Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Seltsames

Die Kehrmaschine am Morgen

Laut ratscht durch unsre Straßen
so ’ne Maschin‘, sie kehrt
ganz eifrig über Maßen
den Dreck weg, unbeschwert.

Doch parken auch zwei Reihen
von Autos, dicht am Rand,
die dort dann flugs verleihen
Versteck dem Staub und Tand.

Plastik-Verpackungen

In manchen Läden, seh ich’s, stutz,
da liegt in dünnen Plastikhüllen
so manche Frucht verpackt , ein Schutz,
den ihre Schalen schon erfüllen.

Auf dass es sei auch recht bequem,
reicht man in Plastik-Klarsicht Stücke
an Obst, zerkleinert, angenehm.
Da fand wohl wer im Markt die Lücke.

Ignoranz

Schreck Schlau, der fuhr nach Lima,
ins Andenland Peru,
fand angenehm das Klima
und schloss daraus im Nu:

Das Wort vom Klimawandel
sei gar nicht angebracht,
das hätten sich als Handel
die Grünen ausgedacht.

© Ingrid Herta Drewing, 20.05.19

Feigenblatt-Tage

Der Tag des Kindes, Tag des Kusses,
der Tag der Arbeit, Muttertag
birgt oft den Anlass des Verdrusses
für den, der solchen Schein nicht mag.

Was man im Jahr zu wenig schätzt,
wird einmal kurz ins Bild gehoben
und wiederum in Schlaf versetzt,
Dornröschens Fluch, nur mild verwoben.

Genötigt fühlen sich da viele:
„Oh, Gott, es ist ja Muttertag!
Noch schnell paar Blümchen für Cäcilie,
weil sie uns heut’ erwarten mag!“

Kurz der Besuch bei den Senioren.
Das Heim wird heut’ zum Blumenhaus;
doch manche Mutter schaut verloren
dort aus dem kleinen Fenster raus.

Wir haben uns so eingerichtet,
dass uns die Zeit zu lieben fehlt,
gehetzt, verplant; so wird vernichtet,
was wesentlich zum Menschsein zählt.

© Ingrid Herta Drewing,

Gebirgswald, andere Version

Es liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
vor dieser schroff in Höhen strebt
und felsig mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.

Das Panorama allenthalben
zeigt majestätisch schön die Alpen
mit Felsen, Almen, Tannen, Fichten,
mit einem Bach, der sprudelnd fließt

durch Farn und Moos und Nadelschichten;
der Wanderer im Wald genießt,
wenn er bei Aufstieg und Ermatten
zu Kräften kommt in Licht und Schatten.

Als Bannwald schützt er vor Lawinen,
Gefahr, die an den Hängen droht –
die übergroß wird, wenn wir ihnen
die Schneisen schlagen ohne Not,

weil wir für Wintersport uns rüsten,
dort roden Wald für neue Pisten,
zu fördern den Tourismus pur,
und wollen so die Wirtschaft würzen,

bis Regen rauscht in glatter Spur
und donnernd Muren talwärts stürzen,
kein Baum mehr kann den Boden halten,
die rutschend, rollenden Gewalten.

Noch liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
vor dieser schroff in Höhen strebt
und felsig mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.

Dass wir nicht finden allenthalben,
die Landschaft nur noch in den Alben!

© Ingrid Herta Drewing und Rainer Doering, Mai 2019

Gebirgswald

Es liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
der felsig schroff in Höhen strebt
und gipfelnd mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.
Das Panorama allenthalben
zeigt majestätisch schön die Alpen.

Der Wald wirkt dunkel, seine Fichten,
die nur ein Wildbach rasch durchfließt,
sich immergrün zur Sonne richten.
Der Wanderer beglückt, genießt,
dass er beim Aufstieg nun im Schatten
darf ruhen, wehren dem Ermatten.

Als Bannwald schützt er vor Lawinen,
wenn’s Dorf im Winter liegt bedroht.
Weh denen, die leichtfertig ihnen
die Schneisen schlagen ohne Not,
weil für den Wintersport sie rüsten,
dort roden Wald für neue Pisten!

Wer glaubt, die Wirtschaft so zu würzen,
zu fördern den Tourismus pur,
sieht Muren sehr bald talwärts stürzen,
wenn Regen rauscht, schafft nasse Spur.
Der Wald kann oft noch Boden halten,
verhindern Erdrutsches Gewalten!

Noch liegt der Wald dem Berg zu Füßen,
der sich hier in die Höh‘ erhebt
und felsig mag den Himmel grüßen,
der auch den Karsee blau belebt.
Dass wir nicht finden allenthalben,
die Landschaft nur noch in den Alben!

© Ingrid Herta Drewing 03.05.2019

Appell zur Umkehr und Kommentar

Da lebst du, Mensch, auf dieser schönen Erde,
die dich ernährt, dir Lebensraum gewährt,
und führst dich auf gar furchtbar, eine Herde
von wilden Stieren rast nicht so gestört.

Vergiftest Böden, Flüsse; auch dein Leben
bedrohst du, wenn du achtlos beutest aus,
anstatt zu wahren, pflegen, was gegeben,
das Fundament, auf welchem steht dein Haus.

Vernichtest deine Art, scheinst nichts zu spüren.
Die Tiere, Pflanzen hast du dezimiert.
Wo die Natur noch grünt, wird Asphaltieren,
Zersiedeln gnadenlos doch durchgeführt.

Und alles nur, weil du in deiner Gier
wie toll, so maßlos lebst auf dem Planeten,
der doch im All als zarte, blaue Zier
einmalig, unersetzbar, klar sei’s jedem!

Wach endlich auf aus deinem Wachstumswahn!
Lass die Vernunft anstatt der Triebe walten;
nachhaltig kultivieren, wähl die Bahn,
die hier das Leben dauerhaft kann halten!

Gewiss solch klagender Appell,
in den ich mich beziehe ein,
bewegt zum Bessern nichts so schnell.

Vielleicht mag’s dennoch Anstoß sein,
dass wir als Menschen hier auf Erden
bedenken, was wir ändern werden,
weil wir, ob Mann, Frau oder Kind
doch darauf angewiesen sind,
dass es noch zukünftig kann geben
auf dieser Welt für uns ein Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Bargeld

Jetzt denkt man dran, das Bargeld abzuschaffen,
es reiche das Giralgeld, sei bequem,
auch nichtig sei dann kriminelles Raffen,
nicht Schwarzgeld könnten horten jene Laffen,
auch geb’s kein Falschgeld, das sei angenehm.

Dies mache möglich, Zeit und Kraft zu sparen,
das Leben werde leicht mit Plastikkart‘;
die digitale Welt, sie zeig‘ die wahren
so vorteilhaften Wirtschaftswege, klaren
Mitmenschen das erschein‘ als rechte Art.

Doch falsch gedacht und auch zu kurz gesprungen,
Bequemlichkeit nimmt Unfreiheit in Kauf:
Totalkontrolle, heimlich aufgezwungen,
die keiner mehr verhindert, Gängelungen
durch die, die dann bestimmen unsren Lauf.

In China kann man es doch schon ersehen,
was digitale Überwachung hält:
Kein Schrittchen kann man unbehelligt gehen,
mit Punktwertung ist schnell der Mensch versehen,
vom Staat sortiert, er funktioniert im Feld.

Wenn Bargeld gänzlich sollte hier verschwinden,
wär‘ im System auch letztes Freisein hin;
denn wie willst du die Schranken überwinden,
wenn falsche Mächte schalten, unterbinden,
dass du noch existierst nach deinem Sinn?

© Ingrid Herta Drewing,2019

In de Bütt

Ihr Leit, ich komm heut nit als Bersch
aach nit als Monster oder Zwersch,
aach nit als so en Baumes-Wipfel:
Ich bin de letzte Klima-Gipfel.

Die Zettelscher hier an meim Hemd
sin Resümees, die euch nit fremd;
sie zeische uff stets einwandfrei
wie merr beschränkt des CO2.

Doch leider ist ’s dann schon gewese,
die Zettelscher will kaaner lese.
Kaum sin die Gipfel-VIPs deham,
kenne die nur noch annern Kram.

Aach klimaphob un dekadent,
son Twitter-Kasper, den ihr kennt,
erklärt, dess alles wär nur Wetter,
er fänd’s halt heiß und warm viel netter.

Damit sich Wirbelstürm‘ nit traue
in seinem Land vorbei zu schaue,
will er, denn des versproche hätt‘ er,
bekannt als Bohrer dünner Bretter,
jetzt gesche die e Mauer baue.
Narzisstisch, geldgierig im Handel,
kennt der gar keinen Klimawandel.

Verzweifeln könnt‘ ich Klimagipfel.
Doch seh ich jetzt ’nen Hoffnungs-Zipfel,
weil Jugend freitags demonstriert,
damit mer nit den Blick verliert
für ’s Klima, was da wichtig ist.
Vielleicht bleibt uns ’ne Galgenfrist?

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing, 20.02.19

An eine Poetin

Sag, willst du nicht auch mal rappen,
Wörter im Stakkato steppen,
so als sei’s ein Sprechgesang
Paarreime wie kurze Treppen
reihen, immer weiter schleppen,
folgend einem flotten Drang?

Nein, du machst dich nicht zum Deppen!
Mode ist es doch zu rappen,
Poetry als Bühnen-Slam.
Mancher mag die Sprache neppen,
sie im Reim dann aufzupeppen,
heißt’s und sei es auch plemplem.

Ja, sogar die Gangster-Rapper,
die als laute Schimpfwort-Schlepper
Hass verkünden, Frust als Mut,
haben ihre Fans; als Nepper
scheffeln Kohle sie, je depper
sie im Wortschwall zeigen Wut.

Nein, du willst nicht danach schielen,
lieber lyrisch wirken, spielen
mit Bedeutung, Bild und Klang.
Folgst dem eignen Sinn, den Zielen
einer Poesie, die vielen
Texten schenkt im Takt Gesang.

© Ingrid Herta Drewing,2019

Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

In jener Nacht, als fahle Mauern fielen,
die viele schreckten, manche stumm gemacht,
da durfte dieses Bild von Einheit zielen
auf alles, was gemeinsam war, hier spielen
mit Jubel, Freudentränen, neu erwacht.

Es lagen sich die Menschen in den Armen.
Man konnte wieder Bruder, Schwester sein,
und keiner klagte da von neuem Carmen;
denn Glück und Hoffnung schenkten ihren warmen,
wohligen Mantel, der uns hüllte ein.

Der Deutschen Einheit neu nach so viel Jahren,
sie kam uns vor, als sei‘ s ein schöner Traum,
und mancher war sich deshalb nicht im Klaren,
dass Änderungen folgen; ein Bewahren
von allem lieb Gewohnten gab es kaum.

Wo Planwirtschaft bestimmte einst das Sagen,
da zog nun rasch Kapitalismus ein.
Mit DM schwoll so manchem da der Kragen,
Konsum bestimmte, schnell ließ sich was wagen,
manch Existenzen blühten, andre brachen ein.

Fast dreißig Jahre sind ins Land gegangen,
seit Ost und West sich wieder zugesellt.
Die Wirtschaft boomt, so darf man doch verlangen,
dass endlich wir in unsrem Land erlangen
für gleiche Arbeit gleiches Lohn-Entgelt!

Politisch ist man weiter fortgeschritten.
die Kanzlerin, im Westen reüssiert‘,
kommt aus Meck-Pomm im Osten, unbestritten,
wird weltweit anerkannt und gut gelitten,
seit vielen Jahren sie nun schon regiert.

Doch droht erneut ein Wahn das Land zu spalten,
es wächst die Kluft, trennt hart hier arm und reich.
Und aus dem Riss der Fugen kriechen hoch die alten
von Fremdenhass vergrätzten Spukgestalten,
tun es Nationalisten andrer Ländern gleich.

Mir scheint, die Macht der Neoliberalen
hat wie die Bankenkrise auch dazu geführt,
dass (zudem wegen hoher Flüchtlingszahlen)
sich viele EU-Bürger schwarz ausmalen,
man werde falsch von Brüssel aus regiert.

© Text: Ingrid Herta Drewing,2018
Foto: Pixabay

Hummers Zeit und Leid

Tom Scherenlang, ein Hummer,
’ne kraftvoll große Nummer,
der lag allein im Meer.
Jedoch, er war kein Dummer
und wusste, dass nach Summer,
nun Zeit zur Paarung wär‘.

So suchte er ’ne Höhle,
er war ’ne treue Seele,
zur Zweisamkeit bereit.
Und ohne viel Genöle
ihm folgte Schön-Adele
als Braut im Hochzeitskleid.

Der Panzer war verschwunden,
sie hatte unumwunden
ihn vorher abgelegt,
damit für Liebesstunden
sie ward als weich empfunden,
von Tom nun sanft gehegt.

Zur Paarung so entbunden,
für etwa fünf Sekunden
sie lagen Bauch an Bauch.
Adele konnt ’s bekunden,
hat ’s Samenpack gefunden,
Nachwuchs sollt‘ kommen auch.

Als sie nicht mehr empfänglich,
ihr Panzerschutz zulänglich,
kroch Tom von diesem Ort
(wo er fast überschwänglich
die Scheren streckte länglich)
nach ein paar Wochen fort.

Er war kein Schuft, sein Gehen
war nicht ein Missverstehen,
nur der Natur Gesetz.
Adele, gut versehen,
zur Eibefruchtung stehen
sollt‘ sie ein Jahr lang jetzt.

Tom sah nie seine Erben,
weil er ein frühes Sterben
durch einen Fischer fand,
In dessen Hummerkörben,
wo er erneut wollt werben,
trug man ihn weg an Land.

Bös war’s dort im Gelände,
als eines Menschen Hände
ihn griffen hart am Kopf
und warfen ihn behände
in heiße Brüh‘, sein Ende
traf ihn im Suppentopf.

Ich kann das nicht vergessen,
werd‘ niemals Hummer essen,
wenn man dies‘ Tier so quält.
Und fühl‘ mich nicht vermessen,
wenn ich da froh, statt dessen,
bewundre seine Welt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay