Herbst- Beschaulichkeit

Der Regen malt mir Muster auf mein Fenster,
und Tropfen perlen, tanzen trüb im Licht.
Zwar wichen Nebelmorgens Grau-Gespenster,
doch Dauerregen sieht sich in der Pflicht.

Da schätz‘ ich mein gemütliches Zuhause,
das warme Leuchten, das im Stövchen glimmt;
und ich genieße Tee, gönn‘ mir die Pause,
das trübe Wetter mich beschaulich stimmt.

Wenn ’s draußen dräut, fühl‘ ich mich drin geborgen,
entfliehe Kälte, folg dem schönen Klang
der Poesie und hör‘ an solchem Morgen
Musik, Konzerte, Opern, Kunstgesang.

Auch wenn das Wetter sollte schaurig walten,
vermag ich’s, mir mein Leben zu gestalten.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbststurm

Der Herbst zieht stürmisch über Meer und Land;
er rüttelt Bäume, und die Früchte fallen.
Als seien Nüsse, Esskastanien für ihn Tand,
lässt er sie achtlos auf den Boden knallen.

Auch wütet er, scheut selbst nicht den Orkan,
reißt mit ihm Bäume aus, sodass sie stürzen
auf Straßen und aufs Schienennetz der Bahn,
ist nicht bemüht, die Fahrzeit zu verkürzen.

Da bleibt, wer kann, zum Schutz recht gern zu Haus
geborgen, hört das Toben, Regen klatschen,
um dann, wenn Ruhe herrscht nach diesem Graus,
zur Inspektion dort durch den Matsch zu patschen.

Die Dächer ganz, und auch die alte Linde
steht unversehrt am angestammten Platz.
Die Keller nicht geflutet, und wir finden:
Schutzengel hüteten uns vor der Hatz.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Gewitter

Es drängen Wolken vor die Sonne,
die hier noch heiß vom Himmel sticht.
Sie quellen berghoch auf, zerronnen
ist bald das blaue Himmelslicht.

Und ein Gewitter droht zu nahen,
der Wind frischt auf, stürmt böig schnell.
Von fern’ wir Wetterleuchten sahen,
die Feuerspuren, zackig, hell.

Jetzt ist es da, der Regen prasselt,
und Hagel tanzt wild auf dem Dach.
Grell zucken Blitze, Donner rasselt,
laut krachend stürzt der Baum am Bach.

Es tost und tobt, als hab’ die Hölle
die Teufelsbrut zur Erd’ gesandt,
damit sie alles hier entstelle,
was lieblich blüht auf grünem Land.

Doch endlich ist der Spuk zu Ende!
Nun klart es auf; ein Regenbogen
sich wölbt, schenkt Farben dem Gelände,
denn Sonne strahlt, scheint uns gewogen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Wetterwendischer Mai

Es spielt der Mai hier wohl April,
zeigt sich mit Wetterkapriolen,
recht kühl und nass, mal stürmisch, schrill,
als habe wer ihm unverhohlen
das milde Antlitz frech gestohlen.

Zwar prangt in Grün der Bäume Kleid,
benetzt von frischem Frühlingsregen,
jedoch der Blüten helle Zeit,
sie scheint vorbei, denn auf den Wegen
liegt abgepflückt der zarte Segen.

Der Juni wird es neu jetzt richten,
wenn er auf frühen Sommers Spur
erneut die Wiesen ruft, zu dichten
ihr Blumenlied; als Frohnatur
küsst er auch wach die Sonnenuhr.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

März

Es dräut der Nebel dicht,
vom Grau besessen.
Der Farben Traum im Licht
von Hoffnung, Zuversicht,
er scheint vergessen.

Doch dort im Wiesengrün
blüh’n Krokus-Grüppchen,
bewahren mutig ihn,
hell, lila, gelb sie glüh’n,
recken die Köpfchen.

Und zärtlich knüpft ein Band
des Frühlings Weise,
schenkt so mit milder Hand
dem wintermüden Land
das Lächeln, leise.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing 

Frühlingsahnen

Ein müder Tag kriecht matt auf Fastnacht-Spuren;
schon auf dem Weg zur Asche scheint das Fest.
Noch einmal zieh’n in Kreisen die Auguren
und schreiten über winterkahle Fluren
zur Vogelschau, verkünden, was das Best‘.

Der Sturm, zerstörend vieles, was inmitten
der kleinen Stadt so oft Gefallen fand,
ward trotzig hingenommen und gelitten,
als er mit Regenschauern wild gestritten,
den Ausweg doch am Ende glimpflich fand.

Noch malt der Wolken Grau im feuchten Bilde
ein Aquarell so trüb im Interim hier aus,
doch Krokus farbenfroh schenkt dem Gefilde
dies zarte Leuchten, und der Lüfte Milde
verheißt die Hoffnung, dass bald Lenz zu Haus.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing, 5. 03.19

Erster Weihnachtsfeiertag

Es grüßt die Landschaft frühlingsgrün,
wirkt dennoch fast verstellt.
Am Hang die Nebel aufwärts zieh’n,
verschleiern hier die Welt.

Ich wünschte mir zur Weihnacht Schnee,
den Winter klar und kalt,
wenn Sonnenglanz aus Himmels Höh‘
aufglitzern lässt den Wald.

Statt dessen künden Sturm und Regen
uns an ein graues Bild.
Die Wetterwünsche, die wir hegen,
sie bleiben unerfüllt.

Mag es auch wild jetzt draußen dräuen,
zu Hause stört ’s uns nicht,
weil wir gesellig uns erfreuen
bei Punsch und Kerzenlicht.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Unwetter

Der Herbst zieht ein; mit Sturm und Regen
er kühl sein barsches Machtwort spricht.
Ein lang ersehnter nasser Segen,
der Wald und Fluren sollte hegen,
naht nun als stürmisch‘ Kampfgericht!

Da brechen Äste, stürzen Bäume
nach langer Trockenheit die Not,
die jetzt betrifft erneut auch Räume,
wo vormals viele Sommerträume
in Feuerbränden sind verloht.

Und im Gebirge Wolkenbrüche,
hoch in den Alpen fällt schon Schnee.
Es brodelt in der Wetterküche,
Gewitter, Blitze, Donnerflüche,
Orkane wüten an der See.

Der Mensch erlebt’s mit Unbehagen;
wer’s kann, der meidet Strand und Wald,
wo Sturm und Flut zu heftig plagen.
Doch Helfer stellen hoch den Kragen,
bekämpfen Schäden da alsbald.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Herbstvillanelle

Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
schon spiegelt sich der Herbst im blanken See,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Noch fährt der Wind hier durch die Wipfel leise,
und goldgelb glänzt, was vormals grün wie Klee,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Doch all zu bald reißt Sturm dort seine Schneise,
lässt Blätter wirbeln, tanzen leicht wie Schnee,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Die Kraniche beginnen ihre Reise,
sie ziehen südwärts nun in großer Höh‘,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Die Krähe krächzt und bleibt, so auch die Meise.
Im Walde kämpfen Böcke, Hirsch wie Reh,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Vergänglich alles Leben, das ich preise,
so sagt auch mir der Herbst einmal: „ Nun geh‘!“
Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.
Ach könnt ich zaubern, wäre gerne Fee!

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Unwetter

Das Wetter spielt verrückt, so will’s mir scheinen.
Die USA erstarrt in Kälte, Schnee
auf Palmen, wo Subtropen sich vereinen,
herrscht nun Polarluft aus des Nordens Höh‘.

Bei uns ist’s milder, dennoch Stürme toben.
So aufgewühlt zerstört das Meer den Strand,
und Regenmassen stürzen sich von oben
herab, die Flüsse überfluten Land.

Das Wasser, das die Straßen, Keller flutet,
als braune Brühe löscht die Ufer aus
und sorgt dafür, dass man sich rettend sputet,
Geborgenheit herrscht so nicht mehr zu Haus.

Da heißt’s Land unter, doch kein Schiff darf fahren,
im Hafen liegen dicht an dicht sie fest.
Es wächst die Sehnsucht nach dem sonnenklaren
und hellen Morgen, der sie ziehen lässt.

Die Hoffnung, dass die fahlen, nassen Tage,
das Hochwasser in Bälde sind vorbei,
damit wir, unversehrt von jener Plage,
dem neuen Jahr begegnen wieder frei.

© Ingrid Herta Drewing, 2018