Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Sängers Wunschlied

Version 2Nein, nicht nur zürnen und klagen,
dass alles Übel der Welt
trübe den Sinn, da Verzagen
Gutes scheint gar zu versagen,
Böses sich Bösem gesellt!

Nein, mich soll dies nicht bezwingen,
was sich gewaltvoll gefällt,
Leid, Krieg und Tod will bedingen,
Weltuntergangsstimmung bringen,
die alles Schöne entstellt!

Will singen sanft von Behüten,
auch jenen Wundern, die hier
wissen um Liebe und Güte,
Werden und Reifen der Blüte,
entstehenden Wegen zum Wir!

Und noch im Dämmern erfahren
dies Hoffen, das Morgenrot,
sehen,wie Licht wächst zum klaren
Tagen des Menschseins,dem wahren
Leben, von Liebe umloht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Dichte

Nicht nur an Autorentafeln
findet man den Hang zum Schwafeln.
Wo mit Worten man besticht,
werbewirksam was auftischt,
mag man wörtlich gern jonglieren,
und geschickt manipulieren,
sich so flugs in Szene setzen,
auch im Internet vernetzen,
ob mit Schlagwort, mit Bericht.
Nur der Dichter im Gedicht
lasse sich von Dichte leiten.
Will er Bilder, Klang ausbreiten,
frage Muse ihn beizeiten,
ob das Poesie entspricht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Fensterplatz

Und täglich sitzt sie dort.
Am Fenster liegt ihr Kissen.
Wer kommt und wer geht fort?
Die Neugier wird zum Sport
und wehrt dem Ungewissen.

Es wird zur Obsession,
mit Blicken zu begleiten
der Nachbarn Tochter, Sohn,
die Jagd nach Sensation
scheint Spaß ihr zu bereiten.

Und was sie so erspäht,
erzählt sie, wichtig, weiter,
sorgt so von früh bis spät
für Tratsch, der Übel sät,
Gerüchte als Begleiter.

„ Die trifft sich oft mit dem,
ist sicher fremdgegangen
Es hat, ja,trau,schau,wem,
der Neue da zudem
mit Karl was angefangen.“

Wie kalt muss Dasein sein,
wenn man sein halbes Leben
sich so macht nur gemein
und letztlich sitzt allein
als Spinne in den Weben?

© Ingrid Herta Drewing,2017

Kunst

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Das ist Kunst.Dies Etikett
zeigt nur eine vage Sicht,
wie man etwas findet nett,
was den eignen Sinn anspricht.

Kritiker, die zum Behuf
solche Etiketten kleben,
zeigen kritisch im Beruf
was zur Kunst sich darf erheben.

Auch wird gern durch Marketing
vieles schnell als Kunst kredenzt,
was, im besten Seller-Swing,
hochgejubelt kurz nur glänzt.

Doch, wer malt und komponiert,
sich verschrieben dem Gedicht,
fühlt sich kaum davon berührt,
denn er braucht solch Schein-Sein nicht.

Kunst trägt ihren Wert in sich,
lässt den Schaffenden vergessen
Zeit und Raum, er ruht in sich,
kann’s nur kreativ ermessen.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Hasenpanier

Klein Hase nah dem Rapsfeld saß
und starrte vor sich hin
ins helle Feld, und seiner Nas‘
erschien dies nur als falscher Fraß
mit wenig Lustgewinn.

All überall war überm Land
die gelb‘ Sucht ausgebrochen.
Wo man sonst Kohl und Möhren fand,
wuchs nur noch dieser grelle Tand.
Von Flucht ward da gesprochen.

Versammelt saßen sie am Rain
zur Nacht,die alten Hasen,
und fragten sich, wie das könnt‘ sein,
dass nun die Menschen,so gemein,
die Hasen ganz vergaßen.

Der Mensch, der sei wohl recht verwirrt.
Die Monokultur-Felder
dies zeigten, dass er falscher Wirt;
im Fortschrittswahn sich hab‘ verirrt,
vernichte auch die Wälder.

Die Luft er außerdem verpeste,
nicht nur auf Autobahnen,
denn Stickoxide, üble Reste,
und CO2 verseuchten Feste
des Klimas, Wandel reiße Fahnen.

Man müsse hier auf’s Schlimmste hoffen,
dass es dem Menschen gehe schlecht,
denn nur, wenn er sich seh‘ betroffen,
halte er seine Augen offen,
bemerke, was ist gut und recht.

So sagten es die alten Hasen
und zogen fort mit Häsin, Kind,
um anderswo beruhigt zu grasen,
in Feldern,Wiesen, grünem Rasen.
Doch weiß ich nicht, wo man’s noch find’t.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Weltfremd

Jetzt reibt man sich verdutzt die Augenlider,
empfindet seine Welt als fremden Stern.
War hier nicht jüngst noch alles brav und bieder,
als froh man sang des Friedens helle Lieder?
Auch Angst und Terror wähnten wir doch fern.

Von jenem Schmetterling, dem Flügelschlag,
der vieles wandelt, in Bewegung setzt,
war uns bekannt, dass so auch unser Tag
sich kann verändern, und nur Mühe, Plag
entwirren Fäden, die so fest vernetzt.

War man doch gar so sicher eingesponnen,
Kokon, der trägt und trügt; Geborgenheit
wird nicht geschenkt, nicht untätig gewonnen.
Was heut noch hält, ist morgen schon zerronnen.
Den Durchblick gilt’s zu finden, sehen weit!

Da reicht es nicht, nun alles auszusitzen,
von Fall zu Fall taktierend, wenn im Licht
der Meinungsmacher neue Feuer blitzen,
und polternd falsche Herren Hass ausschwitzen,
Es braucht Visionen, und Vernunft ist Pflicht!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Heißer Frühling

Als wolle uns der Frühling nun entgleiten,
hat hitzig sich schon Sommer eingestellt.
Es mischen sich so wirr die Jahreszeiten,
befremdlich hier in unsrer kleinen Welt.

Der Klimawandel zeigt sich unbestritten,
und Permafrost gar in den Alpen taut.
Auch dort,wo sonst ins Tal die Gletscher glitten,
hat Trockenheit Geröllhalden gebaut.

Die Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen
davor, was falsches Handeln richtet an,
doch lässt der Mensch im Alltag sich umgarnen
von dem, was ihm Bequemes schaffen kann.

Da braucht es Weitblick, einen starken Willen,
dass wir das, was uns droht, noch halten auf.
Natur kann ohne uns sich neu erfüllen,
nimmt fühllos unsren Untergang in Kauf.

Es wäre an der Zeit, jetzt aufzuwachen,
zu lösen sich von jenem Wachtumswahn,
der, Ausbeutung und Gier in seinem Rachen,
uns wirft heraus aus unsres Lebens Bahn!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Gegen den Krieg

Krieg,2014

Die Frühlingswelt erwacht zu neuem Leben,
doch ist das Glück getrübt, das mich erfüllt.
Des Hochmuts Fratze zeigt ein schändlich‘ Streben,
und sorgenvoll spür ich dies ferne Beben,
Schein-Empathie als Willkür sich enthüllt.

Wie leicht kann doch ein Funke da entzünden
ein Feuer, das dann setzt die Welt in Brand,
lässt unsre Friedenszeit in Kriege münden,
verstrickt uns wieder in die alten Sünden,
die wir noch unlängst hielten für gebannt.

Lasst Worte sprechen und die Waffen schweigen!
Beendet die Verheerung durch den Krieg!
Vernunft euch leite, Klarheit möge zeigen,
das hier das Recht noch ist der Menschheit eigen!
Dem Leben gelte friedfertig der Sieg!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Viel Lärm um Nichts?

Singst du jetzt noch diese Ode
auf der Wüste Trampeltier,
wie es manchem dünkt als Mode,
dem gefällt bizarre Zier,
ist es andern doch schon klar,
dass auch dies bald Episode,
gar Fata Morgana war.

© Ingrid Herta Drewing

Das alte LIed

Wer singt hier,hat gesungen
das alte falsche Lied
und hat sich ausbedungen,
dass nun auch noch den Jungen
blauäugig Unheil blüht?

Die Marsch- und Kampfgesänge
nun wieder aufpoliert,
wenn völkisch man die Enge,
die nationalen Zwänge
allseitig postuliert.

Sie wachsen wie die Pilze
auch in Europas Wald,
verflechten sich im Filze;
ihr Populist-Gesülze
kennt Fakten nicht,noch Halt.

Schon mehren die Despoten
die Pfründen, drauf bedacht,
entschlossen auszubooten
die Freiheit der Bedrohten,
zu sichern eigne Macht.

Ach wär’s doch nur Theater,
dies Drama obsolet!
Ein Jago als Berater,
ein Bann on smoky water
doch unsrer Welt nicht steht.

© Ingrid Herta Drewing,2017