Erneuerung

Version 3

Es schenkt der Mai den Bäumen
dies‘ helle, zarte Grün,
die Zweige aufzuzäumen,
die nun aus Knospenträumen
erwacht in Frühlings Blüh’n.

Und dort in ihren Kronen
wiegt Wind so manches Nest,
wo muntre Sänger wohnen
und singen, froh belohnen
des jungen Lebens Fest.

Auch mich erfasst ein Freuen
und nimmt mich zärtlich ein.
Was mich ließ zagen, scheuen,
verblasst, ich wag‘ den neuen
beherzten Schritt ins Sein.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Gedicht

Feder Kladde (1)

Nur Worte, die ihr leises Lied mir singen,
Verszeilen, die sich reimen, stimmig finden,
sich kreuzen, schweifen und umarmend binden,
in einer Strophe miteinander klingen;
und dennoch halten sie für kurze Zeit
die kleine Freude für den Tag bereit.

Mal kommen sie daher im grauen Kleide
und klagen, wüten, wollen sich verzehren,
vielleicht sogar satirisch noch belehren,
obwohl sie finden keine grüne Weide.
Und dennoch halten sie für kurze Zeit
dies‘ Hoffen auf Veränderung bereit.

Dann wieder strahlen sie in lichtem Glanze,
geraten ob der Schönheit fast ins Schwärmen,
wenn die Natur schenkt, was den Blick mag wärmen,
ihn einlädt mit dem Farbenrausch zum Tanze.
Und dennoch halten sie geraume Zeit
die Wehmut um Vergänglichkeit bereit.

Nur Worte, doch auch Hauch von meinem Leben,
das mit im Licht der Jahreszeiten schwingt
und schauend seine kleinen Weisen singt,
sich darf dem Lächeln zärtlich hier verweben.
So halten sie wohl noch in meiner Zeit,
dies kleine Glücksgefühl für mich bereit.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,

Transnational

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Die 5. Ausgabe der literarischen Zeitschrift
THE TRANSNATIONAL ist erschienen.
René Kanzler, der neue Herausgeber dieses ansprechenden Magazins, lässt darin Autoren aus vielen Ländern dieser Welt, die sich mit den brennenden Fragen unsrer Zeit beschäftigen, in deutscher und englischer Sprache zu Wort zu kommen.Ein Kaleidoskop der Inhalte, Aussagen und Formen vermittelt auf hervorragende Weise, was Dichter, Schriftsteller und Forscher in unserer modernen Welt bewegt.
Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass auch eines meiner Gedichte ( im Originaltext und ins Englische übersetzt) in diese ambitionierte, über Ländergrenzen hinaus wirkende Zeitschrift aufgenommen wurde.
Die Druckausgabe ist über Books on Demand oder jeden Buchhandel zu beziehen.
Die ISBN lautet 9783746081076.

Alien

Ob man ihn jemals kennenlernt,
den Alien, der weit entfernt?
Ich denke, dass es besser ist,
wenn man das Märchen schnell vergisst,
sich kümmert um der Erde Wohl,
nicht mehr gebärdet sich so hohl.
Denn wer gibt uns die Sicherheit,
dass nicht noch Schlimmeres reinschneit?

© Ingrid Herta Drewing,2018

Zu heißer April

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Des Apfelbaumes zarte Blüten,
die für die milde Zeit erwacht‘
und in des Frühlings sanft‘ Behüten
erstrahlen wollten hell in Pracht,
sie hat Frühsommers Sonnenglut
am Mittag doch zu heiß bedrängt,
sodass sie welk und nicht mehr gut
am Zweige hängen, wie versengt.

Wird dieses Bäumchen Früchte tragen,
dem kurz Erblühen nur beschert?
Wird Lenz in Zukunft auch versagen,
weil Klima Dauer ihm verwehrt?
Es spielt das Wetter ins Extreme,
kaum Übergänge gibt es her
und schafft uns Trockenheitsprobleme,
Waldbrandgefahr wächst auch jetzt sehr.

Du fragst dich, doch nährst stilles Hoffen,
dass sich Bedenken nicht erfüllen,
die Jahreszeiten klar und offen
in ihrem Wechsel sich enthüllen,
der Pflanzen Wachsen, Blühen, Reifen
gedeihen mögen hier im Land,
auf dass im Herbst wir Früchte greifen,
nicht darben gar mit leerer Hand!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Der Lenz ist da

Version 3

Frühlingsgeflüster
der kleinen Lindenherzen
dort in der Allee,
ein zartes, helles Grünen,
und die Amsel singt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Friedenssehnsucht

Warda friedrichstr. Magnolien (1)

Fast scheue ich ’s, den Frühling noch zu preisen,
der hier in unsrem Land nun blühend siegt,
Die Leichtigkeit des Lenz ging längst auf Reisen,
denn die Gedanken unaufhörlich kreisen
um diesen Schatten, der auf allem liegt.

Die Mächte, die bereit, flugs zu zerstören
das Leben andrer Menschen, die gewillt,
genügsam in das Dasein zu gehören
und inständig den Frieden hier beschwören,
den Schutz ersehnen, der die Ängste stillt.

So machtlos fühl ich mich, kann nur noch beten,
dass endlich doch obsiege die Vernunft
und nicht der Krieges Lüsternen Raketen,
der Kriegsgewinnler Jagd auf mehr Moneten
sich etablieren als der Staaten Zunft.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Brunnen-Idyll

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Wo die grünen Wasser wispern
in der Sonne heißem Schein,
bläht ein Pferd weit seine Nüstern,
still vergnügt bei nassem Spei’n.

Und ein Löwe fletscht die Zähne,
zeigt sich kühn in Marmorstein,
trägt gar prächtig seine Mähne
reiht sich in den Nischen ein.

Auch dabei bei diesem Spritzen
ist ein weißer Elefant.
Man sieht ihn fast lächelnd sitzen,
zeigt den Rüssel elegant.

Nashorn, Hirsch, ein Tiger, Bär
mischen mit in diesem Reigen,
so, als ob ’s ein Leichtes wär‘
Wasser sich im Bogen neigen.

Unaufhörlich, kühlen Regen
senden sie in Brunnens Flut.
Schenken Frische, uns zum Segen
in der Mittagshitze Glut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Beim Anblick alter Ruinen

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Die alten Steine, die dort den Ruinen,
schon fast zerfallen, Festigkeit gewähren –
und hier ein Zelt, das flink die Beduinen
zum Schutz erstellt, dem Wetter gut zu wehren –

Vergangenheit und Gegenwart uns zeigen,
wie flüchtig doch der Menschen Werke sind;
was Hochkulturen einst war wert und eigen,
das schwand, ist nur noch Widerstand im Wind.

Das Dasein, so vergänglich uns gegeben,
ist dennoch hehres Glück in unsrer Zeit.
Wir schätzen es, auf dieser Welt zu leben,
und Hoffnung, Freude sind uns auch Geleit.

Erfüllend mag uns Liebe hier erheben,
doch trägt bereits sein Ziel in sich das Leben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Frühlingsgewissheit

Warda-Frühling_o

Wo Blütenbäume in den Himmel greifen,
entfaltet Frühling seine zarte Macht;
und neue Lebensträume dürfen reifen,
vielfältig nun im Hoffnungsgrün entfacht.

Uns wärmt der Anblick dieses jungen Lebens,
schenkt Wagemut, stimmt freudig unsren Sinn.
Es wird gewiss, dass hier nichts wächst vergebens;
im großen Ganzen wirkt es mittendrin.

Und wir in unsrem kurzen Erden-Sein
begreifen ahnend, schauend das Geschehen:
Wir werden auch nach fahlen Winters Schein
gemeinsam wieder helles Leuchten sehen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018