Archive for the Category Wiesbaden

 
 

In Wiesbadens Rabengrund

Noch schmückt des Morgens Tau die Blütenwiese,
ein Glitzern, Schimmern hell im Sonnenlicht,
als ob ein Elfenreigen sanft verhieße,
dass hier ein goldner Tag von Wonne spricht.

Schon bald ertönt das Zirpen einer Grille,
das wie ein Weckruf gilt dem Jubelchor,
der nun erwacht, erklingt, durchdringt die Stille:
die Immen summen, Lerche steigt empor.

Ein Lobgesang, die Schöpfung schön zu preisen,
stimmt Kuckucks Ruf und Amsel-Lied mit ein;
auch der Gesang der kleinen blauen Meisen,
schallt aus dem Schlehen-Busch am Wiesenrain.

So mag ein Sommertag beschaulich nun beginnen,
den ich genießen darf mit allen Sinnen.

©  Text: Ingrid Herta Drewing,

Foto: Waltraud Katherina Schwefer

Mein Wiesbaden

Wo der Fluss sich neigt,
um dann im Rheingau hinzuströmen,
dort liegst du, meine Stadt,
am Taunushang verzweigt,
und lässt von Sonne dich verwöhnen.

Du schaust nach Süden,
deine Luft und dein Lächeln sind mild.
Deiner Quellen wärmende Kraft
hat schon viele Leiden gestillt.

Und deine Wiesen und Wälder,
erfüllt von lichtem Grün,
säumen Hügel und Felder,
bewacht von Burgen kühn.

Zwar bist du auch schöne Mondäne,
stolzierst auf der Rue gern im Nerz.
Doch nicht nur im Vorortdirndl
zeigst du ganz offen dein Herz.

Zu musikalischen Festen,
und im Mai, Magnolien im Arm,
empfängst du strahlend Gäste
im Fin de Siècle-Charme.

Auch mich hältst du umfangen
mit deinem Liebesblick.
Wohin ich auch gegangen,
ich sehnte mich zurück.

©Foto u. Text:  Ingrid Herta Drewing, 2009

Mai im Nerotal*

Das Tal ist hell ergrünt, des Frühlings Segen
wirkt üppig nun der Wiese Blütenbild.
Es spielt der Mai April, schickt Sonne, Regen,
der Pflanzen wachsen lässt, den Schwarzbach füllt.

Des Löwenzahnes goldne Sonnen strahlen,
ein kleiner Baum mit Blüten-Tüchern winkt,
als wolle er vor Gänseblümchen prahlen,
wenn dort im Gras auch seine Blüte blinkt.

Der Taschentuchbaum darf im Licht erglänzen,
im Park er wohl zu den Exoten zählt.
Natur vermag uns vieles zu kredenzen,
und ihre Schönheit eigne Wege wählt.

Ich seh ’s beglückt an diesem Tag im Mai
und fühle trotz Corona mich hier frei.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing

*Der Park im Nerotal wurde in den Jahren 1897 bis 1898
angelegt. Nach seiner Fertigstellung waren fast 6.000 Pflanzen aus vielen Ländern in der rund sechs Hektar großen Anlage zu finden.
„Verglichen mit anderen Anlagen verfügt das Nerotal über die größte Baumvielfalt.
Hier gedeihen unter anderem der Korkbaum, der Japanische Perlschnurbaum, der Gebirgsmammutbaum, die Chinesische Zaubernuss, der Amerikanische Zürgelbaum und der Taschentuchbaum“ („Stadtgrün in Wiesbaden“, Umwelt-und Kulturdezernat Wiesbaden)

Frühlingsregen

Es fällt ein sanfter Frühlingsregen
und netzt der Erde frisches Grün.
So kann der helle Blütensegen
auch weiterhin im Glanz erblüh’n.

Die Vögel, froh gestimmte Sänger,
begrüßen flugs das klare Nass;
im Vogelbad drängt man nicht länger,
Platz gibt es auch am Regenfass.

Wir lieben’s trocken, Schirme tragend,
spürn wir die regenfrische Luft.
Der Frühling lächelt; wohl behagend
schenkt er uns seiner Blumen Duft.

© Foto u. Gedicht: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Nerotal, Schwarzbach

Glyzinien-Frühling

Aus abertausend violetten Blüten
strömt nun betörend der Glyzinie Duft.
Sie darf den Frühling hier im Hof behüten,
rankt dort, am Hause kletternd, in die Luft.

Blauregen nennt man sie wohl auch zuweilen
und trifft damit ihr üppig’ Blütenbild;
ihr Trauben-Blütenfall schmückt Häuserzeilen,
wie er hier bläulich aus den Ranken quillt.

Das wächst und blüht, als nehme es kein Ende,
und nasenselig lass’ ich mich beglücken,
fühl’ Frühlingsfreude, weiß, nun wird sich wenden,
was sorgenvoll und dunkel mag bedrücken.

Der Lenz, erwacht, reicht zärtlich seine Hand,
entführt uns in des Lebens Zauberland.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Taunusstraße, Weilstraße,Hof

Baustil-Leben

Was dachte man sich beim Erbauen,
als man wie Säulen junger Frauen
Figuren nahm in die Fassade?

Bei Sonnenschein, im Regengrauen
sie leicht geschürzt und freundlich schauen
auf der Passanten Promenade.

Ich wünscht‘, sie legten ab das Dach
und stiegen vom Balkongemach,
um sich zum Tanz zu trauen!

Sie ließen sich vom Duft der Rosen
im milden Sonnenlichte kosen,
ohne entrückt zu zagen.

Jedoch, da gibt’s kein Wagen.
Die Schönen, die aus Stein gehauen,
sie zucken nicht mal mit den Brauen
und schauen nur auf’s Park-Gestade.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Karyatiden, Villa im Nerotal

Frühlings-Sonntagmorgen

Im Osten wird es hell; die Vögel singen.
Ein Frühlingstag erwacht mit klarem Blick;
die Welt beginnt in zartem Blau zu schwingen.
Von ferne leise Sonntagsglocken klingen,
und strahlend glänzt der Sonne golden Glück.

Da öffnen sanft die Blumen ihre Blüten,
verströmen ihren lieblich süßen Duft.
Schier unerschöpflich scheint die Wundertüte,
aus der Natur schöpft ihres Reichtums Güte,
ein Grünen, Blühen, warme, milde Luft.

Du nimmst die Welt jetzt wahr mit allen Sinnen.
Dies neue Werden, Wachsen dich berührt.
Dein Tag mag leichter nun im Licht beginnen;
du spürst und fühlst, das Leben wird gewinnen
und traust der Hoffnung, die dich lächelnd führt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Blick auf die Marktkirche

Wiesbaden im Frühling

Kühler Apriltag,
aber hier „Am Warmen Damm“
blühen Magnolien.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm,

Schneegestöber im April

Es tanzt der Schnee vor meinem Fenster;
die Flocken tummeln sich im Wind,
jetzt, da des Winters Frostgespenster
doch rau zurück gekommen sind.

Was mir zur Weihnacht Freude brächte,
erscheint mir nun als kalter Hohn.
Ich sehne mich nach milden Nächten
und Frühlingsduft, der Blüten Lohn.

Doch darauf darf ich wohl noch warten,
obwohl ’s Kalender zeigt: Zur Zeit
begann der Frühling schon zu starten
und war zum Blühen schon bereit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Frühlingsmorgen

Der Park, gezeichnet noch von Winters Spuren,
zeigt, zart regt sich der Wiese Gras in Grün.
Jedoch erwachten hier schon auf den Fluren
des Frühlings Boten, Scilla blau erblüh’n.
Narzissen und Forsythien in der Runde
verkünden leuchtend gelb auch frohe Kunde.

Nilgänse, Enten finden sich zu Paaren
und wärmen wohlig sich in Sonne auf
an Teiches Ufer, wo man bald in Scharen
die jungen Vögel sieht bei ihrem Lauf;
Am Warmen Damm, wo auch die klugen Krähen
dazu gesellen sich, nach Futter spähen.

Sehr lange wird es nun wohl nicht mehr währen,
dann blühen und ergrünen Büsche, Bäume,
wenn Lenz und sein Gefolge ganz einkehren,
erfüllen hell mit Leben unsre Träume.
Es schenkt Natur des Frühlings Neubeginn,
beglückt uns Menschen wieder Seele, Sinn.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Park“ Am Warmen Damm“