Archive for the Category 5- Wörter-Gedichtsvorgabe

 
 

Peinliche Verwechslung

Zur 5-Wörter-Vorgabe
(“ Glück, verboten, Brille, Fest, Fassade“)

Zum Verschönern der „Fassade“
trug Ernst August keine Brille,
doch im Haar recht viel Pomade,
dass zur Pfingstfest-Promenade
endlich sich sein Glück erfülle.

Stolz auf sich, fast hingerissen,
wagte er es, auszuloten
in Gesellschaft, recht beflissen,
fremde Hände kühn zu küssen.
Doch dem Hausherrn schien’s verboten.

Dies sei doch sehr despektierlich,
sagte der, entzog die Hand,
was bei Damen wohl manierlich,
sei bei ihm höchst ungebührlich,
zeige Augusts Unverstand.

Schnell nahm der die Brille wieder:
Statt der Tochter sieht bei Licht
er den Vater, der sehr bieder,
ernst auf ihn hier schaut hernieder,
streng verweisend auf die Pflicht.

Und Ernst August, unumwunden,
bittet höflich um Pardon.
Jetzt da er zur Sicht gefunden,
da erkennt er ihn als Kunden
und zieht leicht blamiert davon.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Kasperles Missgeschick

(Wortvorgabe :Kaffeekanne, Obstblüte, Suppentopf, Grätsche, Messingschale. Und als Zusatzwortwort eventuell Kasperle)

Als er im Garten erster Güte
bestaunt des Obstbaums helle Blüte
traf Vogelkot ihn auf dem Kopf.

Kein Mittagsmahl,kein Suppentopf!
Weil er roch wie ein Wiedehopf,
stieg Kasper erst mal in die Wanne.
Doch goss er aus der Kaffeekanne
zuvor die Messingschale voll,
denn Kaffeebaden fand er toll.

Die Gretel da durchs Fenster gafft,
und Kasper voller Leidenschaft,
springt aus dem Wasser, macht ’ne Grätsche,
ruft laut: „Komm her, mei goldisch Mädsche‘!
Mir bade hier jetzt schön zu zweit,
zieh’s Kleidsche aus und sei bereit!“

Doch Gretel meint da unumwunden:
„Wenn du die Tassen hast gefunden,
die nimmer sind in deinem Schrank,
komm ich vorbei,heut nicht,ich dank!“

Das Kasperle kam nicht zu Wort,
denn flugs war seine Gretel fort.
Und so, wie sollt’s dann anders sein,
trank er den Kaffee auch allein.

© Ingrid Herta Drewing

Fossil

( nach 5-Wörter-Vorgabe: Henker,Liebeswahn,Trauerweide, Sumpfralle,Brücke )

So mancher kühne Denker,
wenn er im Liebeswahn
geriet auf falsche Bahn,
entpuppte sich als Henker,
entfernt von seinem Glücke.

Im Sumpf der Messelrallen
und unter Trauerweiden
erlag er stummen Eiden,
hielt die fossilen Krallen
für seine Liebesbrücke.

© Ingrid Herta Drewing

Antons Missgeschick

Gedicht nach Wortvorgabe
( Horchgeräte,Fahrraddiebe,Zappelknirpse,Halskrause,Gurkensalat)

Als ohne seine Horchgeräte
Karl Anton fleißig Rasen mähte,
gemütlich schritt so vor sich hin,
da kam es ihm just in den Sinn
wie schön doch Annegrets Figur.
Und da ihn drängten Frühlingstriebe
wollt‘ er gesteh’n ihr seine Liebe
wenn er mit ihr auf Fahrradtour.

Doch als nach seinem Rad er sah,
stand dieses plötzlich nicht mehr da.
Drum fuhr die Annegret nach Haus
und seine Träume waren aus.
Es hatten wohl die Fahrraddiebe
ihn heimlich flugs da ausgespäht,
als taub den Rasen er gemäht.
„Na wartet, Freunde, das gibt Hiebe!“

Er nährte auch schon ’nen Verdacht.
Denn hatten da nicht laut gelacht
des Nachbarn Zappelknirpse frech,
gerufen:“ ’s Gras wächst, was ein Pech!“
Verärgert über das Misslingen
der Tour, nun ohne Grete, Liebe,
wollt‘ er in Nachbars Garten springen,
zu sehen, ob sein Rad dort bliebe.

Doch dies Verhalten, wenig schlüssig,
erwies sich gleich als überflüssig.
Er stürzte, weil er so in Fahrt,
und landete auf plumpe Art
im Gurkenbeet hart auf dem Kopf,
kroch dann zurück, ein armer Tropf.
Verstört er sitzt bei seiner Jause,
trägt nun zur Stütz am Hals ne Krause
und meidet noch von früh bis spat,
ihr ahnt es doch: Gurkensalat.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Drei Varianten

zur Wortvorgabe:Amour, Feuerwerk,rosa,Ohr,Wort

1. Traum

Dies‘ Feuerwerk! Oh, mon amour!
Wir kannten beide keine Uhr.

Der Morgenröte rosa Wort,
ein zärtlich Flüstern klingt in meinen Träumen,
erreicht mein Ohr;ich möcht‘ den Tag versäumen,
verweilen hier im Liebes-Hort.

2.Guter Rat

So mancher, der dies‘ Feuerwerk Amour
besang mit rosafarb’nen Fügelworten,
fand bald sich wieder auf der falschen Spur
an fremden,aschefahlen,öden Orten.
Drum hüte wohl,was sie dir flüstert in dein Ohr,
bewahre ihr Geheimnis, sei kein tumber Tor!

3.Korb

Wo ist das Feuerwerk
einer Amour fou?
Rosafarben
treffen deine Süßholzworte
auf taube Ohren.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Urlaubstraum

Die Stunden verrinnen,
doch er schmückt den Baum
mit Silberlametta,
im Herzen den Traum
von Schnee und Silvretta.

Ein fruchtloses Sinnen
sagt ihm die Ahnung,
denn trotz guter Planung
fühlt er jene Fessel,
Familie und Zeit,
ein schuldlos Geleit,
wird ihm jetzt zur Nessel.

Ob er sich befreit?

© Ingrid Herta Drewing,2013

Stups

Stups,Vagabund,ein kleiner Hund,
sprang auf der Wiese Trampolin.
Und Barbie sah’s, bestaunt den Fund,
konnt‘ flugs mit ihm nach Haus entfliehn.

Sie wusch den armen Stups mit Seife,
tat häkeln ihm ein lila Kleid,
verzierte es mit rosa Schleife,
zu teilen ihre Eitelkeit.

Doch Stups, der laut nach Freiheit fiepte,
entwich ihr, als er unbewacht,
genießt nun’s Leben, das er liebte,
und nimmt vor Barbies sich in Acht.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Entscheidung

Müde,
blass das Gesicht,
sah sie ihn an
und wusste:

Keine
Waschmaschine der Welt
würde jemals
die schwarzen Tupfen
der Lügen
aus seinen
aufgeplusterten Federn
spülen.

Sie ließ
ihn
stehen
und
ging.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Hybris

Chaos

Kosmos,
Schöpfungsakt.

Fehlkontakt,
tiefer Riss.
Selbstgewiss,
ohne Maß
trüb das Glas.

Chaos

Kosmos
abgewrackt.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Verfall

Dünner Putz
blättert ab.
Lüftelmalerei
vermag
der Fassaden
Grauen
nicht mehr
zu tarnen.

Vergeblich
auch
der Versuch,
mit Lichtwörtern
neue Sicht
in brüchige
Rahmen
zu kitten,
Fenster,
einzufangen
den Rest Sonne.

© Ingrid Herta Drewing,2013