Einflüstern

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Ach ließest du schlimme innere Stimme
es doch, mir Klänge ins Ohr zu flöten,
sanft summend, als hieße dich eine Imme
den Nektar zu suchen, der ihr vonnöten.

Du animierst mich in Reimen zu schreiben
und flüsterst mir zu sogar im Sonett.
Da fragst du nicht, ob dieses Betreiben
gefällt und außer mir auch Leser hätt‘.

Die Bilder, die mir in Worten aufscheinen,
sie reihst du gern ein in rhythmischem Tanz,
um Sinn, Bild und Klang poetisch zu einen,
scheust du nicht zurück vor Ulk, Firlefanz.

Doch leider kann ich mich dir nicht entziehen,
es sei denn, ich würde mich selber fliehen.

© Ingrid Herta Drewing

Schöner Herbsttag

Heut ist ein Herbsttag wie aus trauten Träumen,
ein Tag, der mir in seinem Glanz gefällt:
der Himmel blau, von Sonnenlicht erhellt,
so mittagsstill, nur in den hohen Bäumen
ein Flüstern, das ein sanfter Wind bestellt.

Das alte Haus im Weinlaub darf erblühen,
wirkt zart errötet nun, wie neu beseelt,
als scheue Maler Herbst hier keine Mühen
und ließe Wilden Wein als Fresko glühen,
damit ’s an Kunst der Jahreszeit nicht fehlt.

Ich sinne, schaue, schreibe dort im Garten,
genieße freudig noch die Wärme, Licht,
denn schon mischt nächtens Spätherbst hier die Karten,
um bald mit seiner Nebel-Zeit zu starten
und kündigt an als Losung den Verzicht.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Nachtgedanken

Die Menschheit mehrt die eig’ne Not.
Als sei das Leben nicht bedroht
von Unwägbarem und Naturgewalten,
übt sie noch immer sich in falschem Schalten,
missachtet Einsicht und Gebot,
lässt sich durch Terror, Macht, Despoten spalten.

Milliarden Menschen nur ein Pfand,
als seien Sachen sie und Tand,
auf diese Welt gebracht, sich zu verdingen,
obwohl sie schaffend alles doch durchdringen,
mit Wirken, Wissen wohl im Land
die Grundlagen des Lebens hier erbringen?

Da wäre es doch endlich Zeit,
zu wehren Mensch gemachtem Leid,
dem Elend und den Kriegen zu entrinnen,
vernünftig hier auf Erden zu beginnen,
friedfertig leben weit und breit,
mit Seele, Herz, Verstand und allen Sinnen!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Oktober im Park

Herbstblätter,
golden, rot,
schweben im Wind,
bevor die Nebel steigen,
Abschieds-Tanz.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Oktober

Als sei ’s kein Abschied, nur ein Tanz dies Schweben,
der Blätter sanftes Wiegen hier im Wind,
Hinüber-Gleiten in ein neues Leben.

Im warmen Mittagslicht erglänzen Weben
aus Silberfäden, die Spätsommer spinnt,
als sei’s kein Abschied, nur ein Tanz dies Schweben.

Die Sonne herzt die Trauben-Pracht der Reben,
und lässt der Früchte Süße wohl geschwind
hinüber-gleiten in ein neues Leben.

Gekeltert wird es guten Wein ergeben,
beim Erntefest wir froh gestimmt wohl sind,
als sei’s kein Abschied, nur ein Tanz dies Schweben.

Die Müh‘ belohnt, Erfolg nach ernstem Streben,
der Weg aus einem Wirkungs-Labyrinth,
Hinüber-Gleiten in ein neues Leben.

Trotz Sommers Ende, freudiges Erbeben,
es grüßt der Frühherbst, ein Geburtstagskind.
Als sei’s kein Abschied, nur ein Tanz dies Schweben,
Hinüber-Gleiten in ein neues Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal, Weinberg

Herbst-Villanelle

Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
schon spiegelt sich der Herbst im blanken See,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Noch fährt der Wind hier durch die Wipfel leise,
und goldgelb glänzt, was vormals grün wie Klee,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Doch all zu bald reißt Sturm dort seine Schneise,
lässt Blätter wirbeln, tanzen leicht wie Schnee,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Die Kraniche beginnen ihre Reise,
sie ziehen südwärts nun in großer Höh‘,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Die Krähe krächzt und bleibt, so auch die Meise.
Im Walde kämpfen Böcke, Hirsch wie Reh,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Vergänglich alles Leben, das ich preise,
so sagt auch mir der Herbst einmal: „ Nun geh‘!“
Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Vom Dichten

„Für wen? Warum nur willst du schreiben?
Ist es doch Spiel nur mit dem Wort.
Du könntest dir die Zeit vertreiben
mit bess’rem Ziel, am andern Ort.“

Sagst du und weißt nichts von dem Glück,
das mir beim Dichten hell erblüht,
wenn Bilder melden sich zurück,
und Vers an Vers im Klang erglüht.

Ich suche nicht, die Worte sprießen,
es stürmen Reime auf mich ein,
wenn ein Gedicht beginnt zu fließen,
in Worten lebt sein eignes Sein.

Dann ist mir, als ob neues Leben
sein Lied mir in die Seele singt,
um mir hier Zeit und Raum zu geben,
und wie Musik in sanftem Schweben
ergreift mich Freude, wenn ’s gelingt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbst-Mittag

Der junge Herbst, gestimmt am Mittag milde,
da jetzt die dichten Nebel aufgelöst,
gefällt sich in rot-goldnem Blätter-Bilde;
versonnen lehnt er an der Parkbank, döst.

Schaut lächelnd auf des Sommers letzte Spur,
der roten Rosen tränen-feucht’ Gesicht,
die dort im Beete bei der Sonnenuhr
erglänzen nun in Mittags warmem Licht.

Fast feierlich und still die kleine Welt,
nur hin und wieder raschelt ’s in den Bäumen.
Die reife Frucht, die von den Zweigen fällt,
erfüllt Eichhörnchens Nüsse-Sammler-Träume.

Hier, wo bald Abschied naht im Blätter-Regen,
beginnt Natur die Lese, Ernte-Segen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Europa, quo vadis?

Gemeinsam wollten wir dem Frieden dienen
und wähnten Wahn und Wüten seien weit,
zum Aufbruch rief uns eine neue Zeit.
Nationalismus, nicht mehr seine Schienen,
wir glaubten uns belehrt, vom Joch befreit.

Doch überall nun in Europas Landen
verspricht dem Volk, das sehr vergesslich ist,
das Heil erfolgreich der Nationalist,
obwohl wir es schon damals so nicht fanden,
weil es sich nur in Elend, Leid bemisst.

Was uns unmöglich schien, dem Krieg entronnen,
dass hier in die EU auch Einzug hält
und als Protest manch Wählern noch gefällt,
die Stimme, deren Hass damals begonnen
in Not und Tod zu führen unsre Welt.

Wir müssen jene Sümpfe trocken legen,
den Menschen helfen, denen wenig bleibt,
damit nicht Furcht sie in die Arme treibt
den Rattenfängern, die die Lunten legen,
dieweil Herr Biedermann im Stübchen schreibt.

So lasst uns dennoch Apfelbäumchen pflanzen,
auch wenn der Sturm durch unsern Garten fegt!
Es wird jetzt wichtig, dass man auch hier hegt
das Hoffnungsgrün, wenn Schreckgestalten stanzen
ihr Schneidewerkzeug, das Zerstörung pflegt!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Spätsommers Abschied

Es fliegen die silbernen Weben,
gesponnen so fein, über Land.
Im Sonnenlicht glitzern sie, schweben,
sich hoch in die Lüfte erheben,
als seien sie himmlisches Pfand.

Den Herbstbeginn nennt der Kalender,
obwohl Sommers Feuer noch schwelt.
Doch rötet sich Wein am Geländer,
ein Maler und Farbenverschwender
uns goldene Märchen erzählt.

Die Früchte zu ernten, die reifen,
wirkt man nun in Garten und Feld,
lässt weithin die Blicke hier schweifen,
darf dankbar, sich freuend, begreifen
als Wunder das Leben der Welt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Nerotal

September

Die Nächte kühl, doch des Septembers Tage
uns schenken Wärme in des Mittags Licht.
Des Sommers Feuer werden bald verschwelen;
ein leises Lied von Abschied und Verzicht
noch sich befreit aus frühen Nebels Plage.
Doch ist des Herbsts Beginn nicht zu verhehlen.

Da zeigt die Birke sich in goldner Seide,
und in den Linden-Herzen spielt ein Traum,
der sich die Farbenvielfalt mag erküren.
So manchen Baum umgibt ein Früchte-Saum,
der nun dem Eichhörnchen schenkt Sammelfreude,
wenn es die Eicheln, Nüsse darf erspüren.

Des Himmels Blauen, auch die Glut der Farben,
die hier im Park sich zeigt in ihrer Pracht,
ein frohes Fest, als zelebriere Leben
zum Sommerende seine ganze Macht,
bevor hier Flora welkt, beginnt zu darben,
sich Blätter lösen, sanft zu Boden schweben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing