Weihnachtswunsch

“Oh, Christkind, du und deine Engel,
wann kommt ihr endlich, bringt den Baum
zur Weihnacht ?”, denkt der kleine Bengel,
schaut sehnend in den Sternenraum.

“Mein Briefchen hab’ ich schon geschrieben
und alle Wünsche dir genannt…
ob sich die Eltern doch noch lieben,
dir ist das sicherlich bekannt.

Kannst, Christkind, du es vielleicht machen,
dass sie wieder zusammen sind?
Ich wünsch mir sonst nur wenig’ Sachen
nur so ein kleines Bärenkind.

Vielleicht noch eine kleine Schwester,
dann wäre ich nicht so allein.
Am besten sollt’ sie an Silvester
schon hier bei uns zu Hause sein.

Ich werd’ auch immer artig beten
und waschen meine Hände rein;
mit Wölfchen nicht mehr zanken, treten
und obendrein recht fleißig sein.“

© Ingrid Herta Drewing, 2012

Martins-Gans

Die Kinder baten
Vater Hans:
„ Lass sie leben
unsre Gans!“

Und statt tot,
als Martins-Braten,
watschelt Emma
nun im Garten.

Dieb bei Nacht,
schleicht heran,
denkt, er kann
Werte stehlen
und verhehlen,
Mitternacht
keiner wacht.

Falsch gedacht!
Vor dem Haus
Gans laut schnattert,
Licht entfacht.
Dieb, verdattert,
nimmt Reißaus.
Familie froh,
Gans sowieso!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

In Ermangelung einer weißen Hausgans muss eine Nilgans aus Wiesbaden als Ersatz dienen.

Zu Monets Gemälde „Klatschmohn in der Gegend von Argenteuil“

Inmitten einer Sommerwiese,
umflort von Gräsern, rotem Mohn
spazieren wie im Paradiese
gemächlich hier auf grünem Vliese
Camille, Michel, der jüngste Sohn.

Im Hintergrund umrahmen Bäume
ihr helles, rot bedachtes Haus.
Der sanften Landschaft Mittags-Räume
erblüh’n im Glanz der Sommerträume
und locken hell ins Licht hinaus.

Hier lässt des Malers Blick dich schweben,
wo Wolkenweiß Blauhimmel kennt
und Wiesenwogen, Mensch und Leben
natürlich, hoffnungsfroh verweben,
was sonst so oft durch Hast getrennt.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Der einsame Schneemann

dscn8205Der erste Schnee,
gefallen über Nacht .
Es freuten sich die Kinder,
nachdem sie, froh erwacht,
ins Freie stürmten,
an der weißen Pracht.

Und einen Schneemann
bauten sie im Garten,
mit Möhrennase,Knöpfen
und auch Hut.
Den Besen fest im Arm
muss stumm er warten,
kann kehren nicht,
es kleidet ihn nur gut.

Und in der Nacht, als sacht
der Mond am Himmel scheint,
sieht Finchen, aufgewacht,
dass dieser Schneemann weint.
Er weint, weil er muss einsam sein,
fühlt sich in dieser Welt allein.

Die Großen herzhaft lachen,
als sie’s erzählt am Morgen .
Doch Finchen schwört ,
sie mache sich da Sorgen ,
sie habe all die Sachen
genau gesehen und gehört.

Bald auch den andern Kleinen,
von der Idee betört ,
will alles wirklich scheinen.
Und weil es sich gehört ,
helfen sie Finchen schlau,
und bauen für den Schneemann
nun schnell noch Kind und Frau.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden,Nerotal, 10.01.2017

Heimat

H eimat heißt : zu Hause sein,

E ng verwandt und lieb erschaut,

I nnig ,tief verwachsen, rein,

M it Natur, Kultur vertraut.

A uch in meiner Sprache lebend,

T reue , Liebe, Recht erstrebend.

© Ingrid Herta Drewing

Die Gerade

Es war eine Gerade,
die dachte :“Ach, wie schade,
dass ich so einsam bin!
So eine Parallele,
mit der fänd‘ ich als Stele
auch einen neuen Sinn.

Vielleicht, das wäre heiter,
wir fänden uns als Leiter
mit vielen kleinen Streben
und führten hoch hinauf,
des Früchte Erntens Lauf
im Kirschbaum zu erleben.“

So träumte die Gerade
auf ihrer Promenade
nur vor sich hin.
Den Kreis, der ihr Begleiter,
berührte sie kaum weiter,
Tangentensinn.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Das Herder-Lexikon

Heute beim Abstauben der Bücher hielt ich sie wieder einmal in Händen, die drei großen,grünen Bände, „ DER NEUE HERDER“. Wie oft hatten mich meine erwachsenen Kinder schon darum gebeten,ich möge sie endlich entsorgen. Vieles, was darin stehe, sei ohnehin veraltet. Außerdem hätte ich doch den Brockhaus im Regal, zudem gebe es auch noch die Möglichkeit, mich im Internet kundig zu machen.
Aber ich habe es bis zum heutigen Tag nicht übers Herz gebracht, mich von diesem Lexikon zu trennen; zu viele Kindheitserinnerungen verbinde ich damit.

Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich meine Mutter, die eine sehr starke Frau war, weinend im Zimmer sitzen sah. Der Anlass dafür war dieses Lexikon. Mein Vater hatte sich von einem Vertreter, der ihm die Vorzüge dieses Werkes anpries, den Kauf aufschwatzen lassen und die Subskription unterschrieben; allerdings konnte man den Betrag von 150 DM in Raten bezahlen.
Na und, 150 DM, das geht doch, würde man heute locker sagen. Aber mein Vater verdiente im Monat 60 DM. Davon mussten sechs Personen leben.Auch wenn damals die Lebensmittelpreise niedriger waren als heute( fünf Pfennige kostete ein Brötchen) musste meine Mutter schon sehr gut haushalten, um alle mit dem Nötigsten zu versorgen. In der heutigen Wegwerfgesellschaft kann man sich gar nicht vorstellen, wie sparsam man mit den Mitteln umgehen musste.Zum Glück gab es da noch die Naturalien aus Opas Schrebergarten, die Mutter sich aber mit ihren Geschwistern teilte.

Es war für sie nicht leicht, vier heranwachsende Kinder und einen Mann, der körperlich schwer arbeiten musste, zu ernähren.Ich kann mich noch gut daran erinnern,dass mein großer Bruder einmal, als er für die Familie Brot kaufen sollte, auf dem Heimweg fast schon einen ganzen Laib aufgegessen hatte, und wie schlimm es war, wenn man ein paar Tropfen Milch verschüttete, weil man das Milchkännchen, in das die Milch vom Kaufmann schoppenweise eingefüllt wurde,nicht ruhig genug nach Hause getragen hatte.Vieles, was für uns heute selbstverständlich ist,gab es nicht oder konnte von dem wenigen Geld nicht erstanden werden.

Deshalb freuten wir uns über die Schulspeisung, die es für uns Schüler ab 1952 manchmal gab, warmer Kakao und Kekse.Ansonsten sammelten wir Pilze, Walderdbeeren, Himbeeren,Brombeeren,Heidelbeeren und Fallobst, wenn der Bauer es erlaubte.So klein wir waren, halfen wir doch auch gern bei der Kartoffelernte auf dem Feld bei Bauer Ismar, weil wir dann auch ein paar Kartoffeln mit nach Hause nehmen durften. Aus den Bucheckern, die wir gemeinsam mit Mutter sammelten,konnte man sich in einem Laden in der Bleichstraße Öl pressen lassen, und die leckeren Esskastanien, die wir in den Herbstferien bereits morgens um sechs Uhr „Unter den Eichen„ aufsammelten,waren eine Köstlichkeit.

Ich weiß trotzdem nicht, wie Mutter es schaffte,uns alle über die Runden zu bringen.Ich hatte nie das Gefühl, wirklich zu hungern und denke noch heute daran, wie herzhaft das Tomatenbrot mit Zwiebeln und Salz im Sommer mundete und das Schmalzbrot im Winter, wenn zuvor die Mischbrotscheiben auf dem Kohlenofen in der Wohnküche getoastet worden waren.

Obwohl ich erst acht Jahre alt war, konnte ich den Kummer meiner Mutter gut verstehen, wenn sie sich fragte, wie wir nun auch noch dieses teure Lexikon bezahlen sollten. Vater tröstete sie und sagte, er werde wieder einige Bilder malen und an Herrn Ikstadt verkaufen.

Er malte hinreißend schöne Aquarelle, die von den amerikanischen Soldaten in Ikstadts Geschäft in der Langgasse als Souvenir gekauft wurden. Viel verdiente Vater ja nicht daran. Wie es allen Künstlern früher erging,machte auch hier der Kunsthändler den besseren Schnitt. Aber das Malen an sich bereitete Vater Freude. Wenn er seine gebirgigen Winterlandschaften mit dem Pinsel zum Leben erweckte, malte er, der Heimatvertriebene, sich all seine Sehnsucht nach dem verlorenen Sudetenland von der Seele. Mutter, die mit mir und dem kranken Großvater, der ausgemustert war, während des Krieges und kurz danach alleine lebte, hatte Vater,einen Witwer mit zwei Kindern, im Winter 1946 beim Schreiner Werner kennen gelernt, wo er arbeitete. Werners Frau war eine ihrer Kundinnen.

Wie glücklich war ich, als die beiden heirateten, und ich meine drei Jahre ältere Schwester Renate und den sechs Jahre älteren, großen Bruder Herbert bekam. Als dann 1949 Wölfchen, unser kleines Brüderchen geboren wurde, war unsre Patchwork-Familie, wie man so etwas heute nennt, komplett. Und obwohl das Leben damals nicht immer leicht war, fühlte ich mich in dieser Familie geborgen.

Der Tag im Jahre 1952, an dem das Prachtwerk von einem Lexikon geliefert wurde, ist mir noch recht gut im Gedächtnis.Es wurde vorgeführt, wie es heute manche Leute mit einem neuen Auto machen. Nachdem wir alle die Hände gründlich gewaschen und abgetrocknet hatten,durften wir es uns anschauen.Die Eltern präsentierten uns einen Traum, in Grün eingebunden,Bücher,in denen sich uns ein andere Welt offenbarte.
Wir hatten ja kaum Bücher, da im Krieg fast alles verbrannt war.Ich besaß einen Katechismus mit Zeichnungen, ein Märchenbuch und den Struwwelpeter.Und nun war da dieses Lexikon,das nicht nur vieles erklärte, sondern auch reichlich mit Bildern illustriert war. Besonders beeindruckten mich die Farbtafeln, die den Menschen, seine Muskeln, Knochen und inneren Organe zeigten. Wunderschön erschienen mir auch die farbigen Zeichungen von Tieren und Pflanzen.Während die meisten anderen Familienmitglieder nur in das Buch schauten, wenn sie etwas nachschlagen wollten, las ich von nun an intensiv darin und holte mir so die fremde Welt nach Hause. Und das lag nicht nur an meinem großen Wissensdurst, sondern auch darin, dass mir bewusst geworden war, wie teuer dieses Buch war.
Hier wurde mit der Grundstein für meinen Bildungshunger gelegt, weil ich damals unbewusst erfahren habe, welche Schätze sich in Büchern verbergen.

© Ingrid Herta Drewing

Silvester

Versammelt
in Feierlaune
Familie und Freunde.
Sektkorken knallen, Böller vertreiben
Angstdämonen.

Silvesterfeuer,
farbige Sterne
am mitternächtlichen Himmel,
begrüßen das neue Jahr
hoffnungsfroh.

© Ingrid Herta Drewing

Weihnachtswunsch

“Oh, Christkind, du und deine Engel,
wann kommt ihr endlich , bringt den Baum
zur Weihnacht ?” , denkt der kleine Bengel ,
schaut sehnend in den Sternenraum .

“Mein Briefchen hab’ ich schon geschrieben
und alle Wünsche dir genannt…
ob sich die Eltern doch noch lieben,
dir ist das sicherlich bekannt.

Kannst, Christkind, du es vielleicht machen,
dass sie wieder zusammen sind?
Ich wünsch mir sonst nur wenig’ Sachen
nur so ein kleines Bärenkind.

Vielleicht noch eine kleine Schwester,
dann wäre ich nicht so allein.
Am besten sollt’ sie an Sylvester
schon hier bei uns zu Hause sein.

Ich werd’ auch immer artig beten
und waschen meine Hände rein;
mit Wölfchen nicht mehr zanken , treten
und obendrein recht fleißig sein. “

© Ingrid Herta Drewing

Auf dem Weihnachtsmarkt

Kalt ist ’s, doch Waffeldüfte locken.
Wie Puderzucker rieselt Schnee;
und klar erklingt das Lied der Glocken,
herab vom Kirchturm in der Höh’.

Des großen Tannenbaumes Lichter,
sie strahlen hell; und Freude, Glück
blickt aus der Kinder Angesichter.
Sie stehen staunend und entzückt.

Adventsonntage, und gemeinsam
Familien übern Markt spazieren.
Da bleibt man nun nicht länger einsam,
auch gibt es viel zu schnabulieren.

Und dort im Kinderkarussell,
auf Pferden, Tigern, weißen Schwänen,
da fahren Jan,Sven, Isabell:
Klein-Kläuschen krallt des Löwen Mähne;
für ihn dreht alles sich zu schnell.

Die Mutter holt ihn auf den Arm,
sie küsst ihn, zeigt ihm einen Stern,
und kuschelt Kläuschen ein, ganz warm.
So mag er Schneegestöber gern.

© Ingrid Herta Drewing