Archive for the Category Fauna

 
 

Fliegenpaar

Zwar ungeladen, doch als Gäste
sah sich ein Stubenfliegen-Paar,
tat gütlich sich beim Hochzeitsfeste,
wo neben Kuchengabeln Reste
von Sahne lockten wunderbar.

Mit ihren Rüsseln einzusaugen
die Süße, die dort lag bereit,
das sollte ihnen wohl nun taugen,
auch wenn der Gabeln Zinken-Augen
noch stahlhart funkelten derzeit.

„Wie herrlich ist doch unser Leben,
das wir genießen hier zu zweit,
wir müssen uns nicht mühen, schweben,
weil uns die Menschen stetig geben
den Abfall voller Herrlichkeit!“

Jedoch ihr Glück war nicht von Dauer,
sie wurden jäh beim Schmaus gestört.
Die Wespe lag dort auf der Lauer
und zeigte Stachels Todes-Schauer;
da flogen sie davon empört.

© Foto: Johann Kowalczik

© Text :Ingrid Herta Drewing,

Blauhäutig

Ist er auf Brautschau
zeigt sich schlau der Moorfrosch blau
zu Paarungszeiten.

Dieses Farbsignal
soll die Holde seiner Wahl
zur Paarung leiten.

Menschenmann, so blau,
würde selten einer Frau
Freude bereiten.

© Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay

Auf dem Balkon am Morgen

Wie schnell vergingen Frühlings Tage, Mai!
Den Winter zog es heuer spät nach Norden.
Doch Juni schaut jetzt sommerlich vorbei,
lässt am Balkon die Blumen überborden.

Wo unlängst Wolken waren, dicht und grau,
nun Mauersegler, die zurück, dort schweben
hoch in den Lüften, in des Himmels Blau
versprechen sie mir Sommers leichtes Leben.

Und Rosen blühen lieblich, schenken Duft
mir schon am Morgen, danken für ’s Begießen.
Ich höre, staune, atme frische Luft,
der Amsel Solo-Melodie lässt grüßen.

Ein sonnig junger Tag beginnt zu spielen,
und ich darf freudig mich lebendig fühlen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Vögel im Park

Am Warmen Damm ergrünt der Mai
und lässt die Vögel singen.
Doch ist manch’ Misston auch dabei,
der nicht so recht will klingen.

Vom Wipfel hoch in den Platanen
tönt fortwährend Gekrächze.
Die Krähenküken lauthals mahnen
und hungrig fordern, ächzen.

Gar emsig ist der Eltern Mühe,
die Pflicht gut zu erfüllen
Sie fliegen los in aller Frühe,
die Zeternden zu stillen.

Und auch der grüne Papagei
schwirrt keckernd in den Bäumen.
Sein heller Laut, Stakkato-Schrei,
ist kaum hier zu versäumen.

Im Teich schwimmt Mutter Ente schon
mit ihren Küken, leise.
Die Nilgans warnt im Schnatter-Ton
die Jungen vor der Reise.

Inmitten einer Taubenschar
die Gänschen, ganz verwegen
auf Futtersuche; droht Gefahr,
will sie die Henne hegen.

Am Abend kehrt dann Ruhe ein,
und traumhaft hörst du’s klingen.
Nun darf die Amsel wunderfein
ihr schönes Solo singen.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Frühlingsmorgen

Der Morgen graut;
ich hör‘ der Ringeltaube Tönen,
ihr tiefes Gurren klingt so sehnsuchtvoll,
das wohl dem fernen Partner gelten soll,
mit ihm den neuen Tag zu krönen,
so lieb und traut.

Der Himmel grau,
jedoch Forsythien-Büsche strahlen,
als sollten sie nun statt der Sonne scheinen,
mit diesem Frühlingstag sich lind vereinen,
sich golden in die Landschaft malen
in schöner Schau.

Mich zieht’s hinaus;
es locken Lenz, die milden Lüfte;
Schneeglöckchen, Krokus blühen schon im Garten,
sogar Maßliebchen, kleine Veilchen starten,
und Hyazinthen schenken Düfte
hier vor dem Haus.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Frühlingsboten

Hoch auf Südwinds leichten Schwingen
flogen Kranich, Storch ins Land,
konnten uns die Kunde bringen,
dass den Frühling sie erkannt,
der nun bald ist hier zurück,
uns beschenkt mit Blütenglück.

Schneeglöckchen und Krokus sprießen,
auch die Wiese zeigt ihr Grün,
und der Bach darf gluckern, fließen,
mag jetzt eisfrei talwärts zieh’n.
Lieblich in den Lüften klingt
der Amsel Lied, das schön sie singt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

November-Überraschung

November, sonst so grimmig, grau,
zeigt heute sich fast frühlingsmild.
Die Sonne scheint, brilliert im Blau,
das Laub, der Bäume Farbenschau,
belebt der Landschaft herbstlich‘ Bild.

Zwar zog die Kranich-Schar vorbei
auf ihrem weiten Weg nach Süden,
jedoch der grüne Papagei
stiebt lautstark hier im Park, als sei
es Zeit für Frühlings Attitüden.

Die letzten Rosen, noch erblüht,
entfalten sich in goldnem Licht,
süß duftend, und ihr Blütenlied
erklingt, beglückt auch mein Gemüt,
obwohl Corona spricht: Verzicht!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Am Warmen Damm

Wunschtraum

Ach könnte ich auf Kranichs sanften Schwingen
dort in den hohen Lüften fliegen, gleiten,
und unberührt von Sorgen, Alltagsdingen
die Blicke offen in die Weite leiten!

Nicht Zäune, Mauern, noch ein Hag von Dornen
mich könnten hindern frei im Licht zu sein.
Ich zöge freudig fort, das Garn der Nornen,
es würde mich nicht weben irdisch ein.

Jedoch mein Wünschen bleibt nur bloßes Sehnen.
Der Boden hält mich, hier verwurzelt, fest
ich gleiche wohl dem Baum, an dem ich lehne,
wenn Winde streifen Wipfel und Geäst.

Doch in Gedanken reis‘ ich in die Ferne,
und meine Phantasie erreicht die Sterne.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay

Eichhörnchen im Herbst

Der Herbsttag blickt noch schläfrig ins Gelände,
nur trüb erscheint das frühe Morgenlicht.
Des Nebels Grau verweigert Sonnensicht;
jedoch Eichhörnchen wuselt schon behände
und folgt flugs seiner Futter-Sammelpflicht.

Der Walnussbaum, die Buche und die Eiche,
auch dort im Park so mancher Haselstrauch
begrüßen es im feuchten Nebelhauch,
verschenken ihre Früchte hier im Reiche,
wo sie das rote Kätzchen gern aufklaubt.

Bemüht darum, die Schätze zu bewahren,
sucht es sich heimlich Orte weit und breit,
vergräbt den Vorrat für die Winterzeit.
Dort wachsen manchmal Bäume mit den Jahren
als grünes Glück seiner Vergesslichkeit.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Ringeltaube

Geschäftig sind die Amseln, Finken, Schwalben;
sie fliegen, schwirren hier in schnellem Flug,
nur eine Ringeltaube allenthalben
thront hoch dort auf dem Dach, ist sich genug.

Wie einst Diogenes stört sie sich nicht
an dem Gewusel, das die andern treiben,
genießt der Sonne warmes Morgenlicht
und mag, gemütlich ruhend, sitzen bleiben.

Nur ab und zu ein Gurren, guttural,
schickt sie als Botschaft rhythmisch aus.
Die Antwort folgt von fern, von Mal zu Mal.
Es grüßt die Taube auf der Nachbarn Haus.

Wie Wächter wirken sie, man mag vertrauen,
dass sie besonnen nach Gefahren schauen.

© Foto u. Text:Ingrid Herta Drewing