Frühlingsahnen

Die milde Luft lässt mich den Frühling ahnen,
obwohl noch Winter im Kalender steht,
und Schneefall scheint im Süden ernst zu mahnen,
dass mein Erwarten sei wohl obsolet.

Doch goldgelb Winterlinge blüh’n im Garten,
und dort im Park grüßt zart die Zaubernuss.
Weißgrün Schneeglöckchen nun ihr Läuten starten,
erwachen durch der Sonne warmen Kuss.

Befreit vom Nebelgrau, seh ich es tagen,
und hell erklingt der Amsel lieblich‘ Lied,
als rufe sie mir zu: „ Wir wollen’s wagen,
da jetzt das Leben wieder neu einzieht!“

So halte ich auch Seele, Sinne offen,
darf freudig bald auf Frühlings Ankunft hoffen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

WINTERTAG IN COERDE

Ein klarer Wintertag erwacht,
und hinterm Wäldchen licht erhellt
der Morgenröte Schimmern sacht
die kleine taubenetzte Welt.

Nicht lange währt ’s, der Sonne Strahlen
schickt schnell ihr gleißend Winterbild,
das nach dem tristen, nebelfahlen
vergang’nen Wetter uns stimmt mild.

Wir mögen es, wenn knackig kalt
der Winter sich noch findet ein,
vielleicht mit Schnee bedenkt uns bald;
die Kinder würde das wohl freu’n.

Die Hoffnung, dass Frau Holles Wirken
im Flockenzauber zeig‘ die Welt
ins Schneekleid hülle jene Birken,
auf dass ihr zarter Gruß gefällt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Spaziergang im November

Es grüßt mich heut ein blauer Tag,
die Nebel sind verschwunden,
und klare Sicht, wie ich sie mag,
hat sich nun eingefunden.

Als sei von Schwere ich befreit,
erfahr ich auf den Wegen,
des Herbstes letztes Leuchtgeleit,
noch mag er Blattgold hegen.

Obwohl so mancher Baum schon kahl,
darf ich im Park erleben
der Blätter Farbenspiel, das fahl
kein Nebel kann verweben.

Es strahlt in hellem Sonnenlicht,
was die Natur lässt glänzen,
und raunt auch Spätherbst von Verzicht,
liebt Leben das Ergänzen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,2019

November

Blasse Novembersonne,
wärmst uns des Mittags noch mild.
Da die Nebel zerronnen,
strahlst du im Blauhimmelbild.

Darf ich genießen, staunen,
fühle die Wärme, das Licht.
Nachts schon die Fröste raunen,
Tags jedoch lacht dein Gesicht.

Lass den Winter ruhig warten,
Herbstfeier ist angesagt;
grünen doch hier im Garten
Astern und Rosen im Hag!

© Foto u. Text /Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Blick zum Neroberg

Novembermorgen

November, die Nebel kreisen
noch über Garten und Haus,
tauschten mit Frost nachts die leisen
Raureif-Gespinste aus.

Auch dort im Park auf den Wiesen
schimmert ein eisiger Flaum,
bald mag die Sonne begrüßen
den Morgen, noch nistend im Baum.

Wiesbaden, Nerotal

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbststimmung im Park

Das Sommerlied verklungen, Nebel weben
die Landschaft fahl in feuchte Schleier ein.
Vom Krähenruf durchdrungen, Hauch von Leben,
das graue Spiel von Tod und einsam sein.

Der helle Traum vom goldenen Oktober
erwacht am Mittag, wenn hier unverstellt
die Sonne scheint und glühendes Zinnober
des Ahorns leuchten lässt in klarer Welt.

Da wirken Abschied dir, auch Herbst nicht bitter,
du siehst die Farbenschönheit dieser Zeit,
die doch vor Blätterwelken, Raureif-Flitter
hier Park und Wald schenkt noch ein Festtags-Kleid.

Ahnst schon den Neubeginn und lernst verstehen
des Lebens Kreislauf, Werden und Vergehen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Frühherbst

Jetzt naht die Zeit der hellen Farbenträume,
wenn Künstler Herbst hier wirkt im Mittagslicht,
gelb, golden, rot bemalt das Laub der Bäume,
und Sonne sanft von blauem Himmel spricht.

Er zelebriert den Abschied, lädt zu Tänzen
die Blätter, die sich lösen von den Zweigen.
Dem Eichhörnchen vermag er zu kredenzen
fein seine Eicheln, Nüsse, die ihm eigen.

Am Abend und auch oft am frühen Morgen
verhüllt er gern sein farbenfrohes Bild,
hält es in Nebelschleiern noch verborgen,
bevor es wieder leuchtend Räume füllt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Spätsommer in Wiesbaden

Noch lässt der Sommer seine Fluren grünen,
und auch der Weinberg glänzt im Sonnenlicht,
obwohl die Herbstzeitlose auf den Bühnen
gemähter Wiesen zart von Herbst hier spricht.

Doch manchem muss man dennoch nun entsagen;
so schließt das schöne Freibad in der Höh‘,
das Opelbad, Magnet an warmen Tagen,
wird winterfest gemacht und sagt „Adieu!“

Am Freitag war ich dort zum Abschiednehmen
und schwamm in klarem Wasser, Luft und Licht.
Mein Blick erfuhr die Stadt noch nicht in Schemen,
bis hin ins Rheintal reichte klare Sicht.

Wiesbadens Schönheit liegt uns dort zu Füßen,
und wird bald wohl mit Indian-Summer grüßen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Herbstbeginn

Nun schließt der Sommer bald die hellen Augen
und bettet sich für lange Zeit zur Ruh’.
Der junge Herbst will als Ersatz uns taugen,
beeilt sich und läuft lachend auf uns zu.

Er ist bekannt als lustiger Geselle.
Den Kindern trägt er Drachen in den Wind.
Auch in den Gärten ist er gern zur Stelle,
küsst Astern wach, macht Früchte reif geschwind.

Lässt Sonnenlicht noch pralle Trauben herzen,
damit sie Süße bringen in den Wein;
ist heiter, aufgelegt zu flotten Scherzen,
ruft schalkhaft: “Fangt die Hüte wieder ein!“

In frischer Luft und hehr im Golde strahlend
zeigt er uns üppig seiner Blätter Pracht,
bevor er sie, mit roten Tönen malend,
zum Flammenkleid der Wirbelwinde macht.

Lasst gönnen uns dem Sommer diese Pause,
begrüßen wir die nächste Jahreszeit!
Wer froh nach vorn schaut, fühlt sich wohl zu Hause,
wenn auch einmal ein wildes Wetter graut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Kurpark,“Flötenspieler“, 1965, Walter Wadephul

Herbst-Ode

Ruht im Nebel der Tag, ruft ihn die Sonne wach,
hell im Lichte erstrahlt schön hier der Landschaft Pracht.
Blau der Himmel, es schweben
Silberfäden in milder Luft.

Golden glänzende Welt, Bild, das der Herbst uns malt,
wenn vor Mutter Natur er mit den Künsten prahlt.
Flammend rote Girlanden
ranken wild an den Mauern, Wein.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing, 2019