Dichte

Nicht nur an Autorentafeln
findet man den Hang zum Schwafeln.
Wo mit Worten man besticht,
werbewirksam was auftischt,
mag man wörtlich gern jonglieren,
und geschickt manipulieren,
sich so flugs in Szene setzen,
auch im Internet vernetzen,
ob mit Schlagwort, mit Bericht.
Nur der Dichter im Gedicht
lasse sich von Dichte leiten.
Will er Bilder, Klang ausbreiten,
frage Muse ihn beizeiten,
ob das Poesie entspricht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Poesie

Rosen_o

Da war ein Klang
ein Zauber zarter Worte,
der zu mir drang
und Sinne, Seele wärmte.
Ein nie gekanntes Streben
erweckte neu mein Leben.
Es löste das Verhärmte,
verbannte Zwang
und fand an klarem Orte
des Dichtens Sang.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Dichters Lohn

Diso
Vom wohl Tradierten mag ich mich nicht trennen
und folg‘ dem Reimen, das ich froh geschaut.
Es reicht, wenn Leser, Hörer das erkennen,
was man in Klang und Bild Gedicht darf nennen,
die Worte, die der Seele sind vertraut.

Wer meint, es sei nur Werk der Epigonen,
zu wenig Neues, Sprache, Stil geschönt,
verkennt, dass dort, wo Träume sprechend wohnen,
mit ihrer sanften Stimme schon belohnen
den Menschen, den die Poesie verwöhnt.

Da braucht es keinen Wirbel, auch kein Rühmen,
nicht einen Preis, von Händlern ausgelost,
noch Medienrummel, der im Ungestümen
für ein paar Tage wird zu Ungetümen.
Es reicht ein Like im Internet, ein Dankes Post.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Das Buch ist da

17098292_1422440404479549_3645499297299457892_nGerade brachte mir der Postbote dieses schöne Taschenbuch.
Marina Maggio, Perdita Klimeck und ich lassen darin Facetten unsrer Lyrik aufleuchten.

Die Sprache der Poesie

licht-kanalIch mag die Sprache, wenn sie deutlich, schlicht
Gegebenheiten wahr und klar uns nennt,
auch anschaulich in Klängen, Bildern spricht,
und nicht versteift, nur das Abstrakte kennt.

Wer gern mit Aufwertwörtern Verse spickt
und glaubt, dies sei poetisches Gestalten,
wird, wenn die Poesie die Blüten pflückt,
statt Sträußen Hülsen in den Händen halten.

Nicht dies geschraubte Stelzen schenkt den Sieg.
Was lyrisch ist, beglückt uns auch als Lied;
wir sehen fühlend, hören die Musik.
Die Melodie in ihren Bann uns zieht.

Denn Sprache lebt im Licht der Poesie,
wenn Bild, Gedanke, Klang in Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing

Traumbild

Noch war es vage, nur ein Traum-Gedanke.
Doch trug des Tages Leuchten ihn dann fort
und ließ ihn suchen Halt gleich grüner Ranke.

So fand auch er den Weg, den Hoffnungshort,
der allem innewohnt, was hier darf leben
und bergen sich an wohlbestimmtem Ort.

Um sich dann werdend, wachsend zu verweben
hier in der Sonne mildem, warmem Licht
Ein sinnvoll Walten wollte gütig geben.

Und dort, wo oft nur herrschte der Verzicht,
erstrahlte Freude nun aus tiefem Lieben;
es schrieb die Poesie sich ihr Gedicht.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Worte

Da gibt es Worte,
sanft mit zarten Flügeln.
Sie schweben leicht dahin
und strahlen über Hügeln,
beleben Seele, Sinn.

Doch andre harte,
losgelöst von Zügeln,
sie schmerzen, ihr Gewicht
vermag es, platt zu bügeln,
was sprießt und drängt zum Licht.

Auch jene Worte,
die geheuchelt‘ glatten
in ihrem Lügenkleid,
betrügen und begatten
einander bös‘ im Neid.

Ich lieb das klare Wort
und auch die Poesie,
die ihm die Rosen flicht‘,
hell klingt in Harmonie
und wahr,lebendig spricht.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Mensch und Kunst

Wird, was gewesen, irgendwo noch bleiben,
die Worte, Klänge und der Farben Licht?
Wer wird es lesen, was die Dichter schreiben,
wenn Alltags Enge fordert harte Pflicht?

Wird alles enden, sinken ins Vergessen,
verblassen Schönes, sanftes Morgenrot?
Wird Härte blenden und das Leben messen,
beschließen jenes, was nur nutzt in Not?

Sie werden’s wenden, jene, die da lieben,
andächtig lauschen, wenn Musik erklingt,
auch Freude spenden, sich in Künsten üben
und auszutauschen, wenn die Seele schwingt!

Solange Menschen sind auf dieser Erde,
gehört auch ihre Kunst zum „ stirb und werde!“

© Ingrid Herta Drewing,2015

Jahresklang

Die Welt ist Klang, die Welt ist Farbe,
in Harmonie ein lichtes Schwingen.
Es deckt der Frühling Winters Narbe;
im Blühen hell die Vögel singen.

Der Sommer schenkt uns Wärme, Reifen,
Gewitter auch; doch Regenbogen
so farbenschön in Lüfte greifen
am Himmel, Sonnenstrahl gewogen.

Im Herbst, ein Rausch, dies Abschiedfest!
Es brennt des Laubes Gold-Gesicht,
bis wild der Sturm es tanzen lässt,
es fällt und welkt im Nebel dicht.

Der Winter wählt die Pause, Stille,
und glitzernd funkelt weiß der Schnee.
Als wirke hier ein starker Wille
bannt Frostes Eis den Klang im See.

Doch wieder klingt die Welt, in Farbe
und Harmonie ein lichtes Schwingen.
Bald deckt der Frühling Winters Narbe;
Musik erblüht, hell Vögel singen.

© Ingrid Herta Drewing,2015

Dichten

Es klingt in mir; mich nehmen in die Pflicht
der Verse Rhythmen, Bilder, Reime, Klänge.
Allmählich formt es sich, wird zum Gedicht.
Ich folge, fasse auf des Laufs Gesänge.

Dies‘ Liedgebilde, das da singt in mir,
ein Tanz der Worte, die mich sanft begleiten,
sich finden, schön geschrieben auf Papier,
sie wollen hin zur Klanggestalt mich leiten.

Ich weiß nicht, was das ist, das mich lässt dichten.
Nur fühle ich, dass es mir Freude macht,
so frei nach dieser Stimme mich zu richten
und Bildern, die für meinen Blick erwacht.

Beglückt im Zauberreich der Poesie
erfahre ich des Lebens Melodie.

© Ingrid Herta Drewing,2014