Lebensermunterung

Version 3

Wie oft erstarrst du stumm vor jener Leere,
dem Elend, das zu Wüsten sich ausweitet
und unentwegt in deine Richtung schreitet.
Du fürchtest Kriege, ihre Leidensheere,
den Tod, den dunklen Mantel ausgebreitet.

Die Sehnsucht nach dem hellen Licht der Liebe,
die doch dies Leben hier in Atem hält,
das Wachsen, Blühen, Reifen schenkt der Welt,
beseelt dich dennoch, meidest, was so trübe
und du nimmst wahr, was deinem Blick gefällt.

So vieles, was begegnet dir auf Erden,
nur kurz erscheint, es greift in deinen Tag.
Ein Lächeln im Vorübergehen mag
in seinem Leuchten dir zu Teil auch werden
und löscht den Kummer einer trüben Klag‘.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Erwachen

Schien doch der Traum real,
den deine Nacht gewonnen,
nun siehst du, wie banal
sein Friede war gesponnen.

Bewusstsein spült das Tagen
erneut dir ins Gehirn,
und ganz konkretes Fragen
zieht Falten auf der Stirn.

Da dringt die Welt, das Außen,
was du erwartet kaum,
wohl weit auch wähntest draußen,
nun ein in deinen Raum.

Des Weltkriegs böses Sagen
droht, wieder neu erwacht,
und dunkle Mächte tragen
ins Tagen Todes Fracht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Sängers Wunschlied

Version 2Nein, nicht nur zürnen und klagen,
dass alles Übel der Welt
trübe den Sinn, da Verzagen
Gutes scheint gar zu versagen,
Böses sich Bösem gesellt!

Nein, mich soll dies nicht bezwingen,
was sich gewaltvoll gefällt,
Leid, Krieg und Tod will bedingen,
Weltuntergangsstimmung bringen,
die alles Schöne entstellt!

Will singen sanft von Behüten,
auch jenen Wundern, die hier
wissen um Liebe und Güte,
Werden und Reifen der Blüte,
entstehenden Wegen zum Wir!

Und noch im Dämmern erfahren
dies Hoffen, das Morgenrot,
sehen,wie Licht wächst zum klaren
Tagen des Menschseins,dem wahren
Leben, von Liebe umloht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Gloria Dei

Version 3
Als stünde es in Abendscheines Flammen,
so schön erblüht der Rose Angesicht,
Und lieblich flicht ihr milder Duft im Licht
der Sonne, die so heiß im Mittag spricht,
mir hier des Sommers Leichtigkeit zusammen.

Und immer wieder neue Knospen sprießen,
die Blüten sich entfalten, wohl geborgen.
Was sorgsam war verhüllt, darin verborgen,
darf freudig ich erschauen jeden Morgen,
wenn ich beginn‘ die Pflanze zu begießen.

Es will mir fast als Sinnbild auch erscheinen,
wie sie hier zelebriert ihr Wachsen, Blühen,
das Reifen, vor dem Welken noch ein Mühen,
wie unser menschlich‘ Leben, dies Erglühen,
das uns nur kurz auf Erden wird vereinen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Winternacht

Ein heller Silbermond streift zart die Zweige,
die raubereift hier in der Winternacht
hoch in den Sternenhimmel greifen, schweigen,
der klar und kalt das stille Tal bedacht.

Nun nächtens unterwegs die Einsamkeit,
in blauen Schatten fliegt sie über Schnee.
Zu Eis erstarrt, ermattet liegt der See;
der Winter schreibt amphibisch seine Zeit.

Und alles Leben scheint von hier verbannt,
in Todesruhe, eine Welt der Dinge.
Jedoch, noch in den Tiefen birgt ein Schwingen
des Frühlings Hoffnung treu als Liebespfand.

Um Phönix gleich, entflammt sich zu erheben,
bereit, zu schenken hier erneut das Leben.

© Ingrid Herta Drewing

Engelsbild

Das Engelsbild, das fast verblasst,
erstarrt in Puttenniedlichkeit,
als Werbung lockt’s in Alltags Hast.
Damit es Käufer lieblich fasst,
wird’s neu erweckt zur Weihnachtszeit.

Statt Gottes Wort klar zu verkünden
(die Bibel Engelsboten kennt)
verkaufen sie nun süße Sünden
und mehren Schätze in den Pfründen,
die säkular der Mehrwert nennt.

Noch träumen wir vom wahren Guten,
Schutzengeln, die hier als Geschick
uns stets umsorgen und sich sputen,
auf dass wir nicht im Leid verbluten,
uns gar noch brechen das Genick.

Doch ahnen wir, dies‘ Bild muss lügen,
da Elend, Krieg und Tod der Welt
in immer neuen Höhenflügen
die Güte führen zum Erliegen,
und Menschlichkeit ins Abseits fällt.

Vielleicht gilt’s dennoch, zu entdecken
das Engelsbild in uns, im Wir,
zu lieben üben, nichts bezwecken,
sich hinter Lügen nicht verstecken,
dem Frieden näher kommen hier.

© Ingrid Herta Drewing, 2016Version 3

Nadelöhrkamele

Noch immer fischen sie im Trüben,
negieren Menschlichkeit und Recht,
ihr Hochmut schwelgt in Egoschüben,
um skrupellos Macht auszuüben,
und sei die Wirkung noch so schlecht.

Ressourcen stetig auszubeuten,
auch wenn es in der Ärmsten Land
zerstört die Basis vieler Leute,
seh’n sie doch nur ihr eignes Heute
und ihre Gier nimmt überhand.

Der andern Menschen Not, ihr Leiden,
auch Tod von Kindern schert sie nicht.
Sie wohnen in Palästen, meiden,
was ihren Luxus könnt beschneiden,
und kennen kaum das Wort „Verzicht“.

Bereichern sich durch Hass und Kriege,
Profit der Rüstungsindustrie,
und auf dem Schlachtfeld ihrer Siege
steht Tod als Pate an der Wiege.
Wann endet diese Idiotie?

© Ingrid Herta Drewing,2016

DSCI0004

Über allerlei Graus

Schnell schau ich weg, wenn’s schaurig wird,
Vampir, Werwolfgeschichten,
die gruslig, kühl belichten
ein Leben, das in Blut ertrinkt,
wenn Mord und Tod im Dunkel winkt,
das will mir nicht behagen,
trotz Spannung, ein Verzagen.
Das Bild mir sonst im Kopfe schwirrt.

Bei Sagen sieht es anders aus,
da irren Arme Seelen,
ihr Unheil zu enthehlen
als Geister numinoser Macht,
um ihre ew’ge Ruh gebracht,
die als Gespenst umgehen
und um Erlösung flehen
in Feld und Wald, in Turm und Haus.

Im Märchen geht’s ja meist gut aus.
Da gibt’s noch ein Erlösen
der Guten von dem Bösen.
Als Kind las ich „ Gevatter Tod“,
litt mit dem Helden in der Not,
sein Lebenslicht zu retten.
Den Tod ganz abzuketten
misslang, es losch sein Licht auch aus.

Profan liest Wahres man heraus:
Der Tod wird uns erreichen,
was lebt, muss einmal weichen.
Egal, ob arm wir oder reich,
der Tod macht alles schlicht und gleich.
Die Furcht, sie gilt dem Sterben,
in Schmerzen zu verderben.
Man hofft, man fühl‘ nicht solch‘ Garaus.

Vielleicht ist diese Furcht der Grund,
dass wir dem Grusel frönen,
an Horror uns gewöhnen,
da man beim Lesen ihn bezwingt,
weil er fiktiv nur zu uns dringt.
„Katharsis“, Griechen sagten,
wenn Schicksal sie beklagten,
beim Kultus im Theaterrund.

Vielleicht auch ahnen wir,begrenzt,
dass Mystisches hier wäre,
Geheimnisse erkläre,
die spielen hier in unsre Welt,
wo vieles uns den Blick verstellt.
Im Trüben wir oft fischen
und Tag und Traum vermischen,
erwarten, dass das Leben glänzt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Zur Erinnerung an die Todesopfer an der Berliner Mauer / Klage einer Mutter

Peter Fechter, achtzehn Jahre alt, wurde im August 1962
beim Fluchtversuch über die Mauer in Berlin-Mitte, Zimmerstraße,in der Nähe des Checkpoint Charlie von DDR-Grenzern angeschossen und verblutete auf dem Todesstreifen vor den Augen vieler Menschen.

Klage einer Mutter

Nimm hin die Blüten und den Schnee!
Sie zeigen mir das Weiß der Trauer,
und selbst die Schwäne auf dem See
erinnern mich an jene Mauer,
die tausend Tode für ihn barg.

Die Hoffnung, Freiheit zu gewinnen,
verlockte ihn zu seiner Flucht.
Er war so jung und wollt’ entrinnen
aus jenes engen Zwanges Schlucht,
um neu sein Leben zu beginnen.

Mein müdes Herz, erstarrt im Weh;
noch hör’ ich die geliebte Stimme:
„Wir sehn uns wieder, tschüss, ich geh’,
denk du nur nicht an alles Schlimme,
es wird nicht kommen gar so arg!“

Nimm hin die Blüten und den Schnee!
Sie zeigen nur das Weiß der Trauer,
es singen Schwäne auf dem See
das Lied von jener Todesmauer,
dort wo mit ihm mein Leben starb.

© Ingrid Herta Drewing

Ansinnen

Wie üppig, grün lässt sich der Sommer sehen!
Der Regen hat ihn hier so reich bedacht.
Ich schaue, ahn‘, dass Wachsen und Vergehen
ein Zwillingspaar sind, so wie Tag und Nacht.

Jedoch es will mir schwer erscheinen,
dass auch mein Dasein ist darin verwebt.
Ich möchte Nacht, Vergehen, gern verneinen,
dass mir kein Tod sagt: „Du hast ausgelebt!“

Drum bitte ich den Schöpfer, dass mein Leben
noch lange währe hier auf dieser Welt,
damit mir noch dies‘ Reifen sei gegeben
im kleinen Paradies, das mir gefällt.

Ich liebe Gottes Schöpfung, die Natur
und folge gern des ew’gen Lichtes Spur.

© Ingrid Herta Drewing,2016