Archive for Juli 2023

 
 

Ende Juli

Da geht der Juli hin, dies graue Wunder,
das uns hier endlich Regen hat gebracht.
Doch hoffen wir, dass der August nun munter
sich sonnig uns mag zeigen, warm und sacht.

Die Hitze bleib’ uns fern im Sommer-Leben,
von Juni schon zu deutlich vorgeführt;
auch Hagel, Wolkenbruch, Gewitterbeben
sind für uns obsolet, weil nicht gekürt.

Wohl temperiert, so seien sie die Tage,
da mag auch kurz ein kühler Regen sein,
damit die Pflanzen keine Dürre plage,
in Garten, Park und Wald lad’ Grün uns ein!

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing,

Gesang der Amsel

Mag singen auch die Nachtigall
ihr wunderschönes Lied;
zu selten ist das hier der Fall.
Doch Amselsang schallt überall,
weil sie die Stadt nicht flieht.

Hoch auf dem Dachfirst hell erklingt,
in Wipfeln hoher Bäume
ihr Solo, das sie lieblich singt,
bis dann der Abendstern aufblinkt.
Ihr Wohlgesang schenkt Träume.

Mir scheint es fast, als wolle sie
sich selbst am Klang berauschen,
vielfältig in der Melodie,
Tonfolgen reich an Harmonie,
Pausieren, um zu lauschen.

Da darf die Ringeltaube dann
den Brummbass dazu geben.
Sie kommt nur guttural voran,
und ihre Stimme, wenn sie kann,
wird rhythmisch, tief erbeben.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Sommerregen

Nun netzt ein Sommerregen
das sonnverbrannte Land,
spült Staub von allen Wegen;
die Pflanzen sanft zu hegen,
putzt er ihr grün Gewand.

Der Bach darf wieder fließen,
wo nur noch Rinnsal war,
Sumpfdotterblumen sprießen,
und in dem Teich genießen
die Enten Wasser klar.

Die Vögel wieder singen
und fliegen flugs herbei.
Im Park hör ich’s erklingen,
seh’ sich in Wipfeln schwingen
den grünen Papagei.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Märchenfrage

Leben,
versteckt,
verwünscht,
verwandelt.

Wer kennt
das erlösende Wort,
trägt den Tau
der Tränen
zum Glasberg?

Helden?
Helden weinen
doch nicht!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Kindheit im Nachkriegssommer

Freies Leben, die heißen Sommer
im Schatten der Felsengruppe,
dort nah jener Höhle,
wo sich einst Wilddieb Leichtweiß
vor des Herzogs Büttel versteckte.

Unterm Dach der Blauhimmeltage
spielten wir am klaren Schwarzbach
und stauten sein Wasser;
beschirmt vom schattigen Grün
der Buchen und uralten Eichen.

Uns beflügelte die Phantasie,
wähnten Tipis auf der Wiese,
die wir verteidigten
gegen die Eindringlinge,
bewaffnete Cowboys und Trapper.

Mit kleinen Papierschiffchen, Kanus,
die wir in den „Stausee“ setzten
zur erfolgreichen Flucht,
halfen wir unsren Freunden
in die rettenden Wälder am Fluss.

Fern von digitalen Kunstwelten
erkundeten wir die Natur
im Wald unsrer Heimat
und vergaßen beim Spielen
die Entbehrungen der Nachkriegs-Zeit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Endlich Regen

Kaum hätte ich es je geglaubt,
dass ich mich so könnt‘ freuen,
wenn grau die Wolken dräuen.
Doch Regen wäscht, was hier verstaubt,
darf Trockenheit verbleuen.

Der Bach, der fast schon trocken lag,
strömt plätschernd durchs Gelände,
als ob er sprudelnd fände
nun erst den Weg, der ihm behag‘
zu seinem Mündungsende.

Die Bäume, die hier schon im Park
die Blätter, Borken schoren,
matt wirkten wie verloren,
sie zeigen sich erneut bald stark,
das Grünen auserkoren.

Vorbei der Hitze Einerlei,
ob Berg, ob Tal und Klüfte;
des Sommers milde Düfte
auch mich jetzt lassen atmen frei,
und Wind erfrischt die Lüfte!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Schwarzbach im Nerotal

Barockgarten

Gesäumt vom Dunkelgrün
aufragender Zypressen
führt hin in weißem Kies
der Weg zum Schloss.
Hier wirkt die Ratio, kühl;
wer einstmals dies besessen,
Klarheit genoss.

Doch schuf er sich auch hier
geheimnisvolle Orte:
Ein Buchsbaumlabyrinth
führt in die Irre,
Springbrunnen, ihrer vier,
senden auf laute Worte
Fontänen in den Wind,
dass es verwirre.

Und hinter Mauerhecken
ganz plötzlich Steingestalten,
die Nymphe und der Faun,
dich frech anschauen,
du sollst erschrecken,
erfahren dunkles Walten,
ein leises Grauen.

So wie der Tod das Leben
heraus aus hellem Blühen
mit kalter Hand ergreift,
hinab ins Dunkel schleift,
so sollst du hier erbeben
und wahrhaft dich bemühen,
nach Edlem streben.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay

Heiße Sommertage

Der Sommer hält mit heißen Händen
den Tag gefangen; Sonnenlicht
schon früh am Morgen gleißend spricht.
Die Sonnenschirme im Gelände
nun zieren auch Balkone dicht.

Der Städte Mauern speichern Hitze;
im Grünen ist man gern zu Haus,
sucht sich die hohen Bäume aus,
um dort im Schatten ruhig zu sitzen
und blickt entspannt ins Land hinaus.

Im Bad, am Fluss lässt ’s sich gut weilen,
es hilft so manche frische Brise
hier, wo die kühlen Wasser fließen,
der Macht der Hitze zu enteilen,
gelassen Sommer zu genießen.

© Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden Opelbad

Sommerwald

Es fliegen die Schwalben und schweben,
der Sommer reist durch das Land.
Belaubt sich die Bäume verweben,
und Wald wird zum grünenden Band.

Im Innern er gleicht Kathedralen,
durch deren Fenster das Licht
in Bahnen ins Dunkel darf strahlen
und flüsternd von Leben spricht.

Da wirken die Spinnen im Busche;
in Netzen funkelt der Tau.
Noch träumen die Eulen, es huschen
die Rötelmäus‘ aus dem Bau.

Das Eichhörnchen tanzt auf den Zweigen,
im Kobel es Junge nährt,
die bald in des Sommertags Reigen
erfahren, was Mutter sie lehrt.

Der Wind streift die Wipfel, ein Rauschen
wogt in den Bäumen so lind,
als wollten die Blätter nun plauschen,
im Spiel mit dem Elfenkind.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Stadtwald, Rambach

Lebensträume

Die Träume, sie beflügeln unsre Tage
und malen hier im Licht die Zukunft aus.
Sie helfen, stützen uns und mildern Plage,
gewähren Farbigkeit im grauen Haus.

Da wird der Weg zum Ziel; die Gegenwart
wird hoffend, realistisch wahrgenommen.
Kein schwarzer Vogel krächzt hier vor dem Start,
ein Lerchenlied blüht klingend auf, will frommen.

So trägt das Leben in sich Zuversicht,
es keimt und wächst, verzweigt auch in den Klüften,
beseeltes Streben, in das helle Licht
sprießt es heraus aus dunklen Erden-Grüften.

Und reiht sich ein in jenes große Singen,
lässt Gottes Schöpfung schön in Vielfalt schwingen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing