Friedenssehnsucht

Warda friedrichstr. Magnolien (1)

Fast scheue ich ’s, den Frühling noch zu preisen,
der hier in unsrem Land nun blühend siegt,
Die Leichtigkeit des Lenz ging längst auf Reisen,
denn die Gedanken unaufhörlich kreisen
um diesen Schatten, der auf allem liegt.

Die Mächte, die bereit, flugs zu zerstören
das Leben andrer Menschen, die gewillt,
genügsam in das Dasein zu gehören
und inständig den Frieden hier beschwören,
den Schutz ersehnen, der die Ängste stillt.

So machtlos fühl ich mich, kann nur noch beten,
dass endlich doch obsiege die Vernunft
und nicht der Krieges Lüsternen Raketen,
der Kriegsgewinnler Jagd auf mehr Moneten
sich etablieren als der Staaten Zunft.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Träumerei

Wenn zartes Laub die Bäume trügen,
ich wähnte mich in Frühlings Zeiten
und strafte Herbstgedanken Lügen,
denn seidig mild sich Lüfte wiegen
jetzt, da der Sommer will entgleiten.

Wenn Menschenhass hier endlich schwiege,
ich fühlte mich in Friedens Zeiten
und sähe Freude, Glück obsiegen,
denn keine Nachricht künd‘ von Kriegen,
wo Völker sich zu Tode streiten.

Doch lässt der Konjunktiv mich wissen,
hier wird der Wunsch zur Illusion,
bald naht der Herbststurm, und beflissen
packt Holle aus die Nebelkissen,
jagt meinen Frühlingstraum davon.

© Ingrid Herta Drewing

Lebensabend

Es ist, als sei ein neues, zweites Leben
mir nun zu einem Neubeginn geschenkt,
als hätten vieler Jahre Fleiß und Streben
den Weg gezeichnet, den jetzt Freiheit lenkt.

Froh darf ich unbehelligt musisch walten,
nicht mehr gefesselt an der Pflicht Termine,
und kann mir meine Tage schön gestalten,
das Bild hell malen auf des Lebens Bühne.

Zwar leb ich einsam hier in meiner Klause,
doch lässt mich dies‘ die Melodien hören
und Bilder sehen, die mein Herz betören,
im Dichten finden meinen Weg nach Hause.

In Dankbarkeit verweile ich hienieden,
erhoffe, allen Menschen werde Frieden.

© Ingrid Herta Drewing,2014