Archive for the Category Mai

 
 

Maienlicht

Hell glänzen im Kastanienbaum
hier abertausend Lichter.
Die Kerzen, Frühlings Maientraum,
entfalten lächelnd, zart im Raum
weißrosa Blühgesichter.

Ein Leuchten, Grünen! Die Allee,
gesäumt von Bäumen, wirkt so licht,
führt lieblich hin zum kleinen See.
Leis weht ein Hauch von Blütenschnee
dem Tag ins sonnige Gesicht.

Jetzt zeigt sich werdend, neu das Leben,
schenkt Hoffen und Vertrauen.
Die Pflanzen sprießen und verweben
die goldnen Strahlen; Schwalben schweben
am Himmel hin im Blauen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Verregneter Mai

Die Regentropfen perlen an mein Fenster.
Ich schau hinaus und seh‘ kein Himmelblau,
im Mai kaum Sonne, nur der Wolken Grau;
als kämpfe Winter, schicke Nass-Gespenster,
zu wehren Frühlings milder Blütenschau.

Das trübt fast wie Corona hier das Leben.
Da kaum noch ein gesellig‘ Sein verbleibt,
nur virtuell es meinen Tag antreibt,
wenn ich mit Wort und Bild mich darf verweben
im Internet, wo man Gedichte schreibt.

Und dennoch mag ein Trost die Stimmung heben:
Der Regen füllt die Speicher auf im Land,
das Grundwasser, das durch der Dürre Tand
der letzten Sommer fehlte fast zum Leben,
als man statt Bächen, Flüssen oft nur Rinnsal fand.

Geduldig will ich auf den Juni hoffen,
dass durch das Impfen Sars 2 nicht mehr sei
für uns gefährlich; wir dann leben frei,
einander so begegnen froh und offen,
und Kummer,Trübsal endlich sind vorbei!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Bauernregel

„Ist der Mai recht heiß und trocken,
kriegt der Bauer kleine Brocken;
ist er aber feucht und kühl,
gibt es Frucht und Futter viel.“

Wäre ich ein Landwirt, Bauer,
so erfreut‘ ich mich am Schauer,
auch, dass es noch viel zu kühl,
stärkte nur mein Hochgefühl.

Doch zu Pfingsten stimmt ’s mich traurig,
kalt der Lenz und all zu schaurig,.
Und ich wünscht‘, das wär vorbei.
Sonnig zeige sich noch Mai!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Mai im Nerotal*

Das Tal ist hell ergrünt, des Frühlings Segen
wirkt üppig nun der Wiese Blütenbild.
Es spielt der Mai April, schickt Sonne, Regen,
der Pflanzen wachsen lässt, den Schwarzbach füllt.

Des Löwenzahnes goldne Sonnen strahlen,
ein kleiner Baum mit Blüten-Tüchern winkt,
als wolle er vor Gänseblümchen prahlen,
wenn dort im Gras auch seine Blüte blinkt.

Der Taschentuchbaum darf im Licht erglänzen,
im Park er wohl zu den Exoten zählt.
Natur vermag uns vieles zu kredenzen,
und ihre Schönheit eigne Wege wählt.

Ich seh ’s beglückt an diesem Tag im Mai
und fühle trotz Corona mich hier frei.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing

*Der Park im Nerotal wurde in den Jahren 1897 bis 1898
angelegt. Nach seiner Fertigstellung waren fast 6.000 Pflanzen aus vielen Ländern in der rund sechs Hektar großen Anlage zu finden.
„Verglichen mit anderen Anlagen verfügt das Nerotal über die größte Baumvielfalt.
Hier gedeihen unter anderem der Korkbaum, der Japanische Perlschnurbaum, der Gebirgsmammutbaum, die Chinesische Zaubernuss, der Amerikanische Zürgelbaum und der Taschentuchbaum“ („Stadtgrün in Wiesbaden“, Umwelt-und Kulturdezernat Wiesbaden)

Mai

Maien-Licht, ein sonnig Strahlen
lugt ins Fenster, küsst mich wach,
lässt den Frühlingstag schon prahlen,
warm sich in den Morgen malen;
herzt die Taube auf dem Dach.

Mich mag’s auch nach draußen ziehen
in den klaren, grünen Mai,
aus der Wohnung Enge fliehen
dorthin, wo die Bäume blühen,
mich lebendig fühlen, frei.

Und der Vögel helle Lieder,
Amsel-Solo-Melodie,
sie verzaubern mich nun wieder,
auch Lavendel, Veilchen, Flieder
schenken duftend Harmonie.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

April-Ende

April geht, zeigt uns unverhohlen
mit Blitzen, donnerndem Gebrüll,
dass er mit Wetter-Kapriolen
zum Abschied noch erschrecken will.

Nachdem der Lenz kurz reingeschaut,
Forsythien schenkte, Tulpen, Veilchen,
rief er den Winter noch mal laut
mit Frost zurück hier für ein Weilchen.

Die Vögel in den Nestern froren,
der Teich trug eine Haut aus Eis,
was Frühling farbig schon beschworen,
bedeckte Schnee mit Sternen weiß.

Warst gar ein launiger Gesell,
April, magst außer Landes ziehen,
damit der Mai wird nun recht schnell
uns grünen, sonnig hier erblühen.

Wir sehnen Wärme, Licht herbei,
und Hoffnung wartet vor den Toren,
dass bald Corona ist vorbei,
geimpft wir frei sind, wie erkoren!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Mai

Der Mai zeigt sich als kecker Wicht,
sprüht frech mit frischem Regen;
die Bäume duscht er im Gesicht,
zupft Blüten ab verwegen.

Doch hat er prächtig über Nacht
als Gärtner großer Güte
den grünen Glanz hervorgebracht
aus seiner Wundertüte.

Die Erde blütenreich geschmückt,
den Brautstrauß lieb gebunden.
Das Vogelvolk im Nestbau-Glück
hat singend sich gefunden.

Wir Menschen fühlen, leicht und frei,
auch uns lacht jetzt das Leben;
trotz Krise, Sorgeneinerlei
woll’n wir nur vorwärts streben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Nerotal

Maimorgen

Der Tagesmond am Himmel thront.
Die Sonne strahlt, und lichtes Blau,
so wolkenlos, fast ungewohnt,
beschirmt hier hell nun Tal und Au.

Auf dem Balkon in frischer Luft
begieße ich in aller Frühe
die Rose, atme ihren Duft
und hoffe, dass sie knospe, blühe.

Ein Maien-Tag so frühlingsmild,
wie ich ihn mir herbei gesehnt,
schenkt morgens schon ein schönes Bild,
Lenz lächelnd bei den Rosen lehnt.

© Foto u. Gedicht / Ingrid Herta Drewing,

Wetterwendischer Mai

Es spielt der Mai hier wohl April,
zeigt sich mit Wetterkapriolen,
recht kühl und nass, mal stürmisch, schrill,
als habe wer ihm unverhohlen
das milde Antlitz frech gestohlen.

Zwar prangt in Grün der Bäume Kleid,
benetzt von frischem Frühlingsregen,
jedoch der Blüten helle Zeit,
sie scheint vorbei, denn auf den Wegen
liegt abgepflückt der zarte Segen.

Der Juni wird es neu jetzt richten,
wenn er auf frühen Sommers Spur
erneut die Wiesen ruft, zu dichten
ihr Blumenlied; als Frohnatur
küsst er auch wach die Sonnenuhr.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Vor Sonnenaufgang

Wie ich sie liebe, diese Stille,
wenn Tag und Nacht einander grüßen,
bevor der Sonne goldne Fülle
sich strahlend wird ins Tal ergießen!

Ein Dämmern, zarter Wimpern-Schlag,
und sanft erblickt die kleine Welt
im Morgenlicht den jungen Tag.
Die Lerche singt, steigt hoch im Feld.

Schon bald erklingen tausend Stimmen
in einem hellen Jubelchor.
Das Leben will sich freudig trimmen
und steht erwartungsvoll am Tor.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal