Vor dem Spiegel

Die Falten, die die Zeit
dir auf die Stirn gebügelt,
als schrieben sie den Eid,
dass alles, was beflügelt,
ob’s Leid, ob’s Freudenfest
auch Spuren hinterlässt.

Da kräuseln sich an Mund
und Augen Lachens Zeugen,
doch tut sich Gram auch kund,
mag leicht die Züge beugen.
Es zeichnet Jahr für Jahr
des Lebens dich fürwahr.

Jedoch der Augen Glanz
ist leuchtend dir geblieben,
verspricht noch immer ganz
dies Hoffen, innig Lieben,
das hier im Leben singt,
noch in den Tiefen schwingt
und gütig Freude bringt.

© Ingrid Herta Drewing

Karussell

Mir rinnt die Zeit durch meine bleichen Hände;
schon wieder geht ein Sommer, Herbst ist nah.
Kaum hat ’s begonnen, ist das Jahr zu Ende;
ein neues steht in Kinderschuhen da.

Mir ist, als flög‘ ich mit der Zeit im Kreise,
nur schneller als sich Erd‘ um Sonne dreht.
Der Jahreszeiten Folge, ihre Weise
beschleunigen im Alter ihr Valet.

Das Blühen, Reifen, Welken und Erstarren
gerät mir deutlicher nun in den Blick,
wertschätze Leben, möchte gern verharren,
schau wehmütig erinnernd auch zurück.

Und hoff, dass dieses Lebens-Karussell
sich weiter mit mir dreht, nur nicht zu schnell.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Leben

Wenn ich bedenke, wie unendlich groß
die Welt, das All, so gänzlich alles ist,
erkenne ich, wie klein mein irdisch‘ Los,
das sich an Nichtigkeiten täglich misst.

Und dennoch ist dies‘ eine kleine Leben
in sich etwas, das wirklich, wunderwahr,
auf diesem Erdball hier auch mit zu schweben
im dunklen All und doch im Lichte klar.

Ein „Spiel der Zeit“, so nannten es die Alten,
dies‘ Menschenleben, das sich hier erfüllt
im Sinnen, Lieben, Walten und Gestalten,
ein helles Dasein, Fragen ungestillt.

Geschenk des Schöpfers, das auch ich gewann
und freudig, dankbar darf ich’s nehmen an.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Am Warmen Damm

Feigenblatt-Tage

Rosennacht Kopie

Der Tag des Kindes, Tag des Kusses,
der Tag der Arbeit, Muttertag
birgt oft den Anlass des Verdrusses
für den, der solchen Schein nicht mag.

Was man im Jahr zu wenig schätzt,
wird einmal kurz ins Bild gehoben
und wiederum in Schlaf versetzt,
Dornröschens Fluch, nur mild verwoben.

Genötigt fühlen sich da viele:
„Oh, Gott, es ist ja Muttertag!
Noch schnell paar Blümchen für Cäcilie,
weil sie uns heut’ erwarten mag!“

Kurz der Besuch bei den Senioren.
Das Heim wird heut’ zum Blumenhaus;
doch manche Mutter schaut verloren
dort aus dem kleinen Fenster raus.

Wir haben uns so eingerichtet,
dass uns die Zeit zu lieben fehlt,
gehetzt, verplant; so wird vernichtet,
was wesentlich zum Menschsein zählt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Foto: Maike Drewing

Vor dem Spiegel

Die Falten, die die Zeit
dir auf die Stirn gebügelt,
als schrieben sie den Eid,
dass alles, was beflügelt,
ob’s Leid, ob’s Freudenfest
auch Spuren hinterlässt.

Da kräuseln sich an Mund
und Augen Lachens Zeugen,
doch tut sich Gram auch kund,
mag leicht die Züge beugen.
Es zeichnet Jahr für Jahr
des Lebens dich fürwahr.

Jedoch der Augen Glanz
ist leuchtend dir geblieben,
verspricht noch immer ganz
dies Hoffen, innig Lieben,
das hier im Leben singt,
noch in den Tiefen schwingt
und gütig Freude bringt.

© Ingrid Herta Drewing,2018

Endlich

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In jedem zarten Beginnen
wohnt das Ende; die Zeit
zähmt jeden Flug, und dein Sinnen,
dem träumend doch zu entrinnen,
spannt nur die Flügel weit.

Im Lichte der Illusionen
siehst du den hellen Schein,
würdest gern Himmel bewohnen,
die Kraft der Schwere entthronen
in deinem kleinen Sein.

Die Phantasie leiht dir Schwingen,
schildert den fremden Stern.
Dein irdisch’ Los, alle Dinge,
die dir im Tagwerk misslingen,
erscheinen nichtig, dir fern.

Doch auch dieses kühne Sinnen
kennt das Ende; die Zeit
zähmt jeden Flug, kein Entrinnen,
kannst du auf Dauer gewinnen,
spannst nur die Flügel weit.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Da sein

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Du trägst schon lange jenes Joch der Jahre,
bist aber hier zum Abschied nicht bereit
und trotzt dem Ruf der grauen Norne Zeit.
Noch sprudelt aus der Quelle dir dies klare
und frische Wasser, das den Geist befreit.

So lässt im Lenz du dich vom Licht beglücken.
Die Sonne steigt und schenkt den Blüten Raum,
auch dir erwacht des Frühlings heller Traum.
Ein sanfter Regen netzt die grünen Brücken,
und Vögel singen in des Lebens Baum.

Da schwindet, was nach Dunkel ruft; die Nacht
hält licht den Sternenmantel ausgebreitet;
ein Engel, scheint es, still vorüber schreitet.
Und deines Daseins Stimme, neu erwacht,
dankt ihrem Schöpfer, der das Leben leitet.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Nach der Sommersonnenwende

Jetzt singt der Sommer seine Lieder.
Ein halbes Jahr ging schnell zu Ende,
und doch erwacht nach Sonnenwende
der Tag allmählich später wieder.

Wohl merken wir es kaum,denn Sonne
erstrahlt jetzt heiß, hält alles hell,
die Hitze nachts noch ist zur Stell.
Ein Bad im Mondlicht wird zur Wonne.

Die Erde dreht sich, unser Leben
bewegt sich mit in ihrem Lauf,
und dennoch achten wir darauf,
zu planen unser eignes Streben.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Alter

Die Beine schmerzen,
viele Wege gegangen
im Laufe der Zeit.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Da sein

Du trägst schon lange jenes Joch der Jahre,
bist aber hier zum Abschied nicht bereit
und trotzt dem Ruf der grauen Norne Zeit.
Noch sprudelt aus der Quelle dir dies klare
und frische Wasser, das den Geist befreit.

So lässt im Lenz du dich vom Licht beglücken.
Die Sonne steigt und schenkt den Blüten Raum,
auch dir erwacht des Frühlings heller Traum.
Ein sanfter Regen netzt die grünen Brücken,
und Vögel singen in des Lebens Baum.

Da schwindet, was nach Dunkel ruft; die Nacht
hält licht den Sternenmantel ausgebreitet;
ein Engel, scheint es, still vorüber schreitet.
Und deines Daseins Stimme, neu erwacht,
dankt ihrem Schöpfer, der das Leben leitet.

© Ingrid Herta Drewing,2014