Archive for Mai 2019

 
 

Wolkig

Es zogen drei weiße Wölkchen
am Frühlingshimmel dahin;
da ward dem luftigen Völkchen
recht umweltfreundlich der Sinn.

Sie wollten nach Afrika reisen
und hoch über Sahel und Sand,
sich regnend, segnend erweisen,
besiegen die Dürre im Land.

Ihr Wille war wolkig, weich,
als er an der Alpen Rand
im Aufsteigen kalt sogleich
ein jähes Ende dort fand.

Die Wassertröpfchen, die feinen,
die sie für die Ferne gehegt,
sie wurden als Schneesterne, kleine,
zum Aletschgletscher gelegt.

So geht es mit manchen Träumen,
wenn sie bei Licht nicht durchdacht,
erweisen sie sich als Schäume
des Schlafes in dunkler Nacht.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nassauer Dom vor drei Wölkchen

Seltsames

Die Kehrmaschine am Morgen

Laut ratscht durch unsre Straßen
so ’ne Maschin‘, sie kehrt
ganz eifrig über Maßen
den Dreck weg, unbeschwert.

Doch parken auch zwei Reihen
von Autos, dicht am Rand,
die dort dann flugs verleihen
Versteck dem Staub und Tand.

Plastik-Verpackungen

In manchen Läden, seh ich’s, stutz,
da liegt in dünnen Plastikhüllen
so manche Frucht verpackt , ein Schutz,
den ihre Schalen schon erfüllen.

Auf dass es sei auch recht bequem,
reicht man in Plastik-Klarsicht Stücke
an Obst, zerkleinert, angenehm.
Da fand wohl wer im Markt die Lücke.

Ignoranz

Schreck Schlau, der fuhr nach Lima,
ins Andenland Peru,
fand angenehm das Klima
und schloss daraus im Nu:

Das Wort vom Klimawandel
sei gar nicht angebracht,
das hätten sich als Handel
die Grünen ausgedacht.

© Ingrid Herta Drewing, 20.05.19

Gewitter

Es drängen Wolken vor die Sonne,
die hier noch heiß vom Himmel sticht.
Sie quellen berghoch auf, zerronnen
ist bald das blaue Himmelslicht.

Und ein Gewitter droht zu nahen,
der Wind frischt auf, stürmt böig schnell.
Von fern’ wir Wetterleuchten sahen,
die Feuerspuren, zackig, hell.

Jetzt ist es da, der Regen prasselt,
und Hagel tanzt wild auf dem Dach.
Grell zucken Blitze, Donner rasselt,
laut krachend stürzt der Baum am Bach.

Es tost und tobt, als hab’ die Hölle
die Teufelsbrut zur Erd’ gesandt,
damit sie alles hier entstelle,
was lieblich blüht auf grünem Land.

Doch endlich ist der Spuk zu Ende!
Nun klart es auf; ein Regenbogen
sich wölbt, schenkt Farben dem Gelände,
denn Sonne strahlt, scheint uns gewogen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Wetterwendischer Mai

Es spielt der Mai hier wohl April,
zeigt sich mit Wetterkapriolen,
recht kühl und nass, mal stürmisch, schrill,
als habe wer ihm unverhohlen
das milde Antlitz frech gestohlen.

Zwar prangt in Grün der Bäume Kleid,
benetzt von frischem Frühlingsregen,
jedoch der Blüten helle Zeit,
sie scheint vorbei, denn auf den Wegen
liegt abgepflückt der zarte Segen.

Der Juni wird es neu jetzt richten,
wenn er auf frühen Sommers Spur
erneut die Wiesen ruft, zu dichten
ihr Blumenlied; als Frohnatur
küsst er auch wach die Sonnenuhr.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Feigenblatt-Tage

Der Tag des Kindes, Tag des Kusses,
der Tag der Arbeit, Muttertag
birgt oft den Anlass des Verdrusses
für den, der solchen Schein nicht mag.

Was man im Jahr zu wenig schätzt,
wird einmal kurz ins Bild gehoben
und wiederum in Schlaf versetzt,
Dornröschens Fluch, nur mild verwoben.

Genötigt fühlen sich da viele:
„Oh, Gott, es ist ja Muttertag!
Noch schnell paar Blümchen für Cäcilie,
weil sie uns heut’ erwarten mag!“

Kurz der Besuch bei den Senioren.
Das Heim wird heut’ zum Blumenhaus;
doch manche Mutter schaut verloren
dort aus dem kleinen Fenster raus.

Wir haben uns so eingerichtet,
dass uns die Zeit zu lieben fehlt,
gehetzt, verplant; so wird vernichtet,
was wesentlich zum Menschsein zählt.

© Ingrid Herta Drewing,

Optimismus

Die Maiensonne hell ins Herz gepinselt,
bewahre ich ein Frühlingskonterfei.
Wer über Regen klagt, vom Wetter winselt,
dem sage ich: Nur Mut, das geht vorbei!

Da trau’ ich mich, wie alle Optimisten,
das schöne Bild hier in den Blick zu rücken,
wenn auch der Unmut mancher Pessimisten
mir vorhält dies’ als rosarote Krücken.

So mögen Realisten es belächeln,
wenn ich im wilden, schlimmen Sturmeswüten
schon ahne, dass bald zarte Lüfte fächeln
und uns erfreuen wird die Welt der Blüten.

Mag diese Lesart wirken auch naiv,
das Leben selbst schreibt ihr den Liebesbrief.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Bergfrühling

Türkisfarben rauscht
der Gletscherbach hier ins Tal,
singt befreit sein Lied.

Trollblumen grüßen,
Silberwurz und Knabenkraut,
Frühlingsenzian.

Glockengeläute,
die Kühe beim Almauftrieb,
Frühjahrsprozession.

© Ingrid Herta Drewing

Vor Sonnenaufgang

Wie ich sie liebe, diese Stille,
wenn Tag und Nacht einander grüßen,
bevor der Sonne goldne Fülle
sich strahlend wird ins Tal ergießen!

Ein Dämmern, zarter Wimpern-Schlag,
und sanft erblickt die kleine Welt
im Morgenlicht den jungen Tag.
Die Lerche singt, steigt hoch im Feld.

Schon bald erklingen tausend Stimmen
in einem hellen Jubelchor.
Das Leben will sich freudig trimmen
und steht erwartungsvoll am Tor.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Gebirgswald, andere Version

Es liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
vor dieser schroff in Höhen strebt
und felsig mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.

Das Panorama allenthalben
zeigt majestätisch schön die Alpen
mit Felsen, Almen, Tannen, Fichten,
mit einem Bach, der sprudelnd fließt

durch Farn und Moos und Nadelschichten;
der Wanderer im Wald genießt,
wenn er bei Aufstieg und Ermatten
zu Kräften kommt in Licht und Schatten.

Als Bannwald schützt er vor Lawinen,
Gefahr, die an den Hängen droht –
die übergroß wird, wenn wir ihnen
die Schneisen schlagen ohne Not,

weil wir für Wintersport uns rüsten,
dort roden Wald für neue Pisten,
zu fördern den Tourismus pur,
und wollen so die Wirtschaft würzen,

bis Regen rauscht in glatter Spur
und donnernd Muren talwärts stürzen,
kein Baum mehr kann den Boden halten,
die rutschend, rollenden Gewalten.

Noch liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
vor dieser schroff in Höhen strebt
und felsig mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.

Dass wir nicht finden allenthalben,
die Landschaft nur noch in den Alben!

© Ingrid Herta Drewing und Rainer Doering, Mai 2019

Gebirgswald

Es liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
der felsig schroff in Höhen strebt
und gipfelnd mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.
Das Panorama allenthalben
zeigt majestätisch schön die Alpen.

Der Wald wirkt dunkel, seine Fichten,
die nur ein Wildbach rasch durchfließt,
sich immergrün zur Sonne richten.
Der Wanderer beglückt, genießt,
dass er beim Aufstieg nun im Schatten
darf ruhen, wehren dem Ermatten.

Als Bannwald schützt er vor Lawinen,
wenn’s Dorf im Winter liegt bedroht.
Weh denen, die leichtfertig ihnen
die Schneisen schlagen ohne Not,
weil für den Wintersport sie rüsten,
dort roden Wald für neue Pisten!

Wer glaubt, die Wirtschaft so zu würzen,
zu fördern den Tourismus pur,
sieht Muren sehr bald talwärts stürzen,
wenn Regen rauscht, schafft nasse Spur.
Der Wald kann oft noch Boden halten,
verhindern Erdrutsches Gewalten!

Noch liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
der sich hier in die Höh‘ erhebt
und felsig mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.
Dass wir nicht finden allenthalben,
die Landschaft nur noch in den Alben!

© Ingrid Herta Drewing 03.05.2019