Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Ausgleich der Natur

„Das Jahr des Wassers“, jetzt fast Ironie!
Zu ungleich ist ’s verteilt auf dieser Erde:
In Wasserfluten sterben Mensch und Vieh,
woanders brennt ’s, lähmt Dürre Mensch und Herde.

Natur hat ihre eigenen Gesetze
Wir Menschen kommen uns zwar mächtig vor,
verfangen uns jedoch in unsrem Netze,
die Folge unsrer Fehler tritt hervor.

Wer Wälder abholzt, die das Wasser halten,
die Flüsse zwingt in ein Kanal-Korsett
und glaubt, er könne in den Auen walten,
auf lange Zeit dort siedeln ruhig und nett,

der hat vergessen, welche Kräfte hier
natürlich wirken weit auf dem Planeten.
Denn nur vermessen glauben wir,
wir könnten diese Schwelle übertreten.

Beenden sollten wir dies maßlos‘ Streben;
es gilt, vernünftig mit Natur zu leben!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Erinnern und Vergessen

Sie waschen sich die Asche aus den Haaren,
die sie sich öffentlich auf ’s Haupt gestreut,
zu zeigen, dass man falsche Tat zutiefst bereut,
doch auch um Schuld nicht länger zu bewahren.

Recht schnell füllt man den Tag mit Dur-Akkorden.
Das Leben muss ja weiter gehen, Kind!
Mit Leib und Leid und allen Tränen sind
sie so rhetorisch fertig flugs geworden.

Die Zeit hat Flügel, lässt sehr viel erfahren,
webt mit am Blanko-Buch und am Vergessen,
schreibt stets das Schöne auf, was man besessen.

Und dennoch gibt es Menschen, die nach Jahren
noch immer sich erinnern und bewahren,
was man an Leid ertragen, Schuld ermessen.

©  Ingrid Herta Drewing, 2021

Ach, Amanda, bleib auf der Veranda!

Wenn die ganze Welt in Nöten
durch die Covid-Pandemie,
sag‘, wie kann man mit so blöden
Weltverschwörungstheorien
hier im Land die Leut aufwiegeln?

Die dann, ohne sich zu zügeln,
folgen dieser falschen Spur,
wo die Rattenfänger bügeln
Fahnen eig’ner Diktatur,
die sie gern dem Staat andichten?

Der im Rahmen seiner Pflichten
doch versucht, mit Ordnung nur
sich nach Bürgers Wohl zu richten,
stets dem Virus auf der Spur,
will wehren so der Pandemie,
bewahren auch Demokratie

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Skizze: Ingmar Drewing

Meldungen

Tagtäglich geistern übern Bildschirm Zahlen
der Toten, Infizierten, Inzidenzen,
unsäglich wachsend, und in den Annalen
der Printmedien mag man das Leid ergänzen.

Ein Bild taucht auf aus meinen Kinderjahren,
als durch den Äther schwirrten viele Namen,
Such-Meldungen, Millionen es wohl waren,
vermisste Menschen, kläglich Nachkriegs-Dramen.

Doch was man da im Rundfunk konnte hören,
war letztlich doch von Zuversicht getragen;
das Hoffen ließ man sich wohl nicht zerstören,
bewegte Liebe doch das bange Fragen.

Und dennoch schwingt ein „Ausgeliefert-Sein“
wie damals so auch bei Corona mit.
Als kleiner Mensch bist machtlos du allein,
gemeinsam wagst du richtig wohl den Schritt.

Die Status-Meldung heute soll uns mahnen,
dass wir dem Virus wehren unbeirrt,
mit Masken, Tests, AHA-Regeln anbahnen,
dass wir nicht werden Covid-19-Wirt.

© Text: Ingrid Herta Drewing

Foto: Pixabay

Pandemie-Leugner

„Leerdenker-Demo“,
Verschwörungstheorien
Menschen im Angst-Wahn.

© IHD, 2021

Rücknahme einer angeordneten Maßnahme


(„Wer A gesagt hat, der muss nicht auch B sagen, wenn er erkannt hat,
dass A falsch war.“ Bert Brecht )

Einen Fehler zu beheben,
den man müd zur Nacht gemacht,
das gehört wohl auch zum Leben,
wenn ’s Entscheiden schlecht bedacht.

Solche nächtlichen Beschlüsse
lasse man in Zukunft sein,
denn zu häufig treffen Schüsse
’s Allgemeinwohl tief ins Bein!

© Text: Ingrid Herta Drewing.

Grafik: Ingmar Drewing

Gender-Sprach-Umtriebe

Beim Schreiben, Sprechen Sprache ändern,
verlangt es manche hier im Land.
Mit Sternchen hin zum Schluckauf-Gendern,
das Sagen auch in Fernseh-Sendern,
den Redefluss bremst aus wie Sand.

So murkst man rum am Plural-Nomen,
das stets doch Ganzes mitgedacht:
Bei „Einwohnern“ sind kaum Ikonen,
doch alle, die am Ort dort wohnen,
im Sprachgebrauch auch in Betracht.

Das treibt bizarre Wörterblüten
und macht uns unsre Sprache fremd.
Anstatt die Schönheit zu behüten,
verschandelt das und lässt ausbrüten,
was Denken, Sprechen dann nur hemmt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Dazwischen

Ein Mensch, ein Mensch,
ein Gegenstand,
ein andrer hält ihn
in der Hand.

Ein Mensch hält Menschen
an der Hand;
die Hand hält
einen Gegenstand.

Es stöhnt in einer Hand,
verbannt,
ein Mensch
nach Luft und Licht
und Raum.

Es lächelt, weint
ein Mensch
im Zaum.

© Bild u. Text: Ingrid Herta Drewing

Guter Vorsatz

Bist du ein fetter Vogel, träumst von Törtchen,
wenn man dir preist im Frühjahr die Diät.
Bist du gefrustet, glaubst davon kein Wörtchen,
wird die Diät für dich schnell obsolet.

© Text : Ingrid Herta Drewing
© Zeichnung: Ingmar Drewing

Wider den tierischen Ernst

Schön, solang es noch Gewitzel,
das pointiert wird vorgetragen;
doch missfällt mir ein Scharmützel,
wo man sich geht an den Kragen.

Wenn ein reimendes Gekritzel
dazu dient, nur anzuklagen,
aus dem Friedrich macht ein Fritzel,
ihn zählt zu den sieben Plagen.

Zu viel Salz würzt keine Suppe,
macht sie ungenießbar scharf.
Die Dosierung ist nicht schnuppe,
denn sie zählt wohl zum Bedarf.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing, 28.02.21