Archive for the Category Traum

 
 

Traum

Rose, Dufti,2014

In meiner blauen Sehnsucht Kiste
bewahre ich schon lange einen Traum.
Ich schau ihn manchmal an, als müsste
er sanft erwachen; doch dann merk’ ich, kaum
will er sich zur Erfüllung regen,
halte ich schnell, fast scheu, mich wieder fern,
als müsse ich den Zauber hegen,
der ihn umgibt, wie einen fremden Stern.

Denn vieles, was so zart und leise
uns wartend glücklich werden lässt, vergeht,
wenn seine wundersame Weise
im grauen Licht des Alltags nicht besteht.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Seltsamer Traum

Nebel, gefangen,
verloren der Weg ins Tal.
Der Berggipfel fern.

Im Traum geborgen,
weilst du im alten Haus,
suchst Erinnerung.

Wilder Wein lodert.
Zwei schwarz befrackte Krähen
wie Wächter am Tor.

Die rote Sonne
rollt feurig den Berg hinab.
Wald, Wiese brennen.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Verirrt

Seltsam real ist’s oft, wovon wir träumen.
Wir sind an Orten, auch in fremdem Land;
auch wenn nur Name oder Bild bekannt,
entführt’s uns magisch dann in seine Räume.

So ging im Traum ich heut‘ in Köln spazieren,
zum Rosenmontagszug schnell hin gereist.
Die Narren durften durch die Stadt marschieren.
In Mainz lag wegen Sturm der Zug auf Eis.

Obwohl die Sonne schien, wollt‘ ich nach Haus,
und suchte nach dem Bahnhof, fand ihn nicht.
Kein Mensch, den ich gefragt, kannte sich aus,
bedauerte mit fröhlichem Gesicht.

Es kam mir vor wie eine Odyssee,
ich irrte lang umher in Straßen, Gassen,
sah Kostümierte in der Rheinallee,
sich munter tanzend an den Händen fassen.

Viel bunte Schiffe fuhren auf dem Rhein,
von fern sah ich den Dom mit seinen Türmen.
Smaragdgrün war der Fluss, wie konnt‘ das sein ?
Und dann begann’s zu regnen und zu stürmen.

Doch, kurz bevor Verzweiflung mich befiel,
verging der Traum, erleichtert wacht‘ ich auf.
Ich war zu Haus. Vorbei das irre Spiel!
Und heiter nahm der Tag dann seinen Lauf.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Elfennacht

Der Mond erweckt sanft, silberhell
zum Tanz die Glockenblumenwiese.
Aus jedem Glöckchen schlüpft nun schnell
ein Elfenkind, um bei der süßen
Musik der Maienmitternacht
zu singen und zu tanzen sacht.

Die Grillen streichen ihre Geigen,
die Nachtigall ihr Stimmchen schwingt,
und Elfen sammeln sich zum Reigen.
Am Bach geheimnisvoll es klingt.
Die Wassernixen murmeln dort
im Plätscherplausch manch Zauberwort.

Am Waldesrande in den Linden
erwacht ein Rauschen wunderbar.
Es gleitet zart auf milden Winden
heran das Elfenkönigspaar.
Als sie hinab zur Wiese schweben,
Grasharfen süß und leise beben.

Und nun im Mondstrahl, treu begleitet,
gefolgt von lichter Elfenschar,
das holde Paar zum Tanze schreitet,
ein Schimmern, Leuchten, sternenklar.
In Königsblau flugs die Libellen
das Schleppentragen lieb bestellen.

Das jubelt, jauchzet in den Lüften
in dieser Frühlingsnacht im Mai.
Ich lausche, trunken von den Düften,
schaue erstaunt, frag’ mich, was sei.
Noch als ich aus dem Traum erwacht’,
hört‘ ich ein Elfenkind, das lacht.

War all dies nur ein Vollmondscherz?
Doch wer brachte das Lindenherz,
das grün dort liegt auf meinem Kissen?
Ich möchte es so gerne wissen!

Das Lindenblatt, ich werd’ es pressen,
das Traumerlebnis nie vergessen.

© Ingrid Herta Drewing

Geträumt

Zur Nacht erwacht aus schönem Traum,
noch ganz im Banne der Geschichte,
in die er dich geführt, und kaum
möchtest du nun darauf verzichten.

Hast du dies doch so wahr erlebt!
Die Orte, lieber Menschen Sagen
erschautest du, ganz tief verwebt
in des Geschehens Wohlbehagen.

Doch dann spricht dein Bewusstsein dir
von den realen Wirklichkeiten,
und sanft schließt wieder sich die Tür,
zu Welten, die dem Tag entgleiten.

© Ingrid Herta Drewing, 2014