Archive for the Category Natur

 
 

Malerin

Mutter Natur, du Malerin in Tönen,
des Lichts Gesang, auch im Vergehen,
lässt du hier täglich neu entstehen,
den Herbsttag zu verschönen.

Und zauberst so nuancenreich
die Fülle deiner Farbpalette,
von dunklem Grün bis Rosa, weich,
von Feuerrot bis Nebelbleich ,
und goldnen Glanz an Deiner Stätte.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Amberbaum

Andere Welt

War es ein Märchen, war’s ein Traum zugleich,
der mich entrückt‘, in eine andre Welt gehoben,
wo mir mein Leben licht, an Farben reich
geheimnisvoll erschien, ward neu verwoben?

Ich fand mich dort auf einer großen Wiese,
die eines dunklen Waldes Lichtung glich.
Ein Blumenleuchten in dem grünen Vliese
erstrahlte farbenfroh und inniglich.

Es lugten aus den Blüten kleine Wesen,
die sangen lieblich, zart im Sommerwind.
Vielleicht sind es die Elfen auch gewesen,
von denen man mir einst erzählt als Kind.

Ich lauschte, wie gebannt, den Melodien,
doch sie verstummten plötzlich mit dem Takt,
und jenseits dieser schönen Harmonien
erschallt‘ es laut, als würde Holz gehackt.

Und tosend dröhnten Sägen, heulend‘ Surren,
bis endlich dann der Höllenlärm erstarb,
und aus dem Walde drang ein wütend‘ Knurren,
als ob zur Jagd ein Wolf den andern warb.

Doch als vor Furcht ich mich verbergen wollte,
erschien die weiße Wölfin sanft im Licht,
die mir zunächst hier kaum Beachtung zollte.
Ich war erleichtert, dacht‘: „Sie sieht mich nicht.“

Da wandte sie sich um, trat auf mich zu
und sprach: „ Was suchst du hier in meiner Welt,
gehörst du auch zu jenen, die im Nu,
Natur zerstören, achtlos, Wald und Feld?

Bist du auch ein solch tückisch‘ dummes Wesen,
das auf der Erde frönt dem Plastikwahn,
der meiner Seegeschwister Tod gewesen,
weil Menschen Meer als Abfallgrube sah’n?

Ich hoffe nicht; ich sah, wie du die Blüten,
des Lebens Kinder, ließest ungepflückt,
als schätztest du ein zärtliches Behüten
und seist von ihrer Schönheit still entzückt.“

Betreten stand ich, wagte kaum zu sprechen,
gestand, dass ich auch Plastiktand erwarb,
weil sorglos ich verkannt‘, dass sich musst rächen,
wenn es als Müll den Lebensraum verdarb.

Die Wölfin, weise, wollte mich nicht strafen
(vielleicht hat meine Reue sie gerührt),
sprach: „Komm, die Blumen wollen schlafen!“
und hat mich in ihr Zauberreich geführt.

Dort sah ich Seen, wasserklar, auch Flüsse,
in unberührten Wäldern Pflanzen, grün,
als ob man gar nichts von uns Menschen wisse,
Natur sich üb‘ alleine im Erblüh’n.

Da sprach die Wölfin: „ Ja,so war ’s auf Erden,
so mancher nannte es ein Paradies,
bis unachtsam der Mensch mit seinen Herden,
das Land verschandelte, ein grau Verlies.

Ihr müsst euch ändern, so darf das nicht bleiben,
sonst folgt der Menschheit Tod bald auch dem Tier.
Natur lässt sich auf Dauer nicht vertreiben,
sie war und ist schon lange vor euch hier!“

Was ich noch sah, gehört, hab‘ ich vergessen,
wie’s oft geschieht nach einem langen Traum.
Doch eines weiß ich, falsch sind die Interessen,
die die Natur missachten, schätzen kaum!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing, 16.10.2018

Hummers Zeit und Leid

Tom Scherenlang, ein Hummer,
’ne kraftvoll große Nummer,
der lag allein im Meer.
Jedoch, er war kein Dummer
und wusste, dass nach Summer,
nun Zeit zur Paarung wär‘.

So suchte er ’ne Höhle,
er war ’ne treue Seele,
zur Zweisamkeit bereit.
Und ohne viel Genöle
ihm folgte Schön-Adele
als Braut im Hochzeitskleid.

Der Panzer war verschwunden,
sie hatte unumwunden
ihn vorher abgelegt,
damit für Liebesstunden
sie ward als weich empfunden,
von Tom nun sanft gehegt.

Zur Paarung so entbunden,
für etwa fünf Sekunden
sie lagen Bauch an Bauch.
Adele konnt ’s bekunden,
hat ’s Samenpack gefunden,
Nachwuchs sollt‘ kommen auch.

Als sie nicht mehr empfänglich,
ihr Panzerschutz zulänglich,
kroch Tom von diesem Ort
(wo er fast überschwänglich
die Scheren streckte länglich)
nach ein paar Wochen fort.

Er war kein Schuft, sein Gehen
war nicht ein Missverstehen,
nur der Natur Gesetz.
Adele, gut versehen,
zur Eibefruchtung stehen
sollt‘ sie ein Jahr lang jetzt.

Tom sah nie seine Erben,
weil er ein frühes Sterben
durch einen Fischer fand,
In dessen Hummerkörben,
wo er erneut wollt werben,
trug man ihn weg an Land.

Bös war’s dort im Gelände,
als eines Menschen Hände
ihn griffen hart am Kopf
und warfen ihn behände
in heiße Brüh‘, sein Ende
traf ihn im Suppentopf.

Ich kann das nicht vergessen,
werd‘ niemals Hummer essen,
wenn man dies‘ Tier so quält.
Und fühl‘ mich nicht vermessen,
wenn ich da froh, statt dessen,
bewundre seine Welt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Schattenspiel

Es spielt der Wind mit Blättern, Zweigen
der alten Esche vor dem Haus,
und Sonnenstrahlen Schatten zeigen
die sich abwechselnd heben, neigen.
Ein muntres Spiel wird so daraus.

Im Zimmer tanzt es auf den Wänden.
Wo sonst nur mattes Gelb besticht,
ein Reigen, der mit Blätterhänden,
so lieblich, sanft, er mag nicht enden
erblüht hier durch der Sonne Licht.

Und auf den Zweigen, eine Meise,
sie übernimmt den Solopart,
hüpft zierlich wie es ihre Weise,
von Ast zu Ästchen, putzt dann leise
sich ihr Gefieder rein und zart.

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Blauhäutig

Ist er auf Brautschau
zeigt sich schlau der Moorfrosch blau
zu Paarungszeiten.

Dieses Farbsignal
soll die Holde seiner Wahl
zur Paarung leiten.

Menschenmann, so blau,
würde selten einer Frau
Freude bereiten.

© Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay

Frühsommerträume

Ein sanfter Wind, ein Flüstern, leise,
das hier im Licht des Mittags singt,
als spiele Pan die leichte Weise,
die in den hohen Wipfeln schwingt.

Fast zeitlos, weiß zwei Wölkchen schweben
im blauen Himmelsmeer dahin,
als trügen sie zwei reine Leben,
ein zärtlich‘ Paar im Liebessinn.

Ich sitz‘ im Schatten alter Bäume,
genieß des Sommers weiten Blick,
zieh‘ sinnend mit, verwebe Träume
mit meinem irdischen Geschick.

Fühl‘ mich umarmt, es schenkt Natur
mir nun den Raum zum Innehalten,
und gerne folge ich der Spur
hin zu poetischem Gestalten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

EI

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Dem Leben stetig auf der Spur,
ob in den Wäldern, ob am Weiher,
ob warm im Nest, ob schleimig nur,
Verpackungskünstlerin Natur
reicht’s weiter dank der vielen Eier.

Sogar den Säugern einverleibt
hat sie die Eier als Geschenke;
ein Reservoir, das lange bleibt,
und stets eins zur Befruchtung treibt,
dass sich das Sperma drin versenke.

Das Ei, in seiner Form vollendet,
dort in der Hennen Brutgehege,
wird doch von Räubern gern entwendet.
Der Mensch, dem es gut Nahrung spendet,
hält sich gern Hühner für’s Gelege.

Symbol des Lebens ist das Ei.
An Ostern zeigt ’s im Frühlingsbeben,
dass es erneuert, frank und frei,
als ob dies Dasein ewig sei,
hier blühend darf zum Lichte streben.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Amsellied

Amsel efeuwand_o Kopie 2

Dort an der Busse Haltestelle,
wo der Verkehr braust laut, der schnelle,
entzückte mich ein süßer Klang.
Ich hört’ die Amsel jubilieren,
wohl über Lärm zu triumphieren,
mit ihrem wunderschönen Sang.

Vom Frühling gab die Amsel Kunde.
So hell vom Dach zur Abendstunde
drang lieblich ihre Melodie
als Freude mir in Sinn und Seele.
Ich fühlte, dass mir nun nichts fehle,
ein Augenblick voll Harmonie.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Februarmorgen

Version 2

Ein Wintermorgen, und erröten
wird nun der Horizont im Ost.
Sanft ging die Nacht und ließ den Nöten
des Tages nur noch wenig Frost.

Der Himmel spielt jetzt ins Türkise
klart auf, die Sonne hell erstrahlt,
und Raureif glänzt in Wald und Wiese,
von ihrem Lichte weiß bemalt.

Die Tauben plustern ihr Gefieder
und putzen sich hoch auf dem Dach,
wo Rauch in Pirouetten wieder
verrät, dass dort ein Mensch ist wach.

Zum Futterhäuschen fliegen Meisen,
possierlich sind sie anzuseh’n.
Ich steh‘ am Fenster, seh‘ dem leisen
Beginn des Tages zu, der schön.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Unwetter

Das Wetter spielt verrückt, so will’s mir scheinen.
Die USA erstarrt in Kälte, Schnee
auf Palmen, wo Subtropen sich vereinen,
herrscht nun Polarluft aus des Nordens Höh‘.

Bei uns ist’s milder, dennoch Stürme toben.
So aufgewühlt zerstört das Meer den Strand,
und Regenmassen stürzen sich von oben
herab, die Flüsse überfluten Land.

Das Wasser, das die Straßen, Keller flutet,
als braune Brühe löscht die Ufer aus
und sorgt dafür, dass man sich rettend sputet,
Geborgenheit herrscht so nicht mehr zu Haus.

Da heißt’s Land unter, doch kein Schiff darf fahren,
im Hafen liegen dicht an dicht sie fest.
Es wächst die Sehnsucht nach dem sonnenklaren
und hellen Morgen, der sie ziehen lässt.

Die Hoffnung, dass die fahlen, nassen Tage,
das Hochwasser in Bälde sind vorbei,
damit wir, unversehrt von jener Plage,
dem neuen Jahr begegnen wieder frei.

© Ingrid Herta Drewing, 2018