Verkannt

Es haben so manche Helden
am Heimatherd nichts zu melden.
Drum zieht’s sie hinaus,
wo fern von zu Haus
für andre sie etwas gelten.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Herbstleuchten

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Der Kapuziner Kresse Blüten
erstrahlen, glühend warm in Rot;
als sollten sie den Sommer hüten,
entgegen grauen Nebels Brüten,
missachten, dass ihr Welken droht.

Das reiht sich ein ins Spiel der Farben
des Herbstes, der hier Baum für Baum
bemalt; bevor die Blätter darben,
nachdem die Stürme um sie warben,
schenkt er noch hellem Leuchten Raum.

Und mögen Kraniche nun ziehen,
sich südwärts wenden hoch im Flug.
Ich bleibe, muss hier nicht entfliehen,
genieße Schönes, das verliehen,
oktobergolden ohne Trug.

© Foto u. Text /Ingrid Herta Drewing

Spätsommertage

Drei Birken_o

Der leichte Wind, der durch die Felder streift,
lässt dieses goldne Meer im Lichte wogen.
Mein Blick vom Turme in die Weite schweift‘,
sah Silbervögel, die nach Süden zogen.

Mich zieht ’s nicht fort in südliche Gefilde.
Dem späten Sommerglück hier gilt mein Sinn.
Ich freue mich auf des Septembers Milde
und auf des Herbstes Farbenspiel-Beginn.

Die Ernte ist sodann schon eingefahren,
Kartoffelfeuer, auf dem Stoppelfeld,
wo bunte Drachen, dort im Sonnenklaren,
hoch oben tanzen in der Lüfte Welt.

Hier in der Jahreszeiten Wechselspiel
schenken Natur und Heimat Wohlgefühl.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Wiesbaden, meine Heimatstadt

Wiesbaden_o

Dort, wo der Rhein sich, westwärts fließend, neigt,
liegst du am rechten Ufer, meine Stadt.
Hast hoch dich hier am Taunushang verzweigt,
wo grüner Mischwald dich geborgen hat.

Du blickst nach Süden, und der Sonne Licht
lässt dich, Wiesbaden, hell und warm erglänzen.
Von Nordens Nizza da so mancher spricht,
die Pracht der Bauten darf dies Bild ergänzen.

Bereits dem alten Rom warst du bekannt;
sie schätzten damals deine heißen Thermen,
die heute noch, als Kochbrunnen benannt,
aus vielen Quellen sprudeln, heilen, wärmen.

Zu Kaiser Wilhelms Zeiten weltberühmt,
locktest du gut Betuchte, hier zu kuren.
Noch immer zeugen Villen unverblümt
von Fin de Siècles Flair, auch Parks und Fluren.

Zwei Kriege lehrten Leid, Not und Verzicht.
Doch Historismus Bauten blieben dir erhalten,
verleihen dir noch immer ein Gesicht,
wo Altes im Modernen zeichnet Falten.

Geboren hier,und nah dem Fluss, den Feldern,
die Kindheit, Jugend schön erlebt, die Stadt,
die frei uns spielen ließ in lichten Wäldern,
auf Pfaden, die Natur gestaltet hat.

Dies alles ist mir heut‘ noch lieb vertraut,
fühl‘ mich hier wohl, zum Wohnen eingeladen.
Bin weit gereist und habe viel erschaut,
doch Heimat bleibst du immer mir, Wiesbaden!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Nicht flüchten, bleiben!

Mag auch im Sturm der blanke Hans erbeben,
uns trachten hier nach Habe, Hof und Haus,
wir flüchten nicht, den Kampf um unser Leben
gilt’s zu bestehen, und wir fechten’s aus.

Die Liebe ist’s, sie hilft uns auszuhalten
Gefahren auch, sie schenkt uns neue Kraft,
besonnen hier bei Sturmflut klug zu walten,
vorbeugend ward so manches schon geschafft.

Nein, flüchtet nicht, werft nicht den Spaten hin,
gemeinsam sollten wir den Schutz gestalten,
die Deiche bauen, die in gutem Sinn
hier unser aller Leben wohl behalten!

© Ingrid Herta Drewing,2017

Erinnerung

Gesungen hast du, wunderschön gesungen,
ein altes Lied, das tief ins Herz mir drang,
erinnernd weckte, was längst schien bezwungen,
in Bildern tauchte auf, ein süßer Klang.

Und zart bewegt von einem sanften Sehnen
sah ich mich wieder in dem stillen Hain,
wo wir als Kinder ahnungslos und rein,
von Wundern träumend an den Bäumen lehnten.

Es gibt ihn nicht mehr diesen Wald, den schönen,
und viele Jahre sind ins Land gegangen.
Am andern Ort, ein Lied in fremden Tönen,
ein neues Leben hatte angefangen.

Jedoch bewahrt die Seele noch den Blick,
und schenkt uns zärtlich im Erinnern Glück.

© Ingrid Herta Drewing

Heimat

H eimat heißt : zu Hause sein,

E ng verwandt und lieb erschaut,

I nnig ,tief verwachsen, rein,

M it Natur, Kultur vertraut.

A uch in meiner Sprache lebend,

T reue , Liebe, Recht erstrebend.

© Ingrid Herta Drewing

Abend

Bevor die Nacht kommt,
der Sonne Spuren finden,
hell im Abendrot.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Nostalgie angesichts der Monokultur

Es glich der Sommer einem Traum,
erfüllt von Duft und Blüten.
Der Wollgrasflöckchen zarter Flaum
erfüllte wiesenweit den Raum,
ein seliges Behüten.

Zum Horizont dies‘ milde Meer
schien leicht im Licht zu schwingen.
Als ließen Silbersaiten hehr
des Windes Spiel hier ohne Wehr
in hellem Lied erklingen.

Erinnerung, ein sanftes Bild,
das die Natur geboren.
Was einstmals Seele, Herz erfüllt,
ward für den Nutzzweck kühl gekillt,
die Landschaft ging verloren.

© Ingrid Herta Drewing, 2015

Heimatstern

Wie eine blaue Perle leuchtend schimmert
die schöne Welt im All, wo schwarze Nacht
mit fernen Sternen in der Weite flimmert,
Planeten kreisen um die Sonnenmacht.

Auf diesem kleinen Wandelstern, dem blauen,
regt täglich sich das Leben und verwebt
sich grünend, blühend, und wir dürfen schauen,
wie alles Wesentliche wachsend strebt.

Ja, diese Erde, die uns trägt und nährt,
wir sollten sie wie einen Garten pflegen,
sie unsern Kindern lassen unversehrt,
und sie als unser aller Heimat hegen.

Nur sie gewährt dem Leben hier den Raum,
und Weltraumreisen sind Fiktion und Traum.

© Ingrid Herta Drewing,2014