Obsolet

Schöne Herbst-Natur,
erübrigt alles Schreiben.
So lass‘ ich ’s bleiben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Kalles Verschwinden

Kalle stand allein am Tresen,
wollte zwei, drei Whiskey lesen*,
(*weil der Reim es so verlangt),
und er wegen seiner Spesen
niemals machte Federlesen,
in der Schänke ward getankt.

Hinterher schwankt‘ er nach Hause,
denn doch länger war die Sause.
Er ließ sich auf Sekt noch ein;
mit ihm schlürfte das wie Brause
zugesellt ihm ihm eine “ Mausi“,
ja manch Gläschen rollte rein!

An der alten Gaslaterne
sah der Kalle plötzlich Sterne,
war glatt gegen sie gerannt,
stammelte, man sich entferne,
denn er wolle eben gerne
geh’n den Weg, der ihm bekannt.

Doch dies Monster wollt‘ nicht weichen!
Um sein Ziel noch zu erreichen
brüllte Kalle laut vor Wut:
„ Hörst du nicht, du sollst dich schleichen,
sonst fällst du wie alte Eichen,
die ein Blitzschlag setzt in Glut!“

Vergebens war die Schrei-Aktion,
da folgte keine Reaktion,
es rührt‘ partout sich nicht vom Fleck.
Nur dort im Haus auf dem Balkon
rief man: „ Nun geh‘ entfern dich schon,
sonst holt die Polizei dich weg!“

Da fühlte Kalle sich betroffen
und merkte, dass er viel gesoffen,
fand Polizei auch obsolet,
sprach‘:„ Liebe Leut, ich sag’s euch offen,
mich hat hier fest ein Schlag getroffen,
es war der Kerl, den ihr hier seht!“

Dann torkelte er heimwärts weiter,
er war kein elend langer Streiter,
denn friedlich war er von Natur.
Nur an dem Baugerüst die Leiter
erklomm er höher,war recht heiter.

Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

© Text: Ingrid Herta Drewing

Allerlei gereimte Ungereimtheiten

Ein Verkäufer, sehr beflissen,
zeigte Betten und auch Kissen
einem alten, müden Kunden.

Jedoch dieser unumwunden,
da die Schlafstatt war gefunden,
legte sich sofort hinein
und schlief ein.

***

Ein Sonntagsjäger, ganz versessen,
durchstreifte einen Wald in Hessen,
der war mit Wild recht gut bestückt.

„ Ich hoff‘, dass mir die Jagd heut‘ glückt“,
sprach er ; die Flinte ab er drückt,
doch was er fand, gefüllt mit Schrot
war nur sein Tod.

***

Ein Porschefahrer aus Bad Soden
hielt andre Fahrer für Idioten
und raste durch das Land.

Sogar am Nordseestrand
kam er nicht zu Verstand,
fand’s Watt bei Ebbe gut.
Dann kam die Flut!

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Vision

Nicht Leid, noch Pein mag mir dies Hoffen rauben,
dass einst auf Erden kehre Friede ein
und hier gerecht statt Falken traulich Tauben
erfüllen, was ich gar so gern mag glauben,
dass hier der Mensch wächst in sein wahres Sein.

Wo jetzt noch Kriege Stadt und Land verheeren,
der Tod das Leben nimmt schon vor der Frist,
wird die Vernunft des Chaos Macht verwehren
und Einsicht Güte, klaren Blick bescheren,
damit harmonisch, schön dies Dasein ist.

Gemeinsam werden Menschen sorgsam walten
und hegen diese Schöpfung, die Natur.
Ein irdisch‘ Paradies mag man gestalten,
sich kreativ mit Kunstsinn da entfalten
und schützen auch die kleinste Kreatur.

Ich weiß, ich werde es nicht mehr erleben.
Doch einst wird dieser Hoffnungstraum erfüllt,
wenn hier der Menschen Sinnen und Bestreben
statt nur zu nehmen, weicht dem guten Geben,
Maßlosigkeit und Gier sind so gestillt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Abenteuerlust / Reim dich, oder ich fress dich!

Emma wollte was erleben,
Abenteuer zum Erbeben;
statt nach Green und Gretna
zog es sie zum Ätna.

Doch der machte grade Mucken
und begann heiß auszuspucken
Lava, Steine, graue Asche.
Emma hasste diese Masche.

So war er ihr nicht geheuer,
auch der Abend all zu teuer.
Sie flog von Sizilien
schnurstracks nach Brasilien.

Dort beim Karneval in Rio
sang sie laut „ O sole mio!“,
fand sich ein beim Ramba-Zamba,
tanzte auf der Plaza Samba.

Doch in diesem heißen Land
plagte sie bald Sonnenbrand
Drum sprach Emma, kurz entschlossen:
„ Jetzt wird Grönlandeis genossen!“

Was sie aber nicht bedacht‘,
dass dort lang am Tag die Nacht.
Und so war ihr Abenteuer
meist nur Plausch am Lagerfeuer.

Eines Nachts von ungefähr
wagte sich ins Dorf ein Bär.
Emma, leichtsinnig, versessen,
hatt‘ die Vorsicht ganz vergessen.

Sie schlich sich heran ganz leis‘
an den Bären, weich und weiß.
Der, auf Beutejagd indessen,
fand nun Emma, lieb zum Fressen.

Die Moral von der Geschicht‘
such‘ solch‘ Abenteuer nicht,
wenn du keine Ahnung hast,
sonst es tödlich dich erfasst!

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Nordsee / Reim dich, oder ich fress dich!

Still fragte sich Frau Hehlen
beim Speisen von Garnelen,
ob diesen wirklich fehlen
nun ihre armen Seelen.

Es hatten in Cuxhaven
zwei Fischer mal verschlafen;
drum kam dann auf den Tisch
nur Labskaus und kein Fisch.

Einst schwamm da bei Land unter
an Land ’ne flotte Flunder.
Blieb dort in ’ner Garage,
flach in der Holzstellage
fest hängen in dem Plunder.

Da war se hin, die Flunder!

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Verliebt, eine Villanelle

Ein trüber Morgen, ohne dich kein Tagen!
Im Spiegel grüßt mein trauriges Gesicht.
Ich wart‘ auf dich, hab dir noch viel zu sagen.

Du bist so fern, mich quälen bange Fragen,
ob noch dein Herz für mich in Liebe spricht?
Ein trüber Morgen, ohne dich kein Tagen.

Von jener Nacht, als wir zusammen lagen,
hab‘ ich geträumt, doch nun heißt es Verzicht.
Ich wart‘ auf dich, hab dir noch viel zu sagen.

Schon wähnte ich dich bei mir mit Behagen,
erhoffte deine Schritte, hört‘ sie nicht.
Ein trüber Morgen, ohne dich kein Tagen.

Die Zeit verrinnt, kaum kann ich es ertragen,
so ohne dich bin ich ein armer Wicht.
Ich wart‘ auf dich, hab dir noch viel zu sagen.

Ach bitte komm, lass mich nicht länger klagen,
ich sehne mich nach dir wie nach dem Licht!
Ein trüber Morgen, ohne dich kein Tagen.
Ich wart‘ auf dich, hab dir noch viel zu sagen.

© Text: Ingrid Herta Drewing, 2018
© Foto: Maike Drewing

Herbstvillanelle

Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
schon spiegelt sich der Herbst im blanken See,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Noch fährt der Wind hier durch die Wipfel leise,
und goldgelb glänzt, was vormals grün wie Klee,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Doch all zu bald reißt Sturm dort seine Schneise,
lässt Blätter wirbeln, tanzen leicht wie Schnee,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Die Kraniche beginnen ihre Reise,
sie ziehen südwärts nun in großer Höh‘,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Die Krähe krächzt und bleibt, so auch die Meise.
Im Walde kämpfen Böcke, Hirsch wie Reh,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Vergänglich alles Leben, das ich preise,
so sagt auch mir der Herbst einmal: „ Nun geh‘!“
Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.
Ach könnt ich zaubern, wäre gerne Fee!

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Der Schweiger

Septemberabend, hell, doch tönt schon leise
des Herbstes Lied, das in den Wipfeln schwingt.
Vom Abschied Nehmen raunt die alte Weise,
die golden in der Bäume Blätter dringt.

Als zählten Wetter nicht, noch Jahreszeiten,
des Schweigers Denkmal vor dem Dom dort steht,
für Freiheit, Unabhängigkeit zu streiten,
nie war es Nassaus Wilhelm obsolet.

So preist man heut‘ noch in den Niederlanden
Wilhelmus in des Staates Hymne schön.
Auch König nebst Gemahlin sich einfanden,
hier der Oranier Stammsitz anzuseh’n.

Wiesbadens Bürger kennen ihn seit Jahren;
er wirkt wie eingepasst dort ins Portal
der Marktkirche mit ihren Formen klaren.
Die Turmuhr grüßt, Carillon manches Mal.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Schattenspiel

Es spielt der Wind mit Blättern, Zweigen
der alten Esche vor dem Haus,
und Sonnenstrahlen Schatten zeigen
die sich abwechselnd heben, neigen.
Ein muntres Spiel wird so daraus.

Im Zimmer tanzt es auf den Wänden.
Wo sonst nur mattes Gelb besticht,
ein Reigen, der mit Blätterhänden,
so lieblich, sanft, er mag nicht enden
erblüht hier durch der Sonne Licht.

Und auf den Zweigen, eine Meise,
sie übernimmt den Solopart,
hüpft zierlich wie es ihre Weise,
von Ast zu Ästchen, putzt dann leise
sich ihr Gefieder rein und zart.

© Ingrid Herta Drewing, 2018