Archive for the Category Nebel

 
 

November

Krähenbaum_o

Tief dringt das Dunkel jetzt schon in die Tage,
die kaum erwachen aus des Nebels Grau,
stimmt an ein Lied in Moll als Trauerklage,
als ob Natur nun traurig Abschied sage
den kahlen Bäumen und dem Wiesentau.

Jüngst zogen auch die Kraniche nach Süden.
Ich sah ihr Siegeszeichen, ihren Flug,
als letzten Gruß an die, die hier geblieben,
wie sie’s, laut rufend, in den Himmel schrieben,
hoch in den Lüften Hunderte im Zug.

Wohl möchte mancher gern mit ihnen ziehen.
Jedoch wir trotzen dem Novemberleid
und bleiben, werden nicht die Heimat fliehen.
Denn bald wird, was jetzt trübe, neu erblühen,
wenn in der Sonne glänzt des Raureifs Kleid.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Herbstnebel

Nebel_o

Der Regen ruht, doch Nebel steigen
und hüllen ein das Land, den See,
wo sich nun graues, müdes Schweigen
die feuchte Stille macht zu eigen,
den Blick versperrt in Licht und Höh‘.

Siehst vor dir fast nur Nebelwände,
und weißt fast nimmer ein noch aus,
so steil und steinig das Gelände,
du hoffst, dass sich ein Ausweg fände,
der dich doch sicher führt nach Haus.

Erreichst dein Heim, bald tanzen Flammen,
und Wärme strömt aus dem Kamin.
Dort seid, geborgen, ihr zusammen.
Wer mag da noch den Herbst verdammen,
der draußen lässt den Nebel zieh’n?

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Septemberlicht

Herbstfarben_o

Noch liegen Nebelschleier auf den Fluren,
es träumen Wald und Park im Morgenhauch.
Vergebens schaust du auf die Sonnenuhren,
denn deren Schattenzeiger ruhen auch.

Als sei tief im Dornröschenschlaf gefangen,
was sonst bewegt, beflügelt hier die Welt,
die durch den Kuss der Sonne kann erlangen,
dass sie erwacht zum Leben, das gefällt.

Wenn dann der Tag sich zeigt in warmen Tönen,
ein himmlisch‘ Blau wird sühnen den Verzicht,
darf Farbenspiel auch deinen Blick verwöhnen,
und hell erstrahlt die Stadt in klarem Licht.

Ja, so erweist September sich als mild,
und es erglänzt der Landschaft golden Bild.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Rhein im Nebel

Der Rhein blickt heute recht benebelt drein,
nur die Platanen lassen’s Ufer finden,
dieweil die Platte hell im Sonnenschein
darf Lust hier auf Wiesbaden schön verkünden.

Dort haben Frost und Nebel über Nacht
aus Raureif zart der Bäume Zier geklöppelt,
doch Rheines Wasser, jetzt noch warm bedacht,
hat über sich nur Luft, die feucht bedröppelt.

Doch Vater Rhein kann solches nicht beirren,
er hat den Winter eisig schon gesehen,
da konnten nach des Zweiten Weltkriegs Wirren
viel Menschen über ihn ohn‘ Brücke gehen.

Und bald hat auch der Nebel sich verzogen,
dann glänzt er hier als klares Silberband,
der Strom Europas, der uns, da gewogen,
zum Rheingau führt in goldnen Weines Land.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Im Nebel

Im dichten Nebel wirkt die Landschaft matt.
Kaum lassen da Konturen noch erahnen,
dass es sie gibt, dort hinterm Grau, die Stadt.
Kein Wind bewegt die schlaffe Wetterfahne.

Es bellt kein Hund, sogar die Krähe schweigt;
gedämpft sind meine Schritte, eine Stille,
die feindlich fast in meine Ohren steigt.
Ich wische mir die Feuchte von der Brille.

Die Bäume, ihres Laubes ganz beraubt,
sie wirken im Spalier wie Spukgespenster.
Da, endlich leuchten schwach des Hauses Fenster,
und Leben grüßt, das ich schon fern geglaubt!

Ein Mensch hat sich hier Wärme, Licht entfacht,
trotzt so dem Nebel und der langen Nacht.

© Ingrid Herta Drewing

Nebliger Dezembertag

Nun hat der Winter kalt das Tal verschlungen,
so dicht verhüllt mit seinem Nebelgrau.
Gedämpft wirkt alles, was sonst hell erklungen,
zu Raureif ist erstarrt der Wiese Tau.

Verschwommen, trüb die Lichter,goldne Sterne,
des Weihnachtsmarktes Zier, der helle Glanz.
Was sonst dem Blick so nah, liegt in der Ferne,
als übten Nebelgeister Schleiertanz.

Da bleib ich gern zu Hause am Kamin,
genieß das Feuer und der Flammen schwärmen.
Und seh erinnernd Schönes schon erblüh’n,
lass mich von Licht und Phantasie erwärmen.

Mag auch die graue Kälte draußen walten,
ich darf hier, wohl geborgen, innehalten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta DrewingKaminfeuer

Novemberhoffnung

DSCI0051Novembers graue Nebeltage
nun liegen dicht auf Stadt und Land.
Des Herbstes goldne Lustansage
wich jener nassen, kalten Plage;
der Sonne Strahlgesicht verschwand.

Nur müde Krähen in den Räumen,
wo jüngst die Amsel lieblich sang
und Feuerfarbe lud zu Träumen
der Blätter, die jetzt welkend säumen
die kahlen Bäume nah am Hang.

Als sei hier alles eingesponnen
ins Netz, das Nebels Spinne webt,
verstummt der Tag, eh er begonnen,
und dennoch hoff‘ ich, dass gewonnen
hat das, was nun noch atmet, lebt.

Auf dass es neu im Licht erblühe,
befreit von jenem Spukgespenst,
und leuchtend in des Winters Frühe
im Sonnenschein hier sanft erglühe,
wenn weiß im Schnee die Landschaft glänzt!

© Ingrid Herta Drewing

Herbst im Nerotal

dscn6460Bald ist er aller Blätter bar,
der Ahornbaum, der dort darf strahlen,
sich leuchtend in die Landschaft malen
vor einem Himmel hell und klar.

Wohl legt schon Spätherbst seine Spuren,
macht müd den Morgen, neblig, kalt,
schickt Stürme nun in Park und Wald,
und Laub welkt, säumt die feuchten Fluren.

Doch mögen auch die Blätter fallen,
uns bleibt noch dieses schöne Bild,
schenkt im Erinnern sich so mild,
wenn hier nur graue Nebel wallen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Novembertag

kerze-hya2015Der Tag, gehüllt in dichtes Grau,
frönt jetzt der Kälte, Nässe.
Es dümpelt hier im Ungenau‘,
wo unlängst Herbstes Farbenschau
hell leuchtete, nun Blässe!

Die Bäume stehen dunkel,kahl
und gleichen Spukgestalten.
Konturenarm im Nebelfahl
wird die Allee zum Trauermal,
Vergänglichkeit will walten.

Gern bliebe man im warmen Nest,
doch letztlich mag das Mühen,
da uns die Pflicht nicht ruhen lässt,
den Tag verändern, schenkt ein Fest,
und Wärme, Licht uns blühen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Park im November

dscn6578-1Der Nebel stiehlt die Zeit der Sonnenuhren.
Sogar die grünen Sittiche nun schweigen,
die sonst so laut den Park genannt ihr eigen,
und Krähen suchen dort auf matten Fluren
nach Futter, wo das Laub sanft fällt im Reigen.

Als rosteten die Blätter an den Bäumen,
nachdem der erste Frost zog ein ins Land,
verwirft der Spätherbst sie als welken Tand,
wo unlängst noch Okober Farbenträume
und Blattgold glänzen ließ mit voller Hand.

Nasskalt und grau ist’s, es erstarb das Leuchten,
das Flora licht vor Tagen noch gezeigt.
November spielt den Blues, der Nebel steigt,
verhüllt die kleine Welt mit Schleiern, feuchten.
Das Leben kriecht ins warme Nest und schweigt.

© Ingrid Herta Drewing,2016