Archive for the Category Leid

 
 

Widerstand

Zum Gedenken derer, die versuchten am 20. Juli 1944 Nazi-Deutschland zu befreien.

W iderstehen, wenn die Macht
I hren Weg ins Böse wendet!
D as habt Ihr beherzt vollbracht,
E ures Lebens Mut vollendet!
R ichter nahmen Euch das Leben.
S churken fragen nicht nach Recht.
T error, Hetze war gegeben,
A hnend Volk spielt’ stumm den Knecht.
N ie soll wieder solche Bande
D eutschland zwingen, bringen Schande!

© Ingrid Herta Drewing

Zahnweh

Es hat der Schmerz sich eingenistet,
weicht hartnäckig nicht von der Stell.
Ich dachte, er sei überlistet,
als dort der Arzt den Zahn zog schnell.

Doch auf nostalgisch wilde Weise
hält sich noch immerfort das Weh.
Ich leide vor mich hin, hoff leise,
dass dieses Übel bald vergeh‘.

Die Woche ist bereits vergangen,
noch immer plagt’s, hat nichts gelernt;
als rief‘ der Nerv noch voll Verlangen
nach jenem Zahn, den man entfernt.

Der Kiefer mault, in meinem Munde
ist unheimlich ein Kampf entbrannt.
Es hält sich wehrhaft jene Wunde,
bringt schier um Schlaf mich und Verstand.

Wie schnell will da der Frohmut weichen,
wenn mich der Schmerz hat fest im Griff,
und ich muss matt und müde streichen
die Segel auf dem stolzen Schiff.

Drum werden Waffen aufgefahren
Amoxi 1000,Voltaren,
verschaffen mir den Kopf,den klaren,
damit ich täglich kann besteh’n.

Da mag ich schon ein Loblied singen
auf Medizin und Pharmazie,
die Hoffnung mir im Leiden bringen,
Weg aus der Schmerzen Infamie!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Anonym

Es hatten sich Verlorene gefunden,
der Zufall einte sie im Sog der Nacht.
Man fühlte sich für kurze Zeit verbunden,
bis tags das Wunder madig ward gemacht.

Das Licht entlarvte den Verfall, die Falten,
und was verheißungsvoll im Dunkel schien,
zerfiel wie Asche vor dem Auge, die Gestalten
entfernten sich, vorbei ihr Liebesglüh’n.

Im Großstadtdschungel mancher Metropole
verirren nächtens viele Menschen sich,
sie steigen ab, frönen dem Alkohole,
verlieren ihre Richtung, fast ihr Ich.

In Häuserfluchten anonym, allein,
gilt’s zu ertragen hier, einsam zu sein.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Unbegreiflich

Senryu zu Sylvia Magdalena Röhrls Bild

Pergamentverlies,
nach Hilfe sucht diese Hand
und greift ins Leere.

© Ingrid Herta Drewing,2016