Sonntagmorgen im Februar

Der Tag erwacht, im Wolkengrau verloren,
zeigt müde nur der Winter blass Gesicht,
als habe er November auserkoren,
erfülle stur des Herbstes Abschiedspflicht.

Dort auf dem Baum im schwarzen Frack die Krähen,
fein aufgereiht, als seien sie bestellt,
hier nun als stumme Wächter auszuspähen,
was sich bewegt in dieser Nebelwelt.

Warm eingemummt, gehst dennoch du spazieren
und hoffst, dass schließlich doch der Sonne Licht
vermag sich durch die Trübe zu bugsieren,
hell strahlend dann von blauem Himmel spricht.

Und Schneeglöckchen, die zart im Park hier sprießen,
dich lassen schon den Frühling ahnen, grüßen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2019

Winterlicht

Im Nebelbett schläft noch das Land;
hier hegt der Wintermorgen Träume.
Es schenkt der Raureif ihm sein Pfand.
Dort, wo kein Vogel singt,
kein Eichhörnchen jetzt springt,
bemalt er fröstelnd kahle Bäume.

Im hellen Sonnenglanz erwacht,
ein Zaubermärchen die Gefilde
in filigraner, weißer Pracht.
Ein Funkeln leuchtend spricht,
und lächelnd hier im Licht
erlebst du nun des Winters Milde.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Gipfelglück

Unter dem Himmel, der grau blieb, verborgen,
suchst du hier hoffend den Weg hin zum Licht,
trägst deine Bürde alltäglicher Sorgen
und buchstabierst oft auch mühsam Verzicht.

So viele Wege fast nutzlos beschritten,
wagst du dann dennoch den Aufstieg am Berg.
Stehst auf dem Gipfel und was du erlitten,
schwindet, die Welt unten klein wie ein Zwerg.

Über den Wolken der Blick in die Weite,
fern aller Nebel verschwommener Schau,
fühlst du des Augenblicks glücklich Geleite;
über dem Gipfel strahlt Sonne im Blau.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2019

Wintermorgen

Als hätten Elfen über Nacht
gewirkt den Bäumen Sternenspitzen,
die zart im Morgenlicht erwacht,
von hellem Sonnenschein bedacht,
hier weiß erstrahlen, funkeln, blitzen.

Was gestern grau war, nass und kahl,
darf heute klar im Licht erglänzen.
Die Nebelfee, ihr Frostgemahl
sie tauschten Küsse, reich an Zahl,
mit Raureif Äste zu umkränzen.

Du siehst des Winters Meisterstück
und magst kaum deinen Augen trauen.
Geblendet von der Schönheit Blick,
genießt du nun das kleine Glück,
darfst die Natur im Glanz erschauen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Weihnachtstraum

Da war es wieder, dieses Klingen,
als hielten gute Mächte Wacht.
Ich träumte, hörte Engel singen,
sie nahten da auf sanften Schwingen
zur Krippe in der heil’gen Nacht.

So wundersame alte Lieder
umschmeichelten mein müdes Ohr,
und meine Augen sahen wieder
den hellen Schein, er strahlte nieder
auf das, was dunkel sich verlor.

Ein Leuchten war’s und hehres Glänzen,
das hier den kargen Raum erfüllt‘.
Dies Licht lud ein zu Jubel, Tänzen,
als wolle freudig es ergänzen,
was sich sonst traurig noch verhüllt.

Ein seltsam Wunder durft‘ ich schauen,
auf dass auch ich, ein irdisch‘ Kind,
bestrebt‘ auf Klares stets zu bauen,
nun neu erwacht im Gottvertrauen,
hier meinen Weg zur Wahrheit find‘.

© Foto u. Text:Ingrid Herta Drewing,4.01.19

Wintersonnenwende

Die Weihnachtsstimmung schwimmt im Regen.
Die Füße werden klamm, feuchtkalt
weht dir der Westwind nun entgegen
und bläst den Nebel aus dem Wald.

Hier grünen hohe Tannenbäume,
von Schneelast Äste unbeschwert,
und frühlingshafte Weihnachtsträume
ein zwitschernd Meisenpaar beschert.

Die Illusion, zur Sonnenwende
zög’ mit dem Licht auch Frühling ein,
hebt nur für kurze Zeit die Blende,
dann holt dich Winter wieder ein.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Dezemberfrühling

Das Jahr ist alt geworden
und wartet auf sein Ende
in Kälte aus dem Norden.
Doch heut zur Sonnenwende
erscheint ’s, als ob es fände
nun hin zum Neubeginn.

Nicht nur die Tannen grünen,
geschmückt im Weihnachtsglanz,
auch auf den Wiesenbühnen
der Gänseblümchen Tanz
lässt da vergessen ganz,
wie Tage gehen hin.

Dezember zeigt sich milde,
kein Winter ist in Sicht.
In Frühlings zartem Bilde
beginnt ein wachsend Licht,
das uns ins Dunkel flicht
des Lebens Hoffnungssinn.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

An der Krippe

Und an der Krippe steh‘ ich wieder
zur Weihnacht, wartend wie ein Kind,
höre beglückt die alten Lieder,
die mir vertraut noch immer sind.

Steh hier im milden Schein der Kerzen,
der warm mit Licht den Raum erfüllt ,
und dunkle Winkel in den Herzen
in freudig neue Hoffnung hüllt.

Dem Wunder Weihnacht tief vertrauend,
andächtig zu dem Kinde schauend,
vernehmend, was es zu uns spricht.

Ihm folgen, liebend und in Güte
den Nächsten achten, ihn behüten
im Dunkel hell, voll Zuversicht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Beim Anblick der Amaryllis

Vier Wochen lang den Blick bemüht,
ich wollt‘ dich wachsen sehen,
und heute bist du hell erglüht,
in rotem Glanze nun erblüht,
darfst strahlend aufrecht stehen.

Dein Leuchten passt gut zum Advent,
wenn wir uns hoffend freuen
auf den, der das Erlösen kennt,
der uns von Dunkelheit hier trennt.
Kein Tod-und Teufel-Scheuen!

Mir zeigt es auch, wie licht das Leben,
in jeder Zelle wirkend, schwingt.
Ein Nehmen und ein zärtlich Geben,
dies sanfte Wachsen, lind Verweben
mir tief in Sinn und Seele dringt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Advent

Advent, es brennt das erste Licht,
hell strahlend hier im Kranz.
Von Hoffnung dieses Zeichen spricht,
erfüllt die Nacht mit Glanz.

Zeigt uns, dass mitten im Verzicht
der Glaube uns gewähre
Geborgenheit, denn er verspricht,
dass Gott das Heil beschere.

Dem Christuskind froh darzubringen,
was weihnachtlich wir haben,
hier mit den Engeln freudig singen
von Frieden, Liebesgaben.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018