Archive for the Category Kreislauf des Lebens

 
 

Herbstlich

Nun, da die Nebel noch das Tal verhüllen,
die Landschaft schläfrig in den Morgen blickt,
vergeht der Sommer, Herbst mag wohl erfüllen
die Ernteträume, Farbensehnsucht stillen,
wenn er des Mittags hell zur Sonne blickt.

So lässt er farbenfroh sein Banner wehen,
der Bäume Laubgesicht zeigt golden, rot
in Garten, Park und Wald, das schöne Lehen,
womit Natur ihr Reich mag hier versehen,
dies Leben, das im Kreislauf sanft verloht.

Auch du im Spiel der Zeit wirst neu dich kleiden,
was so gefällig war in Sommer Glut,
im Schrank nun ruht; willst du Erkältung meiden,
musst du für Warmes dich jetzt doch entscheiden,
und Pulli, Jacke, Mantel richten’s gut.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Wolkengleich

So flüchtig wie die Wolke ist das Leben.
Noch eben schwebend hoch in Himmels Blau,
türmt sie sich auf, Gewitter wird es geben,
was vordem weiß, verschwindet ganz im Grau.

Sich dann im Hagel, Regen zu verschwenden,
bis wieder Sonne hell am Himmel bleckt,
und in den Wassern sich zur Erde wenden,
vielleicht im Regenbogen noch entdeckt.

So wandelt alles sich in stetem Werden
und Enden, hier im Kreislauf der Natur.
Auch wir sind doch nur Gäste hier auf Erden
und hinterlassen unsre kleine Spur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Ende und Beginn

Das Leben, das hier in der Endlosschleife
der Zeit in seinen Kreisen irdisch schwingt,
uns unaufhörlich trägt in Blüte, Reife,
im Welken noch von Werden, Wachsen singt,
es scheint zu bergen eine Zauberkraft,
die Phönix gleicht, sich Neubeginn erschafft.

Im weiten All mit seinen Myriaden
an Galaxien, Sternen, die bei Nacht
mit hellem Leuchten unsren Blick einladen,
wenn unser Fragen andächtig erwacht,
erscheint das Dasein hier mir als Geschenk,
und ich bin mir des Wunders eingedenk.

Wohl wissend, dass mein eignes kleines Leben
sich kurz ereignet, führt zum Ende hin,
darf ich als Glied der Kette dennoch geben
im „Stirb und Werde“ ihm den eignen Sinn.
Zwar flüstert irdisch mir die Zeit von Tod,
doch glaub‘ ich an das Licht, das ewig loht.

© Text: Ingrid Herta Drewing,2020
© Foto: Ingmar Drewing

Blatt-Los

Es pflückt der Wind
vom Baum das Blatt,
lässt wirbelnd es erbeben,
im Tanze lind
hoch in die Lüfte streben;
bis es dann matt,
des Fluges satt
dort auf den See darf schweben.

Ein kleiner Stein
geworfen ward,
taucht ein ganz dicht daneben,
und Wellen sich erheben.
Sie tragen zart
in weiten Kreisen,
die sicher nun
zum Ufer reisen,
das Blatt ins Erdenleben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Alter Baum

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Das Jahr geht gar zu schnell zur Neige;
schon steht November nebelmüde da.
Die letzten Blätter klammern sich an ihre Zweige
und zittern fröstelnd, wenn der Raureif nah.

Es fällt so schwer, den Sommer loszulassen,
die Winde rütteln rau den alten Baum
und rauben ihm an Tagen, regennassen ,
das feuchte Kleid, er wehrt sich kaum .

Sodann der Nebelkrähen große Scharen
bevölkern sein geplündertes Geäst.
Er zeigt sich raugereift mit grauen Haaren,
erduldet noch der Vögel lautes Fest.

Es währt nur kurze Zeit, sie ziehen
hin zu den Feldern an den nahen See.
Den alten Baum erfreut ihr flatternd Fliehen;
geduldig wartet er auf ersten Schnee.

Bald im Dezember bringt ein sanfter Morgen
den weißen Schneepelz, und zur Nacht
fühlt sich der alte Baum in ihm geborgen,
gehüllt in weiche Glitzerpracht .

Nun ruht auch er und mag wohl träumen
vom Leben nach der stillen Zeit,
wenn ihm im lichten Frühlingsschäumen
neu wächst ein zartes, grünes Kleid.

© Ingrid Herta Drewing,

Herbstversprechen

Magnolie im Herbst, Kurparko
Des Herbstes graue Nebelschritte streifen
durch Gärten, wo er hell im Farbenglanz
noch gestern ließ die Bäume Licht ergreifen
und milde Lüfte durch die Äste schweifen,
die Blätter schweben sanft in lindem Tanz.

Als habe er vergessen sein Versprechen,
das er mit seinem goldnen Leuchten gab,
lässt er sogar den Frost sich jetzt erfrechen,
an allem, was so schön hier, sich zu rächen,
zu wirken rau gereift der Rose Grab.

Sagt: „ Schweige still, denn alles muss vergehen!
Doch wisse, es gibt eine Wiederkehr,
dann darfst du dieses Lebens Schönheit sehen,
der Blüten Pracht wird hier erneut entstehen,
wo nun noch Nebel trügt, herrscht Sonne hehr!“

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Abschiedsgeschenk

Herbstsee,2014

Es malt der Herbst so farbentrunken
und wirkt dies opulente Bild
des Lebens, das nach grauem Unken
des Nebels, dessen Kraft gesunken,
im Sonnenlicht den Tag erfüllt.

Dies Spiel der Farben, Augenweide,
ein himmlisch‘ Blau blickt aus dem See,
und kräuselt Wind ihn, blinkt Geschmeide,
dort wo sonst übers Haar der Weide
den Schleier wirft die Nebelfee.

Ich schau beglückt, berauscht von Tönen
der Farben, deren warme Glut
Vergänglichkeit scheint zu verhöhnen,
hell leuchtend hier mit allem Schönen,
was die Natur verschenkt so gut.

Da liegt im Abschied schon Beginnen,
die Wiederkehr, und sei’s noch weit,
wird doch in Frühlings zartem Sinnen
erneut das Leben licht gewinnen,
und Winter weicht der neuen Zeit.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Herbstfeuer

Herbstfeuer, Nerotal_o

In Wald und Garten, Busch und Baum
erglühen leuchtend Herbstes Lichter;
aufflammt ein goldenroter Traum,
der Blätter feurige Gesichter.

Als feiere vor langem Darben
in dunkler Nacht und Nebelfang
Natur hier, schwelgend in den Farben,
des Grünens Sonnenuntergang.

Ein hoffnungsvolles Abschiedsfest,
wo Wiedersehen im Erwarten
den Frühling jetzt schon grüßen lässt,
das Leben blühend neu zu starten.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Spätsommer

Der Himmel blau, als glänze goldne Seide
so mutet sonnig dieser Tag mich an.
Gleich Diamanten, schimmernd wie Geschmeide,
die Lichter tanzen auf dem See sodann.

Da schreibt die Freude ihre frohen Lieder,
der späte Sommer spannt die Flügel weit.
Zwar zogen Vögel schon nach Süden wieder,
doch freu ich mich auf Indian-Summer-Zeit.

Wenn milde Tage ihre Wärme schenken
und Farbenpracht in Busch und Baum erblüht,
der Frühherbst uns mit Früchten mag bedenken,
und feurig glüht des Phönix Abschiedslied.

Dann ist’s, als wolle die Natur beteuern,
dass sich das Leben wieder wird erneuern.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Beim Betrachten des Apfelbaumes

Vereinzelt baumeln welke Blüten-Blätter
an kleinem Apfelrund, das wächst mit Macht,
dort wo noch unlängst hier bei Brautschau-Wetter
die Zweige zierte weiße, zarte Pracht.

So schnell verläuft dies‘ Blühen, Wachsen, Reifen
und auch Vergehen, eilt mit Jahres Zeit!
Es lehrt dich sehen, lässt dich wohl begreifen,
dass auch dein Leben findet dies‘ Geleit.

Ein stetes Wandeln zeigt sich da auf Erden.
Sogar den Stein erfasst’s, nicht nur das Leben.
Was heut‘ vergeht, weicht einem neuen Werden,
das zur Vollendung wiederum mag streben.

Und dennoch mischt sich Wehmut mir ins Bild,
wenn etwas Schönes endet, ist erfüllt.

© Ingrid Herta Drewing, 2016