Da sein

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Du trägst schon lange jenes Joch der Jahre,
bist aber hier zum Abschied nicht bereit
und trotzt dem Ruf der grauen Norne Zeit.
Noch sprudelt aus der Quelle dir dies klare
und frische Wasser, das den Geist befreit.

So lässt im Lenz du dich vom Licht beglücken.
Die Sonne steigt und schenkt den Blüten Raum,
auch dir erwacht des Frühlings heller Traum.
Ein sanfter Regen netzt die grünen Brücken,
und Vögel singen in des Lebens Baum.

Da schwindet, was nach Dunkel ruft; die Nacht
hält licht den Sternenmantel ausgebreitet;
ein Engel, scheint es, still vorüber schreitet.
Und deines Daseins Stimme, neu erwacht,
dankt ihrem Schöpfer, der das Leben leitet.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Wunsch

Den Morgengruß der Sonne
froh erwidern,
im Einklang mit den Liedern,
die die Vögel singen,
bevor sie,
sanft entfalten ihr Gefieder,
auf leichten Schwingen
in die Lüfte dringen.

So wie die Möwe
auf der Welle schwebt,
um gleich darauf
in Höhen aufzusteigen,
so möchte ich,
wenn sich die Tage neigen,
dem Licht entgegensehen,
das im Geiste lebt.

© Ingrid Herta Drewing, 2008

Gewissheit

Der schwarze Vogel kreist schon um dein Haus.
Du schließt die Fenster und beginnst zu singen,
träumst von des Phönix’ goldnen Feuerschwingen,
verdrängst gekonnt des nahen Dunkels Graus.

Noch klingt dein Lied und wehrt den fremden Schatten.
Des Lebens Freude birgt dich, hält dich warm.
Der Klang gibt dir die Kraft, lässt nicht ermatten;
du beugst dich nicht in Schwäche vor dem Harm.

Wenn sich das Licht in graue Asche brennt,
wird deine Seele sich in Höhen heben,
durch Sternenstaub in ferne Weiten schweben,
die vorerst auch kein glaubend Herz erkennt.

Doch wartet dort gewiss ein neuer Morgen,
da darfst auch du dich fühlen ganz geborgen.

© Ingrid Herta Drewing