Lebensfreude

Version 3

Nein, nicht dies Abschied nehmen
bring heute auf’s Tapet!
Nicht sei in den Emblemen
das Dasein obsolet ,
wo muntrer Vögel Singen
das Tagen schön erhellt,
der milden Lüfte Schwingen
verzaubert neu die Welt!

Nein, sprich mir nicht vom Sterben
und einem nahen Tod!
Für’s Leben will ich werben.
In sanftem Morgenrot
des Tages Licht erwarten,
der Sonne hellen Schein
und Blütenduft im Garten
beglückt hier atmen ein.

„Ja“ sagen und noch bleiben,
mag kurz die Zeit auch sein,
mich freuen, zärtlich schreiben
ins Buch des Lebens ein
und all das Schöne sehen,
erfahren, was es bringt;
mich rüsten, wegzugehen,
erst wenn der Ruf erklingt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

An Maria

Maria,1294962283881737_5502203952542347692_o

Oh, Maria, Mutter aller Mütter,
Gott gab dir und nahm dir deinen Sohn;
doch dein Glaube, auch im Leide unerschüttert,
sah ihn liebend auf dem Gottesthron.

Musstest ihn im Stalle einst gebären,
zwischen Esel dort und Rind.
Wusstest schon, er würd‘ dir nie gehören,
sprach doch Engel Gabriel vom Gotteskind.

Josef aber stand dir treu zur Seite,
und die Könige aus fernem Land
kamen zu dem Kinde, sterngeleitet,
brachten Weihrauch, Myrrhe, Herrschers Unterpfand.

Konntest wohl kaum fassen, dass das kleine Wesen,
dir am Herzen wachsend, Weltenretter sei,
dass er die, die an ihn glauben, sollt‘ erlösen,
dass er trotze Tod und Teufel selbst dabei.

Später, als die Welt begann, dein Kind zu hassen,
qualvoll tötete, es schien von Gott verlassen,
da Maria, war’s dein stummer Schrei,
der für alle Mütter in der Welt erklungen,
denen man ein Kind entrissen hat.
Auch wenn Liebe dann den Tod bezwungen,
blicken doch die Augen tränenmatt,
denn sein irdisch Leben ist vorbei.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Wiesbaden,Ausschnitt, Krippe auf dem Weihnachtsmark

Ein Märchen

Goldsternjpg

„Ach,Omi, bitte,nur ein Märchen,
erzähle,eins,dann geb‘ ich Ruh‘!“,
so bettelt inständig klein Klärchen,
„ vielleicht von Sternen? Ich hör zu.“

FALSCHER STERN

Es trug sich zu vor vielen langen Jahren,
dass dort in einem fernen, fremden Land
die Menschen trugen Sterne in den Haaren,
die man aus feinem Gold in Flechten band.

Zunächst war’s schöner Brauch, dann ward’s Gesetz,
und keiner konnte unbesternt bestehen.
Es hieß, wer dieses Sterngesetz verletz‘
sollt‘ einer schweren Strafe nicht entgehen.

Der Juweliere Arbeit wuchs; zu tun
hatten natürlich, reich an Zahl, Frisöre.
Sogar den Kinderschopf versah man nun
mit kleinen Sternchen, schmückte jede Göre.

Zwar gab’s in diesem Lande wohl auch Glatzen;
jedoch sah man sie noch besternt bei Nacht,
bedeckt mit Gold die haarigen Matratzen,
Perücken, die aus Mädchenhaar gemacht.

Sogar der König, munkelte man dunkel,
sei ziemlich haarlos unter dem Toupet,
das, Edelstein bespickt, als Lichtgefunkel
er trug im Sternenglanz der edlen Höh‘.

Wo so viel Reichtum glänzt, gibt es auch Arme.
So war es leider auch in diesem Land,
wo Gier und Dünkel fremd der Satz: „Erbarme
dich dem, der glücklos neben dir sich fand!“

Dem Prassen, ganz der Eitelkeit ergeben,
sich richtend in Bequemlichkeit fein ein,
versorgt von armer Sklaven Kraft dies Leben,
das sich gefiel im Parasitensein.

Tief in des Stollens trübem Licht der Minen
trieb man zur Arbeit an Mann, Weib und Kind.
Ihr Leben, das die Sonne kaum beschienen,
verging im Joch der Qualen wie im Wind.

Die Wächter, Roboter, den Nachschub suchten,
auf Straßen fingen Unbesternte ein,
und wenn auch die, gefangen, klagten, fluchten,
war’s ihnen gleich, das Soll erfüllt musst‘ sein.

So kam es, dass ein Fang betraf den Prinzen,
der aus dem Schloss geschlichen unbedacht,
verkleidet, fern dem Hofe wollte linsen,
was das gemeine Volk wohl täglich macht.

Er wehrte sich, man ließ ihn nicht entrinnen,
die Wächter sahen bei ihm keinen Stern,
und eh‘ er sich vermochte zu besinnen,
war nun des Königs Sohn versklavt, ihm fern.

Im Lager fand er seinen Hochmut wieder,
befahl:“ Kniet nieder, ich bin Königs Sohn!“
Doch man versagte ihm Gefolgschaft, bieder,
verschmähte ihn mit Worten voller Hohn!

„Habt ihr’s gehört, die Majestät, der Junge,
spielt jetzt mit uns sogar noch König:Knecht!
Los an die Arbeit, hüte deine Zunge,
wer hier nicht spurt, dem geht es furchtbar schlecht!

Wir halten’s deiner Jugend noch zu Gute,
ansonsten ahnden wir solch schlechten Scherz.
Ob du von Adel oder andrem Blute,en
ist uns egal, uns alle frisst der Schmerz.“

Da konnte er sehr bald bewusst ermessen,
dass solches Dasein führt zu frühem Tod,
nur faules Wasser, schimmlig Brot als Essen,
die Arbeit mühsam, täglich Pein und Not.

Nun könnte mancher vorschnell leicht vermuten,
dass diesem Prinzen wurde hart der Sinn,
er, Böses plante, sah nicht auf die Guten,
die mit ihm zogen zu den Minen hin.

Jedoch er lernte, traf den Leidgenossen,
den einen Freund, der tapfer zu ihm stand,
sodass er überlebte, unverdrossen,
obwohl solch Sklavenlos ihm unbekannt.

Und als dann eines Tag’s ein schlagend Wetter
dort explodierte, alles setzt in Brand
erwies auch er sich als des Freundes Retter,
den er verschüttet unter Steinen fand.

Er barg ihn sanft, trug ihn hinaus ins Freie
und legte, pflegte ihn, ein Baum ihr Dach;
dann schlief auch er ein, bis ihn ein Geschreie
von Rabenkrähen rief so seltsam wach:

„Gut bist du, Prinz, du solltest König werden,
damit in diesem Reich vorbei die Not,
von Dummheit, Gier und Hochmut hier auf Erden
kein Leben eines Wesens sei bedroht!“

Und eine Elster, die sich zugesellte,
nun keckerte mit magisch‘ süßer Stimm‘:
„ Hier ist dein Stern, den ich mir flugs bestellte,
steck‘ ihn dir an, beeile dich,komm‘, nimm‘!“

Als dann der Sonne Strahl ihn wärmte, weckte,
war auch des Freundes Blick schon wieder klar,
sodass er jenen Königsstern entdeckte.
Der Prinz erkannte, dass sein Traum war wahr.

Nun ging’s zum Schloss, dort wehten Trauerfahnen,
tiefschwarz verkündeten sie den Verlust
des Kronprinzen; denn niemand konnte ahnen,
dass dieser in den Minen fristen musst‘.

Doch als der König wiederfand den Sohn,
die Königin ihn drückte an ihr Herz,
erklärte dieser, dass des Goldes Lohn
verursachte sein Missgeschick, den Schmerz.

„ Mein Vater“, sprach er, „ statt des Goldes Glanz,
das mühsam in den Minen wird gewonnen,
missachtend andrer Menschen Leben ganz,
hab ich mich eines Besseren besonnen.

Ich bitte Euch, lasst uns natürlich leben,
wir brauchen nicht den Pomp und falschen Schein,
denn dieses Reich sei reich durch gutes Geben,
das keinen lässt im Sklavendienste sein!

Auch jene Roboter, die stumpf in dumpfem Sinn
zum Drangsalieren normativ gedacht,
lass‘ programmieren um und send‘ sie hin
zu hüten sorgsam Schafe Tag und Nacht!

Nie sollt‘ es mehr in unsrem Lande sein,
dass böse Ansicht wuchert, und was schlecht
sogar in ein Gesetz mag fließen ein,
nie mehr missachte man das Menschenrecht!“

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Und, Omi, hat der König das getan?
Lebte der Freund des Prinzen nun im Schloss?

So ganz genau, vermag ich’s nicht zu sagen,
jedoch erschien der Prinz mir voller Mut.
Ich glaube, auch sein Freund musste nicht klagen,
denn meistens enden alle Märchen gut.

© Ingrid Herta Drewing

Gewissheit des Glaubens

Sonne, Meer, Lanzaroteo

Wenn sich die Stille wie ein Seidenschal
zur Nacht um meine müden Schultern legt,
und wohlig Wärme mein Ermatten hegt,
dann frag ich mich, ob wohl zum letzten Mal
das Leben auch solch Abschied nehmen pflegt.

Wünsch mir, es möge sein ein sanftes Gleiten,
das zärtlich führt zu einem Ende hin,
vielleicht sogar in einen Neubeginn,
wo jenseits alles Irdischen der Zeiten
und Räume mich erwartet wahrer Sinn.

Die Augen schließend, fühle ich die Ruh
und lasse sanft des Tages Lied verklingen
dem Raunen meiner Seele hör ich zu,
die glaubend mich erinnert, sagt:“ Auch du
bist ein Kind Gottes, zu ihm wirst du dringen!“

© Gedicht: Ingrid Herta Drewing,2017
Foto : Ingmar Drewing

Lebensermunterung

Version 3

Wie oft erstarrst du stumm vor jener Leere,
dem Elend, das zu Wüsten sich ausweitet
und unentwegt in deine Richtung schreitet.
Du fürchtest Kriege, ihre Leidensheere,
den Tod, den dunklen Mantel ausgebreitet.

Die Sehnsucht nach dem hellen Licht der Liebe,
die doch dies Leben hier in Atem hält,
das Wachsen, Blühen, Reifen schenkt der Welt,
beseelt dich dennoch, meidest, was so trübe
und du nimmst wahr, was deinem Blick gefällt.

So vieles, was begegnet dir auf Erden,
nur kurz erscheint, es greift in deinen Tag.
Ein Lächeln im Vorübergehen mag
in seinem Leuchten dir zu Teil auch werden
und löscht den Kummer einer trüben Klag‘.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Erwachen

Schien doch der Traum real,
den deine Nacht gewonnen,
nun siehst du, wie banal
sein Friede war gesponnen.

Bewusstsein spült das Tagen
erneut dir ins Gehirn,
und ganz konkretes Fragen
zieht Falten auf der Stirn.

Da dringt die Welt, das Außen,
was du erwartet kaum,
wohl weit auch wähntest draußen,
nun ein in deinen Raum.

Des Weltkriegs böses Sagen
droht, wieder neu erwacht,
und dunkle Mächte tragen
ins Tagen Todes Fracht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Sängers Wunschlied

Version 2Nein, nicht nur zürnen und klagen,
dass alles Übel der Welt
trübe den Sinn, da Verzagen
Gutes scheint gar zu versagen,
Böses sich Bösem gesellt!

Nein, mich soll dies nicht bezwingen,
was sich gewaltvoll gefällt,
Leid, Krieg und Tod will bedingen,
Weltuntergangsstimmung bringen,
die alles Schöne entstellt!

Will singen sanft von Behüten,
auch jenen Wundern, die hier
wissen um Liebe und Güte,
Werden und Reifen der Blüte,
entstehenden Wegen zum Wir!

Und noch im Dämmern erfahren
dies Hoffen, das Morgenrot,
sehen,wie Licht wächst zum klaren
Tagen des Menschseins,dem wahren
Leben, von Liebe umloht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Gloria Dei

Version 3
Als stünde es in Abendscheines Flammen,
so schön erblüht der Rose Angesicht,
Und lieblich flicht ihr milder Duft im Licht
der Sonne, die so heiß im Mittag spricht,
mir hier des Sommers Leichtigkeit zusammen.

Und immer wieder neue Knospen sprießen,
die Blüten sich entfalten, wohl geborgen.
Was sorgsam war verhüllt, darin verborgen,
darf freudig ich erschauen jeden Morgen,
wenn ich beginn‘ die Pflanze zu begießen.

Es will mir fast als Sinnbild auch erscheinen,
wie sie hier zelebriert ihr Wachsen, Blühen,
das Reifen, vor dem Welken noch ein Mühen,
wie unser menschlich‘ Leben, dies Erglühen,
das uns nur kurz auf Erden wird vereinen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Winternacht

Ein heller Silbermond streift zart die Zweige,
die raubereift hier in der Winternacht
hoch in den Sternenhimmel greifen, schweigen,
der klar und kalt das stille Tal bedacht.

Nun nächtens unterwegs die Einsamkeit,
in blauen Schatten fliegt sie über Schnee.
Zu Eis erstarrt, ermattet liegt der See;
der Winter schreibt amphibisch seine Zeit.

Und alles Leben scheint von hier verbannt,
in Todesruhe, eine Welt der Dinge.
Jedoch, noch in den Tiefen birgt ein Schwingen
des Frühlings Hoffnung treu als Liebespfand.

Um Phönix gleich, entflammt sich zu erheben,
bereit, zu schenken hier erneut das Leben.

© Ingrid Herta Drewing

Engelsbild

Das Engelsbild, das fast verblasst,
erstarrt in Puttenniedlichkeit,
als Werbung lockt’s in Alltags Hast.
Damit es Käufer lieblich fasst,
wird’s neu erweckt zur Weihnachtszeit.

Statt Gottes Wort klar zu verkünden
(die Bibel Engelsboten kennt)
verkaufen sie nun süße Sünden
und mehren Schätze in den Pfründen,
die säkular der Mehrwert nennt.

Noch träumen wir vom wahren Guten,
Schutzengeln, die hier als Geschick
uns stets umsorgen und sich sputen,
auf dass wir nicht im Leid verbluten,
uns gar noch brechen das Genick.

Doch ahnen wir, dies‘ Bild muss lügen,
da Elend, Krieg und Tod der Welt
in immer neuen Höhenflügen
die Güte führen zum Erliegen,
und Menschlichkeit ins Abseits fällt.

Vielleicht gilt’s dennoch, zu entdecken
das Engelsbild in uns, im Wir,
zu lieben üben, nichts bezwecken,
sich hinter Lügen nicht verstecken,
dem Frieden näher kommen hier.

© Ingrid Herta Drewing, 2016Version 3