Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Laubbläserlos

Schön waren Zeiten noch gewesen,
als man sehr fleißig Müll und Staub
im Halbkreis fegte mit dem Besen,
beseitigte auch welkes Laub.

Doch irgendwer, mir nicht bekannt,
wahrscheinlich leerte viele Gläser
voll Alkohol und dann erfand
dies Ungetüm, den Laub-Weg-Bläser.

Beschaulichkeit auf dem Balkon
raubt dies Gerät, bereit zu stören.
Laut heult er auf, der erste Ton,
dann wirst du’s nur noch lärmen hören.

Du flüchtest schnell vor diesem Graus;
und auch die Amsel lässt das Singen.
Sie fliegt davon und sucht sich aus
den Ort, wo ihre Weisen klingen.

Ich bin dafür, dass dies Gerät
aus unserm Leben wird verbannt!
Wer Umwelt schützt, das Ding verschmäht
und nimmt den Besen in die Hand.

© Text u. Foto: Ingrid Herta Drewing

Tüffti, der Weltall-Bummler

Dort unweit von Andromeda,
da wohnte in M32
auf dem Planeten XXA
ein Raumschiff-Tüftler, der sehr fleißig.

Er wollte die Zwerggalaxie
verlassen, hoffte zu erkunden
die Milchstraße, die man noch nie
in all den Jahren konnt‘ umrunden.

Zur Galaxie, die reich besternt,
sollt‘ ihn recht flott sein Raumschiff tragen,
auch wenn das alles weit entfernt,
war er entschlossen, es zu wagen.

Mit Warp-Antrieb war er bereit
den Überlichtflug zu beginnen,
gezieltes Krümmen der Raumzeit
ließ die Entfernung schnell verrinnen.

In XXA man sich verstand
auf Elixiere, die das Leben,
verlängerten; es war bekannt,
dass sie zur Raumfahrt mitgegeben.

So kam es dann, dass Tüffti 8
gelandet ist, ohn‘ viel Beschwerden
in einer sternenklaren Nacht
auf einer Wiese hier auf Erden.

Mit Elixier ganz frisch gestärkt
ging er, die Luke hochzuheben,
um von Bewohnern unbemerkt
sich einzufädeln in ihr Leben.

Durch den Transmitter würd‘ es geh’n
sein Äußeres so anzupassen
den Wesen, die er sollte seh’n,
dass sie ihn nicht als Fremdling hassen.

Die Erdlinge, die er dort sah,
ein lautes Blöken gleich begannen.
Er stand wie sie in Wolle da
und wollte schleichen sich von dannen.

Doch da empfing ihn mit Gebell,
die Zähne fletschend wild ein Hund,
und er verwandelte sich schnell,
denn Schaf sein, schien ihm ungesund.

Der Schäfer, aus dem Schlaf geweckt,
kam schnell heraus, um nachzusehen,
was sein Hund Hasso hat entdeckt,
wer wollt‘ an seine Schafe gehen.

Und Tüffti, der sich vehement
begann auf ihn jetzt einzustellen,
verwandelte sich exzellent
ins Spiegelbildnis des Gesellen.

Doch hinterm Baum blieb er versteckt,
damit der Erdling ihn nicht fände;
Tüffti war richtig gut verdeckt,
als der rief: „ Hasso, mach‘ ein Ende!“

Der Schäfer sich zur Bettstatt trollt‘,
um schließlich doch noch einzuschlafen,;
der Hirtenhund, der Pflicht gezollt,
hielt wieder Wache bei den Schafen.

Und Tüffti nach dem ersten Frust
vermisste doch das Abenteuer,
ging nun zum Raumschiff, hatte Lust
auf andres und nahm auf das Steuer.

Die nächste Landung führte er
dann aus inmitten hoher Dünen.
Davor erstreckte sich ein Meer,
wie er es nie erschaut im Grünen.

Sein Raumschiff tarnte er mit Sand,
damit es keiner könnte finden,
begab sich darauf an den Strand,
die neue Landschaft zu ergründen.

Im Osten ging die Sonne auf,
erglänzte in der Morgenröte,
und Tüffti stoppte seinen Lauf,
zu schauen, was sich Schönes böte.

„Doch was ist das? Der Unrat quillt,
ihn tragen an den Strand die Wellen
zerstört wirkt dies idyllisch Bild,
durch Plastik-Tand an allen Stellen!

Wer mag das sein, der das verloren,
was hier verletzt die Harmonie?
Wer hat solch Chaos sich erkoren,
verursacht das in Idiotie?“

Er flog mit seinem Raumschiff fort
und landete im Herz der Tropen.
Gar seltsam schien ihm dieser Ort,
er sah zunächst nur Wald von oben.

Dort traf er Menschen, die fast bloß,
doch bunt bemalt, im Haar die Feder.
Schnell glich er sich dann ihnen an,
und freundlich lächelte ein jeder.

Doch sprachen sie von ihrer Not,
dass man die Waldheimat, die werte,
durch ein goldgierig Aufgebot
an vielen Orten schon zerstörte.

Auch stünde oft der Wald in Brand,
weil man für Viehzucht ihn will roden;
so mancher Stamm den Tod hier fand,
obwohl solch Massaker verboten.

Da Tüffti macht-und ratlos war,
zog er es vor, nach Haus zu flüchten,.
Um auf XXA, wenn er da
von diesem Leid dann zu berichten.

„Der Flug zur Erd’ist obsolet;
sie sind dabei, ’s ist zum Empören,
was durch Natur dort schön entsteht,
mutwillig, dumm ganz zu zerstören!“

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Skizze: Ingmar Drewing

Erdenleben

Das Wissen wächst und damit auch das Staunen,
wie dieses Leben hier darf wirken, werden,
wie aus dem Schwingen und dem leisen Raunen
ein Klingen im Crescendo wird auf Erden.

Die Fülle jener vielen Formen, Farben,
daran kein Auge sich kann sehen satt;
der Schönheit Schein beschenkt uns, lässt nicht darben,
obwohl Natur doch auch Gefahren hat.

Als Tanz auf dem Vulkan erscheint dies‘ Leben,
das auf den Platten einer dünnen Kruste weilt,
wenn dessen Grenzen zeigt der Erde Beben,
dem Hochmut trotzt, der uns so oft ereilt.

Wir Menschen, die noch kaum das Sein ermessen,
erliegen allzu leicht der Allmacht Wahn,
die uns lässt unsre Sterblichkeit vergessen,
weil wir uns schon als eigne Schöpfer sah’n.

Und oft zerstören wir das, was wir lieben,
der Arten Vielfalt wurde dezimiert,
weil wir verblendet uns im Großtun üben,
das Unrecht und Zerstörung stets gebiert.

Gemeinsam sollten wir hier Leben hegen,
anstatt in Krieg und Not uns zu verlieren!
Somit auch Fauna, Flora sorgsam pflegen,
nachhaltig unser Wirken, Walten führen!

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Wichtels Wunsch

Da bat mich doch ein Weihnachtswichtel
um Mitternacht mit viel Bedacht:
„Ach bitte, schreib mir ein Gedichtel,
so eines, das mir Freude macht!“

Ich war erstaunt, konnt‘ gar nichts sagen,
doch er hat weiter insistiert
und klagt‘, sie seien schon seit Tagen
von unsren Bräuchen sehr frustriert.

Was sie für manche Kinderzimmer
gebastelt übers Jahr so fein,
gefalle Buben, Mädchen nimmer,
es müsse was Modernes sein.

Computerspiele, Smartphone-Handy
von Apfel aus den USA,
das sei heut bei den Kindern trendy,
kaum Spielzeug, Werk der Wichtel Schar.

Kein heimeliges Festtags-Freuen
wie früher in Bescheidenheit,
man fröne dem Konsum, dem neuen,
der ganzjährig bestimm‘ die Zeit.

Zwar gebe es noch Rituale,
den Tannenkranz und die vier Kerzen,
auch Märchenfilme, Plätzchen-Schale
und Lieder viel, die geh’n zu Herzen.

Jedoch verliere sich im Trubel
von Vorweihnachts-Geschäftigkeit
der Anlass für den wahren Jubel,
der überdauert alle Zeit.

Was sollt‘ ich ihm zum Troste sagen,
ihn muntern auf durch ein Gedicht?
Es ging mir nah des Wichtes Klagen,
denn es war wohl wahr sein Bericht.

So schrieb ich ihm ein kleines Lied,
verbrämte gar des Winters Spur
und sang, romantisch im Gemüt,
von Schnee und Zauber der Natur.

© Foto u.Gedicht: Ingrid Herta Drewing

Michi-Murks

Maff murzelt Michi, plaff ploppt Plag,

Blinkwicken wurzeln Weben.

Top Tatzelwurm bekliffter Tag,

drohdunkel mallernd Michi mag

Mond murksend manch Maß heben.

© Ingrid Herta Drewing, 05.10.19

Wasser des Lebens

Wasser

sprudelt kühl
aus der Quelle,
rauscht im klaren Bach,
Leben

Leben,
der Fluss
strömt zum Meer,
trägt Schiffe zum Hafen,
Lasten

Lasten,
giftiges Altöl,
verklappt im Meer,
stummer Schrei der Fische,
Tod

Tod
des Wassers
Pflanzen,Tiere, Menschen
sterben durch eine maßlose
Habgier.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2010

Zeitreise

Zeitreisen sind, das stellt‘ man fest,
doch überaus gefährlich.
Wenn man sich darauf mal einlässt,
wird vieles unentbehrlich.

Denn manches wird so sehr vermisst,
weil man daran gewöhnt,
dass die Natur uns Labsal ist,
uns hier den Tag verschönt.

Der Wünsche drei, gewährt im Traum
von einer guten Fee,
die wurden wahr, sie glaubt es kaum,
fand wieder sich am See.

Die Schotten sprechen ja von Loch,
dort sollte Nessi sein.
Ein Saurier aus dem Wasser kroch,
und sie war ganz allein.

Das riesengroße, wilde Tier,
viel höher als ein Haus,
stand tatsächlich ganz nah vor ihr,
da nahm sie schnell Reißaus .

Sie rief die Fee und wünscht‘ sich weg,
sagt‘: „ Bitte, hol mich raus!
Bring mich zurück zum Heimatfleck,
2090 steig ich aus!“

Das war wohl mit Bedacht gewählt,
denn im realen Leben
war’n ihre Tage schon gezählt,
sie würd ’s da nicht mehr geben.

Sie fand sich im Museum wieder,
sah Schüler vor Vitrinen,
in welchen man Modelle sah
von Bäumen Sonn‘ beschienen.

Sie fragten, was das Grüne sei,
das hinterm Glas zu sehen.
Ihr Lehrer, der dort stand dabei,
gab ihnen zu verstehen:

„ Das nennt man Wald“, erklärte er,
„den hat es früher mal gegeben,
bevor der Klimawandel sehr
veränderte hier alles Leben.

Man wohnte damals nicht wie heut
in Höhlen tief verborgen.
Das Sonnenlicht ward nicht gescheut;
es gab kaum Hitze-Sorgen.

Mein Großvater hat mir erzählt,
wie er als Kind dort spielte,
die hohen Bäume ausgewählt,
sich wohl im Schatten fühlte.

Die Luft sei dort so mild und rein
und wohltuend gewesen,
man konnte dort so glücklich sein,
von Sorgen, Gram genesen.“

„Warum gibt es den Wald nicht mehr,
wer hat ihn denn zerstört?“
fragte ein Schüler, atmend schwer,
es schien, er war empört.

„Die Menschen haben das getan,
zu sorglos war ihr Ruh’n,
obwohl sie Wälder brennen sah’n,
war nachlässig ihr Tun.

Die Temp’ratur stieg weltweit an,
die Trockenheit nahm zu,
Unwetter traten auf den Plan,
das Klima kippt‘ im Nu.“

„Ist das der Grund, warum wir nun
in tiefen Höhlen leben?
Kann man denn wirklich gar nichts tun,
den Wald zurückzugeben?“

Sie sah den Lehrer ratlos dort,
drum bat sie schnell die Fee,
dass sie sie bringe heim sofort,
zu ihrer Zeit sie steh‘.

Sie traf dort froh auf Wald und Feld
und war sich sehr bewusst,
jetzt konnt‘ man retten noch die Welt,
verhindern den Verlust.

Sie könnte sich zusammentun
mit Menschen gleich gesinnt,
kein Klimamuffel sollte ruh’n,
sich ändern ganz geschwind.

Damit auch noch in ferner Zeit
es Wälder, Pflanzen, Tiere gebe,
und die Natur noch halt‘ bereit
den Menschen hier ein gutes Leben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2019

Loki in Midgard

Als treibe Loki hier in Yggdrasil
noch immerzu sein listig‘ Täuschungs-Spiel
wie einstmals, als er Hödur, einen Blinden,
heimtückisch tat in einen Mord einbinden,
ihm einen Mistelpfeil als Waffe übergab,
wodurch der Bruder, Lichtgott Balder, starb.
Jetzt, scheint es, Midgard wird zu Lokis Ziel.

Da lenkt er Menschen, die, wie er verschlagen,
sich an das irdisch Schöne, Gute wagen,
den Lebenraum, Tier, Pflanze wüst zerstören,
als würd‘ ihnen die ganze Welt gehören.
Sie scheuen Klima-Tod nicht, Welten-Brand,
vertreiben Mensch und Tier von ihrem Land.
Die Wälder brennen, Ruß verhindert’s Tagen.

Auch Lokis Tochter, Totengöttin Hel,
und Fenriswolf, sein Sohn, sind hier recht schnell.
Sie warten wohl mit ihm auf Midgards Ende.
Doch Nornen dort am Urd-Quell sind behände
dabei, das Werden weiterhin zu wahren,
auf dass auch noch in vielen tausend Jahren
in Yggdrasil das Leben sei zur Stell.

© Ingrid Herta Drewing,30.08.19

Friedenstaube

Es träumte einst die Friedenstaube,
als sie flog müde vor sich hin,
dass sich der Friede aus dem Staube
erhebe und als neuer Glaube
in Menschenhirnen fände Sinn.

Dass keiner mehr dem andern neide
das, was er liebt, was ihm gehört,
man gütig, freundlich, fern dem Leide
dem Nächsten helfe, ihn begleite,
gemeinsam lebend unbeschwert.

Doch es erstarb ihr stilles Hoffen,
verwelkt war der Olivenzweig.
Sie ward von einem Schuss getroffen
und stürzte ab, noch Flügel offen;
es fand ihr Traum ein dunkles Grab.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Gestörte Idylle

Den Sommerabend mag ich und den Morgen,
den Mittag, wenn im Schatten, Wind bewegt,
mich leicht, in einem Liegestuhl geborgen,
ein Lüftchen zärtlich beim Ermatten hegt.

Da ist es mir, als stünde still die Zeit,
gewähre lächelnd nun dem Frieden Räume
hier, wo der Garten grüßt im Hoffnungskleid,
das Leben träumt in sommergrünen Bäumen.

Doch dann wird die Beschaulichkeit gestört.
Ein Flugzeug donnert lärmend durch die Lüfte,
und eine Zeit lang wird sein Grummeln noch gehört;
es zeigen laut sich der Moderne Grüfte.

Bequemes Leben fordert den Tribut;
wir alle zahlen ihn, manchmal in Wut.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,