Archive for the Category Leben

 
 

Herbst 2020

Der Sommer geht, fast will es dir erscheinen,
als sei dies Jahr in Nebel eingehüllt.
Durch Covid-19 ist nichts mehr im Reinen.
So vieles, was gefiel, gilt ’s zu verneinen,
die Pandemie mit Sorge uns erfüllt.

Im Chor sollt‘ man seit März schon nicht mehr singen,
und auch Theater , Oper, Sport und Spiel,
ja selbst Familien-Feiern zählt man zu den Dingen,
die die Gefahr, das Virus mit sich bringen.
Zu Haus allein zu bleiben, wird zum Ziel.

Das Internet mit virtuellem Leben
dir einen Hauch Gemeinsamkeit erlaubt.
Hier mag die stumme Stimme sich erheben,
den Lieben, die so fern, noch Nachricht geben,
und dennoch fühlst du dich des Glücks beraubt.

Doch mahnt dich die Vernunft: Die Turbulenzen,
die hier Corona in dein Leben bringt,
sind nichts, verglichen mit den Insolvenzen,
Vernichtung vieler Menschen Existenzen,
wenn ein Lockdown die Wirtschaft nieder zwingt.

Da bleibt dir, wie so häufig, nur dein Hoffen,
dass sich das bessern wird im nächsten Jahr,
wenn Impfstoff da ist, zähmt, was uns betroffen,
wir wieder sehen die Gesellschaft offen
und Lebensfreude uns winkt hell und klar.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Menschenersatz

Bequem erscheint die Automatenwelt,
erledigt Arbeit, spart so Zeit und Geld.
„Der Mensch wird frei gestellt“,
heißt es so schön.
„Wirst du erwerbslos, musst du seh’n,
was anderes zu finden!
Musst mit dem Fortschritt geh’n,
lässt sich nicht unterbinden!“

Die Fortschrittsgläubigkeit erzeugt Probleme,
beschert nicht allen nur das Angenehme.
Den einen wird gegeben,
den anderen genommen;
meist kann der Mehrwert nicht
zu allen Menschen kommen.

So werden auf der Welt im Hier und Heute
sehr viele Arme nur der Reichen Beute.
Ich frag‘ mich auch, ob da in all den Sachen,
in denen wir uns überflüssig machen,
es immer sinnvoll ist, zu delegieren,
anstatt es selbst bewusst hier auszuführen.

Verantwortung des Handelns sieht wohl kaum
der Roboter, der dann beherrscht den Raum.
Auch schlimme Taten ( wie durch Drohnen Tücke)
entziehen sich so leicht dem klaren Blicke.

„Ach was, denk mal an menschliches Versagen,
zu oft sind Unfälle und Tote zu beklagen!
So schnell und so exakt wie die Maschinen,
die Roboter, kann doch kein Mensch mehr dienen.“

Dass wir als Menschen nicht wie die Maschinen
nur funktionieren, ist des Lebens Gunst,
bei Unverhofftem lassen wir die Schienen
und finden neue Wege, das ist Kunst.

Ich mag sie nicht, die Welt, die starr und kalt
den Mensch dem Menschen nimmt im Fortschrittswahn,
wo uns, vernetzt im digitalen Wald,
auf Knopfdruck dann bewegt ein Robot-Clan.

Wir brauchen bald kaum noch die Arme, Beine,
und manche nutzen nicht mehr oft ihr Hirn.
Längst gibt es eine Welt medial für Kleine,
mit Geld und Macht winkt anderes Gestirn.

Gäb’s endlich Fortschritt in der Empathie,
gerechtes Handeln, Frieden in der Welt,
dass man besieg‘ den Wahn, die Idiotie,
die uns entmenscht in Gier gefangen hält!

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Fotos: Pixabay

Waches Ich

Schon seltsam, wie ein hilflos kleines Ich,
aus Dunklem kommend, in sein Dasein gleitet,
entdeckt im Spiel mit Andern sein Für-Sich,
das es bewusst auf seinem Wege leitet.

Es fühlt, erfährt die Welt mit allen Sinnen,
erlebt, empfindet tief die Freude, Schmerz;
und immer wieder singt ein neu Beginnen
ihm Liebeslieder in das junge Herz.

Auch wenn dann Müdigkeit der Lebensjahre
den Körper zwingt, sich ruhiger zu verhalten,
spielt es den Revoluzzer, und das klare
Bewusstsein liebt noch immer das Gestalten.

Denkt es erinnernd auch im Alter gern zurück,
so gilt doch Gegenwart und Zukunft wach sein Blick.

© Ingrid Herta Drewing,

Paradiesisch

Der Traum von diesem Paradies,
wo Menschen miteinander leben,
zum Wohle aller gütig streben,
fern von Geld und goldnem Vlies,
den heg auch ich, sag’s unumwunden;
jedoch noch fehlt auf Erden dies,
nicht ward die blaue Blum gefunden.

Vielleicht wird ’s Menschen einst gelingen,
wenn unknechtet sie von Macht,
erwachend aus des Truges Nacht,
sich frei von Wahn und falschen Dingen
einander widmen mit Bedacht,
nicht folgend Gier und Egoschüben,
stattdessen gütig leben, lieben.

© Ingrid Herta Drewing

Einklang

Ich nehme auf mit allen meinen Sinnen,
was mir des Lebens Schönheit offenbart;
ein immer neues, tägliches Beginnen,
was hässlich, böse ist, bleibt da à parte.

Will schauen, wie Natur in Jahreszeiten
in Flora, Fauna wechselnd hier erblüht,
und Herbstes müde in den Winter gleitet,
dort Kräfte sammelt für ein neues Lied.

So will auch ich beschaulich innehalten,
wenn hier der Sonnenbogen tiefer sinkt,
der stillen Zeit gewogen, die mich bringt
dazu, die Tage dankbar zu gestalten.

Denn ich darf fühlen, hören, riechen, schmecken, seh’n.
Wie ist die Erde doch so wunderschön!

© Foto u.Text:Ingrid Herta Drewing

Sicht und Sinn

Und eine Wolke, die am Himmel schwebte,
so klein und weiß, verlassen sich befand
im Blau, das sie kontrastreich doch belebte,
bis sie im Sonnenlicht sich lösend schwand.

So sanft stirbt vieles, löst sich auf im Licht,
im breiten, hellen Strom des Erdenlebens.
Der Mensch erkennt oft die Bedeutung nicht,
wild strampelnd in dem Strudel seines Strebens.

Schwach wie wir sind, sehn wir uns groß im Traum,
beachten vieles hier auf Erden kaum
und suchen nach dem Glück in weiter Ferne.

Doch alles, sei es auch unscheinbar klein,
erfüllt hier seinen Sinn im großen Sein,
im Galaxienraum der hellen Sterne.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Hummelmusik

Die Hummel spielt heut’ virtuos
der Blütenharfe Lied.
Schwirrt sie vom Blütenstiele los,
bebt dieser, wie man sieht.

So bringt sie den Lavendelbusch
nun flugs in zartes Schwingen,
wie sie von Blüt’ zu Blüte huscht;
die Elfen hören ’s klingen.

Und überall darf sie dabei
vom süßen Nektar nippen.
Flugsicher kann sie, schwindelfrei,
hier in den Lüften wippen.

Still schaue ich ihr Spiel hier an,
sie pflegt es täglich wieder,
und habe meine Freude dran,
hör’ Sommers süße Lieder.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Lebensmelodie

Es regt das Leben sich im Wachsen, Mühen
und steht zum Welken dennoch dann bereit.
Der Schönheit Knospen und ihr hell‘ Erblühen
erstrahlen leuchtend nur für kurze Zeit.

Der Duft, der Klang, die süße Melodie
für eine Weile nur im Äther schwingen;
doch schenken sie der Welt die Harmonie,
die sanft und zart das Dunkel wird bezwingen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Sonnenblumen

Sieh, wie zum Licht hin wachsen, streben
die Sonnenblumen dort im Feld,
sich goldgelb blühend schön verweben,
hier in des Südens Sommerleben
erfreuen klar die kleine Welt!

Wen wundert ’s, dass Van Gogh zum Malen
sie als Motiv sich auserkor?
Ihr Leuchten lässt den Blick sich aalen,
schenkt Sinn und Seele warmes Strahlen
mit Blütenkranz und Blumenflor.

So mögen sie auch Freude bringen
dorthin, wo man im Grau verstrickt.
In Helligkeit erwacht ein Schwingen
und Hoffnung lässt erneut erklingen,
was unser Leben tief beglückt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Sommersonnenwende

Johannisnacht, nun schwindet langsam wieder
das Licht bis hin zu Wintersonnenwende.
Doch jetzt erklingen Sommers heit’re Lieder,
der sonnig, hell regiert hier im Gelände.

Es grünt in Wald und Flur, die Früchte reifen:
Erdbeeren, Kirschen schenkt uns die Natur.
Wohin im Garten unsre Blicke schweifen,
erschauen wir der Schöpfung schöne Spur.

Zwar gibt es auch Gewitter, Hitzetage,
bestürmen uns mit Hagel, Regenmacht,
doch bald verstummt auch diese böse Plage
in eines Regenbogens Farbenpracht.

Und wir genießen frische, klare Luft,
Reseden, Rosen und Lavendelduft.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing