Hortensien

War heiß der Sommer, standen sie verblichen
wie alte Kittelschürzen blühend da,
im Vorgarten wie Wächter, die nicht wichen
und trotzten mutig jeglicher Gefahr.

Mit grünen, festen Blätterhänden
empfingen sie das grelle Sonnenlicht
und trieben aus nach Regen Blütenstände
in zartem Blau und Rosa, ein Gedicht.

Hortensien-Büsche, meiner Kindheit Freude,
ein Leuchten hell im grauen Trümmerland,
wo ihr nicht wurdet jenes Krieges Beute.
Als Teil der heilen Welt ich euch dort fand.

Ein Lichtblick in der düstren Nachkriegszeit.
Auch heute noch steht blühend ihr bereit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Geburtstagsgruß für Ingmar

Der Dreizehnte im Januar
mir immer gut gefällt,
denn da kamst Du, so wunderwahr,
mein lieber Sohn zur Welt.

Drum wünsch‘ ich Dir ein gut Geschick,
viel Freud‘ in Deinem Leben.
Es soll für Dich Gesundheit, Glück
und ganz viel Schönes geben.

Bewahr Dir Güte und Humor,
lass Dich durch nichts verdrießen!
Was Dich beglückt, das leucht‘ hervor,
soll Dir den Tag versüßen!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Adventshoffen

Ein Zauber hält mich zart umfangen.
Der Kindheit Lächeln liegt darin;
zur Krippe bin ich heut’ gegangen
und fühlt’ dies selige Verlangen,
dem ich doch schon entwachsen bin.

Der Friede, Freude und das Glück
aus jenen unbeschwerten Tagen,
sie rufen leuchtend mir zurück,
was fern dem grauen Alltagsblick,
der Weihnachtsbotschaft wahres Sagen.

Es klingen alte, traute Lieder.
Ihr froher Klang füllt meine Welt,
und Freude, die uns immer wieder
die Hoffnung schenkt, sie strahlt hernieder.
Der Liebe Stern die Nacht erhellt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Vor dem Spiegel

Die Falten, die die Zeit
dir auf die Stirn gebügelt,
als schrieben sie den Eid,
dass alles, was beflügelt,
ob’s Leid, ob’s Freudenfest
auch Spuren hinterlässt.

Da kräuseln sich an Mund
und Augen Lachens Zeugen,
doch tut sich Gram auch kund,
mag leicht die Züge beugen.
Es zeichnet Jahr für Jahr
des Lebens dich fürwahr.

Jedoch der Augen Glanz
ist leuchtend dir geblieben,
verspricht noch immer ganz
dies Hoffen, innig Lieben,
das hier im Leben singt,
noch in den Tiefen schwingt
und gütig Freude bringt.

© Ingrid Herta Drewing

Friedenstaube

Es träumte einst die Friedenstaube,
als sie flog müde vor sich hin,
dass sich der Friede aus dem Staube
erhebe und als neuer Glaube
in Menschenhirnen fände Sinn.

Dass keiner mehr dem andern neide
das, was er liebt, was ihm gehört,
man gütig, freundlich, fern dem Leide
dem Nächsten helfe, ihn begleite,
gemeinsam lebend unbeschwert.

Doch es erstarb ihr stilles Hoffen,
verwelkt war der Olivenzweig.
Sie ward von einem Schuss getroffen
und stürzte ab, noch Flügel offen;
es fand ihr Traum ein dunkles Grab.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Gedicht

Nur Worte, die ihr leises Lied mir singen,
Verszeilen, die sich reimen, stimmig finden,
sich kreuzen, schweifen und umarmend binden,
in einer Strophe miteinander klingen;
und dennoch halten sie für kurze Zeit
die kleine Freude für den Tag bereit.

Mal kommen sie daher im grauen Kleide
und klagen, wüten, wollen sich verzehren,
vielleicht sogar satirisch noch belehren,
obwohl sie finden keine grüne Weide.
Und dennoch halten sie für kurze Zeit
dies‘ Hoffen auf Veränderung bereit.

Dann wieder strahlen sie in lichtem Glanze,
geraten ob der Schönheit fast ins Schwärmen,
wenn die Natur schenkt, was den Blick mag wärmen,
ihn einlädt mit dem Farbenrausch zum Tanze.
Und dennoch halten sie geraume Zeit
die Wehmut um Vergänglichkeit bereit.

Nur Worte, doch auch Hauch von meinem Leben,
das mit im Licht der Jahreszeiten schwingt
und schauend seine kleinen Weisen singt,
sich darf dem Lächeln zärtlich hier verweben.
So halten sie wohl noch in meiner Zeit,
dies kleine Glücksgefühl für mich bereit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Frühlingsmorgen

Jetzt gibt der Lenz mit vollen Händen
und schenkt uns, was hier so gefällt.
Es grünt und blüht an allen Enden,
und duftend darf sich nun verschwenden
der Blumenflor der kleinen Welt.

Forsythien goldgelb leuchtend strahlen,
der Scilla Blau, der Tulpen Rot
mag üppig in den Park sich malen,
auch rosa weiß will Frühling prahlen,
Magnolien-Glanz zum Himmel loht.

In milder Luft die Vögel singen,
schon früh erwacht ihr Jubelchor.
In Stadt und Wald ertönt dies Klingen,
das Freude in den Tag wird bringen.
Erwartungsvoll steh‘ ich am Tor.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Frühlingsfreude

In den Lüften wiegt ein Schwingen
Frühlingsträume, Blütenflor;
auch der Vögel frohes Singen
darf uns in die Seele dringen,
und wir schau’n befreit empor.

Alle trüben Winterlieder
sind verstummt, der Frost bleibt fern.
Nichts mag uns nun halten nieder,
neu erwacht das Hoffen wieder,
Lieben, Leben zeigt der Stern!

Frühling zaubert zarte Klänge
dort, wo vieles war verstellt,
weitet, was uns ward zur Enge,
schenkt uns helle Lichtgesänge
und trägt Freude in die Welt.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Kinder

Wer Kinder hat, der weiß, wovon ich rede,
es liegt dir nur ihr Wohl und Weh am Herzen.
Sind sie noch klein, lebst du in steter Fehde
mit Kummer, Sorgen, vielen kleinen Schmerzen.

Und pubertier’n sie, tust du gut daran,
mit wachem Blick viel Freiheit zu gewähren;
auch wenn man müde ist, nur mühsam kann,
ist’s wichtig doch, geduldig zuzuhören.

Wenn sie erwachsen, ihren Weg gefunden,
lässt du sie los, wenn weh dein Herz auch zieht,
und freust dich auf die selten schönen Stunden,
da man einander glücklich wieder sieht.

Doch immer in Gedanken lebt die Frage:
Geht’s dem geliebten Kinde wirklich gut?
Das bleibt so bis zum Ende deiner Tage,
schließt auch die Enkel ein und ihre Hut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Heiligabend

Wie jubelt ’s zur Weihnacht!
Wie hell singt der Chor!
Wie sprudelt im Schalle
die Freude hervor!

Das Singen erfüllt
meine Seele mit Macht,
die liebend erbebt.

Der Glaube, er lebt,
im Lichte enthüllt.
Es ist Heilige Nacht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Marktkirche, Krippe v. Wolf Spemann