Appell

Sei wachsam,
hüte und berge
der Rosen Blüten,
bevor der Sturm
sie zerzaust!

Jetzt, da die Wolken
wachsen
und den Himmel
verdunkeln,
rette das Blau
und das Gold
der Sonne
in den Schrein
deiner Seele!

Vergiss nicht
das Lächeln
der Morgenröte!

Die schwarzen Schleier,
die das Antlitz
des Tages
verhüllen,
werden einst
fallen.
© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Bewegte Luft

Was wäre Wind, hätt‘ er nichts zu bewegen?
Unsichtbar zwar, er strömte hin als Luft.
Doch streift er Blüten, trägt er ihren Duft
weit hin wohltuend als ein sanfter Segen,
verhehlt noch so den Moder mancher Gruft.

Jedoch der Windsbraut all zu stürmisch‘ Wesen,
das mit sich reißt, was leicht zu lösen ist,
um mit dem Blanken Hans an Strandes Tresen
des Menschen Werk als Treibgut zu verlesen,
mag man ertragen nur in kurzer Frist.

Beschaulich aber jene leichte Brise,
die zärtlich streichelnd gar ins Haar uns greift,
uns Kühlung schenkt, auf dass man froh genieße,
sei es im Sand am Strand, auch auf der Wiese
des Lebens Glücksmomente, nun gereift.

© Text: Ingrid Herta Drewing

© Zeichnung: Ingmar Drewing

Sommerwehmut

Des Sommers Zeit, sie tröpfelt, und mein Leben,
das nun wie sie dem Herbst entgegen sieht,
es möchte sich auf ewig hier verweben,
der Sonne Wärme fühlen, die noch glüht.

Auch wenn sich dann entlaubte Baumgestalten
verschämt im Spätherbst nebelgrau verhüllen,
möcht’ ich dies Sommerlied behalten,
die Sehnsucht nach des Südens Wärme stillen.

Würd’ gerne jenen Vogelflug auch wagen,
jedoch ist ’s mir versagt, so weit zu gehen.
Da heißt es standfest sein und nicht verzagen,
um mutig dann den Winter zu bestehen.

Vertrauen in dem Spiel der Jahreszeiten
auf den, der auch mein Leben wird geleiten.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Lobgesang

Mein neues Buch ist fertig und ist heute bei Epubli.de erschienen

„Lobgesang, Gedichte und Gebete“ mit der ISBN 9783753102344 /7.99€

LOBGESANG lädt den Leser dazu ein, die Schönheit der Schöpfung im Jahreslauf poetisch zu erleben.

In verschiedenen Gedichtformen und Gebeten lässt das lyrische Ich seine Suche nach Gott, aber auch seine Glaubensgewissheit aufscheinen.Demut und Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens auf dieser schönen Erde sowie die Bedeutung der christlichen Feste sind der Autorin ein Anliegen.

Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen die sprachlichen Bilder.

Spätsommerwunsch

Im Blau des Himmels Cirruswolken schweben,
als hätte sie ein Maler hingetupft,
so licht und weiß wie zarte Spinnenweben
und Federflaum, frisch aus dem Nest gelupft.

Kein Daunenleser war ’s, kein Malersmann.
Des Nordwinds Spiel ist ’s; in den kühlen Höhen
lässt er bizarre Bilder schön entstehen.
Doch kündigt er damit auch Regen an.

Dem Frühherbst wird er nun den Weg bereiten,
schon folgt auf kühlen Tag die kalte Nacht.
Der Sonne scheint die Kraft nun zu entgleiten,
da sie nur noch in Mittagsstunden lacht.

Ich wünscht’, der Sommer sei noch nicht gewesen,
jedoch der Wind kann meinen Wunsch nicht lesen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Spätsommer

Ein himmlisch klarer Tag,
so sonnentrunken,
wie er sich auf dem See
nun spiegeln mag!
Und Strahlenfunken
tanzen in die Höh’,
wo gestern Trübe lag.

Die Birke trägt ein Kleid
aus goldner Seide,
spielt hier die Königin,
ist Herbst bereit;
und ihr Geschmeide
glänzt im Wasser hin
für eine kurze Zeit.

Des späten Sommers Bild
dringt in die Seele,
gleicht einem lieben Blick,
so sonnig mild;
und nichts verhehle
dir jetzt dies kleine Glück,
das wohlig dich erfüllt!

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,

Kind sein

Kind sein heute, ist doch schwer.
Oft lässt man ihm kaum den Raum,
wo es spielend, ohne Wehr,
kann erleben seinen Traum.

Wo es geht, Automobile
grenzen ein die kleine Welt,
Luft voll Feinstaub, Abgasschwüle;
sehr oft Husten es befällt.

In den Medien, aufgesetzt
zeigt man ihm ein Kinderbild,
das Erwachsne eingeschätzt,
irreal, falsch, trendy-wild.

Viele Eltern, Angst besessen,
was die Zukunft bringen mag,
sind dabei, fast zu vergessen,
was ein Kind braucht, wirklich mag.

Schon im Kleinkindalter hetzen
sie es, fest verplant die Stunden,
woll’n es an den Rechner setzen,
lassen es nicht ungebunden.

Spielend seine Welt entdecken,
Tiere, Wiesen, Wald und Feld,
sich im hohen Gras verstecken,
laufen, tollen, wie ’s gefällt.

Gebt dem Kind die Kindheit wieder,
mag es seine Wunder sehn.
Liebt es, singt mit ihm die Lieder,
zeigt ihm die Natur, die schön!

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,
Zeichnung: Ingmar Drewing,

Corona-Tid

Möwenversammlung
auf der Sandbank bei Ebbe,
den Abstand wahrend.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Eric Hildebrandt (mein ältester Sohn),
Nordsee / Sylt

Meer, Surfers Sehnsucht

Oh du, mein Meer, in deinen Weiten
verirrt und findet sich mein Blick!
Des Lebens Sinnbild, die Gezeiten,
abebbend, flutend, mir bereiten
den Spiegel für mein Lebensglück.

In deinen wilden Wasserwogen,
die stürzen in der Brandung Schaum,
sind wir Wind surfend weit gezogen,
den Vögeln gleich so leicht geflogen ,
als sei das Leben nur ein Traum.

Schenktest den Sturm als Abenteuer.
Unbändig trotzten wir der Wut
Mit jugendlicher Kraft und Feuer,
auch wenn uns vieles nicht geheuer;
der Leichtsinn forderte den Mut.

Jetzt bin ich älter und erfahren,
schau dich mit Sehnsuchtsaugen an,
wie du zum Himmel reichst, dem klaren,
den ich als Mensch in meinen Jahren
andächtig nur erschauen kann.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Gone with the Wind

Das Leben schreibt die seltsamsten Geschichten,
und dennoch oft profan, folgt man Berichten.

Es habe sich in Schottland zugetragen,
als man beim Whiskey Bechern saß zusammen,
im Übermut gewettet sozusagen,
wem es gelänge, seines Windes Flamme
selbst zu entzünden, so den Sieg zu wagen.

Man ging in Ian’s Scheun‘, so war ’s beschlossen,
der sich vor allen schon als Sieger sah ,
zumal zuvor viel Bohnen er genossen,
da sei ja wohl auch Gasentwicklung da,
die wollte er entflammen, fest entschlossen.

Den Freunden wollt‘ das Spielchen nicht gelingen.
Doch Ian prahlte lachend: „ Nicht so kurz
wie eure Lüftchen, die hier harmlos singen,
werd ich vorführen meinen Feuerfurz
und dann damit gewiss den Sieg erringen!“

Stand vor dem Stroh, tat blank sich präsentieren,
nahm’s brennend Streichholz und mit einem Hurz
ließ er den Darmwind raus, und im Flambieren
schoss feurig hell heraus aus ihm sein Furz,
der schnell im Stroh ein Feuer konnte schüren.

Und eh man sich versah, konnt‘ hilfreich rühren,
man rettete sich schnell für Frau und Kind,
das Feuer loderte, war heiß zu spüren,
die Scheun‘ verlor’n „ Gone with the Wind!“
und zeigt‘, wohin solch falsche Siege führen.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay