Archive for the Category Flora

 
 

Beim Anblick der Amaryllis

Vier Wochen lang den Blick bemüht,
ich wollt‘ dich wachsen sehen,
und heute bist du hell erglüht,
in rotem Glanze nun erblüht,
darfst strahlend aufrecht stehen.

Dein Leuchten passt gut zum Advent,
wenn wir uns hoffend freuen
auf den, der das Erlösen kennt,
der uns von Dunkelheit hier trennt.
Kein Tod-und Teufel-Scheuen!

Mir zeigt es auch, wie licht das Leben,
in jeder Zelle wirkend, schwingt.
Ein Nehmen und ein zärtlich Geben,
dies sanfte Wachsen, lind Verweben
mir tief in Sinn und Seele dringt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Im Park

November, der sonst trübt mit Nebeltagen,
mag heute hier in kühler Klarheit grüßen.
Ich freue mich, ein wohliges Behagen,
die Augenweide, die ich darf genießen.

Auf Herbstes Bühne lässt der Sonne Strahlen
die alte Eiche golden rot erglänzen,
sich in des Teiches Eishaut schimmernd malen
und so des Himmelsspiegels Blau ergänzen.

Der Rhododendron, der im Immergrünen,
weil winterhart, den Gegenpart will geben,
vermag fast als Kulisse nur zu dienen,
mir scheint ’s, als preise diese Eiche Leben.

Das Leben, das noch im Vergehen schwingt,
in seiner Schönheit alles hier durchdringt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbst im Nerotal

Bald ist er aller Blätter bar,
der Ahornbaum, der dort darf strahlen,
sich leuchtend in die Landschaft malen
vor einem Himmel hell und klar.

Wohl legt schon Spätherbst seine Spuren,
macht müd den Morgen, neblig, kalt,
schickt Stürme nun in Park und Wald,
und Laub welkt, säumt die feuchten Fluren.

Doch mögen auch die Blätter fallen,
uns bleibt noch dieses schöne Bild,
schenkt im Erinnern sich so mild,
wenn hier nur graue Nebel wallen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Nerotal

November-Überraschung

November, sonst so grimmig, grau,
zeigt heute sich fast frühlingsmild.
Die Sonne scheint, brilliert im Blau,
das Laub, der Bäume Farbenschau,
belebt der Landschaft herbstlich‘ Bild.

Zwar zog die Kranich-Schar vorbei
auf ihrem weiten Weg nach Süden,
jedoch der grüne Papagei
stiebt lautstark hier im Park, als sei
es Zeit für Frühlings Attitüden.

Die letzten Rosen, noch erblüht,
entfalten sich in goldnem Licht,
süß duftend, und ihr Blütenlied
erklingt, beglückt auch mein Gemüt,
obwohl Corona spricht: Verzicht!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Am Warmen Damm

Vor Spätherbst-Beginn

Des Herbstes letzte Farbgesänge,
ein Spiel in Garten, Park und Wald;
noch grüßen golden Weinberghänge
und Ahorns rote Laubgestalt.

Es tragen mittags helle Tage
der Bäume Leuchten in die Welt,
und nach der feuchten Nebelplage
der Landschaft Schönheit uns gefällt.

Lässt schon trotz Abschied, hoffen, träumen
von Neubeginn und prallem Leben,
wenn wir nach Winters stillen Räumen
in Frühlings Blütenrausch erbeben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbstmittag

Wie mild der Wind die Wipfel will bewegen,
wie friedlich still der Tag im Mittag lebt!
Nur seidenleicht ein feiner Blattgoldregen
in zartem Tanze aus den Bäumen schwebt!

Als ob Natur, hier feiernd, zelebriere
ein Abschiedsfest, das allem Schönen gilt,
sie sich noch einmal üppig nun erküre
die Farbenpracht, die licht die Landschaft füllt.

Sterntalermärchen, lind die Blätter schweben,
ich schau hinauf, als führ’ ich himmelwärts,
und fühle mich verzaubert, leicht mein Leben
an diesem himmelblauen Tag im Herbst.

© Foto u.Text/ Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm, Gingko

Aster Novae Angliae

Dein grünes Filigrangefieder
entfaltete sich lange Zeit,
und nun, da herbstlich grüßt das Jahr
bist du, noch grünend, wunderbar
zu erstem Blühen still bereit.

Ich stehe staunend hier
und frag’ mich immer wieder:
Was wirkt in dir?
Wer komponiert die Lieder,
die nun zur rechten Zeit,
da vieles schweigt, gesungen?
Wer hieß dich warten,
gab das Stichwort: Sei bereit
und schließt den Vorhang,
wenn der letzte Ton verklungen?

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Aster Novae Angligae

Dein grünes Filigrangefieder
entfaltete sich lange Zeit,
und nun, da herbstlich grüßt das Jahr
bist du, noch grünend, wunderbar
zu erstem Blühen still bereit.

Ich stehe staunend hier
und frag’ mich immer wieder:
Was wirkt in dir?
Wer komponiert die Lieder,
die nun zur rechten Zeit,
da vieles schweigt, gesungen?

Wer hieß dich warten,
gab das Stichwort: Sei bereit
und schließt den Vorhang,
wenn der letzte Ton verklungen?

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbstglück

Mein Rosenstock erwacht in neuer Blüte,
als ob statt Herbstbeginn nun Frühling wär‘.
Er schenkt dies Leuchten, Düfte süßer Güte
auf dem Balkon im hellen Lichte her.

Jetzt, da schon viele Vögel südwärts zogen
und Nebel morgens grau das Tal erfüllt,
folgt Flora strebend noch dem Sonnenbogen,
der hier den Wunsch nach Wärme mittags stillt.

Es ist, als schenke Herbst ein neues Leben,
das Laub in Büschen, Bäumen golden glüht;
da darf mein Blick sich freudig hier verweben,
von Farben trunken klingt dies Abschiedslied.

Des Phönix Sang folgt feurig die Natur;
wir ahnen schon im Welken Frühlings Spur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbstzeitlose

Als sei’st du Krokus‘ Schwester, Herbstzeitlose,
erscheinst du mir in deiner Zartgestalt
im feuchten Grün hier, einsam in der Pose,
jetzt, da im Herbst so dicht der Nebel wallt.

Im Frühjahr Krokus sich gesellig zeigt:
Die Grüppchen leuchten farbig hell im Licht.
Du stehst allein, kein Vogel singt, es schweigt
der großen Wiese Sommer-Summ-Gesicht.

Und dennoch lässt du hier das Leben sprechen,
reckst fliederfarben, lind den Kelch zur Höh‘,
bevor dich Frost und Raureif achtlos brechen,
schenkst du dies‘ Blütenlächeln, bannst das Weh.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
© Foto: Klaus Pompetzki