Pfingstgedanken

Nicht Mauer sein, nicht Wall, der alles trennt,
die Tür sein, die in Freiheit, Weite führt,
die Brücke, die verbindet, was getrennt,
ein Mensch sein, den die Nächstenliebe rührt.

Nicht Feuer sein, im Wahn die Welt zerstörend;
doch Frühlingsregen, der die Erde netzt,
sie hegend, auf des Lebens Stimme hörend,
der Sonne gleich, die sie ins Blühen setzt.

Mit wachen Augen durch das Leben gehen
und Fehler nicht nur bei den Andern sehen,
von Eitelkeit geblendet und gehemmt.

Sich nicht im Starrsinn dumpf ums Ego drehen,
versuchen, andre Menschen zu verstehen,
erscheinen sie zunächst auch noch so fremd.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Zum Jahresende

Version 2

Des Jahres Tage sind gezählt.
Der Blick zurück lässt Wünsche offen,
gebiert zugleich das stille Hoffen,
dass Glück im neuen Jahr uns wähl’.

Prognosen gibt es, im Orakel,
da findet mancher seine Sicht.
Noch ahnt er nichts von dem Debakel,
das ihn alsbald nimmt in die Pflicht.

Silvesterträume in den Lüften;
der Lärm den Dämon dräng’ zurück!
Jedoch in unsren engen Klüften,
wir weben mit an dem Geschick.

So vieles, was wir tun, entscheiden,
ist wichtig, zeigt des Lebens Weg.
Die Gier, den Hass gilt ’s zu vermeiden,

die Liebe sei uns Brücke, Steg!
Dann wird vielleicht das nächste Jahr
auch für uns Menschen wunderbar.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Geburtstagsgruß für Ruscha

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Wie damals, als du kamst zur Welt,
erfreut der Herbst mit warmen Farben,
als sei die Pracht für dich bestellt,
dies Leuchten, das den Tag erhellt,
ein Lächeln, das lässt keinen darben.

Du warst und bist ein Sonnenschein,
hilfst, wo du kannst, mit guten Taten,
setzt mutig dich für andre ein,
lässt auch die Fünf mal grade sein,
wenn es die Menschlichkeit geraten.

Mein liebes, großes Ruschakind,
wirst heute neunundvierzig Jahre.
Es flog dahin die Zeit wie Wind,
auch deine Kinder groß schon sind,
das hast du, stolz auf sie, erfahren.

Ich wünsch dir weiterhin viel Glück,
vor allem aber Gottes Segen.
Er lenke gütig dein Geschick,
rücke dir Freude in den Blick,
behüte dich auf allen Wegen!

© Foto u. Text /Ingrid Herta Drewing

Silvester

Und wieder ist ein Jahr nun fast zu Ende,
ein Jahr, von dem man sich so viel erträumt,
dass sich so manches hin zum Guten wende,
auch gab’s den Wunsch, dass Zeit das Leid versäumt.

Zu viele, die uns lieb, sind schon gegangen.
Im Himmel trifft sich nun das Künstlerkorps,
und auch durch Terror konnt‘ der Tod erlangen,
dass viel zu jung er Menschen sich erkor.

Da tröstet nicht das Wort “ Wen Götter lieben,…“;
das Herz, es weint um jeden, der da ging.
Doch manche sind verewigt uns geblieben
durch ihre Kunst, die sich so schön verfing.

Der Schritt ins neue Jahr birgt dieses Hoffen,
dass endlich werde friedlicher die Welt,
mehr Empathie und Güte zeige offen,
dass Menschlichkeit sich hier auf Dauer hält!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Menschenersatz

Bequem erscheint die Automatenwelt,
erledigt Arbeit, spart so Zeit und Geld.
„Der Mensch wird frei gestellt“,
heißt es so schön.
„Wirst du erwerbslos, musst du seh’n,
was anderes zu finden!

Musst mit dem Fortschritt geh’n,
lässt sich nicht unterbinden!“

Die Fortschrittsgläubigkeit erzeugt Probleme,
beschert nicht allen nur das Angenehme.
Den einen wird gegeben,
den anderen genommen;
meist kann der Mehrwert nicht
zu allen Menschen kommen.
So werden auf der Welt im Hier und Heute
sehr viele Arme nur der Reichen Beute.

Ich frag‘ mich auch, ob da in all den Sachen,
in denen wir uns überflüssig machen,
es immer sinnvoll ist, zu delegieren,
anstatt, es selbst bewusst hier auszuführen.
Verantwortung des Handelns sieht wohl kaum
der Roboter, der dann beherrscht den Raum.
Auch schlimme Taten( wie durch Drohnen Tücke)
entziehen sich so leicht dem klaren Blicke.

„Ach was, denk mal an menschliches Versagen,
zu oft sind Unfälle und Tote zu beklagen!
So schnell und so exakt wie die Maschinen,
die Roboter, kann doch kein Mensch mehr dienen.“

Dass wir als Menschen nicht wie die Maschinen
nur funktionieren, ist des Lebens Gunst,
bei Unverhofftem lassen wir die Schienen
und finden neue Wege, das ist Kunst.

Ich mag sie nicht, die Welt, die starr und kalt
den Mensch dem Menschen nimmt im Fortschrittswahn,
wo uns, vernetzt im digitalen Wald,
auf Knopfdruck dann bewegt ein Robot-Clan.

Wir brauchen bald kaum noch die Arme, Beine,
und manche nutzen nicht mehr oft ihr Hirn.
Längst gibt es eine Welt medial für Kleine,
mit Geld und Macht lebt man auf andrem Stern.

Gäb’s endlich Fortschritt in der Empathie,
gerechtes Handeln, Frieden in der Welt,
dass man besieg‘ den Wahn, die Idiotie,
die uns entmenscht in Gier gefangen hält!

© Ingrid Herta Drewing,2016

22.März / Terroranschlag in Brüssel

Des Frühlings Anfang, sonst voll Licht und Leben,
trägt heute schwarz der Trauerkutte Kleid.
Statt sich in Blüten zart hier zu verweben,
brachte er Terrors Todes-Botschaft,Leid.

Geblendet sprengten wieder Wahnsinns Krieger
sich dort mit Menschen sinnlos in den Tod.
Sie fühlten fälschlich sich als Gottes-Sieger
und folgten feig‘ nur teuflischem Gebot.

Wer so voll Hass ist, fern von allem Lieben,
der findet nirgendwo sein Paradies,
hat sich dem Leben nicht, dem Tod verschrieben
und wählt ein höllisch schauriges Verlies.

Ein Mensch, der Gott vertraut, zeigt Empathie,
hilft Anderen und sucht die Harmonie!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Ermunterung I

Lasst uns neu vom Frühling singen!
Ist die Welt auch trüb und grau,
weil der Politik Misslingen
nimmt in Kauf die falsche Schau.

Lasst uns nun die Sicht erneuern,
räumen, was den Blick verstellt,
wehren alten Ungeheuern
zu erobern unsre Welt!

Vieles, was im Wahn befangen,
trügt, es fehlt Vernunft und Sinn.
Hochmut züchtet Gift und Schlangen,
häutet sich je nach Gewinn.

Lasst uns hell die Zukunft malen
und entfernen Zunder, Rost!
Es sei klar, der Sonne Strahlen
taue, was noch starr im Frost!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Worte

Den leichten Vögeln unsre Worte gleichen.
Sie gleiten unbedacht flugs über Lippen.
Gedanken werden kaum zu Schranken, Klippen.
Fort ist das Wort; es wird sein Ziel erreichen.
Wie gerne fingst du’s ein, um es zu streichen,
das falsch Gesagte richtig umzutippen.

Der Worte Klang dringt tief in unsre Seele,
und sind sie sanft, ist’s wie ein zärtlich‘ Kosen,
schenkt Wärme, Licht, lässt hell erblühen Rosen.
Jedoch die harten, harschen, die Befehle,
sie schnüren zu, dem der sie hört, die Kehle,
und Traurigkeit lähmt nach dem Wüten,Tosen.

Wer dichtet, darf mit Wörtern, Klängen spielen,
zu Bildern sie verweben, Poesie
sie läutern und beleben, Phantasie
in weite Räume, Farben-Träume zielen,
in Rhythmen tanzen, jenen vielen,
die die Musik uns schenkt in Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Ruschas Geburtstag,29.10.

Am Tag Deiner Geburt war hier die Welt
von Herbstes Farben golden, warm erhellt,
als weise sie das Kind, das noch so klein,
schon darauf hin, ein Sonnenschein zu sein.

Das bist Du wohl von Anfang an gewesen,
voll Offenheit mit klugem, frohem Sinn,
ein Mensch voll Empathie, dein liebes Wesen
sich wendet stets zum Nächsten helfend hin.

Ich wünsche Dir zu Deinem Ehrentage
viel Freude, alles was Dir gut gefällt.
Gott segne, schütze Dich,halt fern die Plage
und schenke uns den Frieden in der Welt!

© Ingrid Herta Drewing,2015

Altersweisheit und Mut

Wer nahe an des Todes Schwelle steht,
der fürchtet Welt nicht, hat nichts zu verlieren,
benennt beherzt das Unrecht, und es geht
um Wahrheit ihm, kein Eigennutz wird führen.

Doch gibt es wohl auch jene Zeitgenossen,
die nichts und niemand mehr auf Erden rührt,
die meinen, wenn die eigne Zeit verflossen,
sei’s ihnen gleich, wohin hier alles führt.

Jedoch die Menschlichkeit und Empathie
gilt doch den meisten Alten hier als wert,
sie kämpfen mutig gegen Idiotie,
wenn sie politisch Achterbahnen fährt.

Sie nutzen Kraft und Wissen, ihr Erfahren,
um hier der Menschheit Leben zu bewahren.

© Ingrid Herta Drewing,2015