Unter Linden

Wie lieblich duften hier die Linden,
die golden, reich in Blüte stehen.
Mag nasenselig mich ergehen,
in der Allee mich gern einfinden.

Da möcht’ ich Hummel, Biene sein,
ganz tief in diese Blüten kriechen;
nicht für den Nektar, nein, nur riechen
ihr süß’ Parfüm im Sonnenschein!

Doch Labsal sind auch so die Bäume.
Die feuchte Luft nach Juniregen
trägt mild den Duft; der Linden Segen
schenkt schön der Stadt nun Sommerträume.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Die “ Griechische Kapelle“

(Russisch-Orthodoxe Kirche in Wiesbaden)

Noch mag die Stadt vom Sommer träumen.
Jedoch vor Himmels zartem Blau
lässt Sonne zwischen Tannenbäumen
erglänzen goldnen Kuppelbau.

Das Zeugnis einer großen Liebe,
die hier in hellem Licht besingt,
dass sie trotz bitt’ren Todes Trübe
auf ewig ihre Saiten schwingt.

Jelisaweta zu gedenken,
die neunzehnjährig schon verstarb,
als sie ihm wollt‘ ihr Kindchen schenken,
erbaut‘ der Herzog dieses Grab.

Dort auf dem Neroberg, erhaben,
erstrahlt Wiesbadens „ Taj Mahal“
und zeigt, dass reiner Liebe Gaben
bezwingen des Vergessens Wall.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,

Am Schwarzbach im Nerotal*

In lindem Grün gefiedert, Bäume leuchten;
der milde Frühlingstag, so licht, gefällt!
Es scheint, als hätt‘ ein Maler in die Feuchte
ein Aquarell gepinselt, zeige schön die Welt.

Und üppig quellen dottergelbe Blüten.
Dort an des Baches Rand sprießt Hahnenfuß,
wo auch Vergissmeinnicht weiß zu behüten,
ins Wasser blickend, Frühlings lieben Gruß.

Romantisch führen Historismus-Brücken,
kunstvolle Wege durch das Nerotal.
Der Schwarzbach speist zwei Teiche, lenkt die Blicke
zu alten Bäumen, artenreich an Zahl.

Du kannst noch heut‘, nach über hundert Jahren
die Einheit von Natur und Kunst erfahren.

© Foto u. Gedicht: Ingrid Herta Drewing,

*Der Park im Nerotal wurde in den Jahren 1897 bis 1898
angelegt. Nach seiner Fertigstellung waren fast 6.000 Pflanzen aus vielen Ländern in der rund sechs Hektar großen Anlage zu finden.
„Verglichen mit anderen Anlagen verfügt das Nerotal über die größte Baumvielfalt.
Hier gedeihen unter anderem der Korkbaum, der Japanische Perlschnurbaum, der Gebirgsmammutbaum, die Chinesische Zaubernuss, der Amerikanische Zürgelbaum und der Taschentuchbaum“ („Stadtgrün in Wiesbaden“,Umwelt-und Kulturdezernat Wiesbaden)

Forsythienflüstern

Schon schimmert ’s golden im Forsythienstrauch,
wo erste Blüten sich zum Lichte recken,
und bald wird sattes, gelbes Leuchten auch
die letzten Zweige gänzlich hier bedecken.

Wie kleine Sonnen werden sie erhellen
die Stadt, die sanft im Frühling aufgeblüht.
Sogar an grauen Tagen strahlen sie, bestellen,
dass trüber Wolken-Schmand vorüberzieht.

Und tief geborgen feiern dort im Nest,
die Amselpaare ihre Hochzeit wieder.
Nun stimmen sie uns ein auf’s Frühlingsfest
mit ihren Melodien. Liebeslieder.

© Foto u. Text:Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Wilhelmstraße

Frühlingshauch im Februar

Ein Frühlingshauch liegt auf der Stadt,
Blauhimmel und die Lüfte schwingen.
Kein Schneerest dort im Park, es hat
die Wiese Grün hervorzubringen.

Nilgänse watscheln hin zum Teich,
dort lässt ’s sich eisfrei sehr gut schwimmen
Die Weiden wachsen, Knospen reich,
zu Frühlings Blühen sich einstimmen.

Am Warmen Damm spazier‘ ich hier,
der Sonne Licht wärmt Seele, Sinn.
Die Zaubernuss in Blütenzier
lässt schwinden Winters Frust dahin.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Wintersonntagmorgen in Wiesbaden

Ein blauer Morgen steigt aus grauem Matt’,
und weckt die kleine Stadt, die regenmüde
noch gestern träumend sich verborgen hat
und sich nun freundlich zeigt in ihrer Güte.

Die goldnen Türme auf dem Berge leuchten;
das Denkmal einer Liebe, das schön spricht,
sich hell erhebt aus allem Nebelfeuchten,
die Stadt hier überstrahlt im Sonnenlicht.

Am Taunushang im Immergrün geborgen,
mit ihrer warmen Quellen sanftem Hauch
begrüßt Wiesbaden diesen kühlen Morgen.
In Pirouetten tanzt ein zarter Rauch.

Und rostrot ragt am Markt dort hoch empor
der Dom.Zu Orgelklang singt klar der Chor.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Griechische Kapelle,

Neujahr

Der Neujahrsmorgen grüßt in sanfter Stille.
Nach lautem Trubel der Silvesternacht
zeigt sich in Klarheit nun Vernunft und Wille
zum Neubeginn bereit, recht gut bedacht.

Was alles mag sich wohl zum Bessern wandeln?
Der Vorsatz lässt uns wirken darauf hin.
Es soll im neuen Jahr doch unser Handeln
stets folgen einem klar bestimmten Sinn.

Zwar wissen wir, dass vieles wird nur vage
entsprechen jenem hohen, hehren Ziel,
doch stellen wir die Absicht nicht in Frage
und frönen jedes Jahr dem gleichen Spiel.

Erneut uns tragen Zuversicht und Hoffen,
und wir, erfreut, wähnen die Türen offen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Am Warmen Damm

Grüne Weihnacht

Auch grüne Weihnacht birgt wohl Freude.
Der Schneeräumdienst, der hat nun frei.
Kein Mensch rutscht aus auf Glatteis heute,
und der Verkehr läuft einwandfrei.

Das Lied lässt von White Christmas träumen,
jetzt darf man länger schlafen, gerne,
muss nicht schon früh die Steige räumen.
Doch ich vermiss’ die weißen Sterne.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Vor dem Kurhaus in Wiesbaden

Zwei Tannenbäume, goldner Lichter Zier;
auch vor dem Kurhaus leuchtend hell erstrahlen
Römische Brunnen, deren Schalen hier
im Überborden Wasserspiele malen.

Nun, da geendet hat der Niesel-Regen,
erglüht im Dunkel dieses schöne Bild:
der Lichter Spiegeln auf den Wasserwegen
im Becken, das die Brunnen speist und füllt.

Und unaufhörlich Wasserschleier fallen,
was überreich wird, strömt zum nächsten Rund.
Ein Geben, Nehmen weilt und fließt, kristallen
erscheinend, dort hinab in seinen Grund.

Doch wie aus heimlich unsichtbarer Quelle
ist immer wieder Wasser neu zur Stelle.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Novembermorgen

November, die Nebel kreisen
noch über Garten und Haus,
tauschten mit Frost nachts die leisen
Raureif-Gespinste aus.

Auch dort im Park auf den Wiesen
schimmert ein eisiger Flaum,
bald mag die Sonne begrüßen
den Morgen, noch nistend im Baum.

Wiesbaden, Nerotal

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing