Archive for the Category Poetologisches

 
 

Lob der Kunst

Wer dichtet, lebt in Wort und Bild und Klang,
poetisch darf er seine Kräfte einen,
die Seele schwingen lassen im Gesang,
mag auch sein Alltag gänzlich anders scheinen.

Er findet Harmonie im Klang der Worte,
erfasst die Bilder und gewinnt den Blick
für das Verlorene an dunklem Orte
und holt es schreibend in das Licht zurück.

Des Lebens sanfte Katalysatoren
die Kunst der Dichter, Maler, Komponisten.
In ihrem Werk wird wieder neu geboren
des Lebens Lächeln, Sinn, den man vermisste.

Die Kunst vermag mit ihrem Bild, dem schönen,
uns zu beglücken, gütig zu versöhnen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Erinnern

Die Lieder, die mir im Gedächtnis klingen,
die Bilder, die den Blicken so vertraut,
erfüllt von Vielem, das ich tief erschaut,
sie lassen mich nun meine Lieder singen.

Mit der Natur verbunden, stetes Kreisen,
im Jahrezeitenlauf wohl ganz zu Haus,
mal ich mit Worten mir die Klänge aus,
und doch schickt neues Suchen mich auf Reisen.

Erreiche so das Land der Phantasie,
in dem die zarte Frühlingsmelodie,
erquickend, mir als ein Geschenk gegeben.

Es wächst die Stimme, sagt mir sanft:“ Nun sieh,
erkenne jene Friedens-Harmonie,
die letztlich doch beflügelt alles Leben!“

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Vom Dichten

„Für wen? Warum nur willst du schreiben?
Ist es doch Spiel nur mit dem Wort.
Du könntest dir die Zeit vertreiben
mit bess’rem Ziel, am andern Ort.“

Sagst du und weißt nichts von dem Glück,
das mir beim Dichten hell erblüht,
wenn Bilder melden sich zurück,
und Vers an Vers im Klang erglüht.

Ich suche nicht, die Worte sprießen,
es stürmen Reime auf mich ein,
wenn ein Gedicht beginnt zu fließen,
in Worten lebt sein eignes Sein.

Dann ist mir, als ob neues Leben
sein Lied mir in die Seele singt,
um mir hier Zeit und Raum zu geben,
und wie Musik in sanftem Schweben
ergreift mich Freude, wenn ’s gelingt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Innerer Monolog

Gefangen im Sonett!
Harmoniesüchtig,
immer den Klängen
in Versen auf der Spur.

Verliere und finde
dich doch
auch einmal
in Wortspielereien
oder
in den dunklen Rätseln
der Bilder,
die aus Träumen fallen,
wenn die Nacht schläft!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Lob der Lyrik

( Zum Welttag der Poesie)

Oh doch, du solltest singen, Kind!
Prosaisch graut zu oft das Leben,
in das wir hier gegeben sind.
Drum singe fröhlich, laut und lind,
lass glockenhell die Klänge schweben!

Fatal, zu glauben, Formen hätten
ihr klares Spiel in unsrer Zeit
verwirkt, weil sie des Menschen Stätten
in heile Bilder fälschlich retten,
wozu real sei nichts bereit.

Lass uns doch auch das Schöne sehen!
Dies’ Leben, Lobgesang im Licht,
lehrt die Natur uns zu verstehen;
sie liebt ’s gestaltend aufzugehen;
vielfältig schreibt sie ihr Gedicht.

Sie kennt der Rhythmen Macht, die Klänge,
verleiht dem Chaos noch Struktur.
Mit Phantasie sprengt sie die Enge,
erfindet Formen, löst die Zwänge
und folgt des Lebens lichter Spur.

So schenk’ dein Lied in Sinn und Sagen,
in Bildern, Versen, Melodien,
das Schöne auch, nicht nur die Fragen,
das Suchen, Streiten oder Klagen!
Ein Fundament sei ’s, uns zu tragen
auch in ein Reich der Harmonien!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbstbilder

Ja, ich weiß es, Herbststurm, Früchte, Blätter,
das sind Bilder, tausendfach belichtet.
mancher fände es wohl sicher netter,
wenn den Herbst man nicht mehr so bedichtet’.

Dennoch trägt mir stets dann im Oktober
die Natur, ganz ungefragt, die Bilder an,
wenn der Blätter prächtiges Zinnober
in Alleen und Gärten glühend singen kann.

Und ich lasse mich dazu verleiten,
schier von diesem Anblick farbentrunken,
was ich sehe, reimend zu begleiten,
nicht beachtend ein poetisch’ Unken.

Werde Impressionen, die beglücken,
wieder aus des Herbstes Bäumen pflücken.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

An eine Poetin

Sag, willst du nicht auch mal rappen,
Wörter im Stakkato steppen,
so als sei’s ein Sprechgesang
Paarreime wie kurze Treppen
reihen, immer weiter schleppen,
folgend einem flotten Drang?

Nein, du machst dich nicht zum Deppen!
Mode ist es doch zu rappen,
Poetry als Bühnen-Slam.
Mancher mag die Sprache neppen,
sie im Reim dann aufzupeppen,
heißt’s und sei es auch plemplem.

Ja, sogar die Gangster-Rapper,
die als laute Schimpfwort-Schlepper
Hass verkünden, Frust als Mut,
haben ihre Fans; als Nepper
scheffeln Kohle sie, je depper
sie im Wortschwall zeigen Wut.

Nein, du willst nicht danach schielen,
lieber lyrisch wirken, spielen
mit Bedeutung, Bild und Klang.
Folgst dem eignen Sinn, den Zielen
einer Poesie, die vielen
Texten schenkt im Takt Gesang.

© Ingrid Herta Drewing,

Notstand

Manch‘ Poeten sind in Nöten,
gingen doch die Reime flöten;
müssen Entertasten löten,
die die Verse kürzen, töten.

Suchen süffig satte Silben,
tief und wirksam so zu tschilpen.
Doch im Spiel verrückter Milben
sterben diese und vergilben.

Meint die Taste: „ Ach vergesst mich,
macht halt: Reim dich, sonst ich fress‘ dich!“

© Ingrid Herta Drewing

Gedicht

Nur Worte, die ihr leises Lied mir singen,
Verszeilen, die sich reimen, stimmig finden,
sich kreuzen, schweifen und umarmend binden,
in einer Strophe miteinander klingen;
und dennoch halten sie für kurze Zeit
die kleine Freude für den Tag bereit.

Mal kommen sie daher im grauen Kleide
und klagen, wüten, wollen sich verzehren,
vielleicht sogar satirisch noch belehren,
obwohl sie finden keine grüne Weide.
Und dennoch halten sie für kurze Zeit
dies‘ Hoffen auf Veränderung bereit.

Dann wieder strahlen sie in lichtem Glanze,
geraten ob der Schönheit fast ins Schwärmen,
wenn die Natur schenkt, was den Blick mag wärmen,
ihn einlädt mit dem Farbenrausch zum Tanze.
Und dennoch halten sie geraume Zeit
die Wehmut um Vergänglichkeit bereit.

Nur Worte, doch auch Hauch von meinem Leben,
das mit im Licht der Jahreszeiten schwingt
und schauend seine kleinen Weisen singt,
sich darf dem Lächeln zärtlich hier verweben.
So halten sie wohl noch in meiner Zeit,
dies kleine Glücksgefühl für mich bereit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Verkannter Poet

Verschnupft las er, er sei ein Schleimer.
Das fand er doch nun desaströs,
dass er als altgedienter Reimer
so weg geworfen in dem Eimer
der Kritiker, die fast nervös,
im Wort Verwursten Meister gar,
ihn falsch einschätzten, offenbar.

Drum gab’s für ihn kein Ruhen, Rasten.
Um diesem Bild schnell zu entflieh’n,
bewegte er flott Entertasten,
ließ Worte ungereimt so hasten,
im Prosalyrischen erglüh’n.
Und bald vernahm er, wunderbar,
dass er modern, Poet fürwahr.

Sogar der Karl kam, wie’s ihm eigen,
und bot sich als „Verleger“ an,
durft‘ ihm die Unterwelt nun zeigen,
poetisch führ’n zum großen Schweigen,
wie man es in der Gruft nur kann.
Und überm Grab am Lorbeer-Aste
sanft schaukelt eine Entertaste.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,2019