Archive for the Category Humor

 
 

Frisierte Redensarten

Wer Tomaten auf den Augen hat,
der sieht schnell rot.

Wer andern Honig um den Bart schmiert,
der hat meistens klebrige Finger.

Wer Brunnen vergiftet, der sollte
beim Trinken vorsichtig sein.

Wer immer ein Haar in der Suppe findet,
der sollte sich besser bedeckt halten.

Wer seine Schäfchen im Trockenen hat,
den stört das Hochwasser nicht.

Wer andere Menschen in die Pfanne haut,
könnte ein Kannibale sein.

Wer nicht mehr alle Tassen im Schrank hat,
der sollte endlich Geschirr spülen.

Wer andere auf die Palme bringt,
sollte gut klettern können.

Wer das Geld aus dem Fenster wirft,
kann selbst schnell auf der Straße landen.

Wer ein Brett vor dem Kopf hat,
mag gern durch Wände gehen.

Wer das Kind mit dem Bade ausschüttet,
der sollte es besser nur duschen.

© Ingrid Herta Drewing

WILHELM BUSCH

„Wer in Dorf oder Stadt“
Wilhelm Busch gelesen hat,
schon als Kind, und das mit Freuden,
mag auch seine Bilder leiden.

Liebt die Max und Moritz Fratzen,
die, vom Ulk ganz hingerissen,
dort auf Onkels Bett-Matratzen
Käfer setzen in die Kissen.

Maikäfer, die kritze, kratze
krabbeln nachts von ihrem Platze,
kommen kitzelnd also dann
dort auf Fritzens Nase an.

Weise Wilhelm Busch beglückt,
mit Humor und Witz bestückt
zeigt er zeichnend unverhohlen
hier der Menschen Kapriolen.

Er enthüllt manch Frömmelei,
zeigt Unheiliges dabei,
Heuchelei, den Schirm als Waffe,
Mensch als aufgemotzter Affe.

Aber auch mit leisen Tönen
mag der Dichter uns versöhnen.
Wenn ’s um seine Dichtkunst geht,
wirkt der Balduin verdreht.

Ehejoch, Familienleben,
Existenznot hemmen’s Streben
nach des Musensohnes Kunst.
Tragisch wird sein Werk verhunzt.

Auf den BUSCH kann man nicht kloppen,
seine Kunst ist kaum zu toppen.

© Ingrid Herta Drewing

Ernst Lustig

Auch Bruder Lustig, wer wird‘ s meinen,
wenn ihn der Witz nicht mehr besticht,
begegnet mürrisch oft den Seinen
und nimmt sie ernsthaft in die Pflicht.

Da wird nicht mehr gelacht, gelächelt,
denn Ernst ganz den Humor verdrängt,
sogar der Hofhund müde hechelt,
weil man ihn in den Zwinger zwängt.

Nur Maunz, die Katze, sehr geschmeidig,
sucht sich ihr eigenes Revier,
und denkt bei sich: „ Den Burschen meid‘ ich,
so lang es nicht mehr lustig hier!“

© Ingrid Herta Drewing,2017

Leben im Wort

(In Erinnerung an Ingo Baumgartner,
der am 16. Juli 2015 starb.)

Nie gingst du wirklich von uns, deine Worte
sie hallen nach, dein Leben im Gedicht
erreicht uns noch am wohl bekannten Orte,
und zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht.

Du konntest reich an Liebe Leben schauen,
das kleinste Pflänzchen achtend und Getier,
humorvoll, trotz der Menschen Falschheit, bauen
auf die Natur, die uns zeigt Schönheit hier.

So ließest du als Lehrer wohl erfahren,
nicht nur die Schüler, dass der Wert der Welt
sich täglich zeigen darf im Guten, Klaren,
das uns in Liebe hier auf Erden hält.

© Ingrid Herta Drewing,2017