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Eierei

Ein Ei sittsam im Becher saß,
des Menschen Frühstück abzurunden.
Doch dieser, der vegan nur aß,
verschmähte es als „üblen Fraß“,
hat es als deplatziert empfunden
und sagt’s dem Ober unumwunden.

Da ihm als König gilt der Gast,
versagt‘ er ’s sich, was einzuwenden
und kurzerhand das Ei er fasst‘,
samt Becher, ohne große Hast
mit seinen eleganten Händen,
um es zur Küche dann zu senden.

Dort ist die Kaltmamsell beglückt
und outet sich als Fan von Eiern,
sagt: „Dieser Mann ist wohl verrückt,
wie kann er nur, so schlecht bestückt,
schon früh am Morgen schimpfend leiern,
an Ostern ohne Eier feiern!“

Das Ei von Schimpf und Schand erschöpft,
glaubt fest, es hab sein Glück gefunden,
kein Gast, der es nun achtlos schröpft!
Jedoch, da ward es flugs geköpft,
die Kaltmamsell ersetzt‘ den Kunden
und aß es auf, ganz ungebunden.

Drum bist du Ei, dann meide Becher,
auch Körbe, bleibe brav im Nest,
nicht immer ist vegan ein Zecher!
Schon besser ist ein Hahn als Rächer,
der dich als Küken schlüpfen lässt,
und Kinder streicheln dich am Fest.

© Ingrid Herta Drewing,2017

EI

Dem Leben stetig auf der Spur,
ob in den Wäldern, ob am Weiher,
ob warm im Nest,ob schleimig nur,
Verpackungskünstlerin Natur
reicht’s weiter dank der vielen Eier.

Sogar den Säugern einverleibt
hat sie die Eier als Geschenke;
ein Reservoir,das lange bleibt,
und stets eins zur Befruchtung treibt,
dass sich das Sperma drin versenke.

Das Ei, in seiner Form vollendet,
dort in der Hennen Brutgehege,
wird doch von Räubern gern entwendet.
Der Mensch, dem es gut Nahrung spendet,
hält sich gern Hühner für’s Gelege.

Symbol des Lebens ist das Ei.
An Ostern zeigt’s im Frühlingsbeben,
dass es erneuert, frank und frei,
als ob dies Dasein ewig sei,
hier blühend darf zum Lichte streben.

© Ingrid Herta Drewing,2017