Musik

Ja, Musik ergreift uns wie das Lieben
und dringt tief in unser Innres ein,
sie beschenkt, bereichert unser Sein.
Saiten schwingen, Singen freudig üben,
musizier’n mit andern und allein.

Die Musik, die uns als Kunst gegeben,
Balsam ist sie, schenkt uns Freude, Glück.
Labsal, wenn die Klänge uns erheben,
paradiesisch weben unser Leben
ein in sanfter Träume schön Geschick.

Mit Musik lässt sich das Leben lieben:
Schöner Klang, der Seele, Sinn gefällt,
unsren Tag beflügelt, klar erhellt
und befreit von Leid und Sorgen; trüben
kann nichts Böses dann das Bild der Welt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Foto: Andreas Funk

Geometrischer Dialog

In einem Malbuch sich befanden
vier Flächen, die sich nahe standen,
ein Dreieck, Rechteck, auch ein Kreis
und ein Quadrat, die Flächen weiß.
Sie warteten dort sehr gespannt,
wer sich zuerst bemalt wohl fand.

Das Rechteck sprach zum Dreieck dreist:
„Ich sag’ es dir, damit du ’s weißt.
Du armer Wicht hast nur drei Ecken
und solltest dich vor Scham verstecken.
Es fehlt ein Eck dir, drum sei leise,
entferne dich aus unsrem Kreise.
Denn wir vom Viereck, ganz apart,
sind sehr erlesen so als Art.
Kein Quader möchte uns vermissen.
Beim Hausbau sucht man, sehr beflissen,
nur uns in rechten Formen aus.
Pakete, Kisten, Schränke, Truhen,
ja selbst in Betten geb ’s kein Ruhen,
wär’n wir als Rechteck nicht im Haus.
Gewiss malt man zuerst mich aus!“

Das Dreieck fühlt die Ehr’ verletzt
und antwortet nun sehr vergrätzt:
„Was soll hier dies’ Diskriminieren,
voll Hochmut mich zu schikanieren?
Frag’ das Quadrat, es sagt es dir,
trägt gerne uns als Form; gleich vier
von uns birgt es in sich,
diagonal braucht ’s nur zwei Strich.
Und weil du mit den Bauten prahlst,
mir deine große Welt ausmalst,
so lass mich damit nun zufrieden;
denk’ an die Form der Pyramiden!
Hier strahlt Jahrtausend alter Glanz,
im Dreieck sind die Seiten ganz.
Selbst Hüte trug man mit drei Ecken!
Ich muss mich wirklich nicht verstecken;
Und hab’ ich auch nur Ecken drei,
bin ich gewiss zuerst dabei!“

Verwundert hörten ’s Kreis, Quadrat,
wie sie in nicht sehr feiner Art
noch lange miteinander stritten.

Da plötzlich kam ein Stift geglitten,
der strich die Mecker-Ecken aus.
Als Smiley hob den Kreis er raus,
zum Würfel malt er das Quadrat,
mit schönen Punkten, rund und zart.

Oft greift das Schicksal so ins Leben
und macht, was hoch will, schlicht und eben.

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Skizze: Ingmar Drewing

Zynischer Hahn

Diogenes, ein stolzer Hahn,
blickt höhnisch nur auf diese Welt,
gleichgültig ihm hier nichts gefällt.
Er sieht für sich auch keinen Plan,
zynisch verachtend ’s Wirkungsfeld.

© Text : Ingrid Herta Drewing

© Zeichnung: Ingmar Drewing

Der erste Schnee

Juchhe, juchhe, der erste Schnee!
Kommt, lasst uns einen Schneemann bauen!
Im Garten soll er stehen, schauen,
wie schnell wir schlittern auf dem See.

Zuerst der Bauch, gerollt die Kugeln
aus Schnee, die Brust und dann der Kopf!
Komm, Peter, lass jetzt ’mal das Googeln
und hol’ als Hut den alten Topf!

Die Möhre wird ’ne schöne Nase,
Kastanien werden Augenglut,
gesammelt zwar für Reh und Hase,
als Knöpfe sind sie auch recht gut.

Zum Schluss noch einen Tannenzweig,
das wird ein Weihnachtsbäumchen sein,
dass er sich richtig festlich zeig’,
in seinen Arm passt es hinein.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing, Winter 2009

Vor Ablauf der Frist

Als hättest du klar es gelesen,
Verfallsdatum, Ende der Zeit,
die dir suggeriert dein Gewesen,
(„Halt dich für die Reise bereit!“)
wirkst du noch mit Worten und Wille,
auf dass sich dein Leben erfülle,
bevor es der Winter verschneit.

Da trägst du nun hin zu den Waben,
den Nektar der Worte, den Seim,
die Bilder, die Klänge, die Gaben
poetisch in Versen und Reim;
spielst so dein Lied in der Stille,
auf dass sich dein Leben erfülle
in einem „Für-Immer-Daheim“.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing

In der Taunusstraße

Frühlingsgeflüster
der Kätzchen im Haselbaum
nach Winters Gastspiel.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing

Achter Januar

Sonniger Morgen,
Schnee gepudert die Dächer
Winter ist zu Gast.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing

Wintertag

Dachgauben tragen weiße Hauben,
vom Winter zart herausgeputzt.
Die Efeuwand, jüngst erst gestutzt,
lässt schimmernd fast an Zauber glauben.

Es hat der Schnee hier über Nacht
der Stadt den hellen Glanz verliehen;
nun, da die trüben Nebel fliehen,
zeigt Sonne leuchtend ihre Pracht.

Und lässt den Wintertag erstrahlen,
da glitzernd, Diamanten gleich,
die Sternkristalle flockig weich,
Licht brechend, Regenbogen malen.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing

Die drei Weisen

Als sich der goldne Stern im Osten zeigte,
uns hell verkündend die Geburt des Herrn,
des Königs, den noch viele wähnten fern,
begann die Reise, da die Nacht sich neigte.

Recht mühsam und beschwerlich war der Weg.
Er führte uns durch raue Felsenklüfte.
Doch hörten wir ein Singen in den Lüften;
des Sternes Leuchten wies uns Brücke, Steg.

Und als in Bethlehem das Kind wir fanden,
dort in der Krippe, König ohne Thron,
war’n wir zunächst enttäuscht, bis wir verstanden:
Als Mensch geboren ist uns Gottes Sohn.

Wir sanken demütig auf unsre Knie
und hörten sie, die Friedensmelodie.

©  Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Krippe am Schlossplatz

Winterfern

Heut schenkt die Sonne weite Sicht,
lässt hell den Tag beginnen,
der nun in ihrem goldnen Licht
der Stadt den neuen Glanz verspricht,
die Nebeln darf entrinnen.

Mich lockt zum Park der Wiesen Grün,
des Schwarzbachs muntres Rauschen.
Die Weiden wie im Frühling blüh’n,
am Himmel Glückes Vögel zieh’n,
die ihr Quartier schon tauschen.

Bei ihrem Zug zum Winterhort
die Kraniche kurz bleiben,
wo in der Wetterau vor Ort
sie sammeln sich, nur fliegen fort,
sollt‘ Frost sie dort vertreiben.

Doch noch zeigt Winter nicht die Spur,
kein Frost, kein Schnee-Verwehen.
Vorfrühling dreht schon an der Uhr;
ein Weckruf scheint’s für die Natur,
und Gänseblümchen stehen.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing