Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Faule Eier im Nest

Es lässt sich so leicht mit den Wölfen heulen,
erst recht, wenn der Impetus gut!
Wie schnell kriegen Schädel und Sprache Beulen,
wenn Massen skandieren die Wut.

Selbst dort im Konzert, das dagegen rockte,
war nicht nur Integres dabei,
was manche Band an Texten verzockte,
entsprach nicht GG Artikel 2.

Denn wer da brutal mit Worten will zielen
auf Menschen, gewaltsam, verroht,
der mag zwar den Beat und Sound noch schön spielen,
doch ruft er herbei neue Not.

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Umwidmung

„Da wendet sich der Gast mit Grausen!“
Hier, wo sonst schön die Künste hausen,
soll der Konsum nun ganz profan
ergreifen eine neue Bahn?

Provokation, wir soll’n verstehen,
so könnt man ’s eines Tages sehen.
Denn, wenn die Kunst uns nichts mehr wert,
man schnöd‘ mit ihrem Haus verfährt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Trockener Sommer

Es mag der Sommer hier so licht uns grüßen,
die Sonne strahlt aus zartem Himmelblau
und trinkt den Tau, der glitzernd auf den Wiesen
dem jungen Tag zart schenkte kühle Schau.

Doch jene Schönheit trügt, es fehlt der Regen,
der die versengten Wälder neu erfrischt,
Staubteufel tanzen auf den Wanderwegen,
der Pflanzen Grünen scheint wie weggewischt.

Zu trocken ist es, und in Baches Mitte
ein Rinnsal nur, wo er sonst rauschend floss,
zu lange zählt schon Trockenheit die Schritte,
sie folgte seit April der Sonne Tross.

Vertrocknet, keine Ernte auf den Feldern.
Dem Vieh fehlt Futter, denn es gibt kaum Heu,
auch darbt das Wild in ausgedörrten Wäldern,
sucht Hilfe und verliert fast seine Scheu.

Und andern Orts ertrinkt in Regenfluten
das Land; in Indien wütet der Monsun.
Der Klimawandel zeigt, man muss sich sputen,
kann nicht mehr sorglos und bequem ausruh’n,
sondern muss endlich nun das Rechte tun!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Gestörte Idylle

Den Sommerabend mag ich und den Morgen,
den Mittag, wenn im Schatten, Wind bewegt,
mich leicht, in einem Liegestuhl geborgen,
ein Lüftchen zärtlich beim Ermatten hegt.

Da ist es mir, als stünde still die Zeit,
gewähre lächelnd nun dem Frieden Räume
hier, wo der Garten grüßt im Hoffnungskleid,
das Leben träumt, die sommergrünen Bäume.

Doch dann wird die Beschaulichkeit gestört.
Ein Flugzeug donnert lärmend durch die Lüfte,
und eine Zeit lang wird sein Grummeln noch gehört;
es zeigen laut sich der Moderne Grüfte.

Bequemes Leben fordert den Tribut;
wir alle zahlen ihn, manchmal mit Wut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Kurpark,“Flötenspieler“, 1965, Walter Wadephul

Langer, zu heißer Sommer 2018

Von schönem Sommer mag man kaum mehr hören,
von wolkenlosem Himmel, strahlend blau.
Weil Trockenheit nur Dürre kann beschwören,
und Hitze, Feuer jetzt viel Land verheeren,
ersehnen wir des Regens nasse Schau.

Bis zum Polarkreis reicht der Hitze Glut,
die Brände, Südeuropa wohl bekannt,
entfachen auch in Schweden Feuerwut,
in Norrlands Wäldern tobt die rote Flut,
zerstört dort große Flächen unverwandt.

Auch hier bei uns in Seen, Flüssen, Bächen
sinkt täglich sichtbar jetzt der Wasserstand,
was unverzichtbar, schwindet; unsre Schwächen
und Fehler mag Natur, sich ändernd, rächen,
es welkt, was grünend, blühend, reifend stand.

Wer da verweilt in jenem falschen Glauben,
dass „Klimawandel“ Wahn sei, obsolet,
die Warnungen missachtet, ruht im Tauben,
dem müsst‘ doch Hitze Illusionen rauben,
dass alles noch gemäßigt weiter geht.

© Text:Ingrid Herta Drewing,2018
© Foto: Pixabay

Sonnenblumen

Nun grüßen hier die Sonnenblumen,
die leuchtend gelb in Blüte stehen
in Reih und Glied, die große Muhme,
wie sie gewandt zum Lichte sehen.

Auf Südens Feldern Myriaden
in hellem Glanz, ein golden Meer,
als habe Sommer eingeladen
ihn jetzt zu preisen hoch und hehr.

Doch was allein beherrscht die Fluren,
ermüdet irgendwann den Blick,
der dieses Mono der Kulturen
als unnatürlich weist zurück.

© Text: Ingrid Herta Drewing,2018
Foto: Pixabay

Wasserstand

Es sind die Seen, Ströme, Bäche, Flüsse
des Lebens Wasseradern; den Verlauf,
ob mäandrierend, stürzend tief in Güssen,
den nehmen Menschen, meist als Wollen,Müssen,
wenn sie dort siedeln, damit dann in Kauf.

Euphrat und Tigris, auch die Niloase,
sie luden früh zum Sesshaft-Werden ein,
weil sie der Erde Fruchtbarkeit bescherten.
Und,wo die Siedler neues Land begehrten,
da hatten Wasserstellen auch zu sein.

Die Flüsse wurden bald zu Wasserstraßen.
Wo unwegsam Gelände sich befand,
gelangten Menschen, die in Booten saßen,
sich tüchtig mit der Strömung Kräfte maßen,
flussabwärts-aufwärts weit hinein ins Land.

Heut glaubt der Mensch, es sei ihm wohl gelungen,
weil Lauf begradigt, Böschung betoniert,
durch Dämme habe er den Fluss bezwungen,
was er sich seit Jahrhunderten bedungen,
dass ihn Gewalt des Wassers nicht brüskiert.

Doch wird er jetzt bereits seit vielen Jahren
durch Unwetter des Besseren belehrt,
wenn Hochwasser sich überflutend scharen,
wo sonst nur kleine Bäche, Flüsschen waren,
sogar der Strom sein altes Bett begehrt.

Und andernorts lässt Regen auf sich warten,
durch Hitze, Trockenheit der Boden reißt.
Die Wüste wächst, Oase, einst ein Garten,
ein Hort für vieler Pflanzen, Tiere Arten,
verkümmert, weil den Fluss kein Wasser speist.

Wie’s scheint, bestraft Natur den falschen Handel
des Menschen, der zu oft nur beutet aus,
sich kaum hier scheren mag um Klimawandel,
auch die Mandorla schmäht, nur kennt die Mandel,
die ihm beschert der Baum vor eignem Haus.

Doch Wasser ist auf Erden Lebens Quelle,
die es erblühen, reifen lässt und wiegt.
Drum zieht es Tier und Mensch an seine Schwelle;
sein Nass verheißt ihm grünen Wachstums Stelle.
Zur Wüste wird die Welt, wo es versiegt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Kommentar-Gedicht zu Hans-Dieters Ode auf den Grünkohl in seinem Garten

Es gilt Grünkohl im Gehege,
den im Garten er gepflanzt,
nun Hans-Dieters Sorge, Pflege,
wenn er um die Beete tanzt.

Auch um Kohl gab’s viel Gewese,
seinerzeit im Kabinett,
doch grün war der nie, man lese,
schwarz er sich entwickelt hätt‘.

Das Europa-Pflänzchen hüten,
war ihm damals auch Plaisir;
heut‘ gleicht’s oftmals Luft in Tüten,
denn es fehlen Gärtner hier.

Sollten von Hans-Dieter lernen,
wie man zarte Pflänzchen pflegt
und all Unbill dort entfernen,
wo man Recht beugt, Argwohn hegt!

© Ingrid Herta Drewing,2018

Vor dem Exit

Der längste Tag des Jahres ging vorüber,
sechs seiner Monate sind fast vorbei.
Doch vieles braucht noch einen Nasenstüber,
steht so erstarrt, als ob noch Winter sei.

Zwar singt man ab und an hier Schillers Ode,
der Neunten Schlusschor rückt ins lichte Bild,
doch nähen leichtfertig an neuer Mode
die, denen nationaler Stoff nur gilt.

Der Traum von der EU, in Gänze groß,
steht auf dem Prüfstand, stellt sich bloß,
sollt‘ doch global den Frieden mit erhalten.

Doch Ohnmacht nährt hier schwankende Gestalten,
die nur noch auf den eignen Nabel schauen,
so nicht mehr auf Europas Zukunft bauen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Aufruf

Ach, all dies Reden, wirkungsloses Worten!
Doch tatenloses Schweigen mag nicht sein,
wenn sich bei uns und auch an andern Orten
das Unheil drohend gräbt ins Dasein ein.

Da muss die Stimme warnend sich erheben,
auch wenn sie, arg ermüdet, traurig spricht,
von dem, was wir verloren schon an Leben
und, was nun noch zu schützen,unsre Pflicht.

Lasst uns bewahren dieser Schöpfung Arten!
Die Schönheit dieser Erde, die im Licht
sich zeigt hier paradiesisch uns als Garten,
den die Natur bestellt, vielfältig, dicht !

Dies Kleinod gilt ’s zu hegen und zu pflegen,
geliehen uns auf Zeit, da wir zugegen!

© Bild u.Text / Ingrid Herta Drewing,2018