Aster Novae Angligae

Dein grünes Filigrangefieder
entfaltete sich lange Zeit,
und nun, da herbstlich grüßt das Jahr
bist du, noch grünend, wunderbar
zu erstem Blühen still bereit.

Ich stehe staunend hier
und frag’ mich immer wieder:
Was wirkt in dir?
Wer komponiert die Lieder,
die nun zur rechten Zeit,
da vieles schweigt, gesungen?

Wer hieß dich warten,
gab das Stichwort: Sei bereit
und schließt den Vorhang,
wenn der letzte Ton verklungen?

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Ahornbaum im Herbst

Zinnoberrot lässt der Herbst hier erstrahlen
japanischen Ahorn in leuchtendem Glanz,
bevor dichte Nebelschleier im fahlen
November verhüllen des Phönix‘ Tanz ganz.

Noch neigen sich Zweige, und Blätter schweben,
als trage in tanzendem Reigen der Wind
sie hin zum Urgrund, wo auch alles Leben
sanft, zärtlich geborgen, zur Ruhestatt find’t.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Nerotal

Gebirgsbach

Ein klarer Tag, des Wildbachs Wasser fließen
gemächlich hin und spiegeln Himmels Blau,
umsäumt von Waldes grüner Sommerschau,
bemoosten Steinen, die am Ufer grüßen.

Beschaulich scheint der Bach im Bett zu liegen;
jedoch die Kalkstein-Blöcke, groß und grau,
am Rande und inmitten hier als Stau,
sie lassen ahnen , wie die Wasser siegen.

Schon ein Gewitterregen lässt sie brausen,
als Sturzbach tosend, gurgelnd talwärts sausen,
ein Spielen mit Geschiebe und Gestein.

Und mancher Baum, der sich zuvor konnt‘ halten,
fällt durch die reißend strömenden Gewalten
hinab ins Nass, verliert sein grünes Sein.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Eric Hildebrandt( mein ältester Sohn)
Schweiz / Jura

Sicht und Sinn

Und eine Wolke, die am Himmel schwebte,
so klein und weiß, verlassen sich befand
im Blau, das sie kontrastreich doch belebte,
bis sie im Sonnenlicht sich lösend schwand.

So sanft stirbt vieles, löst sich auf im Licht,
im breiten, hellen Strom des Erdenlebens.
Der Mensch erkennt oft die Bedeutung nicht,
wild strampelnd in dem Strudel seines Strebens.

Schwach wie wir sind, sehn wir uns groß im Traum,
beachten vieles hier auf Erden kaum
und suchen nach dem Glück in weiter Ferne.

Doch alles, sei es auch unscheinbar klein,
erfüllt hier seinen Sinn im großen Sein,
im Galaxienraum der hellen Sterne.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Spaziergang im November

Es grüßt mich heut ein blauer Tag,
die Nebel sind verschwunden,
und klare Sicht, wie ich sie mag,
hat sich nun eingefunden.

Als sei von Schwere ich befreit,
erfahr ich auf den Wegen,
des Herbstes letztes Leuchtgeleit,
noch mag er Blattgold hegen.

Obwohl so mancher Baum schon kahl,
darf ich im Park erleben
der Blätter Farbenspiel, das fahl
kein Nebel kann verweben.

Es strahlt in hellem Sonnenlicht,
was die Natur lässt glänzen,
und raunt auch Spätherbst von Verzicht,
liebt Leben das Ergänzen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,2019

Karussell

Mir rinnt die Zeit durch meine bleichen Hände;
schon wieder geht ein Sommer, Herbst ist nah.
Kaum hat ’s begonnen, ist das Jahr zu Ende;
ein neues steht in Kinderschuhen da.

Mir ist, als flög‘ ich mit der Zeit im Kreise,
nur schneller als sich Erd‘ um Sonne dreht.
Der Jahreszeiten Folge, ihre Weise
beschleunigen im Alter ihr Valet.

Das Blühen, Reifen, Welken und Erstarren
gerät mir deutlicher nun in den Blick,
wertschätze Leben, möchte gern verharren,
schau wehmütig erinnernd auch zurück.

Und hoff, dass dieses Lebens-Karussell
sich weiter mit mir dreht, nur nicht zu schnell.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Welke Blätter

Keine Blätter schweben, fallen,
Raureif deckt die Bäume, kahl,
die in Nebels dichtem Wallen
zeigen kaum Konturen fahl.

Laub, das sie jüngst golden schmückte,
säumt nun welkend Stamm und Weg,
was im Frühherbst hier beglückte,
treibt im Bache, liegt am Steg.

Ach, dies Bild mahnt, wie vergänglich
irdisch‘ Lebens Schönheit ist,
was der Mensch, weil unzulänglich
meist im Alltagstrott vergisst.

Statt des Grams um Nichtigkeiten
weite Liebe unsren Blick,
Freude möge uns geleiten,
schätzend auch das kleine Glück!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,November 2018

Herbstversprechen

Des Herbstes graue Nebelschritte streifen
durch Gärten, wo er hell im Farbenglanz
noch gestern ließ die Bäume Licht ergreifen
und milde Lüfte durch die Äste schweifen,
die Blätter schweben sanft in lindem Tanz.

Als habe er vergessen sein Versprechen,
das er mit seinem goldnen Leuchten gab,
lässt er sogar den Frost sich jetzt erfrechen,
an allem, was so schön hier, sich zu rächen,
zu wirken rau gereift der Rose Grab.

Sagt: „ Schweige still, denn alles muss vergehen!
Doch wisse, es gibt eine Wiederkehr,
dann darfst du dieses Lebens Schönheit sehen,
der Blüten Pracht wird hier erneut entstehen,
wo nun noch Nebel trügt, herrscht Sonne hehr!“

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Kurpark

Herbstflirt

Ich könnte mich in diesen Herbst verlieben,
in seine Farbenpracht, der Blätter Bunt,
die warmen Strahlen, die den Tag durchsieben,
wenn hoch im Blau der Sonne golden Rund.

Jedoch ist dieser Bursche recht durchtrieben,
wirft Nebelkerzen, hüllt hier ein die Stadt.
Bald wird die Malkunst in den Wind geschrieben,
nach kurzer Vernissage welkt Blattwerk matt.

Da muss, was jetzt so schön erscheint, zerstieben.
Er gibt sich dann meist frostig, feucht und kalt,
wird kahle Bäume barsch ins Blickfeld schieben,
verleiht Vergänglichkeit erneut Gestalt.

Obwohl er auch mit Frost noch nach Belieben
aus Nebelschleiern Silber-Raureif wirkt,
wär’ ein Verlieben maßlos übertrieben.
Ein kurzer Flirt nur, mehr scheint nicht verbürgt!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Herbstgesang

War’s gestern noch ein Flüstern, heute tönt
ein Sprechgesang, den die Natur beschworen.
Im Laub der Sommer müden Bäume frönt
der Farben Klang, im Sonnenglanz erkoren.

Das strahlt in Gold und flammt hell auf in Rot,
was deinen Blick erfreut, lässt jubilieren!
Du siehst, befreit aus fahlen Nebels Not,
den jungen Tag im Lichte triumphieren.

So mag der Herbst noch lange weilen, bleiben,
von Ernteklängen, milder Luft gesäumt,
um Abschiedsweh und Trübsal zu vertreiben,
bevor die Landschaft bald im Winter träumt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018