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Selbstzweifel

Wir zürnen uns, sind uns gar selber Feind,
verwerfen unser Ich, sein falsches Lallen,
das Schuld uns zeigt, anstatt, nun klar vereint,
zu finden, spiegeln unser Wohlgefallen-

So nimm dies kleine Ich in deinen Blick,
lass auch bei ihm ein wenig Nachsicht walten,
trägt es doch auch die Träume dir zurück,
versucht, sich selbst am Tage zu gestalten!

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Tragisch

Schuldlos schuldig! Dies Verstricken,
das den menschlichen Geschicken
treibt der Freiheit Freude aus,
wenn sodann mit klaren Blicken
deutlich wird des Handelns Graus.

In den Zwiespalt tief geraten,
Schuld beladen, seine Taten
sieht er als ein tragisch‘ Los;
ob’s der Nornen, Parzen Saaten,
heldenhaft erträgt er’s groß.

Die Staatsräson und Menschlichkeit,
sie haben sich schon oft entzweit.
Wohl dem, der muss entscheiden,
dass er von solcher Wahl befreit,
die niemals frei von Leiden.

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Schuld

„Vergib uns unsre Schuld!“, wir beten,
wohl wissend, dass wir hier im Leben
zu oft Gebote übertreten,
uns über And’re gern erheben,
ob dumm, ob schlau nach Falschem streben.

Wir sprechen uns recht schnell gern frei,
ERARE doch HUMANUM EST,
dass alles nur ein Irrtum sei,
man sich gar nichts gedacht dabei,
als Scherz das Übel gelten lässt.

Die Freiheit, die wir postulieren,
beanspruchen für unsren Lauf,
wir sehr leicht aus dem Blick verlieren,
will sie des Andern Recht berühren,
und Missachtung nimmt man in Kauf.

So Ich-bezogen, wie wir handeln,
erfordert’s Gnade und Geduld.
Ob wüst wir die Natur verschandeln,
uns maßlos hier mit Gier verbandeln,
geraten wir wohl stets in Schuld.

© Ingrid Herta Drewing,2018