SOMMERSTIMMEN

Soeben ist mein neues Taschenbuch erschienen:

SOMMERSTIMMEN

ISBN: 9783748573623 / 8.99€
Nach BLÜTENLIED ist es der zweite Band
der Reihe POESIE DER JAHRESZEITEN.
Es ist sowohl im Buchhandel vor Ort
als auch online zu bestellen.

Schmetterling

S chwebst so leicht gleich zarten Blüten,
C hillend seh‘ ich dich von fern,
H eller Papillon, mein Stern,
M agst der Blumen sanfte Güte,
E rntest ihren Nektar gern.
T anzend in des Sommers Lüften,
T rägst du Schönheit in die Welt
E ilst beschwingt zu Wiese, Feld,
R osenhag, in dessen Düften
L ieblich ruhend ’s dir gefällt.
I mmer, wenn ich dich darf schauen,
N eu Natur sich zugesellt
G rüßt als Schöpfung, schenkt Vertrauen.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Alphabetische Alliteration

Abgeklärte alte Anarchisten aßen achtlos an Aschermittwoch abends altbackene Ananas-Törtchen.

Behaarte Brillenschlangen brillierten bei belustigenden Bauchtänzen.

Chancenlose Cellisten chiffrierten chaotische Chor-und Orchester Konzerte.

Dämliche Damen dachten, dass drollige Dachse dicke Dackel deckten.

Egons ergiebige Erzeugnisse eigener Emmentaler-Ernte erfreuten einst einige erlesene Eidgenossen.

Fahle Florfliegenlarven fressen Frischläuse, Fliegen filigran florierender farbiger Fliederbüsche

Freiheitsliebende Feldarbeiter fronten früher für furchtbare Fürsten.

Geldgierige Geier glaubten giftiges Glyphosat gebe gutes Geld.

Hässliche, hinterhältige Halsabschneider harrten heute heimlich hinter Holunder-Hecken, hegten Hoffnungen, Hein habe hier hohe Heuer.

Irmgards Intrige ist irrtümlich immer interessant.

Johlende Jäger jagen jetzt jammervolle Jungtiere.

Journalist Joachim jätet jetzt jedes Jahr jenseits jenes Jordans jämmerliche Jamben-Poeme.

Kluge Köpfe kaufen keine kleinen kugeligen Kartoffeln.

Langweilige Lagerbesprechungen ließ Leander lachend links liegen.

Monika mauschelt meistens mittwochs mit Maximilians munterer Mutter.

Neurologische Neuigkeiten namenloser Narren
nannten Nichtwisser nie.

Organspenden ohne Organspenderausweise organisierte Ottokar oft ohne Ordnungshüter.

Pro prüder Plaudertasche plünderten protestierende Posträuber Plunderstückchen, Punsch plus Pflaumenmus.

Quadrate quälten Quader, Quallen quengelten.

Rosinas rosiges Rosenreich reüssierte richtig.

Sieben süße Schnecken sollten sabbern, schlecken, schleimten sämig, stur, säumten sanfte Spur.

Tolle Tanten tanzten täglich Tango.

Unter Uferulmen unterhielten Unken unzählige Unterschlüpfe.

Vor dem Vorsprechen vergaß Vera Verschiedenes, viele Versprecher vermasselten alles.

Wo Wölfe wieder wildern, warnen Wildschützen.

Xenias xbeliebige Xenien

Yvonnes Youngster-Yogalehrer yoyot.

Zähneknirschende Zahnradbahn zog zögerlich zur Zugspitze.

© Ingrid Herta Drewing

Haufenreim

Binde an das Versend‘ Schlaufen,
die, Klang gleichend, dann verlaufen,
so erhältst du einen Haufen
Reime, kannst fast drin ersaufen,
feiner sagt man wohl “ ertrinken“.
Dennoch würd‘ mir Freud nicht winken,
wenn man sagt, was unerlässlich,
das ist „ Reim‘ oder ich fress‘ dich!“

© Ingrid Herta Drewing

Zeckig

Wenn ich bei der Sonne Blecken
ausbreite die großen Decken
auf der Wiese, wo die Zecken
blutrünstig in den Verstecken
sich schon ihre Beißer lecken,
sag ich : „Wagt es nicht Ihr Kecken,
mich beim Ruhen aufzuschrecken,
sonst vergesse ich das Necken,
bring, euch greifend, um die Ecken!“

© Ingrid Herta Drewing

Nachtgedanken

Wenn aus weiten Alls Gestirnen
nachts ein heller Glanz schön spricht,
regt sich hinter manchen Stirnen
Hoffnung auf ein ewig‘ Licht.

Ob im Fell, ob fein in Zwirnen
mag der Mensch das Dunkel nicht;
seit Äonen weilt in Hirnen
Lebensangst vor Licht-Verzicht.

Drum macht er die Nacht zum Tage,
schafft sich künstlich Helligkeit
und betäubt damit die Frage
nach der eignen Endlichkeit.

© Ingrid Herta Drewing

Gänseblümchen

G änseblümchen, kleine Sonnen,
Ä hnlich, wie der Sterne Licht
N ächtens hell am Himmel spricht,
S trahlt ihr als der Wiesen Wonnen
E benmäßig, dicht an dicht.
B lüht, wenn vieles im Verblassen
L ängst an Herbst und Abschied denkt,
Ü ber’s Tal im Regennassen,
M orgennebel kühl sich senkt.
C höre sollten euch besingen
H uldvoll dem, das hier so schlicht,
E infach Freude kann bereiten,
N eu beglückt auch meine Sicht!

© Ingrid Herta Drewing

Verkannte Liebe

Ein Frosch an eines Teiches Rand
saß dort ganz selbst verloren.
Er hoffte auf ein Liebespfand,
das er sich auserkoren.

Denn jeden Tag um zwölf Uhr zehn
sah er sie hier vorüber geh’n
und glaubte, dass sie ’s wüsste,
dass was geschehen müsste.

Im Märchen war es schön zu lesen,
von einem Frosch, der Prinz gewesen,
das sollte sie doch wissen
und ihn jetzt endlich küssen.

Das Mädchen sah den Frosch nicht an,
traf sich mit einem andern Mann,
den sie verliebt nun küsste.
Ach wenn sie es nur wüsste!

Was ihr da alles nun entging:
Ein Prinz, der sie gar lieb umfing,
vom Schlösschen ganz zu schweigen,
das ihr wohl wäre eigen!

Wer glaubt denn heut noch solche Märchen?
Verliebt ging aus dem Park das Pärchen
und ließ den Frosch allein,
der sah es traurig ein:

Wer auf der Welt will reüssieren,
muss richtig auch kommunizieren.
Ein Blick allein sagt meist zu wenig,
wenn du noch Frosch bist und kein König.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Sommerzeit

S albei, Thymian, Rosmarin,
O leanderblütenpracht,
M inze und Lavendel blüh’n,
M ondschein und Mittsommernacht,
E ine Märchenwelt, und Düfte
R eichern an die milden Lüfte,
Z aubern Wonne in die Welt.
E s erblühen duftend Linden;
I nnig wir zusammenfinden,
T anzen, wie es uns gefällt.

© Foto u. Ingrid Herta Drewing,

Wunschtraum

Ach könnte ich auf Kranichs sanften Schwingen
dort in den hohen Lüften fliegen, gleiten,
und unberührt von Sorgen, Alltagsdingen
die Blicke offen in die Weite leiten!

Nicht Zäune, Mauern, noch ein Hag von Dornen
mich könnten hindern frei im Licht zu sein.
Ich zöge freudig fort, das Garn der Nornen,
es würde mich nicht weben irdisch ein.

Jedoch mein Wünschen bleibt nur bloßes Sehnen.
Der Boden hält mich, hier verwurzelt, fest;
ich gleiche wohl dem Baum, an dem ich lehne,
wenn Winde streifen Wipfel und Geäst.

Doch in Gedanken reis‘ ich in die Ferne,
und meine Phantasie erreicht die Sterne.

© Foto u. Ingrid Herta Drewing,