Archive for September 2021

 
 

Herbstbeginn

Nun schließt der Sommer bald die hellen Augen
und bettet sich für lange Zeit zur Ruh’.
Der junge Herbst will als Ersatz uns taugen,
beeilt sich und läuft lachend auf uns zu.

Er ist bekannt als lustiger Geselle.
Den Kindern trägt er Drachen in den Wind.
Auch in den Gärten ist er gern zur Stelle,
küsst Astern wach, macht Früchte reif geschwind.

Lässt Sonnenlicht noch pralle Trauben herzen,
damit sie Süße bringen in den Wein;
ist heiter, aufgelegt zu flotten Scherzen,
ruft schalkhaft: “Fangt die Hüte wieder ein!“

In frischer Luft und hehr im Golde strahlend
zeigt er uns üppig seiner Blätter Pracht,
bevor er sie, mit roten Tönen malend,
zum Flammenkleid der Wirbelwinde macht.

Lasst gönnen uns dem Sommer diese Pause,
begrüßen wir die nächste Jahreszeit!
Wer froh nach vorn schaut, fühlt sich wohl zu Hause,
wenn auch einmal ein wildes Wetter graut.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Wilhelmstraße

Herbst

Des Sommers Träume,
goldene Lindenherzen,
Birken-Laub, seiden,
leuchten zum Abschied im Park,
bevor sie Nebel verhüllt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Die Kroko-Tasche

Unten, ganz hinten im Kleiderschrank
liegt sie verpackt, so mal eben,
seit meine Tante mir einst zum Dank
sie vor dem Tod hat gegeben.

Was damals galt als modisch und chic,
begehrt war von vielen Damen,
das wies ich für mich jedoch zurück,
wissend von tierischen Dramen.

Warum bewahr‘ ich sie dennoch auf,
die Tasche, die ich nie trage?
Lass‘ ich der Pietät ihren Lauf,
denk‘ an vergangene Tage?

Gedenk ich der Tante, die so lieb
zu mir ist immer gewesen;
Geschenk ihre Tasche, die mir blieb
von ihrem herzlichen Wesen?

Will ich vielleicht dem Opfer, Reptil,
Nachhaltigkeit nicht verwehren
und so posthum noch das Krokodil
in seiner Lederhaut ehren?

Doch kenn‘ ich leider nicht so genau
die Ursache der Marotte,
gesteh‘ den Sammlersinn auch als Frau,
mir und dem Leser zum Spotte.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Zwei Sonnenblumen, 2. Variante

Es stimmt: „Gut Ding will Weile haben.“
Hier wird ’s im Garten uns gezeigt.
Es grüßt mit ihren Blüten-Gaben,
verspätet zwar, doch reich verzweigt,
die große Blume nun in Güte,
die kleine, voreilig, verblühte.

Jetzt, da schon Nebelschleier hüllen
des Morgens Wald und Garten ein,
darf mittags strahlend sie erfüllen
ihr Los, ein Heliotrop zu sein,
und ruft die Bienen so zurück.
Mir schenkt bereits ihr Anblick Glück.

© Text: Ingrid Herta Drewing,

©  Foto: Laura Funk, meine jüngste Enkeltochter

Abend am Meer

Der Abend naht, die Sonne sinkt,
schenkt Horizont und Himmel Röte.
Ein Glutball, der im Meer ertrinkt,
dies‘ Feuerlied, das leuchtend klingt
zum Abschied, kennt hier keine Nöte.

Des Mondes Spiel mit den Gezeiten,
die Ebbe geht, es kommt die Flut;
das Meer, es tanzt, Schaumkronen gleiten,
und silbern, weiß darf sich ausbreiten
das weite Wasser vor der Glut.

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Foto: Dr. Eric Hildebrandt
An der Nordsee

Trüber Septembermorgen

Der Regen rinnt, ausdauernd nieselt
und netzt die Taube auf dem Dach.
Sie sitzt verschlafen, ist kaum wach,
putzt sich bedächtig und gemach.
Ein trüber Morgen, langsam rieselt
der Sand im Glas, der Sommer schwach.

Im Hof die Sonnenblumen stehen
mit nass zerzausten Köpfen da,
die ich noch gestern strahlen sah,
nicht ahnend, was zur Nacht geschah.
Auch Schönes bleibt nicht und muss gehen,
der Tod ist allem Leben nah.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Im Garten

Herbstanemone
belebt mit zarten Blüten
farbenfroh den Tag.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Am Meer

So blau der Himmel, und das Meer
sich weit zurückgezogen hat.
Bei Ebbe wirkt die Landschaft hehr,
endloser Strand und menschenleer;
nur eine Möwe sitzt im Watt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Ingmar Drewing

Elfter September

Schon 20 Jahre ist es her,
ein Tag der Trauer, folgenschwer;
hier brach manch‘ heile Welt entzwei,
und wir als Zeugen war’n dabei.

Ins strahlende Septemberblau
Twintowers, Wolkenkratzerbau
dort ragen mit rußigen Fahnen,
zwei Fackeln zum Himmel mahnen.

Entsetzen starrt aus allen Mienen,
gebannt seh’n wir zum Bildschirm hin,
betroffen folgend Zeilenschienen,
entschlüsseln wir der Worte Sinn.

Des Terroranschlags Todesspur,
zwei Jets als Bomben eingesetzt
von Islamisten, die hier stur
im Hass gemordet, aufgehetzt.

3000 Tote sind zu zählen,
und Tausende Verletzte quälen
sich lang noch, krank an Leib und Seel’;
so mancher, dem das Liebste fehl‘.

Gedenkt der Menschen, ihrer Namen,
die sinnlos hier zu Tode kamen,
auch derer, die hernach im Krieg
gefallen für erhofften Sieg!

Wo Hass und Dummheit sich verweben,
zerstören sie das Licht, das Leben.
Der Mensch, wenn er verweilt im Wahn,
bewegt sich auf des Todes Bahn.

© Ingrid Herta Drewing

Vogelschar

Im kleinen Garten
sucht eine Schar Sperlinge
gemeinsam Futter.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,