Herbstvillanelle

Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
schon spiegelt sich der Herbst im blanken See,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Noch fährt der Wind hier durch die Wipfel leise,
und goldgelb glänzt, was vormals grün wie Klee,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Doch all zu bald reißt Sturm dort seine Schneise,
lässt Blätter wirbeln, tanzen leicht wie Schnee,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Die Kraniche beginnen ihre Reise,
sie ziehen südwärts nun in großer Höh‘,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Die Krähe krächzt und bleibt, so auch die Meise.
Im Walde kämpfen Böcke, Hirsch wie Reh,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Vergänglich alles Leben, das ich preise,
so sagt auch mir der Herbst einmal: „ Nun geh‘!“
Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.
Ach könnt ich zaubern, wäre gerne Fee!

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Unwetter

Das Wetter spielt verrückt, so will’s mir scheinen.
Die USA erstarrt in Kälte, Schnee
auf Palmen, wo Subtropen sich vereinen,
herrscht nun Polarluft aus des Nordens Höh‘.

Bei uns ist’s milder, dennoch Stürme toben.
So aufgewühlt zerstört das Meer den Strand,
und Regenmassen stürzen sich von oben
herab, die Flüsse überfluten Land.

Das Wasser, das die Straßen, Keller flutet,
als braune Brühe löscht die Ufer aus
und sorgt dafür, dass man sich rettend sputet,
Geborgenheit herrscht so nicht mehr zu Haus.

Da heißt’s Land unter, doch kein Schiff darf fahren,
im Hafen liegen dicht an dicht sie fest.
Es wächst die Sehnsucht nach dem sonnenklaren
und hellen Morgen, der sie ziehen lässt.

Die Hoffnung, dass die fahlen, nassen Tage,
das Hochwasser in Bälde sind vorbei,
damit wir, unversehrt von jener Plage,
dem neuen Jahr begegnen wieder frei.

© Ingrid Herta Drewing, 2018

Erster Weihnachtsfeiertag

Wiesbaden, Nerotal_3899950066780662224_o

Es grüßt die Landschaft frühlingsgrün,
wirkt dennoch fast verstellt.
Am Hang die Nebel aufwärts zieh’n,
verschleiern hier die Welt.

Ich wünschte mir zur Weihnacht Schnee,
den Winter klar und kalt,
wenn Sonnenglanz aus Himmels Höh‘
aufglitzern lässt den Wald.

Statt dessen künden Sturm und Regen
uns an ein graues Bild.
Die Wetterwünsche, die wir hegen,
sie bleiben unerfüllt.

Mag es auch wild jetzt draußen dräuen,
zu Hause stört ’s uns nicht,
weil wir gesellig uns erfreuen
bei Punsch und Kerzenlicht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Sommermorgen in Wiesbaden

Morgenröte in Wiesbaden,02.08.17,o

Türkis der Himmel, und die Morgenröte
nun zaubert sanft ein Lächeln in den Tag.
Vergessen sind Gewitter und die Nöte,
die es gebracht in Stadt,Park,Feld und Hag.

Noch zeigen Äste, Stämme jener Bäume,
die hier zu früh von Blitz und Sturm gefällt,
wie des Unwetters Wüten Straßen,Räume
tief in der Nacht allseitig zugestellt.

Doch fleißig viele Helfer sich bemühen,
der Feuerwehren Einsatz richtet’s ganz,
beseitigt Schäden und lässt neu erblühen
den Alltag in der Stadt und ihren Glanz.

Begrüßen wir den Sommertag, den neuen,
der uns in seiner Milde mag erfreuen!

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Gewitter

Gewitterwolken_o

Und es wachsen Wolkenberge,
türmen weiß sich himmelan.
Sie umzingeln Häuserzwerge,
und verbergen Sonne dann.

Bald färbt sich der Himmel grau,
dräut in schwefelgelben Streifen.
Und der Wind stürmt rasend, rau,
wütend will er alles greifen.

Drohend grelle Blitze zucken,
und der Donner dröhnend rollt,
ängstlich kleine Vögel gucken,
als der Hagel prasselnd grollt.
Amsel

Laut tobt das wohl eine Weile,
dann wird ’s wieder hell und still,
bis hoch auf der Dachfirstzeile
eine Amsel ohne Eile
süß ihr Liedchen singen will.

© Fotos u. Text / Ingrid Herta Drewing

Am Meer

MeerEs rauscht das Meer, die Brandung an den Buhnen
verwirbelt weiß sich in der Gischt und tanzt.
Dort, wo die Küste steil, verwischt es Runen
im Felsgestein, von Wasser, Wind gestanzt.

Gefräßig nagt die Brandung hohle Kehlen,
und in den Lüften stürzt die Möwe, schreit,
wie einstmals dort beim Schiffbruch arme Seelen,
von Sturm gepeitschter See an Land gespeit.

Ein unablässig Spiel hier, die Gezeiten,
die, folgend dieses fernen Mondes Lauf,
im Kommen, Gehen weit in Wellen schreiten,
den Strand und seine Sande wühlen auf.

Wie alles hier der Zeit anheim gegeben
und dennoch auch erfüllt vom Wunder Leben.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Winters Kapriolen

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Der Himmel grau, der Sturm braust durch die Straßen
und greift den kahlen Bäumen ins Geäst,
die fast in ihrer Raureifzier vergaßen,
dass Winter sich recht launisch blicken lässt.

Der Schnee, der in der Neujahrsnacht gefallen,
getaut in milder Regenfront aus West;
doch Frost und Nebel wirkten eisig allen
das weiße Glitzerkleid an ihren Zweigen fest.

Der Regen und des Windes stürmisch Treiben
sind auch wohl nur ein kleines Interim,
dann wird der Winter hier mit Schnee verbleiben
und zeigt uns,dass sein schönes Bild doch stimm‘.

Es schenkt Natur hier ihre stille Zeit,
und wir zum Innehalten sind bereit.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Herbstblues

Ich fühle kalt den Hauch auf meinen Wangen.
Es fegt der kühle Nordwind nun durchs Land,
nimmt wirbelnd Blatt um Blatt im Tanz gefangen,
die er der Bäume Kronen wild entwandt‘.

Am Himmel ziehen Kraniche nach Süden,
ich höre ihren Abschiedsruf „Kiru“.
Wie gerne zöge ich mit ihnen,regenmüde,
denn bald zieht Nebel hier den Vorhang zu!

Mein Sommertraum, er ging zu früh zu Ende,
verlassen liegt das Haus; das Meer,
vom Sturm gepeitscht, frisst sich in unsre Strände.
Die Dünung rollt, die Boote sie sind leer.

© Ingrid Herta Drewing,2016

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Zu Hause

Geschlossen sind die Fenster,
denn Sturmwind fegt ums Haus,
reißt nassen Baumgespenstern
die letzten Blätter aus.

Lässt hoch in Lüften tanzen,
was unlängst golden, satt
an Baum und Busch den Pflanzen
als Zier gegolten hat.

Da fliehen selbst die Krähen,
die sonst kein Wetter schreckt.
Sie suchen und erspähen
in Nischen ihr Versteck.

Der Himmel, grau verschattet,
nimmt Wolken in die Pflicht,
und Sonne, nun ermattet,
gewährt nur trübes Licht.

Du bist zu Haus geborgen,
wo Feuer, Liebe wärmt,
und im Kamin am Morgen
schon rot die Flamme schwärmt.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Nach dem Unwetter

Es legt der Tag im Morgen seine Spuren,
und hinterm Wolkengrau da wartet Licht,
das bald auf den verwaisten Sonnenuhren
hell strahlend durch der Zeiger Schatten spricht.

Die Rosen blühen, blieben ungefährdet
in ihrer Mauernische unterm kleinen Dach,
als sich Gewitterstürme wild gebärdet‘
und manchen hohen Baumes Astwerk brach.

Die Hagelwälle, die die Straße säumten,
sie sind getaut; auch droht nicht mehr Verzicht
dem Weitblick, viele Hände halfen, räumten
den Schutt-Berg fort, der dort versperrt‘ die Sicht.

Wenn man einander hilft, zusammen steht,
wird meist‘ das ärgste Übel obsolet.

© Ingrid Herta Drewing, 2016