Archive for the Category Dichten

 
 

Frau und Lyrik

„Von Walther von der Vogelweide
bis Benn“, Gedichtanthologie.
Die Lyrik, eine Seelenweide
der Dichter, deren Wortgeschmeide
vielfältig singt die Melodie.

Nur frag‘ ich mich, warum die Scharen,
die hier im Buch der Poesie
versammelt sind, nur Männer waren?
Acht Frauen in achthundert Jahren,
als meide gar die Dichtung sie!

Erst seit den letzten hundert Jahren
der Frauen Lyrik hier auflebt,
zuvor sie eingebunden waren
in Haushaltspflichten; Bildungssparen
hat sie in Alltag eingewebt.

Befreit darf Frau jetzt wählen, dichten,
hell singen auch ihr eigen Lied,
muss sich nach Fremd-Diktat nicht richten,
darf ihre eignen Ziele sichten,
und ihre Lyrik nun erblüht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Guter Rat auf dem Prüfstand

Der Rat, ein gutes Buch zu lesen,
statt hier an Facebooks Poet-Tresen
sich neu Gemixtes reinzuziehen
und selbst im Hobby zu bemühen,
erscheint zunächst nicht obsolet.

Doch frag ich mich, was wär‘ gewesen,
wenn jene Größen nur gelesen,
sich „ auch zu dichten“ nicht getraut,
nur auf Altvordere geschaut,
kaum drauf gebaut, dass was entsteht?
Wär‘ da der Rat nicht obsolet?

© Ingrid Herta Drewing,18.06.18

Gedicht

Feder Kladde (1)

Nur Worte, die ihr leises Lied mir singen,
Verszeilen, die sich reimen, stimmig finden,
sich kreuzen, schweifen und umarmend binden,
in einer Strophe miteinander klingen;
und dennoch halten sie für kurze Zeit
die kleine Freude für den Tag bereit.

Mal kommen sie daher im grauen Kleide
und klagen, wüten, wollen sich verzehren,
vielleicht sogar satirisch noch belehren,
obwohl sie finden keine grüne Weide.
Und dennoch halten sie für kurze Zeit
dies‘ Hoffen auf Veränderung bereit.

Dann wieder strahlen sie in lichtem Glanze,
geraten ob der Schönheit fast ins Schwärmen,
wenn die Natur schenkt, was den Blick mag wärmen,
ihn einlädt mit dem Farbenrausch zum Tanze.
Und dennoch halten sie geraume Zeit
die Wehmut um Vergänglichkeit bereit.

Nur Worte, doch auch Hauch von meinem Leben,
das mit im Licht der Jahreszeiten schwingt
und schauend seine kleinen Weisen singt,
sich darf dem Lächeln zärtlich hier verweben.
So halten sie wohl noch in meiner Zeit,
dies kleine Glücksgefühl für mich bereit.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,

Transnational

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Die 5. Ausgabe der literarischen Zeitschrift
THE TRANSNATIONAL ist erschienen.
René Kanzler, der neue Herausgeber dieses ansprechenden Magazins, lässt darin Autoren aus vielen Ländern dieser Welt, die sich mit den brennenden Fragen unsrer Zeit beschäftigen, in deutscher und englischer Sprache zu Wort zu kommen.Ein Kaleidoskop der Inhalte, Aussagen und Formen vermittelt auf hervorragende Weise, was Dichter, Schriftsteller und Forscher in unserer modernen Welt bewegt.
Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass auch eines meiner Gedichte ( im Originaltext und ins Englische übersetzt) in diese ambitionierte, über Ländergrenzen hinaus wirkende Zeitschrift aufgenommen wurde.
Die Druckausgabe ist über Books on Demand oder jeden Buchhandel zu beziehen.
Die ISBN lautet 9783746081076.

Zum Thema “ Entartete Kunst“

Gedicht zur Wortvorgabe ( fabulieren; stimmgewaltig; ohrenbetäubend; Kirschblüte; Anamnese; Fäulnis )

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Kritiker, der selbstverliebt, verschworen,
las Poeten völkisch die Leviten,
sah sich selbst zu Höherem geboren;
Poesie war für ihn nicht gelitten.

Stimmgewaltig seine Anamnese,
er verlor sich fast im Fabulieren.
Doch sein Ohr betäubendes Gewese
konnte keinem Hörer imponieren.

Als er sie noch Fäulnis-Boten nannte,
ihnen Schuld an allem Elend gab,
ihre guten Leistungen verkannte,
brach man wütend über ihn den Stab.

Neuen Aufbruch, Frühling auszuloben,
Leben, das in Güte hell erstrahlt,
traf man sich im Hain Apollons droben,
wo die Poesie in Kirschenblüten malt.

Und der Wohlklang sanfter Dichter-Stimmen
trug fortan die Freude in die Welt,
gleich dem Honiggold der edlen Immen
ihre Kunst stärkt, die Kultur erhält.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Dichter und Mime

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Es mag der Dichter mit dem Mimen gehen,
denn beide hauchen Leben ein dem Wort.
Die Phantasie beflügelt licht ihr Sehen,
der eine schreibt’s, der andre zeigt’s vor Ort.

Da wachsen Sinn, Gestalt in Wortgesängen,
das Drama spiegelt Menschen, Handlung hie,
und Sprache, Spiel, sie tragen klar in Klängen
die schöne Illusion,voll Poesie.

Und muss man sie in Rätseln,Masken zeigen,
wird doch die Wirklichkeit bewusst im Bild,
was Charakteren eigen, wie sie schweigen,
agieren, sprechen, was sie treibt, erfüllt.

Des Erden-Lebens Spiel, das hier bereit,
gelangt wohl an sein Ziel für kurze Zeit.

© Ingrid Herta Drewing

(Beim Betrachten des Gustav-Freytag-Denkmals im Kurpark Wiesbaden,
Putten,die zum Gustav- Freytag-Denkmal gehören, das von Bildhauer Fritz Schaper und Hofbaurat Felix Genzmer im Kurpark erbaut und 1905 enthüllt wurde.)

Leben im Wort

(In Erinnerung an Ingo Baumgartner,
der am 16. Juli 2015 starb.)

Nie gingst du wirklich von uns, deine Worte
sie hallen nach, dein Leben im Gedicht
erreicht uns noch am wohl bekannten Orte,
und zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht.

Du konntest reich an Liebe Leben schauen,
das kleinste Pflänzchen achtend und Getier,
humorvoll, trotz der Menschen Falschheit, bauen
auf die Natur, die uns zeigt Schönheit hier.

So ließest du als Lehrer wohl erfahren,
nicht nur die Schüler, dass der Wert der Welt
sich täglich zeigen darf im Guten, Klaren,
das uns in Liebe hier auf Erden hält.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Worte

Den leichten Vögeln unsre Worte gleichen.
Sie gleiten unbedacht flugs über Lippen.
Gedanken werden kaum zu Schranken, Klippen.
Fort ist das Wort; es wird sein Ziel erreichen.
Wie gerne fingst du’s ein, um es zu streichen,
das falsch Gesagte richtig umzutippen.

Der Worte Klang dringt tief in unsre Seele,
und sind sie sanft, ist’s wie ein zärtlich‘ Kosen,
schenkt Wärme, Licht, lässt hell erblühen Rosen.
Jedoch die harten, harschen, die Befehle,
sie schnüren zu, dem der sie hört, die Kehle,
und Traurigkeit lähmt nach dem Wüten,Tosen.

Wer dichtet, darf mit Wörtern, Klängen spielen,
zu Bildern sie verweben, Poesie
sie läutern und beleben, Phantasie
in weite Räume, Farben-Träume zielen,
in Rhythmen tanzen, jenen vielen,
die die Musik uns schenkt in Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Schlaflos

Und schlaflos liegst du da zur Nacht,
denn unaufhörlich die Gedanken
bestürmen dich, und ihre Macht
verhindert, dass sich Träume sacht
in Morpheus Armen um dich ranken.

Erheb‘ dich, mach‘ die Nacht zum Tag,
befreie dich von den Chimären,
die dich bedrängen Frag‘ um Frag‘,
beginn‘ zu schreiben; fern der Plag‘
lass‘ leichthin Worte nun gewähren!

Sie finden sich in Vers und Reim,
verweben Bilder mit dem Klang,
als sei erwacht ein grüner Keim,
dich führend in ein neu‘ Daheim,
und Leben singt den Lobgesang.

© Ingrid Herta Drewing,2016