
hab’ auch dein liebes Lachen klar im Ohr,
du hattest einen herrlichen Humor.
Ach könnt’ ich hören doch von dir noch einmal wieder,
wie wer in Lauterbach den Strumpf verlor!

© Ingrid Herta Drewing,
Foto: Mama und Hertelchen

Schülerballade

(Damals ein kleiner,launiger Rückblick auf die Schulzeit,Anleihen in der Form bei Schiller, Rilke,Hofmannsthal und Heine sind natürlich rein zufällig )

😉

Fest gemauert,grau und klotzig
steht ein Haus am Autostrand,
innen freundlich, außen trotzig,
Schul‘ nach Elly Heuss benannt.

Und Kinder ziehen ein an Hand von Müttern.
Die von nichts wissen,
kommen wohl, um was zu lernen.
Sextaner, Bienensummen hinter Gittern,
an Lehrers Lippen achtzig Augensterne.

Die Schule wird zum spielenden Ereignis.
In Pausen zeigen’s Quinten und Terzinen –
Quartaner-Trusts,ein böser, kleiner Löwe geht mit ihnen,
und halb und jährlich gibt’s ein Zeugnis.

Bald fangen Oberterzen an
ihr teen zu agen und zu tanzen,
und mancher Lehrer schaut besorgt
auf diese „ kleinen Pflanzen“.

Jedoch in der Sekunda dann
gibt es dafür ’nen Namen.
Feierlich von nun und an
Nennt man sie „Sie“ und „Damen“.
Doch bleibt ein lieber Restbestand,
heißt es doch Ruth und Marlies.
Die Kunstversion erfolgt sogar
„ pluralis majestatis“.

Und dann:
Und du weißt nicht, was soll das bedeuten,
die Untersekunda vergeht,
verlassen von „mittleren Reifen“
ein kleiner Rest nur noch steht.

Doch nun lernst recht schnell du begreifen
trotz Teilung, Spaltung, Verzweignis
irgendwie ist Schule Ereignis
und nur Form
halb und jährlich das Zeugnis.

Die eine vertieft sich in Bio,
Französisch, Deutsch, Geografie,
der andern wird’s klar, dass sie
ein verhindertes Künstlergenie.
Und manche mögen Cäsar,
nebenbei auf Grund des Lateins.
Andre haben was gegen Kriege,
zumal in der Nähe des Rheins.
Doch ein jeder gräbt nach den Quellen
mit seinem Schülerwarum.
Die Antwort auf seine Fragen:
Er erkennt:“ Mensch, du bist dumm.“

Plötzlich sitzt du erster Klasse,
Primanerin fertig für’s Abitur.
Du denkst: „ Noch viel Zeit!“
Doch bald ist’s so weit
und du wunderst dich nur;
gehst dann in die Prüfung,
etwas ängstlich und steif.
Doch schnell ist’s herum,
und nun bist du reif.

Und Reife ziehen aus der Schule,
die von nichts wissen,ziehen aus,
wohl um zu lernen…

© Ingrid Herta Seibel, Wiesbaden, den 17.03.1963